Die Macht des Kulturbanausen

Der neue Haushaltsplan aus dem Hause Donald Trump liegt vor. Und wie zu erwarten, und wie schon gestern an dieser Stelle berichtet, will der Präsident mehr Dollars fürs Militär ausgeben und viel weniger für notleidende Menschen und Hilfsprogramme in den USA und in Übersee. Der Mann, der mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurde, der von sich selbst sagt, er sei „sehr, sehr reich“, spricht zwar gerne von den „vergessenen Amerikanern“, davon, dass Amerikaner auch „Dreamer“ seien, aber er hält nicht das, was er in seinen Reden und Tweets verspricht. Trump spaltet das Land weiter, politisch, kulturell und sozial.

Vielleicht hat er sein Buch gelesen, das von einem „Ghost Writer“ geschrieben wurde. Foto: Reuters.

Da ist es nicht überraschend, dass Donald Trump auch den Rotstift bei den Kulturausgaben des Staates ansetzt. Die „National Endowment for the Arts“ würde von 150 Millionen Dollar auf 29 Millionen Dollar zusammen gestrichen werden. Die „National Endowment for the Humanities“ erhielte statt 150 Millionen Dollar nur noch 42 Millionen Dollar. Und das „Institute for Museum and Library Services“ bekäme nur noch 23 Millionen Dollar anstelle der 208 Millionen Dollar. Trump ist auch kein Fan des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, er schaut lieber „Fox and Friends“ als Ernie, Bert und ihre Freunde in der Sesamstrasse. Die Ausgaben für die „Corporation for Public Broadcasting“ würde von 408 Millionen Dollar im Jahr auf 15 Millionen Dollar gekürzt werden. All das würde das Aus für diese wichtigen Kulturprogramme bedeuten.

Was das bedeutet ist klar. Donald Trump will die Kulturlandschaft in den USA verändern, wenn nicht sogar in ihrer jetzigen Form ganz abschaffen. Der güldene Donald mit seinen Goldpalästen hält nicht viel von der Kunst und schon gar nicht von der kritischen Kunst. Er versteht nicht, warum man im Twitter-Zeitalter noch Büchereien braucht, warum die Wissenschaft und die Forschung durch den Staat gefördert werden muss. Die Qualität einer Gesellschaft kann man auch daran erkennen, wie sehr sie die Freiheit der Kunst und Kultur, der Forschung, der Medien unterstützt. All das liegt im Trump-Zeitalter auf der Schlachtbank, Donald Trump wetzt bereits das Fleischermesser. Im vergangenen Jahr konnte der Kahlschlag im Kongress noch abgewendet werden. Ob das wieder so passiert muss abgewartet werden.

Es ist nicht nur so, dass wir in Amerika mit Donald Trump einen Präsidenten haben, der militärisch aufrüstet, der die Grenzen dicht macht, der die USA international isoliert, der tagtäglich Stimmung gegen Andersdenkende macht. Donald Trump, das zeigt sich mit seinen Budgetvorschlägen, scheint ein ungebildeter Mann zu sein, der nur seine Weltsicht kennt und zulässt. Und diese alternative Trump-Welt ist leider mehr als beschränkt.

Das sichere Amerika

Nun hat auch er seine Bücherei. George W. Bushs Präsidentenbibliothek wurde in Dallas feierlich eröffnet. Damit rückte der 43. Präsident für ein paar Tage zurück ins Rampenlicht. Es gab nette Kommentare und Artikel, Berichte und schöne Bilder von diesem denkwürdigen Ereignis. Alle noch lebenden früheren Präsidenten kamen, um „W“ zu feiern. Rund 40 Millionen Seiten Papier warten nun auf Wissenschaftler, Forscher, Politologen, Journalisten, die ausgewertet werden wollen.

George W. Bushs Amtszeit ist eng verbunden mit 9/11, den Kriegen in Afghanistan und dem Irak. Was war da sonst noch? Die Kommentatoren sind gespalten wie eh und je. Konservative sehen ihn als starken Präsidenten, der Amerika sicherer gemacht habe und führen, wie Charles Krauthammer, an, dass es seit dem 11. September 2001 keinen Terroranschlag mehr auf amerikanischem Boden gegeben habe. Auch das Attentat in Boston müsse vielmehr als peinliche Schlappe der Behörden gesehen werden. Und überhaupt, drei Tote im Vergleich zu 3000 Toten sei auch ein Zeichen dafür, dass Amerika dank Bush sicherer sei, so Krauthammer.

Doch Bush ist nach wie vor auch das rote Tuch für viele in den USA, die ihn ganz anders sehen, die seine zwei Amtszeiten völlig kontrovers betrachten. Er habe Amerika durch seine aggressive Politik nur noch unsicherer gemacht. Scharfe Rhethorik, Kriege, Folter, Geheimgefängnisse, all das habe nur noch mehr Hass gegen die USA geschürt. Hinzu kämen die Beschneidungen von Bürgerrechten in den USA im Zuge des „War on Terror“.

George W. Bush wird mit seiner Bibliothek zwar geehrt, doch er spaltet weiter die Nation. Und nicht nur das, man muß Amerika in Zukunft in vor und nach 9/11 sehen und bewerten. Die Politik von George W. Bush ist damit der historische Scheidepunkt geworden.

