Der Totengräber der Demokratie

Donald Trump bestimmt durch seine selbstgewählte Opferrolle im Ukraine Skandal auch den Wahlkampf der Demokraten. Es ist schon erstaunlich, wie dieser Mann aus einer eindeutigen Täterrolle eine Opferrolle einnehmen kann und es darüberhinaus noch schafft, seine Parteisoldaten hinter sich zu bringen. Hier werden gerade unglaubliche Verschwörungstheorien gesponnen, um diesen selbstverliebten Präsidenten zu schützen.

Fakten zählen schon lange nicht mehr in den USA. Foto: Reuters.

Und die Demokraten finden keine Antwort auf den Trumpschen Frontalangriff. Schlimmer noch, ihre drei führenden KandidatInnen im Rennen haben wohl keine Chance mehr das Rennen zu machen. Joe Biden ist durch die rund um die Uhr Angriffe durch Trump angeschlagen. Egal, ob was dran ist oder auch nicht an den Ukraine Vorwürfen, es wird etwas hängen bleiben. Biden ist daduch geschwächt.

Geschwächt ist nun auch Bernie Sanders, der einen Herzanfall erlitt. Mit 78 Jahren ist Bernie in einem Alter, in dem er eigentlich nicht mehr kandidieren sollte, doch bislang schien der Senator wie das berühmte Batterie-Häschen ohne Pausen voran zu marschieren. Damit ist nun Schluss, die Herzattacke führte allen vor Augen, dass Bernie Sanders zu alt für diesesn Job ist. Man kann nur hoffen, dass Sanders selbst ein Einsehen hat und aus dem kräftezehrenden Rennen ausscheidet.

Dann ist da Elizabeth Warren, die Senatorin aus Massachusetts, die unbedingt Kandidatin werden will. Doch viele in der Partei sehen sie als zu links an. Und auch sie wurde von Trump bereits heftigst angegangen und als „Pocahontas“ beschimpft, denn Warren erklärte lange Zeit, sie habe indianische Vorfahren. Trump baute eine Lügengeschichte darum auf, dass Warren dadurch Vorteile beim Studium und in der Jobwahl erhielt, was de facto nicht stimmt, doch auch da blieb vieles hängen. Warren ist für viele im Wahlvolk nur „Pocahontas“.

Das KandidatInnenfeld der Demokraten ist noch gross, viele Namen könnten sich nach vorne drängeln, doch die Frage ist, ob sie eine Chance haben gegen den Lügenbaron, der nicht an die herkömmlichen Spielregeln gebunden ist. Wie soll man einem Mann begegnen, der falsche Fakten als Tatsachen verkauft, der Halbwahrheiten als alternative Realität anbietet, der nachweislich und ohne Konsequenzen lügt und betrügt und davon nie etwas zurücknimmt. Die Demokraten haben bislang keine Antwort auf diese Fragen gefunden. Es ist an der Zeit, den Kopf aus dem eigenen Schoß zu ziehen und offen und direkt Donald Trump anzugehen. Er ist der eigentlich politische Gegner, er ist der Totengräber der amerikanischen Demokratie. Das Schaulaufen des demokratischen Wahlkampfes muss endlich ein Ende finden. Nun wäre es viel sinnvoller sich an einen Tisch zu setzen und die übergroßen Egos an der Tür zu lassen, eine Lösung zu finden, wer kandidiert und dann gemeinsam und geschlossen ein Ende der Trump-Regierung einzuleiten. Wenn das nicht bald passiert, muss man sich mit vier weiteren Trump Jahren anfreunden. Die Folgen wären katastrophal für die Demokratie, für die Umwelt, für das soziale Leben in den USA, für die internationalen Beziehungen, für die Zukunft.

Die Todesstrafe wird zum Wahlkampfthema

Das musste ja kommen. Während der wohl liberalste Bundesstaat in den USA, Kalifornien, ein Moratorium zur Todesstrafe durchsetzt, das von vielen Seiten als Zeichen für die gesamten Vereinigten Staaten gesehen wird, dass der Wendepunkt für die Höchststrafe im Land schon bald erreicht werden könnte, geht die Trump-Administration einen ganz anderen Weg.

