Let’s Make American Radio Great Again

Bear Family Records, das Independent Plattenlabel aus Holste-Oldendorf, hat es mal wieder geschafft. Ich sitze da und grinse wie ein Honigkuchenpferd vor mich hin. Beschwingliche Musik klingt aus dem CD Player, mein rechter Fuss wippt im Takt mit. „At the Louisiana Hayride tonight“ heißt diese 20 Cds umfassende Box, die nicht nur ein wunderbares Kapitel der amerikanischen Radiogeschichte dokumentiert, sondern auch fantastische Musik präsentiert.

Von 1948 bis in 1960er Jahre sendete KWKH aus Shreveport, Louisiana, eine wöchentliche Live-Radiosendung am Samstagabend. Es waren nicht die Topentertainer ihrer Zeit, wie sie die „Grand Old Opry“ in Nashville anzog. Der „Louisiana Hayride“ brachte vielmehr die kommenden Stars, darunter Johnny Cash, Hank Williams, The Stanley Brothers, Johnny Horton, Carl Perkins, Hank Snow, Jim Reeves, George Jones und nicht zu vergessen Elvis Presley und viele, viele mehr. Die Musik wurde als „Folk“ und „Hillbilly“ bezeichnet, das Genre „Country“ war noch nicht bekannt.

Die Aufnahmen auf diesen 20 Cds sind mitreißend, unterhaltsam, voller Energie. Sie stammen aus der Hochzeit des Live-Radios, als aus einem Auditorium in Shreveport die „United States of America“ via CBS beschallt wurden. Samstagabend für Samstagabend wurde der klassische amerikanische Sound vor einem Live-Publikum über den Äther geschickt. Moderationen, kleine Showeinlagen und Witze, kurze Interviews mit neuen Musikern (darunter auch Elvis Presley) beleben diese „Recordings“. Viele der Songs sind bekannt, manche werden wiederentdeckt, viele hört man zum ersten Mal.

Amerika präsentiert sich hier als heile Welt, Shreveport war damals eine boomende Metropole. Es ist auch eine weiße Welt. In dem umfangreichen Begleitbuch zur Geschichte des „Louisiana Hayride“ findet man kein schwarzes Gesicht. Nicht auf der Bühne und nicht im Publikum. Es waren andere Zeiten. Und doch klingt hier das weite Land Amerikas durch, der kulturelle „Melting Pot“, denn viele der musikalischen Einflüsse, gerade aus dem schwarzen Gospel und dem „Rhythm & Blues“, hielten Einzug in den Folk und Country und in die Musik von Elvis Presley.

Seit Stunden sitze ich nun hier und höre die Aufnahmen von „At the Louisiana Hayride tonight“. Ich kann nicht sagen, welcher Song, welcher Künstler mir am besten gefällt. Es ist das Gesamtbild, was hier wirkt. Musiker wie Johnny Cash und Elvis Presley neben für mich ganz unbekannten Künstlern. Das Live, ungefiltert, ungeschönt. Der Sound manchmal dünn und doch ist es so ein breites, klangvolles Hörereignis. Geschichte trifft auf Kultur, Old Time Country auf die Fragen von heute. Und beim Abspielen all dieser Cds denke ich mir, wie schade es ist, dass es diese Art des Live-Radios nicht mehr gibt. Diese Offenheit und Direktheit ging schon lange verloren. Viel zu viel ist heute streng formatiert, kommt aus der Konserve, ist geglättet und begradigt und mit Effekten überzogen worden. Bear Family Records hat hier erneut eine wunderbare Box vorgelegt, die einfach nur begeistert. Die deutlich macht, wie schön das Zuhören sein kann.

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Was Amerika wirklich „great“ macht

Donald Trump faselt da im Wahlkampf von einem Amerika, das es so nie gegeben hat und auch nie geben wird. „Make America great again“ spricht gerade jene „weißen“ Amerikaner in diesen Wochen und Monaten an, die irgendwie das Gefühl haben, benachteiligt worden zu sein. Die Frage ist, benachteiligt von was? Warum all der Ärger, die Wut, das Gefühl etwas Besseres zu sein?

Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Vielmehr will ich über ein deutsches Plattenlabel schreiben, das seit Jahren die wirklich großartigen Seiten dieses riesigen Landes präsentiert und mich immer wieder aufs Neue begeistert. Seit über 40 Jahren unterstützt und veröffentlicht Bear Family Records aus Holste-Oldendorf die Arbeit von Musikbegeisterten, Wissenschaftlern, Musikethnologen, Sammlern, die sich durch die Archive der USA kramen, immer auf der Suche nach den Songs und Aufnahmen von Musikerinnen und Musikern, Bands und Themenbereichen, die bislang keiner gehört hat oder die als verschollen galten.

Hervorragend kommt dies in der Sessions-Triologie zur Geltung: „The Bristol Sessions – 1927 – 1928: The Big Bang Of Country Music“, „The Johnson City Sessions – 1928 – 1929: Can You Sing Or Play Old-Time Music“ und zuletzt „The Knoxville Sessions – 1929 – 1930“. In diesen drei umfangreichen Boxsets werden nicht nur die Anfänge der Country- und Folk-Musik in Ton und Begleitbüchern vorgestellt, dem interessierten und vor allem offenen Hörer werden auch die frühen Jahre der kommerziellen Plattenindustrie nahegebracht. Es ist ein Eintauchen in eine ganz andere Epoche, als die großen Plattenfirmen aus New York und Chicago auszogen und mit mobilen Aufnahmestudios in den südlichen und südwestlichen Bundesstaaten auf klangliche Entdeckungsreise gingen.

Sie nahmen auf, was sie finden konnten und Bear Family Records präsentiert diese Aufnahmen weit über 80 Jahre später erneut. Es ist ein Blick zurück, ein Ohr voll von Klängen aus einer ganz anderen Zeit. Und ja, man braucht auch Zeit, um sich durch diese gewaltige Songsammlung und die Begleitbücher zu arbeiten. Doch es steht ja die verregnete und die kalte Jahreszeit an, ideal, um auf diese musikalische Reise zu gehen. Es lohnt sich auf alle Fälle, um ein wirklich großartiges, kulturell und geschichtlich wertvolles Stück Amerika kennenzulernen. Solche Platten zeigen, was die USA ausmachte und, ja, auch zu dem machte, was sie heute sind. Ein nach wie vor beeindruckendes Land mit all seinen Vorzügen, Problemen und Schwierigkeiten.

Goodnight Saigon

Vor 40 Jahren, am 30. April 1975, endete mit der Einnahme Saigons der Vietnamkrieg. 20 Jahre lang war das Land in Südostasien Spielball im Kalten Krieg. Vietnam veränderte die westlichen Gesellschaften. Die 68er Protestbewegungen wären ohne die Eskalation im Dschungel von Vietnam kaum denkbar gewesen. Hunderttausende gingen in Washington, Berlin, Paris und anderen Städten auf die Straßen. Der Krieg spaltete und provozierte und schuf eine unvergleichliche, politisierte Heimatfront.

Nach der Niederlage Amerikas, wurden die heimkehrenden Soldaten als Kindermörder beschimpft. Viele von ihnen vielen durch das soziale Netz. Irgendwie wollte man schnell einen Schlußstrich unter diese militärische Schmach ziehen und das ganze vergessen. Doch ohne Erfolg. Patriotische Filme wie „Rambo“ oder „Missing in Action“ versuchten daheim, die Niederlage in einen Sieg umzumünzen. Noch heute, 40 Jahre nach Kriegsende, laufen regelmäßig Dokumentationen über den Einsatz in Vietnam. Kürzlich sah ich einen beeindruckenden Film über das Massaker von My Lai, in dem viele Soldaten, die damals vor Ort waren, berichteten. Vietnam ist noch immer eine offene Wunde im amerikanischen Selbstverständnis.

"...Next Stop is Vietnam", eine weitere beeindruckende CD-Box von Bear Family Records.

„…Next Stop is Vietnam“ von Bear Family Records.

