Angela Merkel ist nicht die „Queen of England“

1. Bild: Dirk Nowitzki. Kennen wir. 2. Bild: Jürgen Klinsmann. Kennen wir auch. 3. Bild: Angela Merkel. Ist das die „Queen of England“? Nein, das ist nicht die Queen, auch wenn Angela Merkel hier sehr königlich winkt. Merkel ist unser Obama. Zumindest kann man es so Fünft- und Sechsklässlern erklären.

Ich bin mit der Bundestagsabgeordneten Dagmar Freitag unterwegs. Vor ein paar Jahren hatten wir eine Schulpartnerschaft zwischen dem Friedrich-Leopold-Woeste-Gymnasium im sauerländischen Hemer und der Nordhoff High School im kalifornischen Ojai ins Leben gerufen. Seitdem kommt die Abgeordnete regelmäßig in die Kleinstadt, um den Austausch weiter zu fördern. Am Sonntag war der offizielle Teil ihrer Reise beendet, Auswahlgespräche für das Internationale Parlaments Stipendium (IPS) zu führen. Von Los Angeles ging es danach privat ins 130 Kilometer entfernte Ojai.

Gerade in diesen Tagen ist es wichtig, dass man nicht nur auf die große Politik schaut, sondern die vielen direkten Verbindungen zwischen den USA und Deutschland fördert. In der Nordhoff High School erzählten Schulleiter und Lehrer von den überaus positiven Erfahrungen und Erlebnisse der Schülergruppe, die im Sommer in Hemer und dann auch auf Einladung von Freitag in Berlin waren. Schulleiter Greg Bayless will beim nächsten Besuch eine größere Informationsveranstaltung über Deutschland für die Schüler organisieren.

Heute ging es dann in die Matilija Junior High School, wo die deutsche Abgeordnete über… klar, Deutschland sprach. Die Schüler waren ganz angetan von ihrem Gast und stellten zahlreiche Fragen. Dort wurde von einem Knirps auch die Bundeskanzlerin als „Queen of England“ erkannt. Am Ende des Besuchs war auch hier klar, beim nächsten mal müsse man das unbedingt in einem größeren Rahmen wiederholen, dann wird das Auditorium der Schule gefüllt. Deutschland ist nicht nur für die Schlapphüte der NSA interessant.

Jetzt kennt man Merkel auch in Amerika

So viel Presse hat Angela Merkel noch nie bekommen. In Amerika. Da reist sie regelmäßig zu ihrem amerikanischen Freund Barack Obama, doch das kriegen nur ein paar interessierte Leser der New York Times, des Wall Street Journals oder der Washington Post mit. Nun aber berichten die Tageszeitungen in der Knüste, die TV Lokalsender zwischen Green Bay und Half Moon Bay über die deutsche Kanzlerin und zeigen ein Bild von Angela Merkel am Handy.

Eigentlich sind die Amerikaner immer stolz darauf, was ihre Geheimdienste und militärischen Abhörspezialisten so alles mitbekommen. Osama bin Laden hat man ja auch nur deshalb gefunden, weil irgendwo auf dieser Welt jemand telefonierte und irgendwo auf dieser Welt ein anderer zuhörte, der eigentlich gar nicht am anderen Ende der Leitung war. Tolle Sache für die „US Spies“. Doch bei diesem großen Lauschangriff handelte es sich um die jahrelange Terrorfahnung nach Osama bin Laden. Nun ist es Angela Merkel, Kanzlerin eines engen Verbündeten, Vertrauten, Freundes.

In Amerika sind immer mehr Menschen davon geschockt, was sich im Weißen Haus tut. Von einem George W. Bush hätte man erwartet, dass er den Kriegsgegner Gerhard Schröder abhören läßt. Von einem Barack Obama ist man zutiefst enttäuscht und angewidert, dass er die Abhörmaßnahmen seines Vorgängers noch verstärkt und ausgebaut hat und darüber hinaus auch noch lügt, sogar im direkten Gespräch mit seiner „Freundin“ Angela Merkel.