Während in San Quentin vorerst nicht mehr hingerichtet wird, will Donald Trump auf Bundesebene wieder Exekutionen durchführen lassen. Foto: Reuters.

Gleich fünf Hinrichtungen sind zum Jahreswechsel angedacht. Fünf Häftlinge, die zum Tode verurteilt wurden und in Bundesgefängnissen auf ihren Tag X warten. Daniel Lewis Lee, Lezmond Mitchell, Wesley Ira Purkey, Alfred Bourgeois und Dustin Lee Honken sollen Ende 2019, Anfang 2020 hingerichtet werden. Damit setzt Donald Trump ein deutliches Zeichen. Er tritt schon seit langem für die Todesstrafe ein, forderte sogar 1989 in einer eigens geschalteten Zeitungsannonce eine schnelle Hinrichtung von fünf Verdächtigen nach einer Vergewaltigung. Später stellte sich heraus, dass die “Central Park Five” die Tat nicht begangen hatten. Eine Entschuldigung des Milliardärs folgte nicht, auch nicht später, als er zum Präsidenten gewählt wurde.

Und vor kurzem machte Trump Schlagzeilen damit, dass er die Todesstrafe für Drogendealer forderte, um so eine weitere “Waffe” im Kampf gegen den illegalen Drogenhandel zu bekommen. Die Ankündigung des Justizministeriums, nun erneut fünf Inhaftierte hinzurichten muss also auf Trump zurückgehen, denn die Bundesregierung in Washington hat seit 2003 niemanden mehr exekutieren lassen. Es gab ein quasi informelles Moratorium. Trump will also mit der Todesstrafe im Wahljahr 2020 punkten und erhofft sich so seine Gegner als Weicheier zu brandmarken, die nicht an die Opfer denken. Denn er weiss, dass einige der führenden Demokraten im Kandidatenrennen, darunter Bernie Sanders, Kamala Harris und Pete Buttigieg erklärte Todesstrafengegner sind und schon ankündigten, dass sie im Falle eines Wahlsieges die Höchststrafe auf Bundesebene abschaffen würden. Die Todesstrafe soll Donald Trump also als “Law and Order” Präsidenten ohne Gnade zeigen. Klare Worte dieses Präsidenten, dem kein Thema moralisch fragwürdig erscheint, um damit Wahlkampf zu betreiben.

Der Abend der Kamala Harris

Als Kamala Harris Ende Januar in Oakland ihre Kandidatur verkündete, blickte die Nation auf die kalifornische Senatorin. 20.000 Menschen waren vor das Rathaus gekommen, Fernsehkameras übertrugen live ihre Rede. Harris war auf einmal die Herausforderin von Donald Trump.

Doch in den folgenden Monaten geriet sie ins Hintertreffen. Immer mehr Demokratinnen und Demokraten kündigten an, Präsidentin oder Präsident zu werden. Kamala Harris und ihre Kampagne waren nur noch eine von vielen. Elizabeth Warren, Bernie Sanders und dann vor allem die Kandidatur von Joe Biden ließen Harris in den Umfragen abstürzen.

Kamala Harris greift Joe Biden an, Bernie Sanders schaut nur zu. Foto: Reuters.

Doch nun ist sie zurück und das in aller Deutlichkeit. Am zweiten Tag der ersten Debattenrunde trumpfte Kamala Harris auf. Wurde als klare Siegerin nach diesem 20köpfigen Kandidatenringelrei gefeiert. Von „Mainstream“ Medien genauso wie von konservativen Kommentatoren. Harris punktete mit ihrer Art, ihrem Wissen, ihrer persönlichen Geschichte und vor allem damit, wie sie den alten Mann und Frontrunner der Partei auf der Bühne, Joe Biden, in seine Schranken wies. Kamala Harris machte an diesem Donnerstagabend in Miami deutlich, dass die Demokraten einen Generationswechsel brauchen. Donald Trump und sein Team jubelten, denn für sie war bislang Joe Biden der gefährlichste Kontrahent. Mit Harris, so glaubt Trump, habe er ein leichtes Spiel.

