Das gibt’s doch gar nicht!

Das Anti-Masturbationskreuz im Sonderangebot.

Das Anti-Masturbationskreuz im Sonderangebot.

Ich sah das und dachte mir, das gibt’s doch wohl nicht! Die Fundamentalisten im amerikanischen Bibelgürtel drehen nun voll am Rad. Das „Anti-Masturbation Cross“ für Kinder ab 5 Jahren. Wenn man die Kleinen nicht beaufsichtigen kann werden sie auf einem Kreuz festgeschnallt, damit sie sich nicht selbst anfassen, befriedigen, masturbieren. Für die älteren „Zwangsmasturbierer“ im Alter bis 16 Jahre bietet sich so eine ungestörte Nachtruhe an. Heute im Sonderangebot für gerade mal 199.99 Dollar.

In der Werbung wird auf die Webseite stopmasturbationnow.org verwiesen. Das muß man sehen und lesen. Dort fragt man sich erneut, ist das nun ernst gemeint oder eine bitterböse Parodie. Nach genauerem Durchlesen der Seite, nach vielen Lachern, weiß ich, dass man das nicht für voll nehmen kann. Doch viele Seitenbesucher steigen darauf ein, hinterlassen Kommentare, die Hass, Unverständnis und Drohungen beinhalten.

Man muß einfach darüber lachen, gerade wohl auch, weil es wohl wirklich Zeitgenossen gibt, die von der „angeblichen“ Botschaft der Webseite überzeugt sind: „Masturbation is a gateway drug to rape. It also leads to sexual dysfunction, erodes family values, and is a top ten cause of disease.“

Keine Abtreibung in Mississippi

AKTUALISIERUNG: Ein Bundesrichter in Mississippi hat vorerst das Gesetzt gestoppt und will nach einer Anhörung am 11. Juli darüber entscheiden.

Der republikanische Gouverneur von Mississippi, Phil Bryant, sagt immer wieder, er wolle seinen Bundesstaat „abtreibungsfrei“. Klare Worte eines Politikers, der nun auch Taten folgen läßt. Bryant will die einzige Abtreibungsklinik in Mississippi, die „Jackson Women’s Health Organization“, dichtmachen. Dafür hat er nun mit seiner republikanischen Mehrheit im Abgeordnetenhaus ein Gesetz durchgepaukt, das wohl das Aus für die Frauenklinik bedeutet.

Das Gesetz verlangt ab dem 1. Juli, dass ein Arzt, der Abtreibungen durchführt, ein sogenannter „OB-GYN“ sein muß, das heißt, er muss neben seiner allgemeinen Lizenz auch noch an einem lokalen Krankenhaus registriert und lizensiert sein. Das ist fast unmöglich. Der Gouverneur und seine Partei begründen die Neuregelung mit dem Schutz der Patientin, die im Falle von Komplikationen beim Eingriff sofort in ein Krankenhaus gebracht werden soll. Bislang hatte die Abtreibungsklinik in Jackson immer einen zweiten Arzt zur Seite, der Frauen sofort in ein Krankenhaus überweisen konnte, falls in seltenen Fällen Schwierigkeiten auftraten. Doch nun verlangt das neue Gesetzt, dass der Arzt, der den Eingriff vornimmt auch an einer Klinik registriert ist, um so die Patientin begleiten zu können. Und das ist das Problem im Bible-Belt Staat Mississippi, denn viele Krankenhausträger sind kirchlich, gegen Abtreibungen und werden sicherlich keinen Abtreibungsarzt mit offenen Armen in ihren Reihen aufnehmen.

Was überraschend ist, der Gouverneur und die Grand Old Party verstecken überhaupt nicht ihr eigentliches Ansinnen, Abtreibungen in Mississippi unmöglich zu machen. So steht auf der Webseite von Phil Bryant, dass das neue Gesetz „nicht nur die Gesundheit von Müttern schützt, sondern auch die einzige Abtreibungsklinik in Mississippi schließen wird“.

Die neue Richtlinie trat am gestrigen 1. Juli in Kraft, heute werden schon Prüfer des Gesundheitsministeriums erwartet, die genau nachsehen, ob das Gesetz auch eingehalten wird. Mit Einspruchsmöglichkeiten bleiben der einzigen Abtreibungsklinik im Bundesstaat noch maximal 30 Tage. 2297 Abtreibungen gab es 2010 in Mississippi.

Nun werden die Gerichte bemüht und das kann dauern. Eine Frau, die nun in Mississippi eine Abtreibung möchte, muß dann bis zu 200 Meilen weit fahren, um nach New Orleans in Louisiana, Mobile in Alabama oder Memphis, Tennessee zu gelangen.