Eine beeindruckende Sammlung, wie die Zeit damals klang, hat Bear Family Records zusammengetragen. Auf 13 CDs kann man die Musik, Rock- und Folksongs, Propagandalieder und Anti-Kriegs Hymnen hören. Dazu Propaganda-Durchsagen, Frontberichterstattungen und mitgeschnittene nordvietnamesische Hörfunktexte gelesen von Jane Fonda und Hanoi Hannah. In jahrelanger Recherchearbeit hat das deutsche Label hier eine umfangreiche und umfassende Anthologie dieses Krieges veröffentlicht. Ein grandioses Meisterwerk, für das man sich sehr viel Zeit nehmen sollte.

…Next Stop is Vietnam“ ist eine unvergleichliche Musiksammlung, die Musikfans und Historiker gleichermaßen faszinieren wird. All die Tracks zeigen, wie gespalten damals die USA waren…und wie sie es auch noch immer sind. Es ist eine Box, die einfach nur hervorragend ist, auch wenn ich als erklärter Bear Family Records Fan vielleicht voreingenommen bin. Aber so viel ich weiß, gibt es kein auch nur annähernd so komplettes Klangbild wie dieses hier. „…Next Stop is Vietnam“ ist ein Zeitdokument. Die Box kommt mit einem 300 Seiten umfassenden Buch mit vielen Fotos, Informationen und Hintergrundberichten. 40 Jahre nach Kriegsende ist alles noch so nah und lebendig wie damals. Eine zeitlose und klangvolle Reise in eines der wichtigsten Kapitel der jüngsten amerikanischen Geschichte. Einfach nur genial!

Grammy Nominierung für deutsche Produktion

Die Grammys sind eigentlich für die Tonne. Eine Auszeichnung, die immer an die gleichen Verdächtigen aus dem Pop und Rock Geschäft ausgegeben wird. Damit feiert sich die Musikindustrie jedes Jahr aufs Neue selbst. Nach dem Motto, wer viel verkauft, muss auch gut sein, dafür gibt es dann auch noch einen Grammy. Es geht nicht um Innovation, um musikalische Impulse, um die Bedeutung eines Albums oder einer Band, nein, es geht vielmehr um die perfekte Anpassung ans glitzernde Showgeschäft.

Das einzigartige Monumentalwerk "Black Europe" ist für einen Grammy nominiert worden.

Das einzigartige Monumentalwerk „Black Europe“, veröffentlicht auf Bear Family Records, ist für einen Grammy nominiert worden.

Umso verwunderlicher ist es, dass in einigen Unterkategorien wirklich gute Veröffentlichungen nominiert werden. Ich kann es mir nur so erklären, dass da andere Leute auswählen und entscheiden. Musikliebhaber, Sammler, Kenner. In der Kategorie „Historical Album“ wurde nun auch die sagenhafte und einzigartige Box „Black Europe“ nominiert, die auf dem deutschen Label „Bear Family Records“ veröffentlicht wurde und an der auch Rainer Lotz, einer der wohl bedeutendsten deutschen Musikhistoriker maßgeblich mitgearbeitet hat. Ein Monumentalwerk der Extraklasse, an dem jahrelang gearbeitet wurde. Archive und Sammlungen in aller Herren Länder und auf allen Kontinenten wurden durchstöbert auf der Suche nach Aufnahmen schwarzer Künstler im Europa vor 1927.

Und sie haben mehr gefunden als sie erwarten konnten. Auf 48 CDs ist ein umfassendes und beeindruckendes Klangbild des frühen 20. Jahrhunderts entstanden. Neben den Vorläufern der Popmusik kann man hier Aufnahmen von schwarzen Kriegsgefangenen des ersten Weltkrieges hören. „Black Europe“ ist eine einzigartige Geschichtsbox, angereichert mit zwei umfangreichen Büchern, die die Zeit, die Musik, die Umstände erklären, in denen diese Aufnahmen entstanden. Es ist kein Werk, das man einfach so mal nebenbei anhört. Es erfordert Mühe, Zeit und vor allem Interesse des Hörers, sich durch diesen unglaublichen Berg an Aufnahmen und Informationen zu graben. Es ist eine besondere Schatzsuche. Hier kann man auf musikalischer Wurzelsuche gehen.