Was verwundert, sind dann solche Schlagzeilen, wie die von ntv: „Die Demokraten radikalisieren sich„. Denn was da bei diesen Debatten erklärt, dargelegt, ausgeführt wurde, hat nichts mit einer Radikalisierung der Demokraten zu tun. Es ging um Klimaschutz, einem menschlichen Umgang mit Flüchtlingen, um eine allgemeine Gesundheitsvorsorge, um Bildung für alle, um die Einhaltung internationaler Verträge, um neue, strengere Waffengesetze. Nichts davon ist radikal, die Demokraten in den USA haben gerade mal einen sozialdemokratischen Kurs eingeschlagen.

Noch eineinhalb Jahre bis zum eigentlichen Wahltag. Da fließt hier noch viel Wasser im Mississippi und in Nürnberg die Pegnitz runter. Es kann noch so einiges passieren. Das Feld von derzeit 25 Kandidatinnen und Kandidaten wird sich schon bald etwas lichten. Denn es geht jetzt vor allem darum, Gelder für die teuren Wahlkämpfe einzusammeln. In allen 50 Bundesstaaten müssen Büros eröffnet, Mitarbeiter bezahlt werden. Bislang lag Joe Biden in den Umfragen weit vorne, nach diesen Debatten in Florida müssen die Karten jedoch neu gemischt werden. Harris, Castro und auch Buttigieg holen deutlich auf, in den Umfragen und auch bei den Spendern. Und nicht nur das, für mich wurde am Donnerstag eines ganz klar, es ist Zeit für eine afro-amerikanische Frau gegen Donald Trump anzutreten und ihm seine Grenzen aufzuzeigen. Americas Future is female!

Wo sind die Republikaner?

Wenn jemand eine unglaubliche Lüge über meinen Vater verbreiten würde, um so Stimmung gegen mich zu machen, dann würde ich demjenigen klar und deutlich sagen, was ich von ihm halte. Mindestens! Und vor allem, ich würde ihn – wie man es so schön auf Deutsch sagt – nicht mehr mit dem Arsch anschauen.

Eine Verneigung vor dem Führer der Partei. Ted Cruz im Wahlkampf 2018. Foto: Reuters.

Man erinnere sich an Donald Trump im Wahlkampf, damals meinte er, Ted Cruz‘ Vater sei in das Mordkomplott um Präsident John F. Kennedy involviert gewesen. „People are talking…“, so Trump. Dann beleidigte er auch noch die Frau des texanischen Senators, der sich ebenfalls um das Präsidentenamt bewarb. Und was machte Cruz? Er war ganz Ted und meinte der Donald solle seine Heidi in Ruhe lassen und die Anschuldigungen gegen seinen Vater stimmten nicht. Dann wurde Donald Trump der republikanische Kandidat und Ted Cruz lobte ihn in höchsten Tönen. Im Wahlkampf pries er den Charakter Trumps und meinte, jemand wie Hillary Clinton dürfte nicht gewählt werden. 2018 ging es schließlich um seinen Posten als Senator von Texas und Cruz buckelte für die Wahlkampfhilfe von Donald Trump. Das nennt man dann auf Republikanisch seinen Mann stehen.

„I’m not going to try to get into the mind of Donald Trump because I don’t think there’s a whole lot of space there. I think he’s a kook. I think he’s crazy. I think he’s unfit for office.“ Das sagte der republikanische Senator Lindsay Graham noch im Wahlkampf über Donald Trump. Mit der Wahl des New Yorker Milliardärs änderte sich das allerdings. Da war Trump auf einmal der beste, größte und erfolgreichste Präsident aller Zeiten. Graham ist seitdem einer der größten Verfechter der Trumpschen Politik in Washington. So was nennt man dann republikanische Speichelleckerei.

