Der Ton macht es aus

Letzte Woche malten die Republikaner in Cleveland den Teufel an die Wand. Nach all den Redebeiträgen hatte ich das Gefühl, ich muss langsam doch mal meine Haustüre abschließen, denn anscheinend warten da draußen bewaffnete Übeltäter und Terroristen, um mich abzuknallen. Wenn man den Republikanern und allen voran Donald Trump Glauben schenken möchte, dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann ich, unbewaffnet und naiv, zum Opfer werde. Krisen- und Kriegsgebiete habe ich überlebt, auch mehrere Aufenthalte im Drogenkartellsumpf von Ciudad Juarez, aber die USA scheinen die „Frontline“ im Krieg gegen alles und nichts zu sein. Und dann ist da Trump, der als starker Führer die Amerikaner vor ihrem Weltuntergang retten wird. Es wunderte mich schon, dass in der „Quicken Loans Arena“ nicht einige lautstark „Heil Donald“ riefen.

So ganz anders klingt es bei den Demokraten. Die hatten am Montag ersteinmal mit sich selbst zu kämpfen, denn nach dem Datenklau und den veröffentlichten Emails, in denen deutlich wurde, dass die Parteiführung sich schon frühzeitig auf Hillary Clinton festgelegt hatte, war erst einmal Rambazamba in Philadelphia angesagt. Die Bernie Sanders Anhänger protestierten lautstark und verlangten Konsequenzen. Und die Partei lieferte, u.a. damit, dass die Vorsitzende der Partei, Debbie Wasserman Schultz, mit sofortiger Wirkung ihren Job abgab. Das musste auch sein.

Und dann kam First Lady Michelle Obama auf die Bühne, danach Senatorin Elizabeth Warren und schließlich Bernie Sanders selbst. Es wurden innerparteiliche Brücken gebaut und Bernie zeigte seine wahre Größe in diesem Wahlkampf. Monatelang predigte er von der politischen Revolution, am Montagabend forderte er seine Unterstützer auf, Hillary Clinton zu wählen, denn der Gegner sei bei allen Kontroversen und unterschiedlichen Ansätzen nicht Clinton sondern Trump. Sanders führte auf, in welche Richtung sich die USA bewegen würden, wenn Trump ins Weiße Haus einziehen würde. Allein dieses Bild sollte viele davon überzeugen, dass im November mehr auf dem Spiel steht als nur ein gekränktes Ego. Und Bernie Sanders machte es vor. Nun ist es an der Partei selbst, die Reihen zu schließen und den Alptraum Donald Trump als Präsident zu beenden. Trump hat im Vorwahlkampf schon genügend Schaden angerichtet, nicht vorzustellen, was auf nationaler und internationaler Ebene passieren würde, wenn dieser Egomane im Oval Office Platz nimmt.

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Die demokratischen Reihen schließen sich

Bernie Sanders unterstützt nun also Hillary Clinton. Das war klar, es mußte so kommen. Hillary Clinton hatte deutlich die Vorwahlen gewonnen, auch wenn die Regeln für diese Stimmabgaben im ganzen Land mehr als fragwürdig sind. Denn Hunderte von Delegierten für den Parteitag werden von der Partei gestellt und ein Großteil von ihnen hatte sich schon auf Hillary Clinton festgelegt, noch bevor Bernie Sanders überhaupt im Rennen war, noch bevor überhaupt eine Stimme abgegeben wurde.

Aber egal, Clinton hat in diesem Wahlsystem gewonnen, daran wird sich nichts ändern. Bernie Sanders konnte zwar Millionen, zumeist junge Wähler im Wahlkampf überzeugen, aber am Ende verlor er gegen die demokratische Parteimaschine. Danach ließ er sich Zeit, die Siegerin zu unterstützen. Viele kreideten ihm das an, doch Sanders hatte ein gutes Recht dazu. Er hätte sich unglaubwürdig gemacht, wenn er sich sofort hinter Clinton eingereiht hätte, wie es Chris Christie auf der republikanischen Seite getan hatte.