„Black Europe“ ist ein Liebhaberwerk, das dem Plattenlabel und den daran arbeitenden Musikhistorikern wenig finanziell einbringen wird, denn die Auflage ist gering, der Preis für diese Riesenbox sehr hoch. Und doch, sie mußte erscheinen, genau so, wie sie da steht. „Black Europe“ setzt neue Maßstäbe für geschichtliche Veröffentlichungen. Diese Box hat einen Grammy mehr als verdient. Es wäre auf der internationalen Bühne eine Anerkennung für ein Lebenswerk.

Die Heimat ist weit, doch wir sind bereit

Vor kurzem hat bereits Bear Family Records eine umfassende Box mit Liedern aus dem Spanischen Bürgerkrieg veröffentlicht. Ein Monumentalwerk, für das man Zeit, Ruhe und Raum braucht. Aufnahmen, die knistern, die knastern, die voller Geschichte sind. Für 173 Euro nicht gerade billig, aber der Preis für diese 7CD, 1 DVD und ein umfassendes Begleitbuch sind durchaus berechtigt. Ein Liebhaberstück, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

"Songs of the Spanish Civil War" erschienen bei Smithsonian Folkways Records.

„Songs of the Spanish Civil War“, neu erschienen bei Smithsonian Folkways Records.

Nun hat Smithsonian Folkways eine alte Platte neu aufgelegt. „Songs of the Spanish Civil War“, im Original bereits in den 1960er Jahren erschienen. Die CD umfasst 24 Lieder, darunter Songs der amerikanischen Lincoln Brigade, Lieder von Ernst Busch und Woody Guthrie. Kampflieder voller Wehmut, Hoffnung, Siegeswillen. Folkways hat hier wieder tief im reichen Archiv gegraben und eine Perle herausgebracht, die durchaus auch aus deutscher Sicht beachtet werden sollte. Ernst Busch singt hier auf Deutsch, er gehörte zweifellos zu den bekanntesten Musikern, die in den Spanischen Bürgerkrieg zogen. Er unterhielt die anti-faschistischen Kämpfer aus aller Welt mit seinen kraftvoll vorgetragenen Liedern. „Die Heimat ist weit, doch wir sind bereit“, sang Busch. Daneben auch das Lied der  Moorsoldaten oder „Peat Bog Soldiers“ (unten zu hören), das bereits 1933 im Konzentrationslager Börgermoor geschrieben worden war. Ernst Busch sang dieses Lied in Spanien, die internationalen Brigaden nahmen es mit in ihre Heimatländer. Die Moorsoldaten wurde eines der wichtigsten und weit verbreitetsten Anti-Faschismus Lieder des 20. Jahrhunderts.

„Songs of the Spanish Civil War“ ist eine beeindruckende Liedersammlung, angereichert durch ein umfangreiches Booklet. Man kann die CD oder den Download direkt beim Label bestellen.

Moorsoldaten oder „Peat Bog Soldiers“:

Spanien im Herzen – España en el corazon

Spanien im Herzen - Lieder des Spanischen Bürgerkrieges.

Spanien im Herzen – Lieder des Spanischen Bürgerkrieges.

Musik ist eine universelle Sprache. Man muß nicht unbedingt die Texte, die Sprache der Komponisten und Sänger verstehen. Musik spricht Gefühle an, drückt Emotionen aus. Hoffnung, Trauer, Wut, Freude, Liebe, Enttäuschung läßt sich klanglich umsetzen. Die CD Box „Spanien im Herzen“ beinhaltet all das und noch viel mehr. Hier hört man Lieder des Spanischen Bürgerkrieges zwischen 1936 und 1939. Die noch junge spanische Republik kämpfte gegen den Franco Faschismus. Auf beiden Seiten der Fronten waren Deutsche im Einsatz. Hier die Internationalen Brigaden, dort die Legion Condor.

