Ein großer Staatsmann geht

In diesen Tagen wird viel über Barack Obama berichtet. Was hat er erreicht, was nicht? Welche politischen Erfolge und Misserfolge gab es in seiner Amtszeit? Wie hat er Washington, die USA, die Welt geprägt? Sein Nachfolger ist so ganz anders. Donald Trump tritt selbstherrlich und selbstverliebt auf, „Me Me Me“ ist seine Aussage, so ganz anders als das „You You You“ von Barack Obama. Es gibt viele Kritikpunkte an dem scheidenden Präsidenten. Es gibt viele Kritiker, die froh sind, dass die Obama Ära endlich vorbei ist. Doch was ihn ausgemacht hat, sind Momente, wie dieser hier, als Barack Obama nach dem Blutbad in einer Kirche in Charleston, South Carolina, zur Gedenkfeier kommt, die Rede hält und dann „Amazing Grace“ anstimmt. Ein Lied, das heute eng mit der Bürgerrechtsbewegung in den USA verbunden ist. Es ist kein Kitsch und keine Show, vielmehr drückt diese Symbolik all das aus, für was Barack Obama angetreten ist und gewählt wurde:

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Trump kommt, Obama bleibt

Barack Obama hält seine Abschiedsrede und vielen in Amerika wird vor Augen geführt, was sie mit diesem Mann im Weißen Haus verlieren werden. Auch wenn man nicht mit all seinen politischen Entscheidungen überein gestimmt hat, Barack Obama hatte immer Klasse bewiesen, hatte Humor, reagierte nicht unüberlegt und vor allem zeigte er sich als Präsident. Nach seinen Abschiedsworten stand ich noch einem Radiosender Rede und Antwort:

Barack Obama tritt ab. Foto: Reuters.

Es endet wo es begann. Vor 8 Jahren schon stand Obama in Chicago und hielt eine Rede… damals zum Amtsantritt. Unglaublich wie schnell die Zeit verflogen ist, oder?

Das sagen an diesem Abend auch viele hier drüben in den USA. Denn Obama hat mit “Hope” und “Change” begonnen und in diesen Tagen, auch wenn viele ihn in diesen acht Jahren kritisiert haben, jetzt merken sie, was sie mit Barack Obama im Weißen Haus hatten. Viele hoffen, dass nach acht Jahren Obama nun nicht acht Jahre Trump anstehen.

Wie hat dir persönlich die Abschiedsrede gefallen?

Ich fand sie sehr gut, eine seiner besten Reden und ich habe mir in den letzten acht Jahren fast alle von ihm angesehen. Mir gefiel sie vor allem auch, weil Obama nicht einfach: “Sag‘ zum Abschied leise Servus” sang, er zeigte sich vielmehr kämpferisch, verwies auf das, was sich positiv verändert hat, forderte zu einer aktiven Demokratie auf und kritisierte auch die eigenen Leute, dass sie durch Nichtwählen Trump ermöglicht haben. Es war eine Rede mit vielen verdeckten Spitzen gegen den Nachfolger, aber eben auch eine Rede, die viel zwischen den Zeilen aussagte. Einfach toll!

Wie berichten die US-Medien darüber? Wie ist die Rede angekommen?

Also genauso wie man es erwarten konnte. Die einen loben ihn für seine Abschiedsrede, er habe all das gesagt, was er sagen mußte, auch um sich in Zukunft noch ins politische Leben einzubringen. Andere, wie eben der konservative Sender FOXNews meinten, Obama habe sein Versagen schön geredet und man sei froh, dass er nun endlich weg sei. Nun beginne mit Trump endlich ein neues Kapitel Amerikas.

Geht Obama neben all den Trump-Schlagzeilen nicht unter? Ist er überhaupt noch Thema?

Na, nach dieser Rede sicherlich schon. Seine Umfragewerte sind ja weit oben und er hätte Trump sicherlich schlagen können. Das hat er heute Abend auch gezeigt, diese Souveränität, diese Lockerheit, diese Art zu jedem einzelnen im Publikum zu sprechen. Das ist, was Obama ausgemacht hat und was viele Demokraten im Land schon jetzt schmerzlich vermissen, wenn sie nur an Trump, seine Tweets und sein Auftreten denken.

