Trump mag Angela nicht

Freundschaft sieht anders aus. Foto: dpa.

Da saßen sie im Oval Office nebeneinander, doch Nähe kam nicht auf. Trump blickte stur und launisch vor sich hin, Angela Merkel lächelte dazu. Sie ging mit dem gemeinsamen Auftritt deutlich besser um, als der neue amerikanische Präsident. Nach 50 Tagen im Amt kam es endlich zum Treffen der beiden Staatschefs.

Es ist heute viel über diesen Besuch geschrieben worden, darüber wie unterschiedlich beide sind, darüber wie Trump den Anschein vermittelte, schlecht gelaunt zu sein und so gar nichts mit der deutschen Bundeskanzlerin anfangen zu können,.

Der Anschein scheint zu stimmen, denn Trump schlug nach dem Treffen brutalst zurück. Jedenfalls so, wie das ein Donald Trump eben gerne mag. Er schwieg. Normalerweise twittert nämlich ein Trump über jedes Treffen mit einem Kegelverein, einem drittklassigen Besucher, ein anstehendes Interview auf FOXNews. Doch zum Besuch der deutschen Bundeskanzlerin hatte er nichts zu sagen. Nicht einmal, dass es vielleicht ein nettes Gespräch war. Nichts, rein gar nichts. Und das sagt mehr als 140 Trumpsche Zeichen. Der neue Mieter im Weißen Haus mag die Bundeskanzlerin nicht und setzt wohl im Stillen darauf, dass sie im September ihren Job nicht mehr haben wird.

Doch auch wenn Angela Merkel die kommende Bundestagswahl gewinnen sollte, die Beziehung zwischen ihr und Trump wird deshalb nicht freundschaftlich werden. Zu weit liegen beide auseinader, ihre Sicht der Dinge, ihre Politik, ihre Geschichte. Und auch die Unfähigkeit von Donald Trump Fehler einzugestehen, sich zu entschuldigen für das, was er im Wahlkampf und danach über die Kanzlerin gesagt hat. Und ganz ehrlich, sein Frauentyp ist Angela Merkel wohl auch nicht, das haben wir ja im Wahlkampf zu genüge erfahren. Die transatlantischen Beziehungen stehen damit vor einer großen Herausforderung. Es scheint mit diesem Präsidenten unmöglich zu sein, die historische Partnerschaft zwischen Deutschland und den USA auch unter Trump als Freundschaft zu betrachten. Das fehlende Tweet ist der Gradmesser an dem man nun die Nähe zwischen dem Weißen Haus und dem Kanzleramt messen muß.

Tod und Anarchie in Juarez

Ciudad JuarezÜber die Situation im nordmexikanischen Ciudad Juarez wird in diesen Tagen viel berichtet. Ein erneutes Massaker an Jugendlichen geht durch die Nachrichten…

Vor einigen Monaten besuchte ich die Grenzstadt zu El Paso. Als ich dort war, wurden täglich „nur“ zehn Menschen ermordet. Mittlerweile ist die Situation erneut außer Kontrolle geraten. 20-30 Menschen werden in Juarez täglich Opfer von Gewaltverbrechen…..und ein Ende ist nicht in Sicht.

Zum Nachhören hier das SWR/DRS-Feature. Reise in eine Stadt, die im Chaos versinkt:

      Besuch in Ciudad Juarez

Rheinhessenwein in Kigali

Im Kandt Haus in Kigali gab es gestern Abend einen Empfang für die Delegation aus Rheinland-Pfalz. Die 21köpfige Gruppe unter der Führung von Innenminister Karl Peter Bruch war hier, um verschiedene Projekte zu besuchen. Darunter vor allem Bildungsprojekte, die vom Land Rheinland-Pfalz unterstützt werden. So wurde eine größere Buchspende der Universität in Gitarama übergeben. Bücher, die aus einer Bibliothek der US Streitkräfte stammen, die aus Rheinland-Pfalz abgezogen wurden.

Rheinland-Pfalz in RuandaAm Nachmittag empfing der ruandische Präsident Paul Kagame die Delegation. Und das ist nichts alltägliches. Es belegt die enge Partnerschaft zwischen Mainz und Kigali. Rheinland-Pfalz ist seit den frühen 80er Jahren sehr eng mit Ruanda verbunden und unterstützt auf ganz verschiedenen Ebenen das Land und die Leute. Und man gab auch nicht auf, als der blutige Bürgerkrieg und der Genozid 1994 das Land zerriss. Bruch erklärte mir am Abend, warum man zu Ruanda stand, dass das sicherlich eine schwierige Entscheidung war. Doch beide grossen Volksparteien setzten sich in den Folgemonaten nach dem Genozid für eine Weiterführung der Partnerschaft ein. Rheinland-Pfalz hatte damals schon ein Büro in Kigali, das durch einen Mitarbeiter in der Unruhezeit gesichert werden konnte. So montierte dieser sogar die Autoreifen von den Fahrzeugen ab und versteckte sie, damit die Autos nicht geklaut werden konnten. Dieses Büro war der Ausgangspunkt für Soforthilfemaßnahmen für die geschundene Bevölkerung. „Es ging uns nicht um Politik, wir wollten damals nur helfen“, so Minister Bruch im Gespräch.

