Darauf ein Bier

Am 27. November ist „Giving Tuesday“. Und in diesem Jahr ist in Kalifornien klar, wohin die vielen Spenden gehen sollen. Die gewaltigen Brände im Bundesstaat haben Tausende von Menschen obdachlos gemacht, Geschäfte zerstört, Existenzen zunichte gemacht. 84 Menschen starben, 475 werden noch vermisst.

Sierra Nevada ist eine der ältesten und erfolgreichsten „Craft Breweries“ in den USA mit Sitz in Chico, unweit von Paradise. Auch wenn die Brauerei nicht selbst vom Camp Fire betroffen war, etliche der Mitarbeiter waren es. Ein Spendenkonto mit einem Startkapital über 100.000 Dollar wurde eingerichtet. Und nun hat sich die Brauerei noch etwas besonderes einfallen lassen. Am kommende Dienstag wird das „Resilience Butte County Proud IPA“ gebraut, 100 Prozent des Erlöses kommt auf das Spendenkonto für die Betroffenen des Feuers. Doch nicht nur das, die Grossman Braufamilie hat andere „Micro-“ und „Craft-Breweries“ dazu aufgerufen, an diesem Tag ihr eigenes „Resilience IPA“ zu brauen und ebenfalls den gesamten Erlös zu spenden. Hunderte von Brauereien im ganzen Land, darunter auch Fort Point in San Francisco, machen mit. Die Brauer von Fort Point schreiben dazu auf ihrer Seite: „If you see this beer around town, made by any brewery, know it was made with heart and symbolizes support and love from the local Bay Area craft beer community.“ Also, trinken für einen guten Zweck oder vielleicht einen Sixpack mit gutem Gewissen zu Weihnachten verschenken.

Auf deutscher Spurensuche

Der „deutsche Friedhof“ außerhalb von Calumet.

In einem Antiquariat in Calumet fragte mich ein Mann, der mitbekommen hatte, dass ich nach Büchern über die deutsche Geschichte suchte, ob ich schon den „German cemetery“ besucht hätte. Einen deutschen Friedhof hier oben in der Upper Peninsula von Michigan? Ja, meinte er, nur ein paar Meilen nördlich auf dem Highway 41 und dort auf der linken Seite, der Friedhof sei total überwachsen.

Das wollte ich sehen, denn ich bin ja immer, egal wo ich bin, auf der Suche nach Spuren deutscher Einwanderer. Ich wusste davon, dass zahlreiche deutsche Emigranten in die Region kamen, um im Kupfer Bergbau zu arbeiten oder in den damals boomenden Gemeinden der Region Arbeit zu finden. Natürlich brachten die Deutschen auch ihre Kultur mit, deutsche Vereine und Brauereien, wie die „Bosch Brewing Company“ von Joseph Bosch wurden gegründet. Doch das ist alles lang her. Die UP von Michigan liegt seit nahezu 100 Jahren im Dornröschenschlaf. Seit der Schließung der Minen, dem Abzug der Industrie ziehen die meisten der jungen Leute irgendwann weg. Es bleiben die Alten und die Erinnerungen an eine Zeit, als Calumet eine „Boom Town“ mit Straßenbahn, Theatern und einem Nachtleben war. Beinahe wäre Calumet sogar Hauptstadt von Michigan geworden, aber nur eben beinahe. Wenn man heute durch die Straßen dieser Stadt läuft, kann man noch etwas vom einstigen Glanz Calumets an den Fassaden der Gebäude ablesen.

Gleich mehrmals fuhr ich an dem Friedhof vorbei, der auch auf keiner Karte verzeichnet ist. Schließlich fand ich ihn hinter einem weißen Zaun. Auf einem Schild stand „Schoolcraft Cemetery“, kein Wort davon, dass das hier ein „deutscher Friedhof“ sei. Und es war wirklich alles wild überwachsen, mannshohe Sträucher, Farne, Birken und Nadelbäume. Dazwischen Grabsteine, teils umgefallen. Und tatsächlich, auf etlichen standen deutsche Namen und Schriftzüge, wie auf dem von Katharina Messner, geboren 1850, gestorben 1890. „Hier ruht in Gott – Ruhe sanft in Frieden“.

Ein kleiner Friedhof am Rande einer einstigen Bergmannsgemeinde, vergessen von den Menschen und von der Natur zurückgeholt. Hinter jedem Namen steckt eine Geschichte, die man wohl nie wieder hören wird, die aber vielleicht von den harten Zeiten jener Immigranten erzählen würde, die ihre eigene Heimat verlassen haben, um im fernen Amerika Arbeit, ein neues Zuhause und eine bessere Zukunft zu finden. Einwanderer wie Katharina Messner haben dieses Land groß gemacht.

