„What a circus!“

Carly Fiorina unterstützt nun Ted Cruz, denn er sei der einzige verbliebene Kandidat, der Donald Trump stoppen kann. Ben Carson hingegen will nun Teil des „Küchen-Kabinettes“ von Donald Trump sein, ihn im Wahlkampf beraten und eventuell sogar in einer möglichen Trump-Administration eine Rolle übernehmen.

Carly Fiorina unterstützt nun Ted Cruz. Foto: Reuters.

Carly Fiorina unterstützt nun Ted Cruz. Foto: Reuters.

Der Milliardär selbst hat die Nase gestrichen voll von den Fernsehdebatten. Er will keine weiteren mehr, es sei genug auf die immer selben Fragen geantwortet worden. Damit will sich Trump auch schützen, denn immer deutlicher wird, dass er keine Antworten auf wichtige politische Fragen hat. „America will be great again“, „We will build a wall, a great wall, and the Mexicans pay it“, „I will rip up the Iran Deal“, „We will defeat the Islamic State“, Aussagen, die auf den Trump-Veranstaltungen bejubelt werden. Aber mal ehrlich, ein klarer Plan ist da nicht zu erkennen. Trump ist viel Getöne und wenig Substanz.

Das wurde auch gestern wieder in der Debatte deutlich, die letzte vor der großen Stimmabgabe am Dienstag. Da könnte sich einiges entscheiden. Es geht um Marco Rubio und John Kasich. Beide müssen ihre Bundesstaaten Florida und Ohio gewinnen, um überhaupt noch im Rennen zu bleiben. Wenn sich Trump auch dort durchsetzen sollte, wäre das das Ende für den Jung-Senator und den Gouverneur. Dann würde die Grand Old Party den Supergau erleben. Schon jetzt sprechen einige in den republikanischen Reihen ganz offen von einer Präsidentin Hillary Clinton. Nicht, weil sie die verhasste Hillary im Amt sehen möchten, sondern vielmehr um einen Neuaufbau und eine Neuausrichtung der Republikaner anzugehen. Vier Jahre Präsidentin Hillary Clinton sollten genug sein, so die Meinung der GOP-Insider, um die Partei wieder auf einen geeinten Kurs zu bringen.

Der amerikanische Witzwahlkampf

Trump gewinnt South Carolina, Bush steigt erwartungsgemäß aus und ist um 96 Millionen Dollar leichter. Gerade mal 80.000 Wählerinnen und Wähler nehmen an der Vorwahl der Demokraten in Nevada teil. Und wenn im Juni endlich im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Kalifornien abgestimmt wird, ist alles gelaufen.

Da waren es nur noch fünf. Foto: Reuters.

Da waren es nur noch fünf. Foto: Reuters.

Es ist schon ein seltsames Demokratieverständnis in den USA, dass in Iowa und New Hampshire der nächste Präsident vorbestimmt wird. Beide Bundesstaaten sind alles andere als repräsentativ, doch die Wahlentscheidung dort hat einige Kandidaten zu Fall gebracht. Am Ende bleiben jene übrig, die die größte Klappe oder das meiste Geld haben. Wir hier drüben in Kalifornien werden erst am 7. Juni abstimmen, dann stehen die Kandidaten der jeweiligen Partei schon fest.

In diesem Jahr ist vor allem auffällig, was sich da auf der republikanischen Seite tut. Donald Trump, der Besserwisser mit goldener Haartolle, dominiert mit Nichtaussagen den Wahlkampf. Auch in South Carolina gewinnt er deutlich und das sogar mit den Stimmen der Christlich-Konservativen im Land. Darauf hatte Ted Cruz gehofft, der nur dritter wurde. Marco Rubio, der immerhin die Unterstützung der Gouverneurin Nikki Haley hatte, kommt gerade so auf den zweiten Rang, dennoch zehn Prozentpunkte hinter Trump. Jeb Bush, abgeschlagen auf dem vierten Platz, erklärt daraufhin das Ende seiner Kandidatur.