Wie verbringen die Obamas eigentlich jetzt noch die letzten Tage als Präsidentenfamilie? Weiss man das?

Die Obamas packen so langsam in Washington ein, es muss ja einen fliessenden Übergang von Adminstration zu Administration geben. Wobei die Obamas ja in Washington bleiben werden. Aber es gibt in den verbleibenden Tagen noch ein paar Abschiedsfeiern, ein paar Interviews sind noch geplant und es gibt im Stillen Vorbereitungen auf das Leben danach…und das wird sicherlich kein Rentnerdasein werden, wie Barack Obama und auch Michelle Obama in diesen Tagen deutlich gemacht haben.

Das nennt man parteiübergreifend

Donald Trump zeigt seit fast eineinhalb Jahren, wie man es nicht machen sollte. Der selbstverliebte Milliardär verprellt ganze Wählergruppen, reihenweise Parteimitglieder und vor allem hetzt er gegen den politischen Gegner, Hillary Clinton, mit einem unsäglichen Schmierentheater.

Beste Freundinnen - Laura Bush und Michelle Obama. Foto: Reuters.

Beste Freundinnen – Laura Bush und Michelle Obama. Foto: Reuters.

Dass das auch anders gehen kann zeigten nun die beiden First Ladies Laura Bush und Michelle Obama. Erneut trafen sie sich für eine Veranstaltung, diesmal in Washington, um über Militärfamilien zu sprechen. Das ist eigentlich ein überparteilicher Bereich, der mit dem „We support our troops“ beginnt, über die Unterstützung der Familien der eingesetzten Soldatinnen und Soldaten geht und bis hin zur Versorgung der Veteranen reicht. Dieser Grundsatz ist etwas, was ich in den USA sehr unterstützenswert finde, gerade in einer Demokratie. Wenn ein Parlament entscheidet, seine Armee in einen Kriegseinsatz zu schicken, dann sollten die eingesetzten Soldatinnen und Soldaten auch die Unterstützung und die Ausrüstung erhalten, die sie benötigen. Eine Diskussion über den Sinn und vor allem Unsinn eines Krieges darf nicht auf dem Rücken einer Truppe im Einsatz geführt werden. Natürlich ist dieses „We support our troops“ auch hier oftmals ein hohler Wunsch, aber die Grundaussage stimmt.

Aber zurück zu Laura Bush und Michelle Obama. Beide mögen sich, betonten das auch mehrfach in der Veranstaltung in Washington. „I like this woman“, meinte Michelle Obama über ihre Vorgängerin im Weißen Haus. Und auch Laura Bush erklärte, die beiden seien gute Freunde. Interessanterweise redeten sie nicht über Politik, obwohl dieses Treffen dann doch politisch war. Laura Bush traf sich in der Hauptstadt mit keinem republikanischen Abgeordneten, Senator und schon gar nicht mit einem Vertreter des Trump-Lagers. Auf die Frage eines Reporters, ob sie für Trump stimmen wird, antwortete sie, „Don’t ask me that“. Eine deutliche Aussage.

Und Michelle Obama führte auf der Bühne aus, dass ein „Commander in Chief“ besonnen über jegliche militärische Auseinandersetzung entscheiden muss. „Denn, wenn man Zeit auf einer Militärbasis verbringt und die Männer und Frauen und ihre Familien kennenlernt, dann spricht man nicht mehr über einen Krieg ohne Folgen. Es ist ein ernstes Geschäft und Leben werden für immer verändert. Ich hoffe also, dass jeder Oberbefehlshaber, der die Ehre hat zu dienen, das verstehen würde, dass es hier um Menschenleben geht und dadurch Familien betroffen sind“, so Michelle Obama. Eine klare Harke gegen Trump, der im Wahlkampf schon etliche neue Kriegsfronten eröffnet hat.

Laura Bush und Michelle Obama mögen sich also. Nächste Woche treffen sich die beiden mit ihren Männern an ihrer Seite schon wieder. Dann steht die Eröffnung des „Smithsonian’s National Museum of African American History and Culture“ an. George W. Bush hatte seinerzeit dafür die Baupläne abgenickt.