Von Bieramt zu Bieramt

In Nürnberg ist für mich ein Besuch im Bieramt, dem Wanderer am Tiergärtnertorplatz, zur Pflicht geworden. Gerade im Sommer ist dieses Heimkommen etwas ganz besonderes. Das gute fränkische Bier, gute Freunde und die einmalige Atmosphäre machen es für mich aus. So etwas gibt es einfach nicht in Amerika.

Nun habe ich in Oakland eine Bar gefunden, die zumindest in Sachen Bier „fast“ mithalten kann. Die „Beer Revolution“ an der Ecke Broadway und 3rd Street. Angeboten werden „Craft Beers“, 50 an der Zahl „on tap“, also aus dem Zapfhahn. Auch wenn das Pils schnell, viel zu schnell für meinen Geschmack ins Glas fließt, ein Besuch in dieser Bar lohnt sich. Man kann sich hier durch die Micro-Brewer Szene Nordkaliforniens trinken. Und diese Kleinbrauereien haben es in sich, können durchaus mithalten und definieren das amerikanische Bier ganz neu. Wer hier nach einem Bud, Miller oder Coors fragt, sollte lieber schnell zur Tür rennen. Hier versteht man in Sachen Bier keinen Spaß, Witzbiere, wie die gerade erwähnten, sind in der „Beer Revolution“ verpönt.

An der Wand hing dann auch ein Sack aus Bamberg, in dem „Organic Malt“ geliefert wurde. Die Brücke Bay Area-Franken existiert also sogar in Sachen Bier. Für Reisende, die es in die San Francisco Bay Area zieht, sollte Oakland auf dem Programm stehen. „Beer Revolution“ ist am Rande des Jack London Squares, gut erreichbar von San Francisco mit der Fähre. Meine neue Heimatstadt hat durchaus was zu bieten…sogar sehr gutes Bier.

 

Na denn, Prost!

Fog Belt Brewery in Santa Rosa.

Fog Belt Brewery in Santa Rosa braut richtig leckeres Bier. Sehr empfehlenswert.

Kalifornien hat sich zu einem Bierparadies entwickelt. Die Plörre von Budweiser, Coors und Miller ist „out“, hier trinkt man immer mehr die Gerstensäfte der „Micro-Breweries“. 570 kleine Brauereien gibt es bereits, fast 300 weitere sollen demnächst eröffnet werden. Ein gutes Pils können sie hier zwar immer noch nicht brauen, aber das ist dann wohl mein persönlicher Geschmack und mein Problem.

Doch dem Brauereiboom in Kalifornien droht nun ein jähes Ende. Verantwortliche in den Kommunen und in der Hauptstadt Sacramento drehen den Brauern schlichtweg den Wasserhahn ab. Die Dürre im Bundesstaat verlangt Einsparungen querbeet durch alle Haushalte und Unternehmen, bei Farmen, Fabriken und eben auch Brauhäusern. Im Vergleich zu 2013 muß jeder 25 Prozent seines Wasserverbrauchs kürzen.

Für eine Gallone Bier (3,78 Liter) werden in der Regel sieben Gallonen Wasser benötigt. Einige Brauereien haben es schon geschafft, „nur“ noch fünf Gallonen Wasser zu benötigen, doch auch das reicht noch nicht. Etliche „Brewers“ sammeln ihr Abwasser, filtern dies und setzen es zum Reinigen ein. Alles gute Ansätze, doch am Ende erwartet die California Craft Brewers Association, falls sich nicht nicht bald die Lage in Kalifornien entspannt, eine Abwanderung einiger Brauhäuser in andere Bundesstaaten. Schon jetzt haben mehrere Biermacher angekündigt Zweigstellen außerhalb von Kalifornien aufzubauen. Zwar erklären sie, dass das nichts mit der Dürre, sondern vielmehr mit der Nachfrage zu tun hat, doch letztendlich wird es das Brauvolumen in Kalifornien entlasten können.

Die Folgen für den Staat Kalifornien könnten enorm sein. Allein die Mikro-Brauereien im Bundesstaat erwirtschafteten im vergangenen Jahr rund 6,5 Milliarden Dollar. Die mittel- und langfristigen wirtschaftlichen Folgen der Dürre sind also noch gar nicht abzusehen. Na denn, Prost!