Ein gemeinsames Winke-Winke gegen Donald Trump. Foto: Reuters.

Ein gemeinsames Winke-Winke gegen Donald Trump. Foto: Reuters.

Nun also ist Bernie Sanders im Clinton-Lager, aber erst nachdem er deren politische Plattform deutlich nach links manövriert hat. Clinton fordert nun auch 15 Dollar Mindeststundenlohn, strengere Auflagen für die Machenschaften an der Wall Street und, aus meiner Sicht ganz wichtig, ein Ende der Todesstrafe in den USA. Sanders war nämlich der einzige Präsidentschaftskandidat auf weiter Flur, der offen ein Verbot der Höchststrafe forderte.

Es ist sicherlich keine heiße Romanze zwischen Sanders und Clinton, man versteht sich, man unterstützt sich nun gegenseitig, aber die große Liebe ist es nicht. Aber der Senator aus Vermont sieht die aktuelle Situation durchaus pragmatisch: „In diesen schwierigen Zeiten für unser Land muß diese Wahl darum gehen, die Menschen zusammen zu bringen und nicht zu spalten. Während Donald Trump Mexikaner, Muslime, Frauen, Afro-Amerikaner und Veteranen beleidigt, versteht Hillary Clinton, dass unsere Vielfalt eine unserer größten Stärken ist“, erklärte Sanders am Dienstag auf der gemeinsamen Veranstaltung mit Hillary Clinton in New Hampshire. Also Trump und einige deutliche Zugeständnisse aus dem Clinton-Lager brachten letztendlich den Schulterschluß.

Hillary Clinton kann die deutlichen Worte von Bernie Sanders gebrauchen. In keiner Umfrage liegt sie derzeit deutlich vor Donald Trump. Die Unterstützung des „demokratischen Sozialisten“ sollte nun ein Push für Clinton sein. Es wird sich zeigen, ob sie Wort hält und im Wahlkampf für die Grundprinzipien der Sanders-Wähler eintreten wird. Erst dann wird sie wohl auch die Millionen Stimmen der Wählerinnen und Wähler des Senators bekommen.

Donald Trump unterdessen beschuldigt Bernie Sanders des „Ausverkaufs“, er habe mit der Unterstützung Clintons sich und seine Wähler verraten. Eine nicht gerade ehrliche Haltung, denn Trump schäumt ja derzeit darüber, dass so einige seiner ehemaligen Konkurrenten ihn nicht als den neuen, großen Zampano der republikanischen Partei akzeptieren und unterstützen wollen.

 

Die Revolution entlässt ihre Kinder

Das war dann doch ein deutlicheres Ergebnis als erwartet. 55,9 zu 43,1 Prozent sah der Sieg oder die Niederlage aus, wie man es eben sehen will. Kalifornien „didn’t feel the Bern“. Der Traum für Bernie Sanders Präsidentschaftskandidat der Demokraten zu werden ist damit ausgeträumt. Sanders verlor sogar in den äußerst progressiven und liberalen Bezirken wie San Francisco, Alameda (Oakland), Contra Costa (Berkeley). Ein Problem, dass für den Senator in Kalifornien alles entscheidend war, die Wählerbeteiligung war niedrig, was bedeutet, die vielen jungen und Neuwähler in seinen Reihen nutzten ihr Wahlrecht nicht. Vielleicht sollte man da in Zukunft ansetzen und ihnen erklären, gewählt wird nicht lautstark und mit Pappschild auf der Straße, sondern in Wahllokalen.

Bernie Sanders wird mit erhobener Faust aus dem Rennen scheiden. Foto: Reuters.

Bernie Sanders wird mit erhobener Faust aus dem Rennen scheiden. Doch damit ist er nicht am Ende. Foto: Reuters.