 

Im Wahnsinn gepflegt

Kalifornien steht vor riesigen Problemen. Wo soll man da anfangen…der Staat ist hoch verschuldet und gespart wird überall. Lehrer werden entlassen, Bibliotheken geschlossen, Strassen haben riesige Löcher, öffentliche Parks geschlossen, Gebühren und Steuern erhöht, die Arbeitslosigkeit steigt, soziale Einrichtungen versinken in ihrer Arbeit… Das sind nur ein paar Beispiele, was hier gerade in Kalifornien los ist.

Aber die Abgeordneten im Parlament in Sacramento haben nur das Wohlbefinden der Bürger im Kopf. Von daher muss man die Verabschiedung der folgenden Initiative verstehen. In der ersten Märzwoche soll ab nun eine „fluchfreie Woche“ sein. Kalifornienweit. Jeder Bürger ist dazu aufgerufen, in diesen Tagen keine Schimpfwörter zu benutzen. Also kein „Pottymouth“, vielmehr Lobgesang und Preisung, gewähltes Ausdrücken und Schönrederei. „What the f…, doesn’t f…..California have other f….. problems?“ war alles, was ich dachte, als ich das lass. No Cussing ClubDas ganze geht zurück auf die Initiative eines Schülers an seiner lokalen High School in South Pasadena. Dort hatte er einen „No Cussing Club“ gestartet, also eine Gruppe, in der nicht geflucht werden durfte. Und das hat sich auf andere Schulen ausgebreitet und erreichte schliesslich so einen Parlamentarier in Sacramento, der davon tooootal begeistert war. Alleine mein Blick aus dem Fenster könnte mich jetzt zu Schimpftiraden gegen diesen gewählten Knaller hinreissen, aber ich lasse es mal, lehne mich zurück, grinsend und sage nur, Nürnberg mach Dich bereit. Denn der 16jährige McKay Hatch hat grosses vor. Er will die Welt vom Fluchen und von Schimpfwörtern befreien. Nächstes Jahr plant er eine Welttournee im Kampf um das gepflegte Wort, Deutschland soll bereits auf seiner Reiseliste stehen.

Amnestie für Buchwürmer

Die Stadtbücherei in San Francisco hat eine Amnestie für all jene ausgesprochen, die schon seit Ewigkeiten auf ausgeliehenen Büchern sitzen und sie einfach nicht zurück gebracht haben. Die Straffreiheit bedeutet zwar keine Gebühren, aber man muss erzählen, warum man das Buch nicht pünktlich zurück gebracht hat. Das ganze wurde zu einem kreativen Schreibwettbewerb umfunktioniert.

Und dabei sind einige ganz witzige Geschichen zusammen gekommen. Vom Hund, der das Buch angeknabbert hat, bis hin zu Schulkindern, die bei der Rettung von Meerestieren einfach das Abgabedatum vergessen haben. Auch eine Frau meldete sich, die einen Ratgeber für jüdische Partnersuche erst verspätet zurück brachte. Ihre Begründung, nach dem dritten Mann erkannte sie, dass das Buch nichts taugt. Ein Nutzer gab an, dass seine Schwester eine ausgeliehene DVD aus Wut in seine DVD Sammlung schob und er es erst kürzlich bemerkte.

Insgesamt wurden 29928 Bücher, Filme, CDs und Kassetten zurück gegeben. Ein absoluter Rekord. 2001 gab es schon mal eine ähnliche Amnestie der SF Stadtbücherei, damals wurden gerade mal 5000 Rückgaben gemacht. Die Bibliotheksleitung geht davon aus, dass die derzeitige Wirtschaftskrise für die hohe Zahl verantwortlich zu machen ist.

Vielleicht wäre dieser Amnestie-Schreibwettbewerb ja auch eine Idee für die Nürnberger Stadtbibliothek:

Ronny und die Berliner Mauer

In den USA preisen die Menschen den früheren Präsidenten Ronald Reagan dafür, dass er quasi eigenhändig die Berliner Mauer zu Fall gebracht hat. Reagan habe mit seinem russischen Gegenüber Gorbatschow hoch gepokert und am Ende gewonnen, denn der Amerikaner hatte mehr Kohle im Säckel fürs militärische Wettrüste, so die allgemeine Meinung.

So war es nicht ganz, wie uns die Geschichte lehrt. Aber gerade die konservativen Kommentatoren in den USA vertreten nach wie vor diese Sicht der Dinge. Und das haben sie heute auch wieder erklärt, als in der Rotunda im Kongress eine Statue des 40. US-Präsidenten enthüllt wurde. Mit dabei Reagans Witwe Nancy Reagan.

Da jeder Bundesstaat nur zwei Statuen in diesem Raum aufstellen darf, musste eine kalilfornische für Reagan weichen. Das Abbild von Rev. Thomas Starr King wird nun eingemottet, King kämpfte dafür, dass Kalifornien während des amerikanischen Bürgerkrieges in der Union blieb. Der eine kommt, der andere geht…und Ronald Reagans Statue kam sogar mit einem Stück der Berliner Mauer….ich frage mich echt, wieviele Tonnen Beton Reagan und seine Bibliothek in Simi Valley damals nach Kalifornien schippern liessen, denn dort stehen ja auch so einige Bauteile rum.

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