Und was sagt das Weiße Haus dazu: die anderen machen es ja auch. Das ist ein Argument für die Tonne, nein, das macht es nur noch schlimmer. Denn klar ist, Amerika hat nicht nur große Ohren für seine Gegner und Kritiker. Die USA vertrauen eigentlich niemandem. Was das für langfristige Folgen haben wird, ist noch nicht absehbar. Doch es sollte Folgen haben. Im Umgang Deutschlands mit den USA, im Umgang Europas mit den USA. Und dann auch für einige in der Bundesregierung, die das Thema Abhörskandal frühzeitig ad acta gelegt haben. Es war ja Wahlkampf, es ging ja um den großen Bruder USA und nur um die eigenen Bürger. Alles halb so schlimm. Mit dem großen Lauschangriff im Regierungsviertel sollte jedoch klar sein, dass dieses Thema noch lange nicht beendet ist. Die Aufarbeitung fängt gerade erst an.

Der Präsident in Nöten

Wer hatte den Termin nur für Barack Obama geplant? Ein öffentlicher Auftritt in der deutschen Hauptstadt, dazu auch noch 50 Jahre nach Kennedys „Ich bin ein Berliner“ Ausruf. Und das am Brandenburger Tor. Auch dieser Ort ist bereits vergeben. Hier rief am 12. Juni 1987 Ronald Reagan die berühmten Worte: „Mr. Gorbachev, open this gate. Mr. Gorbachev, tear down this wall!“

Und nun Barack Obama mit einer eher lauen Rede, dazu noch vor ein paar tausend ausgewählten Zuhörern, die noch nicht mal alle kamen. Man erwartete etwas Historisches, etwas Aufbrandendes, etwas Vorausschauendes. Nichts davon war zu hören. In den USA wurde über den Auftritt pflichtgemäß berichtet. Obama in Berlin, abgehakt.

Die konservativen Medien allerdings, wie FOXNews, Drudgereport, Washington Times stürzten sich auf das, scheinbar, fehlende Interesse der Berliner und verglichen diesen Auftritt des Präsidenten mit der des Kandidaten Obama von 2008. Damals sprach der Demokrat vor rund 200.000 Menschen. Auch die Rede an sich wurde zerrissen. Keine Perspektive, keinerlei Bedeutung, außer Spesen nichts gewesen. Da half auch nicht der Abrüstungsaufruf. Ein Kommentator bezeichnete das als „so 80er mäßig“.

Klar, Hannity, O’Reilly, Limbaugh und Genossen (oops, falsche Wortwahl hier!) halten nicht viel von Barack Obama, doch der Auftritt vor dem Brandenburger Tor kam für den Präsidenten auch zu einer Unzeit. Daheim die Abhörskandale, die Probleme bei den verschiedensten Reformen. Auf der internationalen Bühne kein klarer Kurs des Weißen Hauses zu erkennen. Und dann fällt auch noch der Teleprompter von Obama aus. Nichts lief, wie es laufen sollte. Von einem vielbeachteten Befreiungsschlag für Barack Obama, von einem Obama, der wieder eine klare Linie vertritt fehlte jede Spur. Es war eine Reise zu Freunden, die im Wahlkampf stecken. Merkel und Steinbrück dankten für die netten Photos. Das wars. Bis zum nächsten mal Mister President!

Verbrannte Kunst

Gerade habe ich das Interview mit „Frau Kästner“, Luiselotte Enderle, gelesen. Vor 80 Jahren, am 10. Mai 1933, verbrannten die Nazis ihnen „missliebige, zersetzende, undeutsche“ Literatur. Darunter die Werke von Thomas und Heinrich Mann, Alfred Döblin, Bertolt Brecht, Erich Maria Remarque. Sie waren zu diesem Zeitpunkt schon im Exil, in Vorahnung dessen, was da auf Deutschland zukommen wird.

Doch auch Erich Kästners Bücher wurden in diesen Abendstunden in die Flammen geworfen. Und er stand dabei auf dem Berliner Opernplatz, sah mit an, wie Studenten seinen „Fabian“ mit den Worten „Gegen Dekadenz und moralischen Verfall!“ einfach ins Feuer schmissen. Auch wenn ihn viele Kollegen zur Ausreise drängten, Erich Kästner blieb in Deutschland und mußte in den kommenden zwölf Jahren mitansehen, wie aus Deutschland ein Totenhaus wurde. Der gerade Weg von der Vernichtung der Kultur zur systematischen Ausrottung Andersdenkender, Andersgläubiger, Andersfühlender.