Über die Jahre haben sich sehr enge Kontakte zwischen Ruandern und Rheinland-Pfälzern entwickelt. Man tauscht sich aus, man besucht sich gegenseitig, man hilft, Freundschaften entstanden. Wenn man heute durch Ruanda fährt sieht man überall die Schilder aus Rheinland-Pfalz. Viele Ruander setzen Rheinland-Pfalz mit Deutschland gleich. Die Kooperationen reichen von Schulen und der Unterstützung landwirtschaftlicher Projekte bis zum Aufbau des größten Solarkraftwerks Afrikas außerhalb von Kigali durch die Mainzer Stadtwerke. Diese Art von Entwicklungshilfe kommt an, denn sie ist direkt und persönlich und wird von weiten Teilen der Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und Ruanda getragen.

Diese enge Verbundenheit spürte man auch am Abend im Kandt Haus. Herzhafte Umarmungen, intensive Gespräche, viel Lachen bei Bier und einem Gläschen Rheinhessenwein.

Besuch in San Quentin

Heute morgen war ich mal wieder in San Quentin. Dort sitzt seit nunmehr 32 Jahren Reno und wartet auf seine Hinrichtung. Mittlerweile kann er nur noch unter Schmerzen laufen, er sitzt im Rollstuhl. So langsam baut der Körper ab, es ist wohl nun ein Wettrennen zwischen dem Staat Kalifornien und Mutter Natur, wer am Ende schneller ist.

sanquentinEs ist immer wieder ein seltsames Erlebnis das Staatsgefängnis in San Quentin zu besuchen. Anrufen, Termin ausmachen, Kleiderordnung einhalten, Eindollarscheine einstecken und dann in einer Schlange aus zumeist Frauen bis zum Einlass warten. Einige trifft man immer wieder, sie erzählen und unterhalten sich, man ist ganz Ohr. Nach der Kontrolle am Eingang dann durch den Metalldetektor, der so fein eingestellt ist, der piept sogar bei einer Nadel in der Hosentasche….nicht, dass ich eine einstecken hatte.

Danach läuft man vom Eingangstor entlang der Bay zum Gefängnistrakt. Rechts der wunderschöne Ausblick auf Tiburon, Treasure Island, im Hintergrund die Bay Bridge, die Oakland mit San Francisco verbindet. Und vor einem, hinter dem mittelalterlich wirkenden Gefängnisgebäude, ragt Mount Tamalpais empor. Da oben haben die Naturfreunde ein Haus. Vom Gefängnistor bis zum eigentlichen Trakt sind es rund 200 Meter. Bei Sonnenschein, wie heute Morgen, geniesst man diesen Spaziergang. Bei Regen wird er endlos. Rennen darf man nämlich nicht auf dem Gefängnisgelände. An dem alten Ziegelsteingebäude angelangt muß man erneut durch eine Sicherheitsschleuse. Dann schnurstraks zu den Automaten, Burger, Popcorn und Soda gezogen, rüber zur Mikrowelle und dann zu den kleinen Gitterzellen. Dort wird man mit dem Häftling eingesperrt.

Da sitzt man dann, tauscht sich aus, redet über dies und das. Hin und wieder schaut man sich um, aber eigentlich nimmt niemand die Umgebung wahr. Auch die Themen Todesstrafe, Hinrichtung oder Eingesperrtsein kommen so gut wie gar nicht zur Sprache. Die Zeit fliegt dahin, dann ist es schon wieder rum. Mit Handschellen wird er weggerollt, ich warte noch, bis er durchsucht wurde, ob er auch nichts zurück in seine Zelle schmuggelt, was ein Besucher eventuell mit ins Gefängnis gebracht haben könnte. Wenn die Freigabe gegeben ist, bekommt man seinen Ausweis zurück, die zwei Stahltüren öffnen sich und man tritt nach draussen. Die Bay vor einem atmet man tief durch. Zurück zum Eingangstor, die Hölle San Quentin hinter einem. Reno ist da schon zurück in seiner 1,30 Meter x 2,20 Meter „grossen“ Zelle, sein Haus, wie er es nennt.