 

 

(K)ein verrückter Demagoge für die USA

Ich bin wahrlich kein Fan von Hillary Clinton. Irgendwie wurde ich nie richtig warm mit ihr. Und das liegt noch nicht einmal an den Skandalen und Skandälchen, die die Clintons so hinter sich herziehen. Ich mag nicht ihre Art, ihren Ton, ihr Auftreten. Und dann hat sie oft genug ihr Fähnchen nach dem populistischen Wind ausgerichtet, auch nicht gerade etwas, was ich schätze.

Hillary Clinton steht sicherlich nicht für einen Neuanfang, sie wird sicherlich nicht das Land einen können, dafür ist sie zu sehr die Hassfigur weiter Teile der Republikaner und der Konservativen. Mit ihrer Präsidentschaft würde die Blockadehaltung der Republikaner im Kongress und Senat weitergehen, das Schmierentheater von FOXNews fortgeführt werden. Den USA ständen mit einer Präsidentin Hillary Clinton schwierige Zeiten bevor.

Doch dann schaue ich mir die Alternative an und die ist alles andere als überzeugend. Ein Milliardär, der einen Angstwahlkampf führt. Der anscheinend morgens aufwacht, in der Hoffnung, irgendwo sei wieder eine Bombe hochgegangen, habe ein Amokläufer ein Blutbad angerichtet, um diese grausamen Taten für seine Kampagne zu nutzen. Ein „Business Man“, der sich bislang wenig um Arbeitnehmerrechte kümmerte und nun lauthals erklärt, er würde Jobs schaffen, dabei gleichzeitig ankündigt, den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn außer Kraft zu setzen. Ein Xenophob, der zwar erklärt, er mache Geschäfte mit allen, aber die Grenzen der USA schließen will. Ein Mann, der seinen Wahlkampf über twitter mit 140 Zeichen führt. Mit Schlagzeilen und verbalen Tiefschlägen will er ins Weiße Haus einziehen.

Für mich hat Barack Obama in seiner gestrigen Rede auf dem Parteitag der Demokraten die aktuelle Situation genauestens und treffend beschrieben. Hillary Clinton ist sicherlich für viele nicht die Wunschkandidatin, doch Donald Trump ist keine Alternative dazu. Er setzt alles daran, die Grundfeste der USA zu vernichten. Auch wenn vieles in diesem Land nur Glanz und Schein ist, der Reichtum der USA liegt in der Vielseitigkeit, in der Offenheit, in der Akzeptanz des Andersseins. Amerika ist sicherlich nicht das gelobte Land, aber es darf nicht zum Königreich eines gefährlichen Demagogen werden.

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Die blutigen Hände des Friedensnobelpreisträgers

Barack Obama wurde mit dem Versprechen ins Oval Office gewählt, zwei Kriege zu beenden. Die militärischen Einsätze seines Vorgängers George W. Bush in Afghanistan und im Irak waren ein Erbe, das seine Präsidentschaft überschatten sollte. Doch Obama wollte kein Kriegspräsident sein, er wollte als Heils- und Friedensbringer in die Geschichte eingehen. Im ersten Jahr seiner Amtszeit wurde er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, im letzten Jahr im „White House“ wird nun deutlich, dass er die Kriege nicht beendet und schon gar nicht gewonnen hat. Obama hat nur das Schlachtfeld verschoben. Vor allem weg aus dem Bewußtsein der Amerikaner.

Eine Drohne im Einsatz. Ort und Datum unbekannt. Foto: Reuters.

Eine Drohne im Einsatz. Ort und Datum unbekannt. Foto: Reuters.

In einem lange vom Weißen Haus geforderten Bericht steht nun, dass der siebenjährige Drohnenkrieg der Obama-Administration zwischen 64 und 116 zivile Opfer gefordert hat, und das in keinen „Kriegszonen“, also nicht in Afghanistan, nicht im Irak, nicht in Syrien. Vielmehr wurden die Opfer nur in Ländern wie Pakistan, Jemen, Somalia, Libyen gezählt. Was allerdings in dem Bericht des Weißen Hauses fehlt, sind genaue Angaben über Ort und Datum des jeweiligen Drohneneinsatz. Insgesamt, so heißt es, habe es 473 Drohnenangriffe des CIA und des US-Militärs gegeben, bei denen zwischen 2372 und 2581 fremde „Kämpfer“ getötet wurden.