Seltsamerweise haben wir in der Schule nie über die Bücherverbrennung gesprochen. Sowieso hörte mein Geschichtsunterricht am Anfang des 20. Jahrhunderts auf. Die Römer, die Griechen, das Mittelalter, Französische Revolution, all das bis zum Abwinken. Doch die Geschichte, die uns noch heute und direkt betrifft, die wurde umgangen.

Und warum schreibe ich darüber? Im letzten Jahr war ich beim „Burning Man“ Festival in der Wüste von Nevada. Ein schräges Fest, zu dem mehr als 50.000 Besucher kommen. Es ist aber auch ein Kunstereignis. Eine der Künstlerinnen läßt immer wieder gewaltige Skulpturen entstehen. Und am Ende verbrennt sie sie im Wüstensand. Und ich merkte im Interview, wie ich sie einfach fragen mußte, warum sie Kunst verbrennt? Sie schaute mich etwas entgeistert an und meinte dann „Hey, this is „Burning Man“. We burn things here“. Ich entschuldigte mich und erklärte ihr, warum ich das als Deutscher fragte, dass die Frage einfach so hochkam. Darauf sie, „Schau, ich habe an dieser Skulptur mit vielen anderen fast ein Jahr gearbeitet. Wir haben sie hierher ins Nirgendwo in die Wüste gebracht, um sie dieser Gemeinschaft zu zeigen. Sie ist Teil der „Burning Man Community“ geworden. Und wir haben von Anfang an gewußt, wir werden sie verbrennen. Das war und ist unsere Entscheidung“.

Das verstand ich dann wieder. Was ich nicht verstand ist, warum für mich so eine Frage überhaupt entstand. Vor kurzem dann wieder. Ich habe hier mal CDs ausgemistet und eine ganze Kiste zu einem Plattenladen gebracht. Der Typ dort schaute sie durch und suchte sich 15 aus, die er mir abkaufen wollte. „Und was mache ich mit dem Rest?“, fragte ich ihn. „Burn that shit. I would!“, war die knappe Antwort. Und wieder dachte ich mir, ich kann doch nicht „Kunst“ verbrennen, auch wenn sie mir nicht gefällt.

Vor ein paar Jahren nach den Terroranschlägen des 11. Septembers, als George W. Bush noch Präsident war, haben in einigen Teilen der USA immer wieder Bücher- und CD-Verbrennungen von „unliebsamen“, sprich „unpatriotischen“ Autoren und Musikern stattgefunden. Also von jenen, die nicht ins amerikanische Kriegshorn bliesen. Damals dachte ich mir, was kommt als nächstes. Man, man, man….bin das nur ich oder haben wir Deutschen – ich bin Jahrgang 1968 – irgendwie einen totalen Knacks weg?

Ein Deutscher für die NFL

Die American Football Kommentatoren schwärmen in diesen Tagen von Björn Werner, dem „German All-American“, einem 22jährigen Berliner, der als Hoffnungsträger der National Football League gilt. Was Basketballstar Dirk Nowitzky für die NBA war, könnte schon bald Björn Werner für die NFL sein, so liest man des öfteren.

Werner wuchs eigentlich mit Fußball auf, doch mit 12 Jahren wechselte er zum American Football. Nach seinem Wechsel von Berlin an eine High School in Connecticut war er nicht mehr aufzuhalten. Scouts der Universitäten warfen ein Auge auf ihn und beobachteten die Fortschritte des Defensivspielers. Schließlich kam er zu Florida State, und damit in die Vorstufe zur NFL.

Nun steht er vor dem Schritt in die National Football League, wird als Nummer Zwei der Top Ten Draft in diesem Jahr gehandelt. Immer wieder muß er erklären, wie er eigentlich als Deutscher zum Football kam. Björn Werner nimmt es gelassen, erzählt von Videogames und Spielen der NFL, die er online verfolgte. Sein Traum vom großen Spiel scheint nun wahr zu werden. Was die Scouts vor allem an ihm mögen ist, dass er ein Defensivspieler mit Talent ist. Er hat das Auge und die Geschwindigkeit schnell auf Angriff umzuschalten. Die NFL ist eine der letzten Bastionen im amerikanischen Sport, wo Deutsche noch nicht Fuß gefaßt haben. Das könnte nun mit Björn Werner vorbei sein.

