Am Ende wird alles zu Asche

Das Burning Man Festival     

Larry Harvey ist tot. Der Gründer und „Chief Philosophical Officer“ des alljährlichen Kreativfestivals „Burning Man“ in der Wüste von Nevada starb am Samstag in San Francisco. Am 4. April erlitt er einen massiven Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Harvey wurde 70 Jahre alt.

1986 hatte alles zur Sonnwendfeier an Baker Beach in San Francisco begonnen. Damals wurde der erste „Man“ aus Holz verbrannt, eine 2,70 Meter hohe Figur. Nach ein paar Jahren musste man umziehen, da Baker Beach zum Golden Gate Nationalpark gehört und die Park Ranger das Feuer und die immer größer werdende Menschenmenge nicht so toll fanden. In der Black Rock Desert von Nevada fand man eine neue Heimat, eine weitläufige, nicht endenwollende, raue Landschaft, offen und leer wie eine zu füllende Leinwand. Mir sagte mal jemand, Burning Man sei die größte Galeriefläche der Welt, und die zu füllen ist jedes Jahr eine neue Aufgabe, wenn die Zeit gekommen ist.

An Larry Harvey wird m diesjährigen Tempel gedacht werden.

Die Vision dafür hatte Larry Harvey, der aus einer Schnapsidee ein nichtkommerzielles 30 Millionen Dollar Unternehmen formte, eine Stiftung zur Unterstützung von öffentlicher Kunst gründete und die zumeist Native American Gemeinden um die Black Rock Desert herum unterstützte. „Burning Man“ ist ein einzigartiges Fest. Ja, es hat sich über die Jahre verändert. Viel wurde über die hohen Ticketpreise und die mittlerweile abgetrennten Superreichencamps mit klimatisierten Zelten, privaten Sterneköchen und Luxus im Wüstensand geschrieben. Und doch, „Burning Man“ hat dank der Gründungsriege um Larry Harvey immer auch den Grundgedanken, die Grundprinzipien beibehalten. Community und Kreativität standen und stehen an vorderster Stelle.

Mit Larry Harvey verliert „Burning Man“ den Über-Burner. In diesem Jahr wird es sicherlich am Festival einiges geben, was an ihn erinnern wird. Ganz sicher im Tempel. Dieser religiöse, dieser spirituelle Ort am Rande des riesigen Areals ist etwas ganz besonderes. Dort findet man einen Ruhepunkt, geniesst die Stille, leise Musik, Gebete, Gesänge, sieht die Fotos, liest die vielen, vielen Anekdoten, Berichte, Beschreibungen von Verstorbenden – Menschen und Tieren. Einer davon ist nun Larry Harvey. Am Ende der Woche wird auch der Tempel in einem gewaltigen Feuer aufgehen. In den Flammen, so hofft man, werden auch die Trauer und der Schmerz vergehen. Zurück bleiben sollen Erinnerungen. Auf dem Message Board der „Burning Man“ Seite schrieb heute eine Frau ein paar sehr passende Worte zum Abschied: Thank you Larry and safe journey…

Burning Man….ohne mich

Es ist wie ein Warten auf Godot. Ticketvorverkauf für Burning Man.

Es ist wie ein Warten auf Godot. Sinnloser Ticketvorverkauf für Burning Man.

Ich begreife es nicht. Wie kann man nur so ein blödes System online stellen? Burning Man vereint eigentlich die Kreativen mit den Tech-Freaks, Künstler mit Musikern, Normalsterbliche mit Kulturschaffenden. Jedesmal ist man fasziniert von der Energie, vom Ideenreichtum und den unterschiedlichsten Perspektiven. Und dann schaffen sie es nicht, ein Kartensystem aufzubauen, das funktioniert. Ich weiß, ich weiß….ommmmmm…. diese Energie ist nicht burningmangerecht…..ich beruhige mich, tief ein- und wieder ausatmen….