Der spanische Bürgerkrieg wurde künstlerisch in vielerlei Hinsicht thematisiert und aufgearbeitet. Und noch immer, fast 80 Jahre nach Ausbruch dieser „ersten Schlacht des Zweiten Weltkrieges“, faszinieren Bilder, Skulpturen, Erzählungen, Lieder. Ja, ihre Bedeutung und ihre Tiefe werden immer wieder aufs neue entdeckt. Picassos Gemälde „Guernica“ oder Ernest Hemingways Roman „Wem die Stunde schlägt“, dazu die Aufnahmen von Pete Seeger und Ernst Busch sind nur einige Beispiele.

35.000 bis 40.000 Freiwillige aus 53 Ländern zog es nach Spanien. Kommunisten, Sozialisten, Gewerkschaftler, Linke, die gegen den Faschismus ins Feld ziehen wollten. Darunter zahlreiche Künstler und Kulturschaffende, die aktiv zur Waffe griffen oder sich als Berichterstatter einsetzten. Auf den blutigen Schlachtfeldern entstand Jahrhundertkunst, die auch heute noch lebendig ist. Der „Mythos Spanien“ wurde erzeugt, „zu dem sich Linksdenkende in aller Welt bis heute bekennen – auch mit dem Wissen, dass es sich hier am Ende um Kunst einer Niederlage handelt“, schreibt Jürgen Schebera in seinem Vorwort zu dieser umfassenden CD Box „Spanien im Herzen – Lieder des Spanischen Bürgerkrieges“, die nun bei Bear Family Records erschienen ist.

Auf 7 CDs kann man die Kampflieder von damals hören, die teils noch auf Schellackplatten aufgenommen wurden. Manchens knistert und knastert, doch das verleiht dem Zuhörer nur noch mehr das Gefühl, diesen Zeitsprung zu gehen. Die Mitglieder der Internationalen Brigaden haben diese Songs in alle Welt verbreitet. Hier findet man 120 Spanienlieder, teils sind sie bekannt, wie das von mir geliebte „Moorsoldatenlied“. Aber vieles ist unbekannt, vor allem die Lieder der republikanischen Armee. Es ist eine einzigartige Klangreise in ein Geschichtskapitel, dass im Rückblick auf das 20. Jahrhundert in Europa zu oft nur am Rande beachtet wird. Begleitet wird die Liedersammlung von einem umfangreichen und dreisprachigen Buch, in dem jedes Lied beschrieben, Zusammenhänge und Hintergründe erklärt werden. Dazu gibt es reichlich Bildmaterial, Fotografien und Plakate. Die DVD mit der Dokumentation „300 Juden gegen Franco“ vollendet diese einzigartige Box.

Bear Family Records hat hier erneut ein historisches Meisterstück veröffentlicht. Im schnelllebigen Musikgeschäft zwischen digitalem Download, One-Hit-Wonders und sogenannten Talentshows läßt einen diese CD Sammlung in ihrer Größe lächeln. Es geht also doch noch. Man hört zu, man hört hin, man beschäftigt sich mit der Musik, mit der Geschichte, mit den Umständen, die zu diesen Liedern geführt haben. Eine wunderbare CD-Box, höchst empfehlenswert für all jene, die mehr wollen, als nur von Musik beschallt und abgelenkt zu werden, für all jene, die Musik als universelle Sprache erkennen.

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Das amerikanische Jahrhundert zum Hören

Troubadours - Folk And The Roots Of American Music

Troubadours – Folk And The Roots Of American Music

Die amerikanische Folk Music wird seit rund einhundert Jahren aufgezeichnet. Gitarre, Banjo, Mundharmonika, Gesang. Ganz schlicht, ganz einfach, doch umso ausdrucksstärker. Da wird nicht geschnörkelt, da wird nicht viel Zeit mit Solos verloren, da wird gesungen, um eine Botschaft zu vermitteln. Folk Music war die Grundlage für vieles, was wir heute hören. Einige Namen stechen heraus, wie Woody Guthrie, Pete Seeger, Bob Dylan oder Joan Baez. Doch es gibt viel mehr Stimmen zu entdecken.

Bear Family Records liefert mit der vierteiligen CD Serie „Troubadours – Folk and the Roots of American Music“ eine umfassende Sammlung. Viermal drei CDs. Folk Music zum Eintauchen. Geschichten aus dem amerikanischen Jahrhundert. Vom Gewerkschaftskampf, der Wirtschaftskrise, den Kriegen und der Bürgerrechtsbewegung. Folk Music hat sich eingemischt, war zum hochpolitisch, hat Standpunkte bezogen, hat einen Soundtrack für das Leben am Rande des „American Dream“ geliefert.