Wie einst Leni Riefenstahl

Ich habe sowohl Riefenstahls Nürnberger Parteitagsfilm und ihren 36er Olympiastreifen gesehen, wie auch schon etliche Rammsteinkonzerte live miterlebt. Aber irgendwie will das für mich nicht zusammen passen. Anders allerdings für amerikanische und kanadische Kritiker, die sich bei der aktuellen Tour der Berliner Combo an Hitlers Lieblings-Leni erinnern. Muß man wohl so stehen lassen, ich denke ja beim Pommesessen bei McDonald’s auch immer an die Lynchjustiz in den amerikanischen Südstaaten. Ist klar, oder?

Rammstein tourten letztes Jahr durch die USA. Die Nachfrage war so groß, dass man gleich nochmal kommen wollte. Es geht wieder quer durchs Land und die Fans sind begeistert. Vom „besten Tag meines Lebens“ bis „phänomenal“ und „einzigartig“ werden die Konzerte in den Blogs und auf facebook beschrieben. Rammstein rocken sich durch den Wilden Westen und zeigen ganz ungeniert, dass man durchaus auch mit deutschen Texten Amerika aufrollen kann.

Die explosive Pyroshow der Berliner ist einzigartig, man kann ohne zu übertreiben sagen, dass Rammstein derzeit die beste Live-Performance im Rockzirkus bieten. Die Tickets für ein Konzert sind nicht gerade billig, doch die Tour ist ausverkauft. Solch einen Hype erlebt man selten. Rammstein sind da, wo sie immer sein wollten. Mit einer bewundernswerten Ausdauer und Disziplin verfolgten sie ihren Masterplan. Als ich 1997 mit Paul Landers im kleinen Club „The Edge“ in Palo Alto hinter der Bühne saß, meinte er, sie begreifen selbst nicht, was da gerade abläuft. Das Ziel sei allerdings, so Landers lachend, auch in den USA die ganz großen Konzertsäle zu füllen. Doch dann auf der Bühne war klar, Rammstein sind ein Phänomen. Die paar Dutzend Amerikaner im Publikum waren geschockt, fasziniert, überrascht, geplättet. Sänger Till Lindemann setzte sich gleich beim ersten Song „Rammstein“ in Flammen. Die Band spielte ihr Programm auf dieser kleinen Bühne.

Seit dieser ersten Tour im Vorprogramm von KMFDM sind Rammstein Kult in den USA. Man hört sie selten im Radio und dennoch verkaufen sich ihre Platten, die größten Konzerthallen sind schon lange ausverkauft, nichts scheint sie stoppen zu können. Lange Zeit drückten sich die offiziellen deutschen Stellen in den USA, Botschaft, Konsulate und Goethe-Institute, darum, auch nur irgendwie in die Nähe der Berliner gebracht zu werden. Und das, obwohl Rammstein wohl mehr für die Verbreitung der deutschen Sprache und der deutschen Kultur getan haben, als viele der „offiziellen“ Kultur- und Sprachangebote. Man muß sich nur ein Konzert der Band ansehen, man sollte nur mal auf die Fanseiten blicken, dann sieht man, Deutsch ist „in“. Und wenn ein 15jähriger über „Du hast“ zum Deutschlernen kommt, soll mir das recht sein.

Rammstein Songs werden in den Deutschstunden der High Schools behandelt. In den Klassenzimmern kommt man über die Berliner auf die deutsche Musikszene, die Berliner Mauer, die DDR, Geschichte, Politik und Kultur.

Und nun touren sie wieder, die Fans jubeln, die Kritiker wissen so gar nicht, was sie davon halten sollen, dass tausende von Kids lautstark auf Deutsch mitsingen. Klar, holen wir mal wieder die olle Leni aus der Mottenkiste. Muß ja sein, jemand, der so schön das „R“ rollt wie Till Lindemann, hat  sicherlich was mit dem bekloppten, kleinen Österrrrrreicher zu tun. Und Explosionen, Feuer und Flammenshow, na, wenn das nicht an den Blitzkrieg über England erinnert.

Das Gute an allem ist, dass die Fans sich von solch bescheuerten Kritiken nicht beeinflussen lassen. Rammstein haben Interesse an Deutschland und der deutschen Sprache geweckt. Dafür sollte man ihnen dankbar sein.