Um Punkt 12 Uhr mittags sollte es losgehen, ich war da….auf der Couch, Kreditkarte neben mir. Doch da kam kein grüner Knopf, wie angekündigt, auf den man drücken konnte. Dann brach das Kartenverkaufssystem „ticketfly“ zusammen. Alles wurde auf Pause gesetzt. Und nun warte ich da in einer Warteschleife, an deren Ende ein „Sorry“ stehen wird. Denn irgendwie kamen andere doch durch. Wie, keine Ahnung. Und nein, ich werde kein Ticket auf dem Schwarzmarkt für 1000 und + Dollar erwerben.

Schade, schade, ich wäre gerne wieder dabei gewesen, um über dieses einmalige Ereignis in der „Black Rock Desert“ von Nevada zu berichten. Auch als teilnehmender Journalist bekommt man kein Presseticket, man muß es sich kaufen. Also, genauso in der virtuellen Schlange anstellen, wie jeder andere auch.

Wenn der Mann in der Wüste brennt

Seit Montag campen wieder Zehntausende in der „Black Rock Desert“ in Nevada. Nordöstlich von Reno gelegen findet hier alljährlich das Burning Man Festival statt. Ein Ereignis, das einzigartig ist. Schräg, schrill, schön. Es ist ein Festival, ganz anders als alles was man kennt. Es geht um „Community“, um Kunst, um gemeinsames Leben, um Kreativität, um den Austausch, darum sich einmal auszuleben, wie man es normalerweise nicht tun würde. Und man kann sein, wie man will, alles geht, alles ist erlaubt, so lange es nicht gegen offizielle Gesetze und Burning Man Statuten läuft.

Eines der riesigen Kunstobjekte in diesem Jahr. Aus Holz gefertigt, innen ist eine Rutsche angebracht. Fast im freien Fall sollen Teilnehmer ihre Ängste besiegen.

Eines der riesigen Kunstobjekte in diesem Jahr. Im Innenraum der gewaltigen Holzskulptur ist eine Rutsche angebracht. Fast im freien Fall sollen Teilnehmer ihre Ängste besiegen.

Was mich schon mehrmals in die Black Rock Wüste gezogen hat, war die Kreativität der Teilnehmer. Im letzten Jahr meinte ein Künstler zu mir, Burning Man sei“ die größte Galerie der Welt“. Und das stimmt, nirgends sonst ist das möglich, was hier eine Woche lang im Wüstensand passiert. Er hatte ein riesiges, tonnenschweres Stahlkonstrukt errichtet. Ein Objekt von unzähligen auf dem weiten ausgetrockneten Seebett. Künstler arbeiten in Teams ein ganzes Jahr lang, um hier für diese eine Woche ihr Projekt zu präsentieren. Und sie alle lieben es, egal, ob sie am Ende finanziell draufzahlen, ob sie in der Hitze, im Staub, in der Knüste sind. Burning Man ist einzigartig und wirklich, auch beim Schreiben dieser Zeilen, schwer in Worte zu fassen. Man muß es mit eigenen Augen gesehen, auf der eigenen Haut gespürt haben. Man muß diese besonderen „Burning Man Momente“ erlebt haben, die für mich jedes Jahr aufs neue passierten. Seltsame Zufälle, die einfach passieren, doch die einen ganz tief drinnen lächeln lassen. So ein warmes Gefühl des „Ja, das ist es“.

Auch nach mehreren Versuchen konnte ich dieses Jahr kein Ticket bekommen. Burning Man ist mit 68.000 Teilnehmern ausverkauft. Was ärgerlich war, der Schwarzmarkt florierte. Zwielichte Händler boten Tickets für das fünffache des Kartenpreises an, was absolut gegen eines der Grundprinzipien von Burning Man ist. Denn auf dem Gelände ist Kommerz unerwünscht, man kann nichts kaufen, alles wird geteilt, getauscht.