Allerdings liegen die zivilen Opferzahlen weit unter denen, die unabhängige Beobachtergruppen des Obamaschen Drohnenkrieges zusammen gestellt haben. Die „New America Foundation“ und das „Long War Journal“ berichten von mindestens 219 bzw. 212 zivilen Opfern. Das „Bureau of Investigative Journalism“ spricht sogar von mindestens 325 getöteten Zivilisten. Schwierig ist, all diese Zahlen richtig einzuordnen. Auf der einen Seite die Regierung, die die Angaben des „Collateral Damage“ niedrig halten will und die Untergrenze bei lediglich 64 Zivilisten ansetzt. Militär und CIA geben dabei nach einem Einsatz ohne jegliche Kontrolle die Berichte zu zivilen Opfern und Schaden ab. Eine unabhängige Prüfung dieser Zahlen gibt es nicht, auch ist der Zugang zum zentralen Drohnen-Abschusszentrum im nordafrikanischen Dschibuti Journalisten verwehrt.

Die Gruppen, die den Drohnenkrieg von Präsident Obama dokumentieren, stützen sich auf Aussagen von Zeugen, auf lokale Medienberichte aus den Einsatzorten. Auch diese „Zählung“ weist Fehler auf, wie die unterschiedlichen Opferangaben zeigen. Klar ist nur, dass Barack Obama in seiner Amtszeit, wie die Washington Post schreibt, die „größte und gezielteste Tötungskampagne in der amerikanischen Geschichte“ angeordnet hat. Vielleicht sollte das Nobelkomitee in Oslo in Zukunft ersteinmal die Taten abwarten und nicht so sehr auf die Versprechungen eines Politikers achten.

In der Hand der NRA

Nun beginnt sie wieder, die Diskussion über den Einfluss der NRA, der „National Rifle Association“ auf die amerikanische Politik. 49 Tote, Dutzende von zum Teil Schwerverletzten und ein toter Täter lassen für die einen erneut die Hoffnung aufkommen, dass sich doch endlich etwas ändern muss. Für die anderen ist der Terrorakt von Orlando ein erneuter Grund, sich weiter zu bewaffnen, mehr Munition zu horten, denn Obama und bald vielleicht Hillary wollen alle Waffen verbieten, so ihre Annahme.

Amerika wird auch aus diesem Blutbad nichts lernen. Nein, das ist eigentlich falsch, lernen wird man, dass auch die Schießerei mit den bislang höchsten Opferzahlen keine Veränderungen bringen wird. Nichts und niemand kann daran rütteln, auch keine Toten. Zu viele in den USA glauben an ihr vermeintliches Grundrecht auf Waffenbesitz, was sie in der Verfassung verankert sehen. Jegliche Einschränkung widerspreche diesem Grundrecht. Und das ist ein fataler Irrtum, denn in den USA gibt es schon heute Hunderte von Waffengesetzen. „The right to keep and bear arms“ bedeutet nicht, dass jeder Amerikaner sich nach freien Stücken bewaffnen kann, wie er will. Niemand hat in den USA das Recht sich Maschinengewehre oder Raketenwerfer zuzulegen, vollautomatische Knarren sind genauso verboten wie Munition, die als „Cop Killer“ bekannt wurden. Und diese Regeln wurden auch vom Verfassungsgericht bestätigt. Amerika hat also Waffengesetze, warum nicht mehr, warum nicht schärfere, das fragt man sich nach solchen Anschlägen wie in Orlando immer wieder.

Möglich wären Gesetze, die den Verkauf, den Besitz und die Nutzung von Waffen strenger regelten. Doch das ist nicht möglich. Der amerikanischde Kongress ist in der festen Hand oder in der Tasche der Waffenlobby, NRA. Die fördern und finanzieren Kandidaten, die auf ihrer Wellenlänge liegen, und das seit Jahren, wie eine nun veröffentlichte Auflistung der Washington Post zeigt. Hier kann man genau sehen, welcher Abgeordneter seit 1998 direkte Gelder von der „National Rifle Association“ erhielt. So lange es diese enge und diese breite Verbindung zwischen der Waffenlobby und den Politikern in Washington gibt, wird sich nichts in den USA ändern. Anders ausgedrückt: „The train has left the station“.