Reaching Africa

Nun habe ich ja schon einige Flugmeilen in meinem Leben abgeflogen, aber der Blick von oben auf die Welt da unten ist immer wieder beeindruckend. Südeuropa, Mittelmeer und dann der afrikanische Kontinent. Mit meiner Country/Folk Sendung im Ohr trafen wir das Festland, irgendwo im Grenzbereich Ägypten/Libyen. Dann über den Sudan weiter nach Addis Abeba. Bei der Landung liefen die Einstürzenden Neubauten mit “Die Wellen” von ihrem grandiosen Album “Alles wieder offen”. Ein perfektes Lied vor dem Schauspiel des glitzernden Lichtermeeres. Direkt davor Kraftwerk mit ihrer bahnbrechenden Platte “Mensch Maschine”. Beide Scheiben waren im Lufthansa Audio Angebot unter “Milestones” zu finden. Und dem kann ich nur applaudierend zustimmen. Diese beiden Platten sind Meilensteine der Musik, wie viele andere Alben dieser beiden Gruppen.

Es ist beeindruckend und auch komisch, Afrika zu erreichen. Denn da unten spielt sich so einiges ab. Man denkt an die Bilder aus den Nachrichtensendungen, an die Berichte über die Kampfhandlungen, die Aufstände, den Widerstand, die Gewalt, die Flucht und Vertreibungen, die Not, das Elend….aber auch die Hoffnung, an den Willen zu siegen, die brutalen Regime zu stürzen, an die lange Zeit vom Westen gestützten Diktatoren Mubarak und Gaddafi. An die Ohnmacht des Westens. Man fliegt drüber weg. Und man landet in der äthiopischen Hauptstadt. Ein Flughafen sowjetischer Bauart. Der hat so viel Charme wie die Plattenbauten auf der Karl-Marx-Allee in Berlin, quadratisch, praktisch, gut. Doch es geht weiter Richtung Süden, nach Ruanda. Ein Land im Herzen Afrikas, das auch im Jahr 17 nach dem Genozid noch immer versucht, einen Weg zu finden.

Back in California

Zurück in Oakland. Ein Kurztrip ins winterliche Deutschland liegt hinter mir, natürlich ging es auch nach Nürnberg. Glühwein und Schneestapfen, Lebkuchen und eingefrorene Finger. Familie, Freunde, Heiligabend. Mit viel Glück ging es dann am ersten Weihnachtsfeiertag über Frankfurt zurück.

Das Wetter hier ist zwar etwas besser, anstelle von Schnee zieht ein arktischer Sturm nach dem anderen über den Bundesstaat. In höheren Lagen schneit es, hier im Flachland und an der Küste regnet es vor allem. Die Ostküste jedoch ist lahmgelegt, versinkt im Schnee. Sogar im Süden flockt es vom Himmel. Atlanta hat das erste mal seit weit über 125 Jahren weiße Weihnachten erlebt. Das Wetter spielt verrückt, und auch die Kapriolen in der Politik können mit Petrus‘ Jahreswendenspielereien nicht erklärt werden.

Präsident Obama hofft nach einem verbockten Jahr auf 2011 und darauf, dass er ab Januar auch noch was mit dem neuen, republikanisch dominierten Kongress machen kann. Die Chancen für ihn stehen nicht gut. Schon jetzt blasen die Konservativen zum Sturm aufs Weisse Haus, die GOP Front wird geeint gegen den Amtsinhaber vorgehen. „Yes we can“ ist nun ihr Motto. „He can not“, er darf keinen Fuß mehr vor den Wahlen 2012 auf den Boden bekommen.

Und in Kalifornien tritt ein alter Hase die Nachfolge von Arnold Schwarzenegger an. Jerry Brown war schon mal Gouverneur. Das war in den 70ern, als es noch nicht einmal ein Faxgerät gab. Nun also will er es noch einmal wissen. Allein schon seine Kandidatur machte deutlich, dass es im „Golden State“ nicht gut um die demokratische Partei steht. Brown sieht sich als Reformer. Doch nach der Wahl wurde ihm wohl erst so richtig klar, auf was er sich da eingelassen hat. Von drastischen Kürzungen und Einsparungen, vom Gürtel enger schnallen bis zur Durststrecke wird alles genannt. Man fragt sich als kalifornischer Steuerzahler, was man eigentlich überhaupt noch vom Staat erwarten kann.