Hillary Clinton schrieb am Dienstagabend Geschichte. Sie ist mit den Siegen in New Jersey, New Mexico, South Dakota und Kalifornien die erste Frau, die zur Präsidentschaftskandidatin einer der beiden großen US-Parteien wird. Daran führt kein Weg mehr vorbei. Bernie Sanders weiß das, auch wenn er am Wahlabend erklärte, er werde bis zum Parteitag in Philadelphia Ende Juli weitermachen. Sanders wird, ja muß einen Rückzug antreten. Das Gespräch mit Barack Obama am Donnerstag in Washington wird schon als ein erstes Zeichen eines geordneten Ausstiegs aus dem Wahlkampf gesehen. Der Präsident und auch Hillary Clinton hatte nur gute Worte für die mitreißende Kampagne des Senators. Bernie Sanders machte am Dienstagabend auch deutlich, dass eines der Hauptziele in dieser Wahl sei, Donald Trump zu stoppen. Dessen aggressiver, xenophober, schmieriger und verletzender Wahlkampf ohne Rücksicht auf Verluste dürfe nicht zu einem Sieg im November führen. Damit machte der Senator klar, dass er sich auf alle Fälle hinter Hillary Clinton stellen wird.

Und auch seine Unterstützer sollten das tun. Zwar umwirbt Donald Trump frustrierte Bernie Sanders Wähler mit den Worten, das Wahlsystem sei ein abgekartetes Spiel und er als Außenseiter sei für sie die richtige Alternative zum Senator. Doch darüber kann man nur lachen. Inhaltlich sind beide soweit voneinander entfernt wie Sonne und Mond. Bernie Sanders wird nun in den kommenden Tagen und Wochen an seiner Handschrift im Wahlprogramm der Demokraten arbeiten. Hillary Clinton wird das schlucken müssen, sie weiß, ohne den Senator aus Vermont wird sie nicht ins Weiße Haus einziehen können.

Am Ende steht der Anfang

Morgen wird in Kalifornien gewählt. Dann auch noch in New Jersey, Montana, New Mexico, North Dakota, South Dakota. Hillary Clinton braucht noch 30 Delegiertenstimmen, dann hat sie die Latte von 2383 überwunden. Das wird also morgen passieren. Hillary Clinton ist durch, obwohl sie das „nur“ mithilfe der Superdelegiertenstimmen schafft. Auch wenn viele der Meinung sind, dazu zähle ich auch mich, dass das ganze Theater von Vorwahlen ein einziger Witz ist, wenn am Ende von der Partei gesetzte Superderdelegierte den Ausgang entscheiden. Aber so sind die Parteiregeln der Demokraten und daran wird sich auch nichts ändern. Bernie Sanders und seine Wähler sind dabei die deutlichen Verlierer.

Hillary Clinton macht den Sack am Dienstag zu. Foto: Reuters.

Hillary Clinton macht den Sack am Dienstag zu. Foto: Reuters.

Hillary Clinton wird damit die Kandidatin der Demokraten, diejenige, die den Einzug Donald Trumps ins Weiße Haus verhindern soll (und muß). Nach einem endlosen Vorwahlkampf, einer Schlacht, wie sie Amerika noch nicht gesehen hat, beginnt nun also das Duell der beiden politischen Gegner. Demokraten gegen Republikaner. In den kommenden Wochen und Monaten kommt es zu einem brutalen, teuren und sicherlich nicht fairen Wahlkampf. Trump hat bereits bewiesen, dass er gerne und auch täglich austeilt. Seine Verbalschläge haben mit Fairness nichts zu tun. Donald Trump kennt nur Donald Trump, wenn er sagt „I will make America great again“, dann sieht er eigentlich nur das „ME“ in Amerika. Trump ist ein Egomane und Selbstdarsteller und gefährlich obendrein.