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Amerika nach dem Blutbad von Orlando

Die Ermittlungen laufen nach dem Blutbad von Orlando auf Hochtouren. Foto: Reuters.

Die Ermittlungen laufen nach dem Blutbad von Orlando auf Hochtouren. Foto: Reuters.

Gibt es neue Erkenntnisse über den 29jährigen Täter Omar Mateen?

Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand scheint es sich um die Tat eines Einzelkämpfers zu handeln, der, wie Präsident Barack Obama am Montag erklärte, über das Internet radikalisiert wurde. Die Ermittlungsbehörden gehen zur Zeit weit über 100 Spuren nach, die von Florida bis in die afghanische Hauptstadt Kabul reichen. Von dort stammt die Familie des 29jährigen Täters Omar Mateen. Derzeit liegen keine Hinweise darauf vor, dass eine ausländische Terrororganisation den Anschlag geplant hatte oder, dass es direkte oder indirekte Verbindungen zwischen Mateen und dem Islamischen Staat gab. Mateen hatte ja während des Anrufs bei der Notrufnummer 911 davon gesprochen, dass er für den IS kämpfe. Und die Terrororganisation erklärte über twitter, dass Omar Mateen ein “Soldat des Kalifats” sei.

Und das Motiv? Weiss man da mehr?

Das FBI und weitere Ermittlungsbehörden suchen derzeit fieberhaft nach ergänzenden Spuren. Auch, ob es doch noch irgendwo Hintermänner, ob es Helfer gab. Zum Beispiel weiß man, dass die Schußwaffen, die Omar Mateen bei sich hatte vor wenigen Tagen gekauft wurden. Im Wagen des Attentäters fanden die Polizisten jedoch eine weitere Schußwaffe, woher die stammt ist noch unklar. Es gibt derzeit wohl etliche Durchsuchungsbefehle, aber es ist wohl noch zu früh genauere Ermittlungsergebnisse bekannt zu geben.

Wie beeinflusst der Anschlag die Stimmung in den USA?

Der Anschlag war ja nicht einfach ein Terrorangriff auf ein symbolisches Ziel, wie das Pentagon oder die Golden Gate Bridge. In Orlando wurde Amerika im Herzen getroffen. An einem Abend, an dem in einem Tanzclub eine “Latin Night” gefeiert wurde, griff ein bewaffneter Extremist an, tötete 49 Menschen und verletzte Dutzende weitere, davon schweben einige noch in Lebensgefahr. Und der Attentäter wurde nicht in einem Terrorcamp im Irak oder Afghanistan ausgebildet, er war Amerikaner, wurde hier geboren, ging hier zur Schule, wuchs hier auf. Dieser Anschlag führt den Amerikanern ganz deutlich vor Augen, dass es überall und zu jeder Zeit passieren kann. Am Sonntag gab es überall in den USA Solidaritätsveranstaltungen, wo Tausende von Menschen zusammen kamen. Und dennoch, die Spaltung Amerikas wird durch diesen Anschlag auch deutlich.

Donald Trump instrumentalisiert die Bluttat für seinen Wahlkampf. Schafft er es mit seiner Hass-Stimmung zu punkten?

Das Lachhafte ist derzeit, dass sich Donald Trump als Beschützer der Gay-Szene hinstellt. Am Montag erklärte er in einer Rede, dass mit ihm als Präsident so etwas wie in Orlando nicht passieren würde. Er beschuldigte Präsident Obama sogar erneut, ein Muslim zu sein, der deshalb, nach Trumps Aussagen, nichts gegen radikale Islamisten unternehme. Also Obama verfolge bewusst die Absicht Amerika zu schaden. Trump polarisiert in diesem Wahlkampf, das ist nichts neues. Seine Fans, nennen wir seine Wähler ruhig so, finden das gut. Sie finden, endlich ist da einer, der Volkes Stimme spricht. Aber, das muß man ganz deutlich sagen, Donald Trump spricht nicht für das amerikanische Volk. In der eigenen Partei rücken immer mehr Leute von ihm ab, gerade auch durch solche erneuten Forderungen nach einem Einreiseverbot für Muslime. Am Ende könnte das Hillary Clinton nützen, sie wird nicht geliebt, aber sie ist für viele die bessere Alternative als zu dem Egomanen Donald Trump.