Sowieso gibt es in den Reihen der Republikaner niemanden, der Donald Trump offen kritisiert. Sie alle huldigen ihm, wie in einer Sekte oder einem Kult. Trump ist der Führer und die republikanischen Senatoren und Abgeordneten folgen ihm blind. Keine Kritik wird laut, kein Widerspruch kommt, Trump erhält nur Applaus und Zustimmung. Damit macht sich die republikanische Partei mitverantwortlich an der Spaltung des Landes, der Gesellschaft, an offenem Rassismus, Sexismus, Verbreitung von Tausenden Un-, Halbwahrheiten und Lügen. Trump ist der Totengräber der amerikanischen Demokratie, der vorgibt Amerika wieder „great“ zu machen und stattdessen das Land verändert wie keiner vor ihm. Er macht Geschichte, das ja, aber nicht so, wie man es von einem Präsidenten erwarten sollte. Die Parteien haben sich eigentlich obsolet gemacht. Das zeigte der Wahlkampf 2016 nur zu gut. Donald Trump und auch Bernie Sanders zeigten, dass sie auch ohne den Parteiapparat, vielmehr mit den Möglichkeiten des modernen Wahlkampfes ihre Wähler erreichen können. Das rächt sich nun, denn Trump führte die Republikaner vor, machte klar, er braucht die Partei nicht, die braucht vielmehr ihn, um eine engagierte Stammwählerschaft zu erreichen.

Man muss sich fragen, wie die USA nach Donald Trump aussehen werden. Die Hoffnung ist, dass er 2020 abgewählt wird, dann wäre der gesellschaftliche Schaden vielleicht noch korrigierbar. Bei einer Wiederwahl Trumps, die durchaus möglich ist, denn zum einen können sich die Demokraten nicht auf einen Kandidaten einigen, schwächen sich so selbst, zum anderen gibt es bei den Republikanern niemanden, der sich diesem Präsidenten entgegen stellt, würde Amerika langfristig nicht mehr das sein, für was es einmal stand. Wir leben in gefährlichen Zeiten.

Und nun auch Joe

Joe Biden will es also werden. Der langjährige Senator und Obamas Vize hat am Donnerstag seine Kandidatur für das Präsidentenamt bekannt gegeben. Eigentlich sollte er schon 2016 kandidieren, doch Biden trauerte um seinen verstorbenen Sohn, sah sich nicht in der Lage einen Wahlkampf durchzuführen. Das Ergebnis ist bekannt, Hillary Clinton trat für die Demokraten an und verlor gegen Donald Trump. Biden machte gleich mehrmals im Rückblick deutlich, dass Clinton für die Niederlage verantwortlich ist und er seine damalige Entscheidung bereut.

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Nun will er es also wissen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Fast zwei Dutzend demokratische Kandidatinnen und Kandidaten sind bereits ins Rennen um die Kandidatenkür ihrer Partei eingestiegen. Darunter zahlreiche Hoffnungsträger und politische Schwergewichte. Die Demokraten rücken nach links, Biden hingegen steht für den eher konservativen Flügel der Partei. Warum er kandidiert ist nicht ganz klar. Auch wenn er in seiner Ankündigung erklärt, die rassistischen Vorfälle in Charlottesville und die Reaktion von Donald Trump darauf haben ihn zu dieser Entscheidung geführt, weiss ich dennoch nicht, warum er meint, er sei der richtige für den brutalen Wahlkampf und den Posten des Präsidenten.

Joe Biden will Präsident werden. Foto: Reuters.

Denn auch die anderen Kandidatinnen und Kandidaten, von Kamala Harris bis Bernie Sanders, verurteilten aufs Schärfste den Aufmarsch der Rechten und die darauf folgenden verharmlosenden Worte Trumps. Warum also Biden? Inhaltlich wird er sich kaum vom Rest des Feldes absetzen können. Darüberhinaus konkurriert er mit den anderen um die wichtigen Geldgeber. Ich kann mir nur vorstellen – und hoffe es -, dass es einen Masterplan bei den Demokraten gibt. Denn so unterschiedlich sind die Antretenden nicht, das einzige Ziel sollte und muss sein, die Wiederwahl von Donald Trump zu verhindern. Acht Jahre unter diesem Präsidenten, und da gebe ich Joe Biden recht, würden die USA auf unbestimmte Zeit verändern. Vier Jahre Trump können als geschichtlicher Ausfall betrachtet werden. Acht Jahre hingegen wären eine Katastrophe für dieses Land.

