Wie überlebt man Isolation?

Nach 44 Jahren kam die Freiheit. Körperliche Freiheit, betont Albert Woodfox. Denn im Gefängnis sei sein Geist nie eingesperrt gewesen. Gestern sass ich mit dem 70jährigen auf seiner Veranda in seinem Haus in New Orleans. Wir unterhielten uns über sein Leben, das vor allem hinter Gittern in einer kleinen Zelle stattfand. Albert Woodfox war einer der „Angola Three“, drei Häftlinge, die Jahrzehnte im „Louisiana State Penitentiary“ in Einzelhaft verbracht haben für einen Mord, den sie nicht begangen haben.

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Passend. Zeitgemäß. Aktuell.

50 Jahre Black Panthers in Oakland.

Im „Oakland Museum of California“ läuft gerade eine sehr aktuelle Ausstellung: All Power to the People – Black Panthers at 50. Von damals den Blick nach vorne gerichtet. Was ist aus dieser Protestbewegung geworden, die weltweit beachtet wurde.

Hier in Oakland hat alles begonnen, als sich zur Hochzeit der afro-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung Huey P. Newton und Bobby Seale trafen, zwei Männer, die nach dem Attentat auf Malcom X eine „explizit linke Organisation der Afroamerikaner und eine Schutztruppe unserer Gemeinden gegen rassistische Übergriffe der Polizei“ aufbauen wollten.

Die San Francisco Bay Area war schon immer eine Region der Protestbewegung. Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierten sich hier viele Afro-Amerikaner, um sich gemeinsam gegen Diskrimierung und soziale Ungerechtigkeit zu wenden. Sie bekamen in der liberalen Bay Area Unterstützung von vielen. Als die „Civil Rights“ Bewegung in den Südstaaten immer mehr an Fahrt aufnahm, reisten viele von hier dorthin, um Wählerinnen und Wähler zu registrieren, um an Protestmärschen teilzunehmen.

Im Vietnamkrieg starben mehr Afro-Amerikaner als Weiße.

Mitte der 60er Jahre entstand dann in Oakland die „Black Panther Party“, die sich rasch im ganzen Land ausbreitete, Dutzende von lokalen Gruppen wurden gegründet. Die Black Panthers provozierten alleine schon durch ihr Auftreten. Militant, gut organisiert und bewaffnet. Das weiße Amerika und das FBI sahen einen Bürgerkrieg heraufziehen und wollten nicht wahrhaben, was die Panthers in den Kommunen und „Inner Cities“ auch taten. Sie schulten Kinder, halfen Alten, organisierten Essensausgaben, veröffentlichten eine Zeitung mit einer Auflage von 300.000 Exemplaren. Und die politischen Forderungen waren nicht auf Hass gegen andere aufgebaut, Bobby Seale formulierte es vielmehr so: „We don’t hate nobody because of their color. We hate oppression“

Die San Francisco Bay Area war und ist ein Ort der Protestbewegung. Hier entstand die „Free Speech Movement“, hier wurde gegen den Vietnamkrieg, den Golfkrieg, für die Occupy Bewegung, Black Lives Matter und gegen Donald Trump protestiert. Die Ausstellung im „Oakland Museum of California“ war schon lange geplant, doch hat nun mit dem Wahlsieg Donald Trumps einen ganz aktuellen Bezug gefunden. Dazu auch der folgende Beitrag auf Deutschlandradio Kultur über die liberale Bay Area nach dem Wahlsieg Trumps:

      Das liberale Amerika

Auf den Spuren der „Black Panthers“

Ecke 55th/Market in Oakland. Erinnerungstafel an die Aktion der "Black Panther Party".

Erinnerungstafel an die Aktion der „Black Panther Party“.

Derzeit arbeite ich an einem Bericht über die „Black Panther Party“. Oakland war in den 60er Jahren ein Zentrum des schwarzen Widerstands und Nationalismus. Ausgehend vom Attentat auf Malcolm X formte sich die Partei der „Black Panther“. Die Mitglieder traten bewaffnet und uniformiert auf, setzten sich für die afro-amerikanischen Nachbarschaften im ganzen Land ein und gingen keiner Auseinandersetzung mit Polizei und Staat aus dem Weg. FBI Chef Hoover stufte die „Black Panthers“ als terroristische Organisation ein, ließ sie unterwandern und brutalst gegen sie vorgehen.

Die „Black Panthers“ veränderten Amerika. Sie organisierten die „Communities“, die Studenten an den Universitäten und galten für viele andere ethnische Gruppen als Vorbild. Ganz bewußt suchten sie den Schulterschluß mit anti-imperialistischen und anti-kapitalistischen Gruppen und Bewegungen in aller Welt.

Ecke 55th/Market in Oakland.

Ecke 55th/Market in Oakland.

Zu dem Thema hatte ich heute ein Interview mit dem Schriftsteller Ishmael Reed. Es ging dabei vor allem um die Veränderung der schwarzen Literatur durch die radikale Politisierung der Afro-Amerikaner in den 60ern. Reed wurde u.a. mit dem „Genius Award“ der MacArthur Stiftung ausgezeichnet, war Herausgeber von Literaturmagazinen und Anthologien und Professor an der UC Berkeley.

Im Gespräch wies er darauf hin, das gleich bei ihm um die Ecke eine der wichtigen Aktionen der „Black Panthers“ durchgeführt wurde. Im Jahr 1967 weigerte sich die Stadt Oakland eine Ampelanlage vor einer Grundschule einzurichten, obwohl dort an der Ecke 55th Street/Market Street mehrere Kinder zum Teil schwer von vorbeirasenden Autofahrern verletzt wurden. Den Eltern wurde immer wieder erklärt, die Ampel werde kommen, aber erst in eineinhalb Jahren. Die „Black Panthers“ mischten sich ein und übernahmen die Verkehrskontrolle an der Kreuzung. Sicher brachten sie die Schulkinder jeden Morgen und nach Schulende über die Straße. Die Stadtverantwortlichen mußten auf diese Art Protest reagieren. Die Ampel kam ein Jahr früher. Noch heute erinnert eine offizielle Tafel an dieser Kreuzung an die Aktion der „Black Panthers“ von 1967. Oakland ist eine Stadt voller Geschichte und Geschichten. Der Weg und der Blick von San Francisco über die Bay lohnt sich auf alle Fälle.