Hillary Clinton hat in der letzten Woche damit begonnen, gezielter gegen Trump vorzugehen. Ihre Rede zur Außenpolitik läßt bereits darauf schließen, dass sie sich von dem tönenden Milliardär nicht einschüchtern läßt. Hillary hat sich in ihren Zeiten als First Lady, als Senatorin, als Präsidentschaftskandidatin und Außenministerin eine dicke Haut angelegt. Und sie kann selbst zuschlagen. Die Clinton-Maschine kommt gerade erst in Gang. Der Wahlkamp 2016 wird mit Sicherheit in die Geschichtsbücher eingehen.

Im Golden State soll es Gold für Bernie geben

Hillary Clinton wird am kommenden Dienstag die Kandidatin ihrer Partei. Die in den Vorwahlen gewonnenen Delegiertenstimmen und die sich für sie ausgesprochenen Parteidelegierten werden ausreichen, um ihr eine Mehrheit auf dem Parteikonvent zu verschaffen. Ein demokratischer Prozess der Demokraten ist das nicht, denn viele der „Super Delegates“ hatten sich bereits vor der offiziellen Kandidaturverkündung von Bernie Sanders auf die Seite Clintons geschlagen.

Bernie Sanders will nicht aufgeben, er kämpft weiter, will mit Wahlsiegen und guten Ergebnissen beim letzten Super-Tuesday mit Stimmabgaben in New Jersey, Montana, North Dakota, South Dakota, New Mexico und vor allem Kalifornien gestärkt aus der letzten Kurve des Wahlkampfes kommen. Sanders setzt in diesen letzten Tagen alles auf einen Wahlsieg im „Golden State“. Vor ein paar Monaten war das noch in weiter Ferne, der Senator aus Vermont lag abgeschlagen und deutlich hinter der Über-Demokratin. Doch die letzten Umfragen zeigen Sanders fast gleichauf mit Clinton. Ein Sieg am Dienstag in Kalifornien würde das Hillary-Team im Mark treffen. Hillary Clinton reagierte bereits, setzte mehr Wahlveranstaltungen zwischen San Diego und Eureka an, ihr Mann Bill Clinton tingelt ebenfalls durch den westlichen Bundesstaat.

Und Sanders? Der tritt vor Tausenden auf, wie in Oakland vor geschätzten 11.000 Zuhörern, die Menschen, die ihn sehen wollten reihten sich in eine Schlange ein, die sich um sechs Downtown Häuserblocks zog. Und dann veröffentlichte Sanders im Endspurt um Kalifornien weitere Spots, mit Themen, die den Bundesstaat betreffen. Der Senator trifft einfach den richtigen Ton in seinem Wahkampf. Wenn ich mir meine Nachbarschaft hier in Oakland ansehe, dann könnte es wirklich am kommenden Dienstag zu diesem Erdrutschsieg für den 74jährigen kommen:

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Bernie, ich und 10.000 andere

Oakland hat an diesem Memorial Day den „Bern“ gefühlt. Gleich zwei Veranstaltungen waren angesetzt. Zur größeren, direkt vor dem Rathaus der Stadt, kamen weit über Zehntausend Menschen. Etwa eine Stunde vor dem eigentlichen Redebeginn kam ich an, die Menschenschlange wickelte sich da um etliche Downtown-Blocks. Nur langsam ging es voran, denn der Secrete Service hatte alles abgesperrt, jeder, der zum Veranstaltungsort kommen wollte, mußte seine Taschen durchsuchen lassen und durch Metalldetektoren gehen. Und die wurden von TSA-Beamten bedient, die derzeit an allen Flughäfen in den USA fehlen. Mit Donald Trump, Hillary Clinton und Bernie Sanders gibt es damit gleich drei Nebeneinsatzbereiche für die TSA-Mitarbeiter.

Die Oakland Polizei, war für den äußeren Bereich zuständig, der Secret Service für die direkte Sicherung des Auftrittsortes. Auf den Dächern rund um den Frank-Ogawa-Plaza standen Uniformierte mit Fernrohren, vor der Bühne die Männer mit Stirnacken, Anzug, Sonnenbrille und dem Knopf im Ohr.

