Der amerikanische DDR Moment

Als 1989 die Mauer fiel, wurden einige in der DDR nervös. Frühere RAF Mitglieder und Flüchtige aus verschiedenen Gründen hatten im Arbeiter- und Bauernstaat eine scheinbar sichere Zuflucht gefunden. Damit war es über Nacht vorbei. Die Geschichte holte so einige in der DDR mit aller Gewalt und Konsequenz ein.

Derzeit erleben die USA diesen Moment. Mit der Öffnung zu Kuba und dem Beginn diplomatischer Beziehungen zwischen dem Karbibikstaat und Washingtons werden rund 70 Bewohner Kubas von ihrer Vergangenheit eingeholt. Sie waren alle vor der Strafverfolgung in den USA auf die nur 140 Kilometer entfernte Insel geflohen. Doch damit scheint es nun vorbei zu sein. Die USA machen Druck.

Assata Shakur wird vom FBI gesucht.

Assata Shakur wird vom FBI gesucht.

Unter den Geflohenen ist auch die einzige Frau auf der FBI „Most Wanted“ Liste, die Patentante des legendären Hip Hop Künstlers Tupac Shakur, Joanne Chesimard, besser bekannt als Assata Shakur. Sie war 1973 für den Mord an dem New Jersey State Trooper Werner Foerster zu einer lebenslangen Haft verurteilt worden. 1979 brach sie mit Hilfe von Mitgliedern der „Black Liberation Army“ aus dem Gefängnis aus und lebte im Untergrund. 1984 erhielt sie von Fidel Castro politisches Asyl in Kuba, arbeitete zeitweise für den englischen Service des kubanischen Rundfunks. Washington und das FBI verlangten über die Jahre immer wieder die Auslieferung von Shakur, doch Kuba weigerte sich beständig. Assata Shakur war in den 70er und 80er Jahren ein Kultfigur des schwarzen Widerstandes in den USA. In New York, Los Angeles und Oakland klebten in afro-amerikanischen Nachbarschaften an Lichtmasten und an Privathäusern Flugblätter mit der Parole „Assata Shakur is welcome here“.

Und auch bei den jüngsten Protesten in Ferguson und Oakland gegen Polizeigewalt, konnte man Bilder mit dem Foto von Shakur darauf sehen. Shakur behauptete im Prozess, der State Trooper habe zuerst auf das Auto geschossen, in dem sie und zwei weitere BLA Mitglieder sassen. Sie hätten nur das Feuer erwidert, doch sie selbst, so Shakur, habe nicht gefeuert. Der Polizist und ein BLA Aktivist kamen bei dem Zwischenfall ums Leben.

Die friedlichen Zeiten für die einstige „Black Liberation Army“ Soldatin könnten nun bald vorbei sein. In den USA werden die Stimmen lauter, die eine Verbesserung der Beziehungen zu Kuba mit einer Auslieferung Shakurs verbinden wollen. Zwei Millionen Dollar sind für die Ergreifung der Frau ausgesetzt, das alleine könnte vielleicht ein ausschlaggebender Punkt für eine Festnahme sein. Jemand könnte damit schnell reich werden