Im Rennen geblieben ist noch John Kasich und Ben Carson. Bei letzterem fragt man sich, was er noch erreichen will. Seine Tage sind lang vorbei. Kasich hingegen ist der letzte verbliebene gemäßigte Republikaner. Er setzt alles auf Michigan und seinen Bundesstaat Ohio, wo am 8. und 15. März gewählt wird. Wenn er da nicht punkten kann, ist für ihn die Wahl gelaufen. Dann sind die Republikaner fest in der Hand von radikalen Stimmen. Denn sowohl Trump, wie auch Cruz, Rubio und Carson haben bereits angekündigt, im Falle eines Wahlsieges alle politischen Entscheidungen von Barack Obama rückgängig zu machen.

Am Super-Tuesday, am 1. März, wird in 14 Bundesstaaten gewählt. Danach wird das Feld noch einmal kleiner werden oder sich schon eine Entscheidung absehen lassen. Zumindest bei den Republikanern. Bei den Demokraten hingegen wird es so schnell nicht gehen. Bernie Sanders hat genügend Unterstützung und Geld in der Kasse, um seine Ideen und Forderungen bis zum Parteikonvent am 25. Juli in Philadelphia zu bringen. Er will eine politische Revolution, das heißt auch im Falle einer Niederlage, die Politik der Demokraten und damit Hillary Clintons zu beeinflussen. Gute Chancen hat er, denn Hillary Clinton wird auf Sanders‘ Hilfe bei der eigentlichen Wahl ums Weiße Haus angewiesen sein.

Die Republikaner können auch anders

Eine richtige Debatte ohne Donald Trump. Foto: Reuters.

Eine richtige Debatte ohne Donald Trump. Foto: Reuters.

Ich dachte schon; „Oh, Graus“. Eine republikanische Debatte ohne den Unterhaltungskönig Donald Trump. Das ist ja wie Stromberg ohne Stromberg. Aber so schlimm wurde es dann doch nicht. Die sieben verbliebenen Kandidaten – Ted Cruz, Marco Rubio, Jeb Bush, Ben Carson, Rand Paul, Chris Christie und John Kasich – lieferten doch tatsächlich so etwas wie eine politische Debatte. Es gab manchmal ein Hin und ein Her, es wurden Standpunkte verteidigt, erklärt, darum gestritten. Und sicherlich gab es auch Angriffe der Kandidaten, aber eben keine Verbaltiefschläge a lá Trump. Die Republikaner können also debattieren, wenn sie denn wollen und gelassen werden.

Der Donald, der eigentlich nicht auf der Bühne sein wollte, war dennoch da. Sein Name wurde mehrmals genannt, es drehte sich auch öfters mal um seine Sicht der Dinge. Und dann hatte Trump ja auch noch kurzerhand eine Konkurrenzveranstaltung aus dem Boden gestampft. Zeitgleich lief eine Benefiz-Veranstaltung für US Veteranen, auf der die Donald-Show so richtig ins Laufen kam. Trump als Gönner, der für die „Wounded Warriors“-Stiftung fünf Millionen Dollar einsammelte.

Schon vor der Debatte am Donnerstagabend und nach seiner Ankündigung nicht mit den anderen auf der Bühne stehen zu wollen, hatte er das Rampenlicht gesucht. Interview folgte auf Interview, zuletzt wenige Minuten vor seinem eigenen Auftritt für die Veteranen im Privatjet mit CNN. Der Nachrichtensender übertrug dann pikanterweise auch zeitgleich zur FOXNews Debatte die One-Man-Show des Multimilliardärs. Ich bin so langsam wirklich gespannt, wie die ersten Wahlen in Iowa und dann New Hampshire ausgehen werden. Danach wird sich das Feld deutlich verkleinern. Dann wird sich zeigen, ob sich eine vielleicht geeinte republikanische Partei noch gegen den Egozentriker Trump wehren kann.

So einfach ist das mit der Außenpolitik

Wenn einer eine Reise tut....dann kann er Präsident werden. Foto: AFP.

Wenn einer eine Reise tut….dann kann er Präsident werden. Foto: AFP.