Bernie Sanders hatte ein Heimspiel in Oakland. Hier in der Bay Area ist Bernie-Land, überall sieht man die „Lawn Signs“, die Rasenschilder für den demokratischen Sozialisten. Die Bay Area ist der progressviste Teil des Landes, hier spricht man offen über und unterstützt die politische Revolution, die Bernie Sanders fordert. In seiner vielbejubelten Rede sprach er all das an, was ihn in diesem Wahlkampf so bekannt gemacht hat. Er forderte einen Mindestlohn von 15 Dollar, eine Umverteilung des Reichtums in den USA, stärkere Umweltschutzmaßnahmen, gleiche Rechte für alle. Sanders führte Deutschland als Beispiel dafür an, dass eine kostenlose Hochschulbildung auch in den USA möglich sei.

Bernie Sanders präsentierte sich erneut als der Kandidat der Demokraten, der die Massen bewegen kann. Viele junge Wähler waren dort, doch nicht nur. Sanders verlangte von seinen Zuhörern, dass sie in der kommenden Woche Geschichte schreiben, denn auf Kalifornien komme es in dieser Vorwahl an. Der direkte Sieg von Sanders ist fast unmöglich, doch der Senator aus Vermont will mit Siegen aus dem letzten Super-Tuesday zum Wahlkonvent der Demokraten ziehen, um dort die neue Plattform der Demokraten maßgeblich zu prägen.

Der Lügenbaron hat die Buxe voll

Nun also doch nicht. Da bekam Donald Trump kalte Füße. Gestern kündigte er noch groß eine live übertragene Fernsehdebatte aus einem Stadion mit Bernie Sanders an. Am Freitag kam dann der Rückzieher, es sei für ihn, den Kandidaten der Republikaner,  „unangebracht“ mit dem Zweitplatzierten im demokratischen Rennen und höchstwahrscheinlichen Verlierer gemeinsam aufzutreten. So kann man auch erklären, dass man Muffensausen hat, denn noch am Tag zuvor meinte der New Yorker Egomane: „Ich würde gerne mit Bernie eine Debatte führen. Aber ich will damit viel Geld für gemeinnützige Organisationen sammeln. Was wir machen sollten ist, wir sollten Geld, vielleicht 10-15 Millionen Dollar für Gesundheitsprojekte von Frauen zusammenkriegen, das wäre eine gute Sache. Ich kenne das Fernsehgeschäft sehr gut, ich glaube, es würde sehr hohe Einschaltquoten bringen. Es sollte in einer großen Arena sein. Und wir können jede Menge Spaß damit haben.“

Senator Bernie Sanders reagierte gelassen, so, als ob er das Kneifen des Donald schon erwartet hätte: „Ich hoffe, er ändert wieder seine Meinung. Mr Trump ist ja bekannt dafür seine Meinung mehrmals am Tag zu ändern. Trump ist ein Raufbold, ein großer, harter Kerl. Ich frage Sie, Mr. Trump, vor was haben Sie Angst?“

Lalalala...Donald Trump verschließt die Ohren vor dem Naturschutz. Foto: Reuters.

Lalalala…Donald Trump verschließt die Ohren vor dem Naturschutz. Foto: Reuters.

Am Freitagnachmittag hatte Trump dann eine Wahlveranstaltung in Fresno, Kalifornien, im „Heartland“ des landwirtschaftlichen Anbaus. Von hier wird Amerika mit Gemüse versorgt. Die Bauern im Central Valley leiden besonders unter der Wasserknappheit im Bundesstaat. Vorgeschriebene Einsparungen und ein gesunkener Grundwasserspiegel hat viele Farmer an den Rand der Existenz gebracht. Kein Wunder also, dass Trump erklärte, die Dürre gebe es gar nicht. Der Staat und die Regierung in Washington verschwendeten Wasser für den Erhalt eines neun Zentimeter langen Fisches. Der „Delta Smelt“ ist eine bedrohte Fischart, die noch im Sacramento River zu finden ist. Schutzmaßnahmen verhindern, dass für die Landwirtschaft mehr Wasser aus dem Fluß gepumpt wird. Wasser, so die Farmer, das dringend im Central Valley gebraucht wird.