Auch scheint es, dass einige konservative Südstaaten versuchen, auf diesem Weg das verhasste Recht auf Schwangerschaftsabbruch in den USA auszuhöhlen. Denn auch in Kansas und Oklahoma sind ähnliche Bestrebungen im Gange.

 

 

 

 

 

 

Privatisierung der Schulen

Das öffentliche Schulsystem in den USA liegt im argen. Landauf, landab, von Osten nach Westen sind die „public schools“ ein Desaster. Die Probleme für das Scheitern vieler Schüler sind vielfältig. Von gesunkenen finanziellen Mitteln, von überstarken Lehrergewerkschaften, vom reinen Testlernen bis hin zum Absenken des Lernniveaus….die öffentlichen amerikanischen Schulen sind reformbedürftig, das steht außer Frage. Doch die Ansätze, eine grundlegende Reform durchzusetzen und somit den Schülerinnen und Schülern die bestmöglichste Bildung zu bieten, wurde politisiert. Demokraten setzen auf eine allgemeine Bildung, fordern mehr Gelder und wollen den Einfluß der Gewerkschaften nicht beschneiden. Die Republikaner glauben nicht an eine Reform, können sich zu einer Abschaffung der „public schools“ aber auch nicht durchringen. Sie versuchen nun das öffentliche Schulsystem finanziell auszubluten.

Allen voran Bobby Jindal, Gouverneur von Louisiana und Hoffnungsträger seiner Partei. Er hat gegen den Willen der Opposition einen sehr fragwürdigen Plan durchs Abgeordentenhaus von Baton Rouge gepaukt. Dieser besagt, dass in Zukunft die Eltern von Schülern der öffentlichen Schulen die freie Wahl haben, ihre Kinder auch auf Privatschulen zu senden. Und falls sie dies tun, wird ihnen vom Staat einfinanzielle Gutschein in der Höhe jenes Betrages gewährt, den öffentliche Schulen für ihre Schüler ansetzen. Damit hofft Jindal, dass zum einen langfristig Gelder im 3,5 Milliarden Dollar Bildungshaushalt eingespart werden. Zum anderen ist er, wie eigentlich jeder Republikaner, davon überzeugt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Nutznießer, so der Gouverneur, wären am Ende die Schüler. „Wir lassen die Eltern selbst entscheiden, was für ihre Kinder am besten ist, nicht die Regierung“, faßt er seinen Plan zusammen.

Das einzige Problem dabei ist, dass es nicht genug Privatschulen und vor allem qualitative Alternativen für die Eltern und Kinder in Louisiana gibt. Dennoch erwarten viele, gerade christlich-fundamentalistische Kleinstschulen einen staaatlichen Geldregen. In Ruston ist die Einrichtung „New Living Word“ angesiedelt, die zwar ein anerkanntes Basketball Team hat, aber keine Bücherei. Die Schüler verbringen den Großteil der Stunden vor dem Fernseher, über denen sie Auslegungen der Bibel in allen möglichen Fächern vermittelt bekommen. Die „Upperroom Bible Church Academy“ in New Orleans, ein bunkerähnliches Gebäude ohne Fenster und Spielplatz, plant 214 Gutscheinschüler aufzunehmen. Der Gegenwert 1,8 Millionen Dollar. Die Pastorin und jetzige Schulleiterin Marie Carrier will mit diesem neuen Gesetz 135 Schüler für ihre „Eternity Christian Academy“ in Westlake hinzugewinnen. Auch hier wird die Welt ausschließlich durch den christlichen Blick vermittelt. Das Wissenschaftsbuch beginnt mit den Worten „what God made“. Von Evolution ist keine Rede. „Wir versuchen von all den Dingen fern zu bleiben, die unsere Kinder verwirren könnten“, meint Carrier. Andere Privatschulen benutzen im Unterricht Materialien, die vor „Liberalen“ warnen, denn diese würden die Weltgemeinschaft gefährden, und nutzen „wissenschaftliche“ Bücher, die alles andere als wissenschaftlich fundiert sind.

Louisisanas Gouverneur hat mit seinem Gesetzesvorstoß die Totenglocke für das öffentliche Schulsystem geläutet. Anstelle einer mutigen und weitgehenden Reform, setzt er auf „die Wahl der Eltern“, die jedoch in Wahrheit keine ist. Am Ende werden im Bibelgürtel Amerikas noch mehr bibelfeste Kinder leben. Ach ja, das ist wohl die Wahl, die alles entscheidende im Süden der USA.