Es war nur eine Frage der Zeit

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Wieder ist es passiert. Eine Schießerei in den USA. 50 Tote, 53 Verletzte, ein Täter, der legal Waffen kaufte, um seine tödliche Mission zu erfüllen. Es ist zu leicht in diesem Land an Waffen zu kommen.

Jemand, der Homosexuelle hasst, aus welchem Grund auch immer, würde nie auf die Idee kommen, alleine in einen „Gay“-Club zu gehen, um dort ein paar Schwule und Lesben zu verkloppen. Er hätte keine Chance. Nein, der Täter fühlt sich stark, weil er durch seine Bewaffnung ein Ungleichgewicht schafft, um so das zu erreichen, was er erreichen will: ein Blutbad anrichten. Und das heißt ganz und gar nicht, dass ich dafür bin, dass jeder auf der Straße in Wild-West-Manier mit einer Knarre durch die Gegend laufen sollte, um sich bei einem Angriff „verteidigen“ zu können. Der Ruf nach dieser Art der Selbstverteidigung ist schlichtweg schwachsinnig.

Was nach so einer Tat immer besonders wirkt, ist, wie schnell die Opfer politisiert werden. Eigentlich müsste die amerikanische Gesellschaft zusammenrücken und erkennen, dass irgendwas nicht stimmt. Die USA sind das einzige Land der Welt, in dem eine Massenschießerei nach der anderen, ein Amoklauf nach dem anderen geschieht. Es ist hier nie die Frage ob, sondern wann es wieder passieren wird. Donald Trump erklärte via twitter, es müsse etwas passieren, er habe ja davor gewarnt. Was er im Schnellschuss meinte war, allen Muslimen die Einreise vorerst zu verbieten. Übersehen hat Trump dabei, dass der Täter in den USA geboren wurde, ein amerikanischer Staatsbürger war. Trump warf, wie viele andere Republikaner am Sonntag, Barack Obama Führungsschwäche vor. Führungsschwäche deshalb, weil Obama nicht grundsätzlich vom „radikalen Islamismus“ sprechen will. Nicht jeder Muslim ist für Obama ein gefährlicher Fanatiker. Das wird ihm von Trump und Konsorten angekreidet, so, als ob unter Präsident Trump ein Blutbad, wie das in Orlando nicht mehr passieren würde.

Die Tat in der Nacht zum Sonntag war die mit der höchsten Opferzahl in der Geschichte der USA. 50 Tote, 53 Verletzte. Und schon jetzt kann man mit Sicherheit sagen, dass sich auch danach nichts an den Waffengesetzen in den USA ändern wird. Weder ein Amoklauf an einer High School, noch an einer Universität, in einer Grundschule, in einem Kino, in einer Kirche haben bislang zu Verschärfungen geführt. Warum also sollten ausgerechnet tödliche Schüsse in einem „Gay“-Club zu einer Reform eines vermeintlichen Grundrechtes führen? Keine Chance! Die Zeit tickt bereits bis zum nächsten Mal.

 

Obama ist mal wieder an allem schuld

Präsident Obama in Havanna. Foto Reuters.

Präsident Obama in Havanna. Foto Reuters.

Havanna, Brüssel, Obama. In Kuba der Schulterschluss mit den Kommunisten, in Brüssel die Attentate der Terroristen und an allem ist Barack Obama schuld. So zumindest die einhellige Meinung der republikanischen Präsidentschaftsanwärter. Na immerhin sind sie sich in einem einig. Donald Trump twittert, Raul Castro hätte keinen Respekt vor Obama, die Terroranschläge in Brüssel gingen auch auf Baracks Mütze, denn der amerikanische Präsident überzeuge nur durch eine lasche Haltung gegenüber radikalen Islamisten. Ted Cruz meinte, der Besuch sei ein Schlag ins Gesicht für alle Exil-Kubaner, die vor der Diktatur auf der Karibikinsel geflohen seien. Und John Kasich erklärte, er als Präsident hätte sofort seine Reise unterbrochen, um aus dem Oval Office die europäischen Partner und Freunde anzurufen.

Präsident Bush in Peking.

Präsident Bush in Peking.

