The State of the (Un)Union

Es wurde eine Rede angekündigt, die das Land zusammenbringen sollte. Ein Brückenschlag, ein Schulterschluss, eine ausgestreckte Hand. Doch am Ende war klar, die Vereinigten Staaten von Amerika sind politisch tiefer gespalten als je zuvor. Donald Trump beleidigte zwar nicht die Demokraten, wie er das tagtäglich über Twitter tut, aber hier sprach jemand, der einfach nicht anders kann, der vorgibt „my way or the highway“, der mit Halbwahrheiten, Lügen und Übertreibungen arbeitet. Trumps Amerika ist ein anderes Amerika, das machte er deutlich mit seiner teils wirren Rede, in der er oftmals ohne Atem zu holen von einem Punkt zum nächsten sprang. Interessant vor allem, was er nicht sagte, was er wegließ, was er so hin bog, dass es für seine Sicht der Dinge passte. Oftmals hatte man den Eindruck, dass Trump ein politisches Theater darbot, den Wahlkampf nie hinter sich gelassen hat und auf bestimmte Reaktionen der Demokraten hoffte, die er auch bekam, um so eindeutige Fernsehbilder für kommende Fernsehspots zu erhalten.

Nach der Rede gab es einige Analysen und Gegenreden von demokratischen Politikern. Die, die besonders heraussticht kam von Bernie Sanders, der gekonnt, gezielt und punktgenau die Rede des Präsidenten auseinandernahm. Sanders hätte 2016 gegen Donald Trump kandidieren sollen, er hätte es wahrscheinlich geschafft und Amerika wäre heute ein anderes Land. Das wäre ein Duell zweier unterschiedlicher Kandidaten gewesen. Hier ein selbstverliebter Populist, da ein intellektueller Sozialist. Hier jemand, der sich nicht an die Fakten hält und „alternative Wahrheiten“ schafft, da ein brillanter Analytiker, der komplizierte Sachverhalte verständlich erklären kann. Die Frage ist sicherlich, wird Bernie Sanders erneut antreten, um die Nominierung der Demokraten 2020 zu bekommen. Er wäre am Wahltag 79 Jahre alt, Donald Trump 74. Eigentlich bräuchte dieses Land einen Bernie Sanders, der durchaus Brücken bauen, Menschen zusammen bringen kann.

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Was macht Bernie?

Wenn man sich die Aktivitäten von Bernie Sanders in den sozialen Medien ansieht, dann kann man den Eindruck bekommen, dass der 77jährige noch einmal in den Präsidentschaftswahlkampf eingreifen will. Er mischt sich ein, fordert, wie in diesem Tweet, dazu auf, gemeinsam für die Sache zu kämpfen, dann könne man auch gewinnen. Das lässt sich nun so oder so lesen. Fakt ist, Bernie Sanders spielt erneut mit dem Gedanken zu kandidieren. Aus dem Sanders Umfeld heißt es, eine Entscheidung stehe kurz bevor.

Doch kann der am Wahltag 2020 79jährige noch einmal die Menschen in den USA so begeistern, wie er das im Vorwahlkampf gegen Hillary Clinton geschafft hat? Und dann sind da auch noch etliche andere, vor allem Kandidatinnen, wie Kamala Harris, die eigentlich Sanders politisches Erbe antreten wollen. Harris hat am Sonntag vor 20.000 Menschen in Oakland gezeigt, dass sie durchaus in der Lage ist, eine breite Bewegung gegen die Wiederwahl von Donald Trump aufzubauen. Und das mit einer klaren eigenen politischen Agenda, die durchaus an Bernie Sanders Wahlkampf 2016 erinnert.

Bernie Sanders ist nach wie vor bei seiner Basis beliebt. Viele hoffen darauf, dass er noch einmal kandidiert, dass er mit seinen für die USA progressiven Forderungen Donald Trump aus dem Weißen Haus jagt. Doch Sanders sollte nicht mehr in den Ring steigen, vielmehr geht es darum, eine geeinte demokratische Partei in den Wahlkampf zu führen mit einer Kandidatin, die am Ende gewinnen kann. Bernie Sanders wäre der richtige Kandidat 2016 gewesen, doch Hillary Clinton setzte sich mit unfairen Mitteln im eigenen Lager durch, um dann kläglich gegen den Populisten Trump zu scheitern. Die Zeit ist nun reif für eine Frau, die es schaffen kann. Sanders ist wichtig im Senat und für die demokratische Kandidatin, die gegen Trump antreten wird, denn, „when we stand together, we can win“.