Eigentlich wäre ich ja wie geschaffen für den Job als amerikanischer Präsident. Zumindest, wenn es nur um die „Außenpolitik“ ginge. Immerhin habe ich schon ein paar Länder außerhalb der USA bereist und zweitens auch schon Flüchtlingslager besucht. Eine gute Basis für „internationale Erfahrungen“. Damit liege ich im Feld der Möchtegernpräsidenten weit vorne. So zumindest muß man die jüngste Reise von Präsidentschaftskandidat Ben Carson einschätzen. Der Neurochirurg Carson, der in vielen Umfragen noch immer auf dem zweiten Platz im republikanischen Kandidatenkarussell liegt, ist nun überraschend nach Jordanien gereist, um dort zwei syrische Flüchtlingslager zu besuchen. Damit, so Vertraute Carsons, wolle sich der Kandidat außenpolitisch als interessiert und „erfahren“ darstellen. Denn immer wieder wurden die Stimmen laut, dass Ben Carson zwar ein netter Kerl, ein guter Konservativer sei, aber außenpolitisch sei er wohl in einer Zeit wie der unseren der falsche Mann. Unerfahren, ja, richtig blank auf dem internationalen Parkett. Sogar führende konservative Meinungsmacher, wie der Radio Talkshow Moderator Rush Limbaugh und der  FOXNews Kommentator Charles Krauthammer erklärten, Carson sei aus diesem Grund unwählbar. Die Anschläge in Paris hätten noch einmal gezeigt, dass man kein globales Greenhorn ins Oval Office setzen sollte.

Die Reise nach Jordanien ist nun also etwas für den Wahlkampf. Schaut her, ich kenne mich im Syrienkonflikt aus. Carson selbst meint dazu: „Ich finde, man bekommt einen stärkere Eindruck, wenn man die Dinge selbst sieht, als sie nur erzählt zu bekommen.“ Stimmt schon, lieber Ben, allerdings kann man als amerikanischer Präsident nicht überall hin reisen, um sich zu informieren. Da ist man auf die Beschreibungen und Berichte anderer angewiesen.  Aber egal, so kann man also mitreden in den USA, so kann man schließlich Präsident werden.

Daneben will Ben Carson auch noch die Evangelikalen im Land erreichen, denn sie sind in der Flüchtlingsfrage hin und her gerissen. Sie wollen helfen, doch wissen nicht genau wie. Nur den Christen aus Syrien, wie es einige fordern, oder allen, egal welcher Glaubensrichtung. Der Chor in den USA ist laut, der verlangt, man solle helfen, aber bitte keine Flüchtlinge ins Land holen. Ben Carson wird dazu sicherlich bald etwas sagen. Er ist ja dann Experte in Sachen Syrienkrise, Flüchtlinge, Vertreibung, Terrorgruppe ISIS.

Donald Trump, Goethe und die Geister

Donald Trump ist ein Phänomen. Der Immobilienmogul und Milliardär hat mit seiner NBC-Sendung „The Apprentice“ das „Reality TV“ in den USA aufgemischt, seine Worte „You’re fired“ sind in den amerikanischen Alltagssprachgebrauch eingegangen. Obwohl er der superreichen High Society angehört, gern gesehen ist auf den vielen Parties und Events im Big Apple, wird er doch von vielen als ein Unikum belächelt. Seine Haarpracht ist legendär. Der selbstverliebte Trump sagt, was er will. Trump nimmt keine Rücksicht auf niemanden, das ist seine Lebensleitlinie.

Donald Trump versaut den Republikanern den Wahlkampf. Foto: AFP.

Donald Trump versaut den Republikanern den Wahlkampf. Foto: AFP.

Wenn man sich die Äußerungen Trumps der vergangenen Jahre durchliest, dann wird einem schnell klar, dass der Donald regelmäßig mit rassistischen und sexistischen Kommentaren aufgefallen ist und auch vor Verschwörungstheorien nicht zurückschreckte. Trump lässt nicht erst als Kandidat ums Weiße Haus die Sau raus. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass der Präsidentschaftsaspirant auch nach Monaten im Rennen und nach Tiefschlägen gegen Mexikanern, Frauen, Flüchtlingen, internationalen Partern und Obama noch immer in Führung liegt. Keiner kann sagen, man habe von nichts gewußt.

