Braumeister des Westens

Meine Wurzeln liegen in Nürnberg und Dortmund. Seit 23 Jahren lebe ich nun in Kalifornien und überall, wohin ich hier in den USA fahre, da schaue, lese und höre ich mich interessiert um, ob ich irgendwo Spuren von deutschen Einwanderern, ganz besonders von jenen aus Nürnberg, Dortmund und auch noch aus Schlesien finden kann.

„Westfalia“ und „Export“ von Fort Point Brewery.

Da ist es schon etwas besonderes, wenn es nun eine Brauerei in San Francisco gibt, die „Nuremberg inspired Red Ale“ und „Dortmunder Style Lager“ braut. Beides Biere, die dazu auch noch richtig gut schmecken. In den USA tut sich sowieso etwas beim guten Gerstensaft. Im ganzen Land kann man Microbreweries finden, die teils gewagt, teils klassische Biere brauen. Die Zeiten, der wässrigen Gerstensäfte der Großbrauereien sind vorbei. Wer hier dennoch weiterhin „The King of Beers“, „The Champagne of Beers“ oder „Banquet Beer“ trinkt, die damit Werbung machen, dass sie nun endlich ihre Inhaltsstoffe veröffentlichen, kaum Kalorien haben oder mit (vor allem) Wasser der Rocky Mountains gebraut werden, der ist selbst schuld.

Die neue Brauergeneration in den USA, so scheint es, schaut dabei auch ganz gezielt nach Bierdeutschland. Und da kann es passieren, wie bei diesem „Red Ale“ von Fort Point, dass der Brauer einfach mal zufällig in der Altstadthofbrauerei in Nürnberg ein Rotbier trank, es ihm schmeckte und er es hier dann nachbraute. Der große Unterschied zwischen deutschem und amerikanischem Bier ist allerdings der Preis. Ein Sixpack von Fort Point kostet selbst beim amerikanischen Aldi-Ableger, Trader Joe’s, zehn Dollar. In einer Kneipe in San Francisco kann dann solch ein Pint (0,47 l) schon mal acht Dollar kosten. Aber zumindest schmeckt das Bier.

Von Bieramt zu Bieramt

In Nürnberg ist für mich ein Besuch im Bieramt, dem Wanderer am Tiergärtnertorplatz, zur Pflicht geworden. Gerade im Sommer ist dieses Heimkommen etwas ganz besonderes. Das gute fränkische Bier, gute Freunde und die einmalige Atmosphäre machen es für mich aus. So etwas gibt es einfach nicht in Amerika.

Nun habe ich in Oakland eine Bar gefunden, die zumindest in Sachen Bier „fast“ mithalten kann. Die „Beer Revolution“ an der Ecke Broadway und 3rd Street. Angeboten werden „Craft Beers“, 50 an der Zahl „on tap“, also aus dem Zapfhahn. Auch wenn das Pils schnell, viel zu schnell für meinen Geschmack ins Glas fließt, ein Besuch in dieser Bar lohnt sich. Man kann sich hier durch die Micro-Brewer Szene Nordkaliforniens trinken. Und diese Kleinbrauereien haben es in sich, können durchaus mithalten und definieren das amerikanische Bier ganz neu. Wer hier nach einem Bud, Miller oder Coors fragt, sollte lieber schnell zur Tür rennen. Hier versteht man in Sachen Bier keinen Spaß, Witzbiere, wie die gerade erwähnten, sind in der „Beer Revolution“ verpönt.

An der Wand hing dann auch ein Sack aus Bamberg, in dem „Organic Malt“ geliefert wurde. Die Brücke Bay Area-Franken existiert also sogar in Sachen Bier. Für Reisende, die es in die San Francisco Bay Area zieht, sollte Oakland auf dem Programm stehen. „Beer Revolution“ ist am Rande des Jack London Squares, gut erreichbar von San Francisco mit der Fähre. Meine neue Heimatstadt hat durchaus was zu bieten…sogar sehr gutes Bier.