Noch nicht alt genug zum Rauchen

Healdsburg ist eine schöne Kleinstadt, rund 80 Autominuten nördlich von San Francisco. Im Zentrum ein kleiner Park mit Bänken, einem Brunnen, einem Pavillon. Gewaltige Redwoods recken sich neben Palmen dem Himmel entgegen. Hier in Healdsburg scheint das Leben langsamer zu laufen, Passanten sitzen herum, genießen einen Kaffee, plauschen ein bisschen, bevor sie in einer der kleinen Boutiquen oder in eines der zahlreichen Restaurants verschwinden. Healdsburg legt viel Wert auf seinen Ruf, eine gesunde Stadt zu sein.

Healdsburg Plaza ist schon lange rauchfrei.

Healdsburg Plaza ist schon lange rauchfrei.

Daher verwundert es nicht, dass das Rauchen in der Kleinstadt erschwert wird. Schon jetzt darf man in öffentlichen Parks, wie dem Plaza im Zentrum, nicht mehr rauchen. Vor Geschäftseingängen nur noch im Abstand von etwa acht Metern, heißt, um sicher zu gehen, müßte man sich mitten auf die Straße stellen, was auch nicht ganz ungefährlich ist. Da könnte ein Raucher dann durch „Second Hand Smoke“ unter die Räder kommen. Zigarrenclubs und Hookah Bars sind total verpönt. Nun geht der Stadtrat der 12000 Seelengemeinde noch einen Schritt weiter. Das Alter für Tabakkäufer jeglicher Art wird nach oben gesetzt. Man muß nun in Healdsburg 21 sein, um sich die Fluppe leisten und anstecken zu können. Damit ist Healdsburg die erste Stadt in Kalifornien und erst die zweite Stadt nach New York in den USA, die radikal gegen junge Raucher vorgeht. Im Stadtrat von Healdsburg wurde der Antrag mit 4:1 angenommen, angeführt wurde, dass 9 von 10 Rauchern bereits in jungen Jahren mit dem Paffen anfangen. Und Tabakverkäufer müssen jedes Jahr eine neue Lizenz für 450 Dollar beantragen. Healdsburg will also gesunde rauch(freie) Zeichen setzen.

Alles gut und schön, wäre da nicht die Tatsache, dass Healdsburg im Zentrum des Sonoma Wine Countries liegt. Dutzende von Weingütern haben um den zentralen Platz ihre „Tasting Rooms“, in denen man den durchaus leckeren, aber hochprozentigen kalifornischen Wein kosten kann. Oftmals gibt es dann auch noch gute Angebote, die Kiste zum halben Preis. Natürlich darf man hier auch erst ab 21 probieren und so ein Glas Wein soll ja gesundheitsförderlich sein, zumindest wird das immer wieder behauptet. Doch viele der Sonoma Besucher belassen es nicht beim einen „gesunden“ Gläschen. Aber was soll’s, davon lebt die Region.

Seltsam bei solchen Gesetzen, und seien sie nur auf der lokalen Ebene, ist für mich immer die Tatsache, dass man in den USA als 13 oder 14jähriger vor Gericht als Erwachsener behandelt werden kann. Dass man als 17jähriger, mit Einwillung der Eltern, für sein Land in den Krieg ziehen, für sein Land „fallen“ darf. In all diesen Fällen ist man als Jugendlicher, als junger Mann, als junge Frau alt genug, um Entscheidungen zu treffen, seien sie auch noch so ungesund, unsozial, fatal. Doch beim Rauchen und beim BushCoorsMiller Wasserbiergenuß hat der Spaß ein Ende. Dann, ja dann, ist ein junger Mensch nicht alt genug, um eine kluge, durchdachte und bewußte Entscheidung zu treffen. Amerika ist seltsam.

Der Drohnenkrieg kommt nach Amerika

Es geht auch anders. Nicht nur amerikanische Streitkräfte und Geheimdienste wollen Drohnen nutzen, auch amerikanische Bierbrauer sehen im Einsatz der fliegenden Kleinsthelikopter eine gute Möglichkeit des Kundenservices.

„Lakemaid Beer“, eine Kleinstbrauerei in Minnesota, hatte die Idee, Eisfischern auf zugefrorenen Seen den Service der Bierlieferung per Drohne anzubieten. Die Angler sollten einfach ihre Koordinaten per Telefon durchgeben und dann würde eine Kiste Bier aus der Luft geliefert werden. Das Werbevideo der Brauerei ist mittlerweile zu einem Internethit geworden. Allerdings hat die Flugaufsicht in den USA, die FAA, den Plänen erstmals einen Riegel vorgeschoben. Der Präsident der Brauerei, Jack Supple, hatte in einem Radiointerview von seinem Lieferservice erzählt. Ihm sei die Idee gekommen, als er von den Plänen des Online Giganten amazon hörte, der in Zukunft auch den Drohenservie anbieten wolle.