Der Narzist Trump spielte und spielt mit offenen Karten. Und seine Partei, für die er kandidiert, schaut taten- und hilflos zu. Niemand distanziert sich klar und deutlich, keiner weist den Milliardär in seine Schranken. Weder führende republikanische Politiker im Kongress und Senat, noch Mitbewerber um die Kandidatur der Partei. Letztere erklären zwar hin und wieder, Trump hätte dies oder das nicht sagen sollen, um dann im gleichen Atemzug noch eins drauf zu setzen. Ben Carson reagierte auf die Äußerung Trumps, Moslems in den USA registrieren zu lassen, mit der Aussage, das setze ein „gefährliches Signal“. Doch Carson selbst meinte zuvor, ein Moslem als amerikanischer Präsident sei „undenkbar“. Auch verglich er Flüchtlinge mit „tollwütigen Hunden“. Und auch Jeb Bush meinte, der Vorschlag Trumps sei „abscheulich“, um kurz darauf zu erklären, die USA sollten nur „christliche Flüchtlinge“ aus Syrien aufnehmen.

Die Grand Old Party läßt Donald Trump weiter wüten. Er bestimmt die Themen im Wahlkampf, gibt Steilpässe für das gesamte GOP-Team, hinter denen die anderen Kandidaten nur her hecheln. Niemand stoppt den Donald, der sich von den Umfragewerten bestätigt fühlt. Ein Wahlkampf des Klamauks und der Provokation. Doch die Zeit läuft den Republikanern davon. Glaubten anfangs noch viele Parteioberen und Kommentatoren, Donald Trump wäre nur ein kurzzeitiges Gastspiel auf der Wahlkampfbühne vergönnt, der sieht sich nun eines besseren belehrt. Trump blieb im Rennen und versaut den Republikanern den sicher geglaubten Wahlsieg gegen Hillary. In ein paar Wochen, am 1. Februar, wird in Iowa gewählt, vier Wochen später haben bereits 16 Bundesstaaten ihre Stimmen für den republikanischen Kandidaten abgegeben. Trump hat mittlerweile gute Chancen der Kandidat der Partei zu werden, die ihn eigentlich gar nicht haben will. Und das alles nur, weil man zu lange seinem Polterkurs zugeschaut hat. Das erinnert schon sehr an die Geister aus Goethes „Zauberlehrling“, die man rief und nicht mehr los wurde.

Der Alltag hat mich zurück

Es hat sich ja so einiges getan in den letzten drei Wochen. Ich war am Horn von Afrika unterwegs, mein Fokus lag ganz woanders. Die amerikanische Politik, der amerikanische Wahlkampf lag für mich Welten entfernt. Selbst der Terrorangriff in Paris war nicht die große Meldung in Somaliland und Puntland. Hier ist man den Terror gewohnt, er wurde in den letzten 25 Jahren zum Teil des alltäglichen Lebens.

Er tönt noch immer und führt weiter in den Umfragen - Donald Trump. Foto: AFP.

Er tönt noch immer und führt weiter in den Umfragen – Donald Trump. Foto: AFP.

Nun bin ich also zurück in meinem Alltag und es scheint sich nicht viel verändert zu haben. Die republikanischen US Gouverneure weigern sich syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Sie argumentieren, mit den Flüchtlingen hole man sich Terroristen ins Land. Das kommt bekannten Worten gleich, alle illegalen mexikanischen Einwanderer seien Drogenhändler, Kriminelle, Vergewaltiger und Mörder. Auch die neueste Aussage des Donald, die Angriffe von Paris hätten nur passieren können, weil niemand in den Restaurants, in der Konzerthalle, vor dem Stadion bewaffnet war, um die Angreifer abzuknallen, ist nicht verwunderlich. Erstaunlich ist dennoch, dass Donald Trump immer noch die Führungsposition im republikanischen Kandidatenfeld einnimmt. In einer jüngsten Umfrage von FOXNews liegt der Milliardär in New Hampshire mit 27 Prozent weit vorne. Ben Carson hingegen ist abgestürzt. Auf Platz zwei nun Marco Rubio. Was soll man sagen, die amerikanische Politik spinnt noch immer.