„Lyin‘ Ted“ und Donalds Tweet

Im Wahlkampf 2016 machte sich Donald Trump über so manchen Gegner lustig. Jeb Bush hatte „low energy“, Marco Rubio war zu klein („little Mario“), Bernie Sanders war für Trump nur „Crazy Bernie“ und natürlich gab es da auch „Crooked Hillary“. Einer aus der eigenen Partei, der bis zum Schluß sein Fett abbekam war „Lyin‘ Ted“, damit gemeint war der texanisch-republikanische Senator Ted Cruz. Beide schenkten sich im Wahlkampf nichts, doch vor allem Trump griff Cruz immer wieder auf Twitter an. Unbarmherzig, brutal und frontal.

Foto: GoFundMe.

Nach der erfolgreichen Wahl von Donald Trump wurde das Geschimpfe begraben, nun war man wieder beste Freunde. Allerdings haben so einige die bitteren und beleidigenden Worte von Trump in Richtung Ted Cruz nicht vergessen. Einer davon Antonio Arellano, ein Aktivist aus Houston, der kurzerhand eine GoFundMe Seite online stellte, um seine Idee einer großen Billboard-Tafel zu verwirklichen. Und die soll nun schon bald genau dort stehen, wo Präsident Trump schon bald  für seinen Senator Ted Cruz im Wahlkampf auftreten will. Cruz muss sich nämlich einer Wiederwahl stellen und sein Sieg im November ist nicht sicher. Man kann sich also fragen, wie die Wählerinnen und Wähler darüber denken, wenn Trump für Cruz wirbt, wenn er noch vor kurzem über ihn sagte, dass Ted Cruz eigentlich so rein gar nichts für die Texaner erreicht hat, „all talk, no action“!

Augen zu und durch

Die USA gehen auf massiven Konfrontationskurs mit den Vereinten Nationen. Zwei Tage nach dem Ausstieg der USA aus der Menschenrechtskommission der UN wettert Botschafterin Nikki Haley gegen einen Bericht des Armutsbeauftragten der UN.

In einem im Mai veröffentlichten Dokument hatte Philip Alston kritisiert, die Vereinigten Staaten hätten die höchste Kinderarmut, die höchste Säuglingssterblichkeitsrate, die höchste Anzahl an Häftlingen, die höchste Einkommensungleichheit und den höchsten Anteil an fettleibigen Menschen in der entwickelten Welt. Dazu kämen noch 40 Millionen Menschen in den USA, die in Armut lebten. Alston beschuldigte Präsident Donald Trump und den republikanischen Kongress mit ihrer vielgepriesenen Steuerreform die Armut und die Einkommensungleichheit im Land weiter zu vertiefen.

Die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley ist kein Fan der UN. Foto: Reuters.

Die UN-Botschafterin der USA, Nikki Haley, reagierte nun mit deutlichen Worten. In einem Antwortschreiben an Senator Bernie Sanders meinte sie, der Bericht sei „irreführend und politisch motiviert“ und beschreibe keinstenfalls „das reichste und freieste Land der Welt“. „Es ist offenkundig lächerlich für die Vereinten Nationen die Armut in Amerika zu untersuchen. In unserem Land beschäftigen sich der Präsident, Mitglieder des Kongresses, Gouverneure, Bürgermeister und Stadträte tagtäglich mit Armutsfragen. Vergleichen sie das mit vielen Ländern auf der Welt, deren Regierungen wissentlich die Menschenrechte verletzen und so Not und Elend fördern“. Haley erklärte weiter, die UN solle sich lieber um die Lebenssituationen in Ländern wie Burundi oder dem Kongo kümmern.

Der unabhängige Senator und demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders hatte ursprünglich bei Nikki Haley angefragt, was sie von den aufgeführten Statistiken in dem Armutsbericht halte, die besagen, dass 30 Millionen Amerikaner keine Krankenversicherung haben, mehr als die Hälfte der älteren Arbeiter in den USA keine Ersparnisse hat und etwa 140 Millionen Amerikaner Schwierigkeiten haben, ihre monatliche Grundversorgung zu finanzieren. „Sie haben sicherlich recht“, so Sanders in seiner Antwort auf Haleys Schreiben, „dass in vielen Ländern, wie der Demokratischen Republik Kongo und Burundi, die Armut viel schlimmer ist als in den Vereinigten Staaten. Aber dennoch glaube ich, dass es durchaus für den Armutsbeauftragen der UN angemessen ist, einen Blick auf die Armut in den Vereinigten Staaten zu werfen“. Es ist nicht bekannt, ob Nikki Haley bislang auf das Antwortschreiben von Bernie Sanders reagiert hat.