Trump erklärte nach einem 30minütigen (!) Treffen mit Vertretern der Bauernorganisation, in dem die Farmer ihm von der Wasserknappheit in Kalifornien berichteten: „Wir werden Eure Wasserprobleme lösen. Ihr habt ein Wasserproblem, das verrückt ist. Es ist so bekloppt, dass sie das Wasser einfach ins Meer fließen lassen. Wenn ich gewinne, liefern wir wieder mehr Wasser, damit die Farmer hier überleben können.“

Nach 30 Minuten war und ist Donald Trump zu einem kalifornischer Wasserexperten geworden. Naturschutz interssiert ihn nicht. Man kann nur hoffen, dass er im Falle eines Wahlsieges nicht alle seine weitreichenden Entscheidungen in nur 30 Minuten fällen wird.

Popcorn, Chips und ein nette Flasche Wein

Jetzt wird richtig am Wahlkampfrad gedreht. Eigentlich sollten Hillary Clinton und Bernie Sanders noch eine Fernsehdebatte vor der abschließenden Vorwahl in Kalifornien führen. Doch Hillary zickt rum. Sie hält sich nicht an die eigentlich abgemachten Termine. Bernie regte sich vor ein paar Tagen darüber so richtig auf, beschuldigte die demokratische Parteiführung, ein abgekartetes Spiel zu führen. Am Montag meinte der Senator aus Vermont auf einer Wahlkampfveranstaltung: „Vor ein paar Monaten, hatten wir uns auf ein einige Debatten geeinigt, darunter eine hier in Kalifornien. Ich muß sagen, ich empfinde es als eine Beleidigung für Kalifornien – unseren größten Bundesstaat – dass sie nicht darauf vorbereitet ist, mit mir eine Diskussion darüber zu führen, wie wir die großen Krisen angehen, die uns bevorstehen.“

Bernie Sanders Wahlkampfmanager, Jeff Weaver, brachte daraufhin eine mögliche Debatte zwischen Sanders und Trump ins Gespräch. Am Donnerstag war #BernieTrumpDebate eines der meist benutzten Hashtags auf twitter. Der Donald ließ sich da nicht lumpen und antwortete am Donnerstagnachmittag auf einer Pressekonferenz: „Ich würde gerne mit Bernie eine Debatte führen. Aber ich will damit viel Geld für gemeinnützige Organisationen sammeln. Was wir machen sollten ist, wir sollten Geld, vielleicht 10-15 Millionen Dollar für Gesundheitsprojekte von Frauen zusammenkriegen, das wäre eine gute Sache. Ich kenne das Fernsehgeschäft sehr gut, ich glaube, es würde sehr hohe Einschaltquoten bringen. Es sollte in einer großen Arena sein. Und wir können jede Menge Spaß damit haben.“

Und dann antwortete Bernie Sanders in einem Tweet: „Ich freue mich, dass @realDonaldTrump der Debatte zugestimmt hat. Laßt es uns im größtmöglichen Stadium machen.“ Am Nachmittag fügte er dann noch auf einer Wahlkampfveranstaltung in Ventura hinzu: „Es scheint, Donald Trump will eine Debatte. Ich kann es kaum erwarten“.

Der Showkampf kann beginnen, es wird ein vielbeachteter und vielgesehener Fernsehabend. Der Verlierer steht auch schon fest: Hillary Clinton!

Ein Präsident für alle Einwohner

Wahlkampf ist ein Politzirkus. Das wird in diesem Präsidentschaftswahlkampf nur allzu deutlich. Vollmundige Töne, große Versprechen, ein lautes Tam-Tam. Und dann ist da einer wie Bernie Sanders, der eigentlich so gar nicht in das geleckte Politbild passt. Die Haare wirr, der Anzug zerknautscht, er wirkt wie der etwas mürrisch dreinblickende Senior im Zeitungscafé. Doch Sanders begeistert vor allem die jungen Leute in den USA. Sein Wahlkampf ist eine Welle, die derzeit das ganze Land erfasst.