Doch kurz nach dem Interview bekam Supple Post von der Behörde, ein Beamter hatte wohl genauer zugehört, was da in der ländlichen Gegend von Minnesota passiert. In dem Amtsbrief wurde dem Bierbrauer mitgeteilt, dass er nicht einfach so die Bierkästen durch die Luft segeln lassen könne und erst einmal einige Anträge auszufüllen habe, die dann genauestens geprüft würden. Jack Supple stoppte daraufhin ersteinmal den Lieferservice. Er wolle erst einmal abwarten, wie sich der Drohnenlieferservice in den USA entwickelt. Aber die Idee….also allgemein betrachtet…..wobei….na ja, warten wir es ab.

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Nürnberg in der New York Times

Auch das gibt es noch, mal ein positiver Artikel über Nürnberg in der New York Times. Ein Reporter berichtet unter dem Titel „Linking Past and Present in Nuremberg“ im heutigen Reiseteil der Zeitung über die oftmals übersehene nordbayerische Stadt. Und dabei erklärt er sogar, dass man hier lieber von Franken als von Bayern spricht. Natürlich dreht sich alles um 3 im Weggla, Lebkuchen, Bier, Altstadt und Nazi-Geschichte, Altstadthofbrauerei, Bratwurstküche, Schäufelewärtschaft, Dürer, Spielzeugmuseum, Dokumentationszentrum – aber dennoch, als Leser wird man zu einem Besuch aufgefordert und eingeladen. Beim Lesen geht man richtig mit dem Reporter durch die Noris.

Die Bilanz des New York Times Journalistenausflugs, Nürnberg ist absolut eine Reise wert, zumindest eine einstündige Bahnfahrt von der Landeshauptstadt München. Finde ich ja auch immer wieder…

P.S. Das Bild wurde von einem Häftling im Todestrakt des kalifornischen Staatsgefängnisses von San Quentin gemalt.

Rammstein auf dem Index

Liebe ist für alle daIch habe nun ein Problem. Wie erkläre ich Amerikanern, was ein Index ist und warum die jüngste CD von Rammstein „Liebe ist für alle da“ nun unterm Ladentisch verkauft werden muss? Auf Antrag der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen nahm sich nun die traute Runde der Jugendschützer und Kämpfer des guten Geschmacks die Nummer 1 der deutschen Charts vor. Geht ja auch nicht, so einen Schweinkram massenhaft zu verbreiten! Da muss man schon 18 sein, denn ansonsten wird aus einem jugendlichen Hörer noch ein potentieller Amokläufer. Beispiele dafür gibt es ja genug, dachte sich wohl auch die in Internetforen nur als „Zensursula“ bekannte von der Leyen. Man denke nur an das Massaker an der Columbine High School, die Täter sollen ja angeblich auch eine Rammstein Platte in ihrem Regal stehen gehabt haben. Und auch das erste Video für die neue Platte „Pussy“ sei ja wohl der Hammer (unpassende Wortwahl, Herr Peltner!). Die Sexszenen würden, so die Prüfkommissare, zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr in Zeiten von Aids animieren. Aids hat sich ja auch erst seit diesem Herbst drastisch ausgebreitet, weil Jugendliche nun wie die Böcke zum Rammsteinsound rumrammeln.

Ich frage mich echt, ob die werten Damen und Herren sich schon mal die Mühe gemacht haben, englischsprachigen Bands auf die schmutzigen Finger zu schauen. Wahrscheinlich pfeifen sie sogar die Melodie von Fran Zappas „Bobby Brown“ mit. Na ja, man sollte das eine nicht gegen das andere ausspielen. Tatsache ist wohl einfach, dass so eine Indizierung der jüngsten Rammstein Platte lächerlich ist. Ich frage mich wirklich, was das soll. Bislang ist die Begründung der Bundesprüfstelle noch nicht veröffentlicht worden, „Liebe ist für alle da“ steht also noch in den Plattenregalen, ist noch ohne weiteres über amazon.de erhältlich. Aber schon bald muss man seinen Ausweis zeigen, um den Silberling ganz legal kaufen zu können. Auch schön! Na, hier drüben in den USA bin ich das ja vom Bier bestellen in der Kneipe gewöhnt, ich sehe ja mit meinen 41 auch noch so aus wie 15.

Es wird sich also zeigen, ob diese Massnahme zum drastischen Verkaufseinbruch des Albums führen wird. Aber, wo kämen wir auch hin, wenn man Jugendlichen in Deutschland Gewalt und Pornographie zugänglich machen würde. Sowas sieht man ja sonst nirgends, oder?