Es ist Krieg und keiner blickt durch

Präsident Barack Obama mit seinen Beratern vor seiner Stellungnahme zum militärischen Eingreifen im Irak.

Präsident Barack Obama am Donnerstagabend mit seinen Beratern vor seiner Stellungnahme zum militärischen Eingreifen im Irak.

Amerikanische Bomben fallen wieder im Irak. US Kampfflugzeuge sind im Einsatz. Im persischen Golf ist die „USS George H.W. Bush“ stationiert. Präsident Barack Obama machte in seiner Rede am Donnerstagabend klar, dass er „es nicht zulassen wird, dass die Vereinigten Staaten in einen weiteren Krieg im Irak gezogen werden.“ Und weiter stellte er fest: „Auch wenn wir die Iraker in diesem Kampf gegen die Terroristen unterstützen, amerikanische Kampftruppen werden nicht wieder im Irak kämpfen.“ Eine gewagte Aussage, die eher auf der Hoffnung, als auf der Realität basiert.

Seit Monaten schon bat die irakische Regierung um Unterstützung aus Washington. Doch Obama wartete ab. Nun ist der Kongress in der Sommerpause und ein fadenscheiniges Argument verhilft ihm zum schnellen Handeln. Ohne die Genehmigung der Abgeordneten läßt er die Bomber starten, ein riskantes politisches Manöver. Allerdings, wenn alles gut geht, kann er sich noch zu einem späteren Zeitpunkt das Abnicken der Parlamentarier holen. Die republikanische Mehrheit im Kongress wirft Obama sowieso vor, außenpolitisch eine Nullnummer zu sein. Jetzt zeigt er Stärke, das wird wohl gut ankommen. Gerade auch, weil die Republikaner mit ihren damaligen Präsidenten George H.W. Bush und George W. Bush den ganzen Schlamassel im Irak angerichtet haben den Obama vom ersten Tag an seiner Amtsübernahme ausbaden mußte. Die heutige Situation ist das Ergebnis einer totalen Fehlplanung von Obamas Vorgänger.

Der Präsident erklärte in seiner Stellungnahme zu den Angriffen, dass es um die Sicherheit amerikanischer Soldaten in der kurdischen Stadt Irbil im Norden des Iraks gehe, denn die Extremisten des „Islamischen Staates“ (IS) greifen dort an. Er, Obama, habe die Pflicht, US Militärs im Einsatz zu schützen. Bislang hat das irakische Militär auf weiter Flur versagt, den Vormarsch der Dschihadisten zu verhindern, obwohl sie jahrelang von den USA geschult und ausgebildet wurden. Interessanterweise spielen Obamas Bombenwürfe nun dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in die Hände, denn mit einer Schwächung des „Islamischen Staates“ wird der syrische Machthaber gestärkt. Egal, wie man die Situation auch betrachtet, viele Gewinner wird es nicht geben.

Was Barack Obama und seinen Strategen im Pentagon derzeit etwas Kopfschmerzen bereitet, ist die Tatsache, dass die Extremisten im Besitz amerikanischer Waffentechnologie sind. Sie hatten bei ihrem Vormarsch mehrere irakische Kasernen und Stützpunkte eingenommen und wichtige und vor allem treffsichere Arsenale vorgefunden, so etwa Raketen, mit denen durchaus amerikanische Kampfjets vom Himmel geholt werden können. Was also, wenn genau dieser Fall eintrifft, wenn die Islamisten einen Kampfjet abschiessen und den Piloten gefangen nehmen würden? Was, wenn sie Videos von seiner anschließenden Folter, von seiner Enthauptung für alle Welt sichtbar ins Internet stellen würden? Die militärische Eskalation würde nicht lange auf sich warten lassen.

Am Tag eins des erneuten Eingreifens der USA im Irak ist noch alles offen. Der „begrenzte“ Einsatz, wie es Obama gerne will, die humanitäre Hilfe für die Jesiden in der abgeschiedenen Bergregion, könnte ein außenpolitischer Sieg für den Präsidenten werden. Stärke zeigen und gleichzeitig die Führungsrolle der USA betonen. Doch es könnte auch anders ausgehen, darüber will jedoch ersteinmal niemand reden.

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