Der Bär ist los

Es kommt ja nicht so oft vor, dass Deutsche für einen Grammy nominiert werden. Und dann auch gleich noch für zwei, also das ist schon einen Blogeintrag wert. Bear Family Records hat seine Zentrale in einem kleinen Dorf nördlich von Bremen. Und von dort aus wurde in den letzten 36 Jahren die amerikanische Country und Folk Musik quasi eigenhändig gerettet. Als viele US Plattenfirmen vor allem auf neue Künstler setzten, fing Oberbär Richard Weize damit an, die Archive der amerikanischen Labels zu durchstöbern, um an die Originalbänder von Musiker und Gruppen zu gelangen, die in den 30er, 40er, 50er und 60er Jahren ihre Musik aufnahmen. Mit Liebe zum Detail wurden dann diese „Recordings“ neu veröffentlicht.

Heute zählt Bear-Family Records zu den wichtigsten Plattenfirmen weltweit, die sich auf Wiederveröffentlichungen spezialisiert  haben. Und nicht nur das, die Musiker selbst sehen es als Auszeichnung an, im Bear Family Katalog zu erscheinen. Die riesigen Vinyl- und CD Boxen des Labels findet man in guten Sammlerplattenläden zwischen Los Angeles und Tokio…Hier in San Francisco gehe ich bei Amoeba Records immer mit einem Lächeln am Country/Folk Regal vorbei: „Die habe ich auch“.

Im Mai hatten wir in der NZ eine der außergewöhnlichen Bear-Family CD Boxen vorgestellt: „The Bristol Sessions – The Big Bang of Country Music“. Eine Songsammlung, die den Urknall der amerikanischen Country Musik mit Künstlern wie der Carter Family oder Jimmy Rodgers beschreibt. Die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1927, liegen hier aber in bester Qualität vor. Ein beeindruckendes historisches Musikdokument, begleitet von einem umfangreichen Buch.

Und genau diese Box wurde nun gleich für zwei Grammys nominiert. Einmal in der Kategore „Bestes Historisches Album“ und einmal für „Beste Liner Notes“. Eigentlich halte ich nicht viel von der Grammy Verleihung, denn immer wieder werden in den Hauptkategorien nur die selben Verdächtigen mit ihrem Bla-Bla-Bla Geschunkele ausgezeichnet. Allerdings hat die „Recording Industry“, die die Grammys verleiht, in der Vergangenheit immer wieder in diesen von der Masse weniger beachteten Nebenkategorien das richtige Ohr bewiesen. Die Nominierungen für „The Bristol Sessions“ ist dafür ein weiteres Beispiel. Gratulation nach Holste-Oldendorf und ich werde am 12. Februar die Daumen drücken. Die Verleihung findet im Staples Center von Los Angeles statt.

Und hier kann man den Sound von Bear Family hören, im eigenen „Bear-Family Radio„.