Bernie Sanders Action-Figur.

Bernie Sanders Action-Figur.

Das ganze Land wohlgemerkt. Bernie Sanders ist der einzige Kandidat, der gezielt und bewußt und ohne großen Pressezirkus die Reservate der Indianer, der Ureinwohner Amerikas aufsucht. Zuletzt fuhr er nach Pine Ridge, abgelegen in South Dakota, um dort mit den Bewohnern zu sprechen. Bernie Sanders will von ihnen hören, denn er weiß, gerade die „Native Americans“ sind nach wie mehr als benachteiligt, sind am äußersten Rande der Gesellschaft zu finden. Allein im Reservat Pine Ridge verlassen 70 Prozent der High School Schüler die Schule ohne Abschluss. Die Arbeitslosigkeit ist riesig, wie auch die Drogen- und Alkoholprobleme.

Bernie Sanders ist der einzige Kandidat, der auch in den Fernsehdebatten von sich aus die Problematiken in den Reservaten angesprochen hat. Und das wurde gehört. Zwei Prozent der amerikanischen Bevölkerung sind „Native American“. Viele von ihnen unterstützen Sanders im Wahlkampf, gerade weil er glaubwürdig ist und sich nicht verbiegt. Was der Senator aus Vermont in seinem Wahlkampf geschafft hat, ist, den Blick auf die Ränder der Gesellschaft zu werfen. Er reist und rauscht nicht an mit großen Versprechen, fabuliert nicht von „the greatest nation“. Er spricht vielmehr die Probleme dieses Landes an, in dem es nach wie vor Reservate gibt, in denen Menschen ohne Hoffnung und Zukunft leben.

Kein Wunder, dass Bernie-Fans nun mit einer Kickstarter-Kampagne eine Bernie-Actionfigur umgesetzt haben. Sanders ist zwar nicht der muskelbepackte Marvel-Comic Held, aber er legt mit diesem Wahlkampf den Finger in die Wunden Amerikas. Das ist ehrlich und glaubwürdig und, ja, heldenhaft in einem Land, in dem noch immer viele der Meinung sind, „America is the best place on earth“.

Mein Kreuzchen machen

IMG_5718Mit einem Kreuzchen komme ich hier nicht weit. In meinem County, Alameda, werden Linien gezogen. Das ist hier so, in anderen Counties, in anderen Bundesstaaten ist das wieder ganz anders. Ein einheitliches System gibt es in den USA nicht.

Der US Präsidentschaftswahlkampf kommt nun auch nach Kalifornien. Diesmal haben die Stimmen sogar eine Bedeutung, nicht mehr bei den Republikanern, da ist Donald Trump durch. Doch bei den Demokraten könnte sich noch was tun. Bernie Sanders rechnet sich noch was aus, und mit einem Sieg gegen die Frontrunnerin Hillary Clinton im bevölkerungsreichsten Bundesstaat könnte er mit breiter Brust nach Philadelphia zum Parteikonvent fahren.

IMG_5720Ich bin als „Independent“ registriert und darf dennoch bei den Demokraten im Vorwahlkampf mit abstimmen. Daneben wird am 7. Juni noch über einiges mehr entschieden. Ein paar weitere Vorwahlen für verschiedene politische Ämter stehen an, darunter für den US Kongress und Senat , für den kalifornischen Senat und „Assembly“ (Landtag). Und dann darf man seinen Strich auch bei Richtern und Schulaufsichtsbehörden ziehen. Keine Ahnung, wer da kandidiert und warum ich die wählen soll. Ich glaube, ich konzentriere mich auf die Ämter und Personen, die ich kenne und fange erst gar nicht mit solchen Wahlen für Richter, Behöreden oder U-Bahn Gremien an. Was soll das auch?