Talkin‘ about a revolution

Bernie Sanders mischt sich weiter ein. Foto: Reuters.

In diesen Wochen und Monaten dreht sich die Berichterstattung aus den USA vor allem um Donald Trump. Seine Aus- und Einfälle, seine diplomatischen Fettnäpfchen und seine unzähligen, allmorgendlichen Tweets. Trump hat ohne Zweifel Amerika seit seiner Kandidatur verändert. Doch da ist noch ein anderer Politiker, der hinter den Kulissen das Land beeinflusst, der mit 13.7 Millionen Stimmen im Vorwahlkampf 2016 mehr Wähler für sich gewinnen konnte als Donald Trump bei seiner republikanischen Präsidentschaftsnominierung: Bernie Sanders.

Sanders reist seit der Wahl quer durchs Land, um seine Ideen eines liberalen Amerikas zu verbreiten. Sein Buch ist ein Bestseller geworden, seine gegründete Organisation „Our Revolution“ mischt sich in lokale Wahlkämpfe ein, Bernie Sanders legt schon jetzt die Grundlage für eine weitere Präsidentschaftskandidatur 2020. Große Chancen werden ihm nicht ausgerechnet, und doch, Sanders hat Amerika auf seine Weise verändert. Die Demokraten sind spürbar nach links gerutscht, vertreten heute viele der Grundforderungen von „Bernie“: Eine allgemeine Krankenversicherung, kostenfreie Bildung, Legalisierung von Marihuana, eine neue Steuerreform zugunsten von Geringverdienern und der vielumworbenenen „Middle Class“. In den jüngsten Vorwahlen sind etliche Kandidaten mit diesen Zielen angetreten und konnte sich durchsetzen. Die Revolution, die Bernie Sanders in seinem Wahlkampf ausgerufen hatte, findet statt. Langsam, aber stetig.

In den USA sind nach dem brutalen Wahlkampf und dem überraschenden Wahltriumph von Donald Trump viele Demokraten in eine Schockstarre gefallen. Das, was sich da nach acht Jahren Barack Obama ankündigte, wollte niemand wahrhaben. Lieber Augen zu und hoffen, dass der Alptraum bald vorbei sei. Nicht so Bernie Sanders, der erkannte, dass er mit seinem Millionenheer an engagierten Wählern, seinem Graswurzelwahlkampf, seiner Ablehnung des politischen Establishments durchaus eine Chance auf Veränderung in den USA hat. Der 76jährige kämpft und predigt den Amerikanern unermüdlich die Grundwerte Amerikas. Und das kommt an, wie die Verschiebung der Themen innerhalb der demokratischen Partei zeigt. 2018 ist ein wichtiges Wahljahr, danach beginnt der Vorwahlkampf für das Duell mit Donald Trump. Sanders ist gerüstet für die Schlacht gegen den selbstverliebten Donald Trump. Ganz sicher wird er ein Wörtchen mitzureden haben, wer am Ende bei den Demokraten in den Ring steigen wird…let’s talk about a revolution.

Der Ton macht es aus

Letzte Woche malten die Republikaner in Cleveland den Teufel an die Wand. Nach all den Redebeiträgen hatte ich das Gefühl, ich muss langsam doch mal meine Haustüre abschließen, denn anscheinend warten da draußen bewaffnete Übeltäter und Terroristen, um mich abzuknallen. Wenn man den Republikanern und allen voran Donald Trump Glauben schenken möchte, dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann ich, unbewaffnet und naiv, zum Opfer werde. Krisen- und Kriegsgebiete habe ich überlebt, auch mehrere Aufenthalte im Drogenkartellsumpf von Ciudad Juarez, aber die USA scheinen die „Frontline“ im Krieg gegen alles und nichts zu sein. Und dann ist da Trump, der als starker Führer die Amerikaner vor ihrem Weltuntergang retten wird. Es wunderte mich schon, dass in der „Quicken Loans Arena“ nicht einige lautstark „Heil Donald“ riefen.