In den USA herrscht Stillstand. Der Endloswahlkampf dominiert das Tagesgeschehen. Die Anschläge von Paris sind Wasser auf die Mühlen der Hardliner, die Präsident Obama Unfähigkeit und Tatenlosigkeit vorwerfen. Ein starkes US Militär, Einschränkungen der Bürgerrechte, eine striktere Immigrationspolitik werden gefordert. So, als ob das eine Lösung im Zeitalter des Terrors sei, der am 11. September 2001 seinen Ursprung hatte. Und nein, nicht die harte Haltung und Reaktion Präsident Bushs ist der Ausgangspunkt der neuen Zeitrechnung. Ausgelöst und eskaliert wurde die Situation durch die Angriffe radikaler, islamisch verblendeter Terroristen. Und nun wird ein neues Kapitel in der Endlosgeschichte geschrieben. Mit allem was dazu gehört. Unterhaltsam wird es nur durch die Clownaussagen eines Donald Trump und so manch anderer Zeitgenossen in den USA.

Nun sind sie richtig wichtig

Guck mal, Ben, da kommen unsere Bodyguards. Foto: AFP

Guck mal, Ben, da kommen unsere Bodyguards. Foto: AFP

Donald Trump und Ben Carson geben sich nun ganz präsidial. Beide bekommen ab sofort Personenschutz vom Secret Service und das auf Steuerzahlers Kosten. Vor einem Monat beantragten beide unabhängig voneinander die Sonderüberwachung, der Homeland Security Minister, Jeh Johnson, hat dem nun zugestimmt. Vorausgegangen war die Entscheidung eines Beraterstabs im Kongress, dem auch der Sprecher des Abgeordnetenhauses, des Senats und die Fraktionsvorsitzende der Demokraten im Kongress angehören. Sie stimmten für die Secret Service Überwachung.

Damit sind Trump und Carson die ersten im republikanischen Feld, die fortan von Secret Service Agenten begleitet werden und damit auch ihren Frontrunner Status unterstreichen. Beide sehen sich als wichtigste Kandidaten und nicht nur im Kreuzfeuer der Kritik, sondern auch im Fadenkreuz von potenziellen Attentätern. Seit den tödlichen Schüssen auf den demokratischen Präsidentschaftsanwärter Robert Kennedy im Jahr 1968, haben die nominierten Kandidaten ein Anrecht auf den Schutz der höchsten Personenschützer im Land. Seit 2008 und den Drohungen gegen den noch nicht gekrönten demokratischen Kandidaten Barack Obama, hat der Heimatschutzminister die Möglichkeit Schutzmaßnahmen für jeden im Rennen ums Weiße Haus anzuordnen.

Der Wahlkampf ist ein seltsames Geschäft

575 republikanische Wähler machen international Schlagzeilen. Nein, nicht mit ihrem Namen oder mit einer großartigen Protestaktion. Sie haben lediglich zu 26 Prozent in einer telefonischen Umfrage der New York Times und CBS News erklärt, sie würden für den Neurochirurgen Ben Carson stimmen. 22 Prozent von ihnen wollen für den Milliardär Donald Trump votieren. Die Fehlerquote bei dieser Umfrage liegt bei +/- sechs Prozent. Die anderen Kandidaten im Rennen lagen weit hinter diesem Duo mit einstelligen Ergebnissen.

Ben Carson hat gut lachen, er führt nun in einer der unzähligen Umfragen. Foto: AFP.

Ben Carson hat gut lachen, er führt nun in einer der unzähligen Umfragen. Foto: AFP.