Aber vielleicht war es ein Zeichen vom „Man“ selbst, dass ich diesmal nicht dort bin, in diesem Jahr eine Pause einlege, mich auf meine anstehende Reise in den Tschad vorbereite. Sonntagnacht stürmte ein Unwetter mit Regen und Hagel über das gewaltige Areal. Der Boden wurde zu einem klebrigen Etwas, der Zugang für die „Burner“ wurde gesperrt. Erst Dienstagmorgen waren die Tore wieder geöffnet. Und nun die Meldung, dass am frühen Donnerstagmorgen eine Frau auf der „Playa“ von Burning Man tödlich verunglückte. Sie wurde von einem „Art Car“ überrollt. Ein Zwischenfall, der einen großen Schatten auf das friedliche Fest wirft, der den Kritikern sicherlich neuen Zündstoff geben, der aber hoffentlich nicht eines der seltsamsten, doch friedliebendsten Festivals verändern wird. Ein Kommentar unter der Nachricht über den Tod der Frau drückt eigentlich das aus, was viele der Teilnehmer heute denken: „If I died there, and I was really into Burning Man, I’d say put my body inside the Burning Man just before it gets lit. That’s how I’d want to go.“

Burning Man zum Hören

Ich bin ausgeschlafen, entstaubt und frisch geduscht. Die Tage bei Burning Man in der Black Rock Desert von Nevada waren etwas extrem….wenig Schlaf, überall Staub und Sand und auf eine warme Dusche habe ich mich schon lange nicht mehr so sehr gefreut. Aber es hat sich wieder gelohnt, die Eindrücke und Erlebnisse waren einzigartig und ich kann es eigentlich nur jedem empfehlen, einmal nach Black Rock City zu pilgern.

Hier nun ein Audio Bericht zu Burning Man 2011:

Burning Man 2011     

Die Wüste lebt

Hitze, Staub, Sand und weit über 50.000 Menschen. So könnte man Burning Man kurz und knapp beschreiben. Doch da ist auch Kunst, Kultur, Gemeinschaft, friedliches Beisammensein, Teilen, Phantasie, Kreativität und vieles mehr. Inmitten eines gewaltigen trockenen Seebettes wird Jahr für Jahr das Burning Man Festival abgehalten. Die Ansiedlung aus Zelten, Campingwagen und Camper nennt sich dann für eine Woche „Black Rock City“, hier in der Black Rock Wüste von Nevada. Und es wird in dieser Woche eine der größten Städte des Bundesstaates.

Am Eingang stehen vier Splitternackte, drei Männer, eine Frau, die einen erst einmal mit einer Umarmung begrüßen. Alles ist anders in Black Rock City. Ein paar einleitende Worte, ein paar Warnungen. Der nackte Herr, so um die 50, einen Cocktailbecher in der Hand, warnt, dass die Polizei, die hier auch patroulliert, aufpasst, dass man auch im Wagen angeschnallt ist. OK!

VW Bus parken, Camp aufbauen und dann aufs Fahrrad schwingen, um das riesige Gebiet abzufahren. Von überallher dröhnt Musik. Meist Technomusik. Überall wird getanzt, gelacht, genossen. Wie ein Hufeisen ist Black Rock City angelegt. Außen die Camps in Straßen, man orientiert sich nach der Uhrzeit, also z.B. „L“ Street zwischen 7:30 und 7:45. Der Mittelbereich nennt sich Playa, von einer Seite zur anderen sind es sicherlich drei Kilometer, bis ans offene Ende des Hufeisens noch weiter. Dort im Zentrum steht der „Man“, der „Burning Man“. Er überwacht und überblickt alles. Riesig groß steht er da und wartet auf seinen „Burn“. Um ihn herum Kunstprojekte. Alles ist möglich. Von einem riesigen Tempel, der von jedem aufgesucht wird, der beschriftet wird mit Namen von und Grußbotschaften an Verstorbene und der am Ende auch abgefackelt wird. Bis hin zu einem Pier mit Meeresrauschen in den ausgetrockneten See.