So ganz anders klingt es bei den Demokraten. Die hatten am Montag ersteinmal mit sich selbst zu kämpfen, denn nach dem Datenklau und den veröffentlichten Emails, in denen deutlich wurde, dass die Parteiführung sich schon frühzeitig auf Hillary Clinton festgelegt hatte, war erst einmal Rambazamba in Philadelphia angesagt. Die Bernie Sanders Anhänger protestierten lautstark und verlangten Konsequenzen. Und die Partei lieferte, u.a. damit, dass die Vorsitzende der Partei, Debbie Wasserman Schultz, mit sofortiger Wirkung ihren Job abgab. Das musste auch sein.

Und dann kam First Lady Michelle Obama auf die Bühne, danach Senatorin Elizabeth Warren und schließlich Bernie Sanders selbst. Es wurden innerparteiliche Brücken gebaut und Bernie zeigte seine wahre Größe in diesem Wahlkampf. Monatelang predigte er von der politischen Revolution, am Montagabend forderte er seine Unterstützer auf, Hillary Clinton zu wählen, denn der Gegner sei bei allen Kontroversen und unterschiedlichen Ansätzen nicht Clinton sondern Trump. Sanders führte auf, in welche Richtung sich die USA bewegen würden, wenn Trump ins Weiße Haus einziehen würde. Allein dieses Bild sollte viele davon überzeugen, dass im November mehr auf dem Spiel steht als nur ein gekränktes Ego. Und Bernie Sanders machte es vor. Nun ist es an der Partei selbst, die Reihen zu schließen und den Alptraum Donald Trump als Präsident zu beenden. Trump hat im Vorwahlkampf schon genügend Schaden angerichtet, nicht vorzustellen, was auf nationaler und internationaler Ebene passieren würde, wenn dieser Egomane im Oval Office Platz nimmt.

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Die demokratischen Reihen schließen sich

Bernie Sanders unterstützt nun also Hillary Clinton. Das war klar, es mußte so kommen. Hillary Clinton hatte deutlich die Vorwahlen gewonnen, auch wenn die Regeln für diese Stimmabgaben im ganzen Land mehr als fragwürdig sind. Denn Hunderte von Delegierten für den Parteitag werden von der Partei gestellt und ein Großteil von ihnen hatte sich schon auf Hillary Clinton festgelegt, noch bevor Bernie Sanders überhaupt im Rennen war, noch bevor überhaupt eine Stimme abgegeben wurde.

Aber egal, Clinton hat in diesem Wahlsystem gewonnen, daran wird sich nichts ändern. Bernie Sanders konnte zwar Millionen, zumeist junge Wähler im Wahlkampf überzeugen, aber am Ende verlor er gegen die demokratische Parteimaschine. Danach ließ er sich Zeit, die Siegerin zu unterstützen. Viele kreideten ihm das an, doch Sanders hatte ein gutes Recht dazu. Er hätte sich unglaubwürdig gemacht, wenn er sich sofort hinter Clinton eingereiht hätte, wie es Chris Christie auf der republikanischen Seite getan hatte.

Ein gemeinsames Winke-Winke gegen Donald Trump. Foto: Reuters.

Ein gemeinsames Winke-Winke gegen Donald Trump. Foto: Reuters.

Nun also ist Bernie Sanders im Clinton-Lager, aber erst nachdem er deren politische Plattform deutlich nach links manövriert hat. Clinton fordert nun auch 15 Dollar Mindeststundenlohn, strengere Auflagen für die Machenschaften an der Wall Street und, aus meiner Sicht ganz wichtig, ein Ende der Todesstrafe in den USA. Sanders war nämlich der einzige Präsidentschaftskandidat auf weiter Flur, der offen ein Verbot der Höchststrafe forderte.

Es ist sicherlich keine heiße Romanze zwischen Sanders und Clinton, man versteht sich, man unterstützt sich nun gegenseitig, aber die große Liebe ist es nicht. Aber der Senator aus Vermont sieht die aktuelle Situation durchaus pragmatisch: „In diesen schwierigen Zeiten für unser Land muß diese Wahl darum gehen, die Menschen zusammen zu bringen und nicht zu spalten. Während Donald Trump Mexikaner, Muslime, Frauen, Afro-Amerikaner und Veteranen beleidigt, versteht Hillary Clinton, dass unsere Vielfalt eine unserer größten Stärken ist“, erklärte Sanders am Dienstag auf der gemeinsamen Veranstaltung mit Hillary Clinton in New Hampshire. Also Trump und einige deutliche Zugeständnisse aus dem Clinton-Lager brachten letztendlich den Schulterschluß.