Obama macht irgendwie alles falsch. Selbst ein Foto von ihm in Havanna vor einem Wandbild von Che Guevara sorgt für Aufregung. Konservative erbosten sich über den Präsidenten, der sich vor diesem Bildnis ablichten ließe, er stehe stramm, meinten einige auf twitter. Verschwiegen wird dabei gerne, dass auch republikanische Präsidenten gerne zum politischen Feind reisten und sich dabei vor Wandgemälden fotografieren ließen.

Egal, wie sich Obama dreht und wendet, was er sagt und nicht sagt, es wird ihm falsch ausgelegt. Im letzten Jahr seiner Amtszeit, in den Hochzeiten des Wahlkampfes wird jedoch deutlich, für was Obama wirklich steht; für die Diplomatie der Worte. Er sucht lieber den Dialog, als gleich locker und ohne was zu sagen aus der Hüfte zu schießen. Trump und Cruz umschreiben ihre Ideen für die amerikanische Außenpolitik gerne mit militärischen Mitteln. Flächenbombardements seien eine eindeutige Sprache, so Trump und Cruz. International ausgehandelte Verträge und Abkommen seien das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Von daher würde in einer Trump- oder Cruz-Administration so einiges am ersten Tag in den Schredder wandern.

In den letzten Monaten von Barack Obama als Präsident der USA wird einem bewußt, dass diese Amtszeit gar nicht mal so schlecht war, wie sie oftmals dargestellt wird. Und man erkennt in dem Gekreische der republikanischen Kandidaten, was Obama hätte erreichen können, wenn er die politische Unterstützung in Washington gehabt hätte. „Hope“ und „Change“ wären durchaus möglich gewesen, zumindest ein klein bißchen. Doch das „Yes, we can“ wurde dann doch nur zu einem „Yes, we could have“.

Die Toten wollen Hillary nicht

Wann es damit anfing, weiß keiner mehr so genau. Amerikaner hinterlassen ihren Angehörigen ganz konkrete Anweisungen, was im Falle ihres Ablebens zu tun ist. Das reicht bis zur Ausformulierung der Traueranzeige. Auffallend ist in letzter Zeit, dass die Verstorbenen oftmals noch einen ganz konkreten letzten Wunsch haben. Da steht dann, „An Stelle von Blumen, wählen Sie bitte nicht für Hillary Clinton.“

Keine Liebe von den Sterbenden für Hillary Clinton. Foto: Reuters.

Keine Liebe von den Sterbenden für Hillary Clinton. Foto: Reuters.

Auch Stimmabgaben für oder gegen andere Politiker gibt es, aber die Toten haben sich vor allem auf Hillary festgelegt. Nun kann man darüber rätseln, ob Sterbende mehr wissen, als wir Lebenden, aber das lasse ich jetzt einfach mal unbeantwortet. Die Nachrufe mit politischer Kampfansage sind im ganzen Land verbreitet. Meist sind sie freundlich gehalten, wie im obigen Fall des Kaliforniers Arnold P. Mininger, der im November verstarb. Im Nekrolog von Michael Klein aus Michigan hingegen steht: „Eigensinnig (bitte wählen Sie nicht für Hillary!), direkt, manchmal auch etwas mürrisch“. Und dann ist da die Traueranzeige von Karl Kmentt aus Ohio, der sein frühes Ableben nur aus einem Grund bedauert: „Sein größter Kummer war, NICHT die Möglichkeit gehabt zu haben, gegen Hillary Clinton in der nächsten Präsidentenwahl zu stimmen“.

Solche Anzeigen häufen sich, sind jedoch nicht ganz neu. 2009 verstarb im Alter von 99 Jahren Sara Francis Buckner in Tallahassee, Florida. In ihrem Nachruf stand, dass sie keine Feministin gewesen sei und dann, „eine der größten politischen Enttäuschungen für Sara Francis war, dass ihr im vergangenen Jahr die Möglichkeit genommen wurde, gegen Hillary Clinton als Präsidentin zu wählen“. Man kann sicher sein, dass Buckner keine Obama-Anhängerin war und dem politischen Jungspund die Chance der Gegenstimme mehr als übel nahm.

Wie die verschiedenen politischen Lager zu diesen Wahlaufrufen aus dem Jenseits stehen, ist nicht bekannt. Ich glaube, wir heften diesen Blogeintrag einfach unter „Seltsames aus dem Land der Unbegrenzten Möglichkeiten“ ab.