In Oakland wird weiter geballert, ein Mord nach dem anderen. Die neue Bürgermeisterin Jean Quan will damit endlich Schluss machen und hat die Idee mit einem Freiwilligenheer die bösen Buben auf der Straße zur Vernunft zu bringen. Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht.

Und da spielten auch noch Rammstein in New York. Natürlich bekam ich von allen Seiten Mails, wie es beim ausverkauften Konzert im Madison Square Garden war. Diesmal waren sogar deutsche Journalisten vor Ort, die sich aber erneut nicht zu blöd waren Beiträge über Band und Fans abzuliefern, die so ganz am Thema vorbeiliefen. Man suchte gezielt nach schillernden Fans, anstelle sich einmal richtig mit dem Thema Rammstein in den USA zu beschäftigen. Skandal und Schock, dämliche Fans und Gekreisch verkaufen sich einfach besser als Bilder von Klassenzimmern und Hörsälen, in denen Rammsteintexte behandelt werden, um so einen Startpunkt für eine schwierige Sprache zu liefern. Ich lehne mich nun einfach mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte nach über 14 Jahren in den USA, dass die Berliner Schwermetaller weitaus mehr für die deutsche Sprache und die deutsche Kulturvermittlung in Amerika getan haben, als so manches sündhaft teure Sprach- und Kulturkonzept, das in Behörden- und Institutsstuben von Geisteswissenschaftlern ausgedacht wurde. Anstatt gemeinsame Sache zu machen, grenzte man sich lieber ab.

Schade, Chance verpasst. Lachen wir lieber über junge Amerikaner, die von weither zu einem Konzert reisen, um eine deutsche Band zu sehen. Die nach Hause fahren, dort auch andere deutsche Bands im Plattenschrank stehen oder auf dem ipod gespeichert haben. Die sich deutsche Filme anschauen, begeistert von deutschen Produkten sind und die alles in allem einen durchaus positiven Eindruck von Deutschland bekommen haben. Was soll’s, mit der nächsten freien Tanzgruppe aus Bottrop-Fuhlenbrock kann man auf alle Fälle Jugendliche zwischen Neufundland und Südkalifornien erreichen. Ich seh‘ sie schon vor mir, wie ihre Leiber im Rhythmus mitschwingen….

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Ausgebremste Neubauten

Einstürzende Neubauten30 Jahre Einstürzende Neubauten, eine US Tour zum Jubiliäum war geplant, doch die wurde nun nur zwei Tage vor Beginn abgesagt. In der offiziellen Begründung der Band heißt es, das „Department for Homeland Security“ (Heimatschutzbehörde) habe zwar das ok gegeben, aber viel zu spät, um noch die notwendigen Visa bei der US Botschaft und den Konsulaten in Deutschland bekommen zu können. Deshalb werden die jeweiligen Doppel-Konzerte in Los Angeles, San Francisco, Chicago, Toronto und New York ersatzlos gestrichen.

Soviel zum Kulturaustausch zwischen den USA und Deutschland. Und das ist nicht das erste mal, dass die US Behörden Visa dadurch versagen, in dem sie einfach alles extrem langsam bearbeiten. „Silence“ ist in dem Fall alles andere als „sexy“.

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Rammstein kommen in den Big Apple

Am Freitag begann der Vorverkauf für das einzige US Konzert der Berliner Schwermetaller und Schockrocker Rammstein. Am 11. Dezember wollen sie den Madison Square Garden in New York mit 20.000 Fans füllen.

Die Band freut sich auf diesen Auftritt und spricht von einem historischen Konzert. Und die amerikanischen Fans werden da sein. Schon jetzt laufen die Foren und Fanwebseiten heiß. Rammstein gilt in den USA als eine der besten Live-Bands. Seit Jahren schon machten die Berliner einen großen Bogen um die USA. Eine Tour war zwar für diesen Herbst geplant, wie Gitarrist Paul Landers gegenüber der NZ erklärte, doch nun wird es erst einmal ein Konzert im legendären „Garden“ geben. Die Fans der Deutschen hoffen jedenfalls noch auf eine umfangreiche Tour im neuen Jahr.

Und hier noch das offizielle Promo-Video für das Konzert am 11. Dezember.

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