Bernie forever

Es ist noch ein bisschen hin zur Wahl im November 2020. Doch die Kandidaten kandidieren schon jetzt im Dauereinsatz. Bei den Demokraten wird die Liste der Frauen und Männer, die ins Weiße Haus wollen, lang und länger. Gerade in den „Battleground States“, wie Iowa und New Hampshire, treten sie sich quasi auf die Füße. In diesen beiden Kleinststaaten werden die Weichen gestellt. Wer da nicht in vorderster Reihe dabei ist, kann gleich aufgeben. Doch auch in Iowa und New Hampshire wird erst Anfang Februar 2020 abgestimmt.

Dazu kommen die Rundmails der Kandidatinnen und Kandidaten, die alle um Geld bitten. Fünf, zehn und mehr Dollar sollen und können es sein. Kein Tag vergeht, an dem ich keine Mail mit der Spendenaufforderung in meiner Mailbox habe. Irgendwann muss ich in das Datennetz der Demokraten gekommen sein. Allerdings kriege ich auch regelmäßig Post von konservativen und sogar von christlich-fundamentalistischen Gruppen, die alle bereits im Wahlkampffieber sind. Woher die nun meinen Namen und meine Adresse haben, ist mir schleierhaft.

Meine Nachbarin ist bereits in Wahlkampfstimmung.

In meiner Nachbarschaft sieht man auch schon die ersten Anzeichen für den Wahlkampf. Allen voran Bernie Sanders, dessen Anhänger auch jetzt wieder früh auftreten. Klar, Oakland und die San Francisco Bay Area war für Sanders und seine politischen Forderungen schon immer offen. Wenn er hier als Redner auftritt kommen Zehntausende, um ihn zu sehen. Mit der kalifornischen Senatorin Kamala Harris hat er allerdings in diesem Wahlkampf eine Konkurrentin, die lokal sehr verwurzelt ist. Harris kommt aus Oakland, war Staatsanwältin in San Francisco und danach die Justizministerin in Kalifornien. Sie hat enge Verbindungen zu Gouverneur Gavin Newsom und der gesamten kalifornischen Führungsriege der Demokraten. Das wird nicht leicht für Bernie Sanders werden.

Donald Trump gibt sich gelassen beim demokratischen Kandidatenlauf. Er ist sich sicher, dass er jede und jeden von ihnen problemlos schlagen kann. Doch auch bei den Republikanern gibt es weitere Kandidaten, die genug haben von diesem Präsidenten, der für sie nicht die republikanische Partei repräsentiert. Noch halten sich einige zurück, doch man kann davon ausgehen, dass Trump ebenfalls einen Vorwahlkampf ausfechten muss. Die Frage dabei ist, wer von den Republikanern im Kongress sich vorwagt, und sich offen gegen Trump aussprechen, einen anderen Kandidaten unterstützen wird.

Run, Bernie, Run!

Er will es also nochmal wissen. Bernie Sanders ist der Senior, der sich nun unter die Präsidentschaftskandidaten und -kandidatinnen der Demokraten mischt. Ihn kennt man, er braucht nicht groß zu erklären, wo er herkommt und für was er politisch steht. Doch hat der 77jährige überhaupt eine Chance?

Bernie Sandes will es noch einmal wissen. Foto: Reuters.

Bernie Sanders hat mit seinem Wahlkampf 2016 die gesamte Partei der Demokraten nach links gezogen. Und das als „Independent“, der lediglich auf dem Ticket der Clinton-Partei kandidierte. Seitdem ist viel Wasser den Mississippi runtergeflossen. Zum einen haben viele Wähler spät aber immerhin erkannt, dass Hillary die falsche Kandidatin war, die in einem abgekarteten Spielchen die Vorwahl für sich entschied. Zum anderen ist da Donald Trump, der so ganz anders ist als Bernie Sanders. Trump informiert sich nicht, ist unbelesen, erzählt Dinge, die hinten und vorne nicht stimmen und verbreitet seine Lügen in einer alternativen „Real World“, in der ihm seine Anhänger huldigen. Sanders ist das genaue Gegenteil von #45.