Diese Umfrage wurde als Knüller behandelt, Trump fällt, Carson steigt, als überzeugter Republikaner kann man sich nur noch an den Kopf fassen. Denn die eigene Partei gleicht einem Spaßhaufen. Da liegen zwei Kandidaten vorne, die keinerlei Regierungserfahrung haben und schon gar keine Antworten auf drängende politische Fragen haben. Der eine ein arroganter, selbstüberschätzender Egomane, der andere ein stiller, erzkonservativer Chirurg, der mit solchen Sätzen wie „der Holocaust wäre wahrscheinlich nicht passiert, wenn die Juden bewaffnet gewesen wären“. Und weiter, „sie hätten sich selbst retten können, wenn sie Waffen gehabt und militärische Aktionen durchgeführt hätten.“ Die Waffenlobby, die National Rifle Association, jubelt über solche dummdreisten Sprüche.

Diese Kandidaten stehen also an vorderster Stelle in der republikanischen Partei. Eigentlich sollte man sich als Parteimitglied schämen, doch nichts dergleichen passiert. Auf dem konservativen Propagandasender FOXNews wird das breite Feld der Anwärter aufs Weiße Haus gefeiert. Man habe ja so viel Auswahl. Nur Hillary, Bernie und Obama bekommen auch weiterhin ihr Fett ab. Moderator Sean Hannity preist jeden der GOP-Kandidaten als „good American“ und als „Patrioten“. Wo soll das noch hinführen?

Egal, ob in den Umfragen nun 575 Wähler  für Carson und dann erst für Trump stimmten, keiner der beiden wird es am Ende schaffen. Das kann nicht sein, das darf nicht sein. Man stelle sich nur vor, wenn sich wirklich einer der beiden am Ende durchsetzen sollte. In deutschen Kommentaren wird immer wieder geschrieben, dass in Amerika alles möglich sei, sogar ein B-Klasse Schauspieler, wie Ronald Reagan, wurde schließlich zum Präsidenten gewählt. Übersehen wird dabei, dass Reagan Gouverneur des bevölkerungsreichsten Bundesstaates, Kalifornien, war. Und, dass der Iran ihn mit einem politischen Schachzug im Wahlkampf unterstützte, wenn nicht sogar ins Weiße Haus hievte. Denn die Geiselnahme von Teheran wurde erst nach dem Wahltag im November 1980 beendet. Präsident Jimmy Carter wurde Versagen vorgeworfen, Ronald Reagan hatte ein leichtes Spiel gewählt zu werden.

Reagan ist also kein gutes Beispiel für einen möglichen Präsidenten Trump oder Carson. Auch wenn Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist, alles ist dann doch nicht machbar. Ich hoffe es zumindest.

„We are doomed“

Donald Trump kämpft ohne Bandagen. Foto: Reuters.

Donald Trump kämpft ohne Bandagen. Foto: Reuters.

Die jüngsten Zahlen machen einen schon etwas nervös. Donald Trump führt mit 32 Prozent das republikanische Kandidatenfeld an. Hinter ihm, mit 22 Prozent, der Neurochirurg Ben Carson. Weit abgeschlagen sind Marco Rubio mit zehn Prozent und dann Jeb Bush mit nur noch sieben Prozent. Es ist ein Desaster für die Republikaner, denn derzeit wollen mehr als die Hälfte der Wähler einen politischen Außenseiter im Weißen Haus. Die bekannten Politköpfe sind nicht gefragt, haben ausgedient, kommen wenige Monate vor dem Beginn der Vorwahlen in Iowa an ihre Grenzen. Geldgeber wenden sich ab, die Themen, die sie ansprechen sind nicht gefragt, sie müssen mehr reagieren auf das, was Trump und Carson von sich geben, als ihre eigenen Visionen für die USA darzulegen. Auweia, Republikaner!

Auf der demokratischen Seite scheint das Rennen gelaufen zu sein. Hillary Clinton hat eine komfortable Führung in den Umfragen. Auch wenn Bernie Sanders immer mal wieder Achtungserfolge erzielt, er wird die „Grand Lady“ der Partei nicht stürzen können. Mit der Absage von Joe Biden gibt es innerparteilich keine ernstzunehmende Konkurrenz mehr für Hillary.