Diese CD Reihe ist eine fantastische Liedersammlung aus teils bekannten und noch mehr unbekannten Songs und Künstlern. Es ist eine Dokumentation, die zum Einmischen, zum Hinsehen, zum Nachlesen auffordert. „Which side are you on“ zum Beispiel, ein Lied aus dem Jahr 1941, gesungen von den Almanac Singers. Dahinter steckten  Millard Lampell, Lee Hays, Pete Seeger und Woody Guthrie. Nur zwei Jahre lang existierte diese Formation, doch sie war Teil einer durchaus bedeutenden Anti-Rassismus, Anti-Kriegs und Pro-Gewerkschafts Bewegung in den USA. Im Rückblick auf die 40er Jahre wird das leider allzuoft übersehen. Amerika war (und ist) nicht nur Kriegsmaschinerie.

Die vierteilige Serie „Troubadours – Folk and the Roots of American Music“ auf insgesamt 12 CDs, begleitet von umfangreichen Booklets fordert den Hörer richtiggehend dazu auf, sich mit diesem Teil der amerikanischen Geschichte zu befassen. Und es lohnt sich in vielerlei Hinsicht. Es ist eine etwas andere Lehrstunde, es sind diese Geschichten, die mich persönlich anziehen, begeistern. Manches rauscht, manches knistert, das macht gar nichts aus, ganz im Gegenteil, es bringt einem der Musik nur näher. Hier hört man die Wurzeln, hier kann man verfolgen, welche Einflüsse die frühen Pioniere, wie die Carter Family, auf die nächste und die übernächste Generation hatten.

Amerika, Deine Musik. „Troubadours – Folk and the Roots of American Music“ ist ein wunderbares Geschichtsalbum zum Hören.

Grammy für die Tonne

Eigentlich ist die Grammy Veranstaltung so überflüssig wie eine neue U2 Platte. Und doch, die würde wahrscheinlich auch wieder mit einem Grammy ausgezeichnet werden. Wer da in der Jury dieser hohen amerikanischen Musikauszeichnung sitzt, hat entweder nicht viel Ahnung von Musik oder läßt sich von Verkaufszahlen, Werbung, Radio Charts und sündhaft teuren Videoproduktionen blenden. Krasses Urteil, aber so sehe ich das. Denn in der Regel werden immer wieder die gleichen Verdächtigen geehrt, die entweder schon lange nichts mehr mit Innovation und Einfluß auf die Musikszene zu tun haben oder einfach eine geklonte Version eines anderen „Stars“ sind.

Einzige Ausnahme waren bislang so Randkategorien wie „historisches“ Album. Da wurden hervorragende Platten und CDs ausgezeichnet, deren geschichtlichen Wert man erkannte. In diesem Jahr war eine CD Box des deutschen Labels „Bear Family Records“ nominiert, die für mich als der sichere Sieger ins Rennen ging: The Bristol Sessions, 1927-1928: The Big Bang Of Country Music (die NZ berichtete). Ein einmaliges, mit viel Aufwand und Herzblut zusammengestelltes Meisterwerk, dass den Ursprung der Country Musik dokumentierte. Johnny Cash bezeichnete einst diese Sessions als „wichtigsten Moment in der Geschichte der Country Music“. Und dieses Album zeigt nicht nur die Wurzeln der Country Musik, sondern eigentlich den gesamten Beginn der populären Musik. Ohne die Pionierarbeit von Musikern wie der Carter Family oder Jimmy Rodgers wäre wohl vieles anders verlaufen.

Bear Family Records hatte im letzten Jahr nach jahrelanger Archivarbeit mit einigen Partnern in den USA diese „Bristol Sessions“ veröffentlicht, die als Urknall der Country Musik gelten. Eine wichtige Dokumentation, eine einzigartige Box, eine Sammlung zeitlos guter Musik. Und die fiel durch. Stattdessen wurde Paul McCartney mit der Neuauflage und der Deluxe Version von „Band On The Run“ ausgezeichnet. Klar, auch das ein tolles Album, aber….