Hillary Clinton kann die deutlichen Worte von Bernie Sanders gebrauchen. In keiner Umfrage liegt sie derzeit deutlich vor Donald Trump. Die Unterstützung des „demokratischen Sozialisten“ sollte nun ein Push für Clinton sein. Es wird sich zeigen, ob sie Wort hält und im Wahlkampf für die Grundprinzipien der Sanders-Wähler eintreten wird. Erst dann wird sie wohl auch die Millionen Stimmen der Wählerinnen und Wähler des Senators bekommen.

Donald Trump unterdessen beschuldigt Bernie Sanders des „Ausverkaufs“, er habe mit der Unterstützung Clintons sich und seine Wähler verraten. Eine nicht gerade ehrliche Haltung, denn Trump schäumt ja derzeit darüber, dass so einige seiner ehemaligen Konkurrenten ihn nicht als den neuen, großen Zampano der republikanischen Partei akzeptieren und unterstützen wollen.

 

Die Revolution entlässt ihre Kinder

Das war dann doch ein deutlicheres Ergebnis als erwartet. 55,9 zu 43,1 Prozent sah der Sieg oder die Niederlage aus, wie man es eben sehen will. Kalifornien „didn’t feel the Bern“. Der Traum für Bernie Sanders Präsidentschaftskandidat der Demokraten zu werden ist damit ausgeträumt. Sanders verlor sogar in den äußerst progressiven und liberalen Bezirken wie San Francisco, Alameda (Oakland), Contra Costa (Berkeley). Ein Problem, dass für den Senator in Kalifornien alles entscheidend war, die Wählerbeteiligung war niedrig, was bedeutet, die vielen jungen und Neuwähler in seinen Reihen nutzten ihr Wahlrecht nicht. Vielleicht sollte man da in Zukunft ansetzen und ihnen erklären, gewählt wird nicht lautstark und mit Pappschild auf der Straße, sondern in Wahllokalen.

Bernie Sanders wird mit erhobener Faust aus dem Rennen scheiden. Foto: Reuters.

Bernie Sanders wird mit erhobener Faust aus dem Rennen scheiden. Doch damit ist er nicht am Ende. Foto: Reuters.

Hillary Clinton schrieb am Dienstagabend Geschichte. Sie ist mit den Siegen in New Jersey, New Mexico, South Dakota und Kalifornien die erste Frau, die zur Präsidentschaftskandidatin einer der beiden großen US-Parteien wird. Daran führt kein Weg mehr vorbei. Bernie Sanders weiß das, auch wenn er am Wahlabend erklärte, er werde bis zum Parteitag in Philadelphia Ende Juli weitermachen. Sanders wird, ja muß einen Rückzug antreten. Das Gespräch mit Barack Obama am Donnerstag in Washington wird schon als ein erstes Zeichen eines geordneten Ausstiegs aus dem Wahlkampf gesehen. Der Präsident und auch Hillary Clinton hatte nur gute Worte für die mitreißende Kampagne des Senators. Bernie Sanders machte am Dienstagabend auch deutlich, dass eines der Hauptziele in dieser Wahl sei, Donald Trump zu stoppen. Dessen aggressiver, xenophober, schmieriger und verletzender Wahlkampf ohne Rücksicht auf Verluste dürfe nicht zu einem Sieg im November führen. Damit machte der Senator klar, dass er sich auf alle Fälle hinter Hillary Clinton stellen wird.

Und auch seine Unterstützer sollten das tun. Zwar umwirbt Donald Trump frustrierte Bernie Sanders Wähler mit den Worten, das Wahlsystem sei ein abgekartetes Spiel und er als Außenseiter sei für sie die richtige Alternative zum Senator. Doch darüber kann man nur lachen. Inhaltlich sind beide soweit voneinander entfernt wie Sonne und Mond. Bernie Sanders wird nun in den kommenden Tagen und Wochen an seiner Handschrift im Wahlprogramm der Demokraten arbeiten. Hillary Clinton wird das schlucken müssen, sie weiß, ohne den Senator aus Vermont wird sie nicht ins Weiße Haus einziehen können.