Von daher könnte eine direkte Wahl zwischen Trump und Sanders durchaus spannend werden. Aber Bernie muss erst noch die Vorwahlen überstehen und da gibt es so einige Kandidatinnen und Kandidaten, die viel von ihm gelernt haben – logistisch und inhaltlich. War Hillary Clinton die Kandidatin des Establishments der Demokraten, treten nun vor allem Frauen und Männer an, die der neuen Generation der Demokraten angehören. Sie sind deutlich jünger als Bernie Sanders, voller Energie, Elan und Ideen. Warum also kandidiert da Bernie Sanders?

Der Senator aus Vermont ist der geistige Vater dieser neuen Riege im Kongress, alles Hoffnungsträger ihrer Partei. Sie alle haben Potential, könnten es schaffen, wären mit Sicherheit eine Alternative zum egozentrischen Donald Trump. Politisch, wie auch im Ton. Und doch, keine und keiner von ihnen hat die Größe, den Weitblick und die Überzungskraft eines Bernie Sanders. Was gegen ihn spricht ist einzig und allein sein Alter. Am Wahltag wäre er 79 Jahre alt. Bislang hat ihn allerdings nichts zum Kürzertreten bewogen, nach wie vor sprüht er vor Energie und Ausdauer. Der Wahlkampf ist ein Ultramarathon, Sanders wird dabei beweisen können und müssen, dass er körperlich mit den jungen Wilden der demokratischen Partei mithalten kann. Von daher also, „Run, Bernie, Run!“

The State of the (Un)Union

Es wurde eine Rede angekündigt, die das Land zusammenbringen sollte. Ein Brückenschlag, ein Schulterschluss, eine ausgestreckte Hand. Doch am Ende war klar, die Vereinigten Staaten von Amerika sind politisch tiefer gespalten als je zuvor. Donald Trump beleidigte zwar nicht die Demokraten, wie er das tagtäglich über Twitter tut, aber hier sprach jemand, der einfach nicht anders kann, der vorgibt „my way or the highway“, der mit Halbwahrheiten, Lügen und Übertreibungen arbeitet. Trumps Amerika ist ein anderes Amerika, das machte er deutlich mit seiner teils wirren Rede, in der er oftmals ohne Atem zu holen von einem Punkt zum nächsten sprang. Interessant vor allem, was er nicht sagte, was er wegließ, was er so hin bog, dass es für seine Sicht der Dinge passte. Oftmals hatte man den Eindruck, dass Trump ein politisches Theater darbot, den Wahlkampf nie hinter sich gelassen hat und auf bestimmte Reaktionen der Demokraten hoffte, die er auch bekam, um so eindeutige Fernsehbilder für kommende Fernsehspots zu erhalten.

Nach der Rede gab es einige Analysen und Gegenreden von demokratischen Politikern. Die, die besonders heraussticht kam von Bernie Sanders, der gekonnt, gezielt und punktgenau die Rede des Präsidenten auseinandernahm. Sanders hätte 2016 gegen Donald Trump kandidieren sollen, er hätte es wahrscheinlich geschafft und Amerika wäre heute ein anderes Land. Das wäre ein Duell zweier unterschiedlicher Kandidaten gewesen. Hier ein selbstverliebter Populist, da ein intellektueller Sozialist. Hier jemand, der sich nicht an die Fakten hält und „alternative Wahrheiten“ schafft, da ein brillanter Analytiker, der komplizierte Sachverhalte verständlich erklären kann. Die Frage ist sicherlich, wird Bernie Sanders erneut antreten, um die Nominierung der Demokraten 2020 zu bekommen. Er wäre am Wahltag 79 Jahre alt, Donald Trump 74. Eigentlich bräuchte dieses Land einen Bernie Sanders, der durchaus Brücken bauen, Menschen zusammen bringen kann.