Na ja, Paul McCartney war ja auch in LA zur Verleihung und spielte live auf, da mußte er ja auch einen Grammy bekommen. Abgekartetes Spielchen, anders kann man das doch nicht sehen. Ist doch wahr!!!

Bear Family Radio – ein Hörgenuß

Im ganzen Sumpf der Online Radios findet man selten einen Sender, der einen mitreißt. Zuviele Radiomacher sind Selbstdarsteller und denken, mit einem Mikro und ein paar CDs kann man locker eine Radiosendung bestücken. Leider nein! Radiomachen muß auch gelernt sein und ist Arbeit. Das ist einfach so. Es geht um das Gefühl für die Musik, um einen Fluss in der Anreihung der Songs, um Struktur und auch um eine gute Vorbereitung. Leider zu oft hört man Endlosmonologe eines Möchtegern-Moderators, der erst überlegt, was er sagen will, wenn er den Regler für das Mikrofon nach oben zieht: „Aeh….das war jetzt ein… geiler Song…aehm, von wem war der noch mal?“. Die Naturtalente vor dem Mikro sind genauso selten wie die kleinen Beckenbauers in der C-Jugend, die einfach das Gefühl für den Ball haben und bei denen man schon früh weiß, dass sie das Zeug für eine große Karriere mit bringen.

Doch nun startet ein neues Online Radio, das man sich einfach anhören muß und nebenbei laufen lassen kann, ohne genervt das Weite zu suchen. Das legendäre Plattenlabel Bear Family Records mit seinen unendlichen Schätzen an Aufnahmen aus Country, Folk, Rockabilly, R&B, Doo Wop, Rock’n Roll und deutschem Schlager tritt an, um mitreißende Musik zu präsentieren. Bear Family Records hat viel dafür getan, dass unzählige von Musikern und Bands nicht einfach verschwanden, vergessen wurden, ihre Songs umsonst aufnahmen. Das Label aus einem kleinen Dorf nördlich von Bremen ist eines der bedeutendsten Labels für die Bewahrung des Oldtime Countrys. Die CDs und Boxsets des Labels sind weltweit gefragt, denn anders als der Trend, setzt man hier auf Qualität, auf Originalbänder für Kopien und Hintergrundinformationen in den Booklets und beigelegten Büchern.

Nun also das eigene Online Radio. Bear Family Radio ist ein Hörgenuß. Empfehlenswert, einzigartig, wunderbar!!!

 

 

 

Die Bärenfamilie feiert

Bear Family RecordsDas deutsche Label Bear Family Records hat Kultstatus. Und das weltweit. Gerade in den USA werden die Boxsets des Indie-Labels aus dem kleinen Dorf Holste-Oldendorf, nördlich von Bremen, gefeiert. Mit viel Liebe zum Detail werden die Veröffentlichungen zusammen gestellt und mit vielen Informationen versehen. Musikliebhaber Richard Weize durchkramt seit nunmehr 35 Jahren die Archive von Plattenfirmen, seine Spezialität sind alte Country Aufnahmen. Doch Bear Family hat sich auch einen Namen mit alten Schlagern, Rockabilly und Folk gemacht. Und nicht zu vergessen „Recordings“, die ohne dieses Label wohl nie wieder das Licht der Welt gesehen oder das Ohr von interessierten Musikfans gefunden hätten. Darunter Boxsets über jüdische Aufnahmen aus den 30er Jahren oder aus der Zeit des Atomwettrüstens. Auch die Serie über amerikanische und britische Musiker, die sich auf Deutsch versuchen ist einmalig.

Zum 35. Geburtstag gab es nun ein Spotlight über dieses aussergewöhnliche und einzigartige Plattelabel auf KUSF San Francisco. Sehen Sie diese Show als Appetitmacher, bekommen Sie Hunger auf Musik, die Sie so nie im Radio hören…Old Time Country, alte Schlager und vieles mehr:

      Bear Family Part 1
      Bear Family Part 2