Am Ende steht der Anfang

Morgen wird in Kalifornien gewählt. Dann auch noch in New Jersey, Montana, New Mexico, North Dakota, South Dakota. Hillary Clinton braucht noch 30 Delegiertenstimmen, dann hat sie die Latte von 2383 überwunden. Das wird also morgen passieren. Hillary Clinton ist durch, obwohl sie das „nur“ mithilfe der Superdelegiertenstimmen schafft. Auch wenn viele der Meinung sind, dazu zähle ich auch mich, dass das ganze Theater von Vorwahlen ein einziger Witz ist, wenn am Ende von der Partei gesetzte Superderdelegierte den Ausgang entscheiden. Aber so sind die Parteiregeln der Demokraten und daran wird sich auch nichts ändern. Bernie Sanders und seine Wähler sind dabei die deutlichen Verlierer.

Hillary Clinton macht den Sack am Dienstag zu. Foto: Reuters.

Hillary Clinton macht den Sack am Dienstag zu. Foto: Reuters.

Hillary Clinton wird damit die Kandidatin der Demokraten, diejenige, die den Einzug Donald Trumps ins Weiße Haus verhindern soll (und muß). Nach einem endlosen Vorwahlkampf, einer Schlacht, wie sie Amerika noch nicht gesehen hat, beginnt nun also das Duell der beiden politischen Gegner. Demokraten gegen Republikaner. In den kommenden Wochen und Monaten kommt es zu einem brutalen, teuren und sicherlich nicht fairen Wahlkampf. Trump hat bereits bewiesen, dass er gerne und auch täglich austeilt. Seine Verbalschläge haben mit Fairness nichts zu tun. Donald Trump kennt nur Donald Trump, wenn er sagt „I will make America great again“, dann sieht er eigentlich nur das „ME“ in Amerika. Trump ist ein Egomane und Selbstdarsteller und gefährlich obendrein.

Hillary Clinton hat in der letzten Woche damit begonnen, gezielter gegen Trump vorzugehen. Ihre Rede zur Außenpolitik läßt bereits darauf schließen, dass sie sich von dem tönenden Milliardär nicht einschüchtern läßt. Hillary hat sich in ihren Zeiten als First Lady, als Senatorin, als Präsidentschaftskandidatin und Außenministerin eine dicke Haut angelegt. Und sie kann selbst zuschlagen. Die Clinton-Maschine kommt gerade erst in Gang. Der Wahlkamp 2016 wird mit Sicherheit in die Geschichtsbücher eingehen.

Im Golden State soll es Gold für Bernie geben

Hillary Clinton wird am kommenden Dienstag die Kandidatin ihrer Partei. Die in den Vorwahlen gewonnenen Delegiertenstimmen und die sich für sie ausgesprochenen Parteidelegierten werden ausreichen, um ihr eine Mehrheit auf dem Parteikonvent zu verschaffen. Ein demokratischer Prozess der Demokraten ist das nicht, denn viele der „Super Delegates“ hatten sich bereits vor der offiziellen Kandidaturverkündung von Bernie Sanders auf die Seite Clintons geschlagen.

Bernie Sanders will nicht aufgeben, er kämpft weiter, will mit Wahlsiegen und guten Ergebnissen beim letzten Super-Tuesday mit Stimmabgaben in New Jersey, Montana, North Dakota, South Dakota, New Mexico und vor allem Kalifornien gestärkt aus der letzten Kurve des Wahlkampfes kommen. Sanders setzt in diesen letzten Tagen alles auf einen Wahlsieg im „Golden State“. Vor ein paar Monaten war das noch in weiter Ferne, der Senator aus Vermont lag abgeschlagen und deutlich hinter der Über-Demokratin. Doch die letzten Umfragen zeigen Sanders fast gleichauf mit Clinton. Ein Sieg am Dienstag in Kalifornien würde das Hillary-Team im Mark treffen. Hillary Clinton reagierte bereits, setzte mehr Wahlveranstaltungen zwischen San Diego und Eureka an, ihr Mann Bill Clinton tingelt ebenfalls durch den westlichen Bundesstaat.

Und Sanders? Der tritt vor Tausenden auf, wie in Oakland vor geschätzten 11.000 Zuhörern, die Menschen, die ihn sehen wollten reihten sich in eine Schlange ein, die sich um sechs Downtown Häuserblocks zog. Und dann veröffentlichte Sanders im Endspurt um Kalifornien weitere Spots, mit Themen, die den Bundesstaat betreffen. Der Senator trifft einfach den richtigen Ton in seinem Wahkampf. Wenn ich mir meine Nachbarschaft hier in Oakland ansehe, dann könnte es wirklich am kommenden Dienstag zu diesem Erdrutschsieg für den 74jährigen kommen:

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