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Was macht Bernie?

Wenn man sich die Aktivitäten von Bernie Sanders in den sozialen Medien ansieht, dann kann man den Eindruck bekommen, dass der 77jährige noch einmal in den Präsidentschaftswahlkampf eingreifen will. Er mischt sich ein, fordert, wie in diesem Tweet, dazu auf, gemeinsam für die Sache zu kämpfen, dann könne man auch gewinnen. Das lässt sich nun so oder so lesen. Fakt ist, Bernie Sanders spielt erneut mit dem Gedanken zu kandidieren. Aus dem Sanders Umfeld heißt es, eine Entscheidung stehe kurz bevor.

Doch kann der am Wahltag 2020 79jährige noch einmal die Menschen in den USA so begeistern, wie er das im Vorwahlkampf gegen Hillary Clinton geschafft hat? Und dann sind da auch noch etliche andere, vor allem Kandidatinnen, wie Kamala Harris, die eigentlich Sanders politisches Erbe antreten wollen. Harris hat am Sonntag vor 20.000 Menschen in Oakland gezeigt, dass sie durchaus in der Lage ist, eine breite Bewegung gegen die Wiederwahl von Donald Trump aufzubauen. Und das mit einer klaren eigenen politischen Agenda, die durchaus an Bernie Sanders Wahlkampf 2016 erinnert.

Bernie Sanders ist nach wie vor bei seiner Basis beliebt. Viele hoffen darauf, dass er noch einmal kandidiert, dass er mit seinen für die USA progressiven Forderungen Donald Trump aus dem Weißen Haus jagt. Doch Sanders sollte nicht mehr in den Ring steigen, vielmehr geht es darum, eine geeinte demokratische Partei in den Wahlkampf zu führen mit einer Kandidatin, die am Ende gewinnen kann. Bernie Sanders wäre der richtige Kandidat 2016 gewesen, doch Hillary Clinton setzte sich mit unfairen Mitteln im eigenen Lager durch, um dann kläglich gegen den Populisten Trump zu scheitern. Die Zeit ist nun reif für eine Frau, die es schaffen kann. Sanders ist wichtig im Senat und für die demokratische Kandidatin, die gegen Trump antreten wird, denn, „when we stand together, we can win“.

„Lyin‘ Ted“ und Donalds Tweet

Im Wahlkampf 2016 machte sich Donald Trump über so manchen Gegner lustig. Jeb Bush hatte „low energy“, Marco Rubio war zu klein („little Mario“), Bernie Sanders war für Trump nur „Crazy Bernie“ und natürlich gab es da auch „Crooked Hillary“. Einer aus der eigenen Partei, der bis zum Schluß sein Fett abbekam war „Lyin‘ Ted“, damit gemeint war der texanisch-republikanische Senator Ted Cruz. Beide schenkten sich im Wahlkampf nichts, doch vor allem Trump griff Cruz immer wieder auf Twitter an. Unbarmherzig, brutal und frontal.

Foto: GoFundMe.

Nach der erfolgreichen Wahl von Donald Trump wurde das Geschimpfe begraben, nun war man wieder beste Freunde. Allerdings haben so einige die bitteren und beleidigenden Worte von Trump in Richtung Ted Cruz nicht vergessen. Einer davon Antonio Arellano, ein Aktivist aus Houston, der kurzerhand eine GoFundMe Seite online stellte, um seine Idee einer großen Billboard-Tafel zu verwirklichen. Und die soll nun schon bald genau dort stehen, wo Präsident Trump schon bald  für seinen Senator Ted Cruz im Wahlkampf auftreten will. Cruz muss sich nämlich einer Wiederwahl stellen und sein Sieg im November ist nicht sicher. Man kann sich also fragen, wie die Wählerinnen und Wähler darüber denken, wenn Trump für Cruz wirbt, wenn er noch vor kurzem über ihn sagte, dass Ted Cruz eigentlich so rein gar nichts für die Texaner erreicht hat, „all talk, no action“!