Also, könnte es zu einem Zweikampf Clinton gegen Trump kommen? Was ich vor einem halben Jahr noch als unmöglich gehalten habe, ist nun durchaus denkbar. Doch der Donald hat noch harte Monate vor sich. Ja, er liegt in den Umfragen klar vorne, doch bei zwei wichtigen Wählergruppen fällt er durch: Frauen und Hispanics. Sein großes Mundwerk hat ihn da in die Bredouille gebracht. Wenn er tatsächlich als Sieger aus den republikanischen Vorwahlen hevorgehen sollte, dann muß Donald Trump eine Kehrtwende machen, denn ohne die Stimmen der Hispanics im Land hat er am 8. November keine Chance. Bei den Frauen könnte Trump durchaus noch punkten, denn Hillary Clinton ist nicht gerade beliebt bei ihnen, warum auch immer.

Trump vs. Clinton wäre ein offener Schlagabtausch, in dem es vor allem um Tiefschläge gehen würde. Trump macht seit Wochen klar, dass sein Wahlkampf der schmutzigste aller Zeiten werden wird. Nichts und niemand ist vor ihm sicher. Eine Hillary Clinton wäre da keine Ausnahme. Doch Hillary ist erfahren genug, sie kann nicht nur einstecken, sie würde auch mit aller Konsequenz austeilen. Klar, es wäre ein mehr als unterhaltsamer, doch auch ein brutaler und folgenreicher Wahlkampf. Denn am Ende würde jemand ins Weiße Haus einziehen, dem oder der man nicht trauen kann.

 

Die Reise nach Jerusalem

Besser läßt sich das Kandidatenkarussell wohl nicht umschreiben. Es ist wie das beliebte Kindergeburtstagsspiel „Reise nach Jerusalem“. Da laufen sie im Kreis, mal langsamer, mal schneller und hoffen, einen Stuhl zu erwischen.

Jim Webb winkt schon mal zum Abschied. Foto: AFP.

Jim Webb winkt schon mal zum Abschied. Foto: AFP.

Der Demokrat Jim Webb steht nun ohne Sitzplatz da. Seine Kandidatur war sowieso ein „long shot“, wie man hier eine fast aussichtslose Situation nennt. Webb konnte nie aus den Schatten der übermächtigen Hillary Clinton und des erfolgreichen Einzelkämpfers Bernie Sanders treten. Seine „Message“ kam bei den Wählern nicht an. Nach der ersten Fernsehdebatte der Demokraten meinten etliche Kommentatoren und Wähler, Webb sei zu konservativ für die Demokraten. Groß punkten konnte er nicht gegen die beiden Frontrunner in seiner Partei. Das Geld blieb aus, die Spender wendeten sich lieber anderen Kandidaten zu. Der Rückzug von Jim Webb war nur noch eine Frage der Zeit, nun ist der 69jährige raus aus dem Rennen ausgestiegen.

Auf der republikanischen Seite hat sich die Situation für Carly Fiorina verschlechtert. Nach der letzten, der zweiten republikanischen Fernsehdebatte, stieg sie in den Umfragen, lag zeitweise sogar auf Platz drei hinter Donald Trump und Ben Carson. In ihrem Umfeld hoffte man auf ein Wunder. Doch damit ist nun Schluß.

Carly Fiorinas Kandidatur is bald zu Ende. Foto: AFP.

Carly Fiorinas Kandidatur is bald zu Ende. Foto: AFP.

In nur wenigen Tagen verlor sie massiv an Unterstützung. In den jüngsten Umfragen kommt sie gerade noch auf vier Prozent und liegt damit auf dem siebten Platz im Kandidatenreigen, weit abgeschlagen und ohne Chance auf einen frischen Start. Denn Fiorina hat gerade in den für sie wichtigen Wählergruppen, Frauen und Universitätsabsolventen, massive Stimmen eingebüsst. Hinzu kommt, dass auch bei ihr die Spendengelder ausbleiben. Zwar steht in der kommenden Woche die nächste Fernsehdebatte der Republikaner an, doch niemand rechnet mehr mit einem großen Punktgewinn der einzigen Frau im Republikanerfeld.