Die eigens gegründete „Burning Man Foundation“ unterstützt zum Teil größere Kunstprojekte finanziell. Aus guten Grund, manche Kunstobjekte wiegen mehrere Tonnen und müssen mit Tiefladern hierher gekarrt werden. Dennoch tauchen Nacht für Nacht kleinere und auch größere Dinge auf. „Burners“, wie sich die Bewohner von Black Rock City nennen, bereiten sich fast das ganz Jahr über auf diese Woche vor.

Manche Kunst ist kreativ, arbeitet mit der Umgebung, fügt sich ein in die heiße und staubige Wüstenlandschaft. Bei manchem steht man davor und denkt sich, „Jaaaaa, ähm, was wollte uns der Künstler damit sagen?“ Dutzende und Dutzende von Kunstprojekten gibt es hier mit dem Fahrrad abzufahren. Alles soll möglichst interaktiv sein, der Betrachter soll Kunst erfühlen, erspüren, erfahren und erleben. Man wird eingeladen, darauf herum zu klettern, oder sich im Schatten auszuruhen. Kunst ist hier vergänglich, nur für eine Woche bleiben die Objekte hier. Danach werden sie abgebaut, verstaut oder wieder verwertet.

Doch Burning Man ist mehr, viel mehr. Hunderte von Themencamps gibt es und das gibt es wahrlich keine Grenzen. Radiostationen in Black Rock City, Weinbar, Brauerei, Massagecamps, Tanztempel. Schulungen aller Art werden angeboten, vom sicheren Fesseln bis hin zum T-Shirt bemalen. Am Eingang bekommt man ein gebundenes Buch in die Hand gedrückt mit einer Auflistung der Themencamps….und alles ist enthalten. Die Camps laden Besucher ein, einfach anzuhalten und vorbei zu schauen. Hier in Black Rock City zahlt man für nichts, hier teilt man, nimmt Teil am ganzen. Es gibt kostenloses Frühstück oder jemand steht am Straßenrand und besprüht Vorbeifahrende mit kühlem Wasser. Schenken und Teilen sind ein Grundsatz der „Burners“.

Burning Man ist laut, intensiv, man wird überschüttet mit Eindrücken und Erfahrungen. Und es gibt für jeden wohl diese persönlichen Burning Man Momente, die dieses Festival zu etwas ganz außergewöhnlichem werden lassen, was man nicht erklären kann. Für mich war es am Freitagmorgen. Ein Mann um die 70 hielt an meinem VW Bus an und fragte mich, ob einer meiner Camping Nachbarn die Trommelgruppe aus Austin sei. Ich verneinte und meinte, ich habe hier auch noch nie Trommeln gehört. Er hörte gleich meinen deutschen Akzent heraus und wir unterhielten uns über Deutschland. Er war dort in den 70er Jahren stationiert, begeistert von Land, Leute und Kultur. Er kaufte sich damals einen Porsche, genoß die Autobahn (als Deutscher in den USA muß man immer über Autos und Autobahn sprechen). Und dann meinte er, er sei damals in der Nähe von Frankfurt stationiert gewesen und was er wirklich am meisten vermisse, sei dieses tolle Bier, was er damals immer trank: Henninger. Ich grinste ihn an, öffnete meine Kühlbox und reichte ihm eine Dose Henninger. Er fiel fast aus allen Wolken, nicht nur, endlich wieder ein Henninger trinken zu können, sondern unter den 50.000 + Menschen hier im Wüstensand den gefunden zu haben, der ihm das anbieten kann.

Dieses Zusammenfinden von Menschen und Dingen und Erlebnissen….das ist Burning Man. Für eine Woche in der Wüste von Nevada.

In der Wüste brennt ein Mann

Heute Nacht geht es los. In aller Herrgottsfrühe aufstehen und dann über Reno in die Wüste von Nevada fahren. Seit Montag schon treffen sich dort in der „Black Rock Desert“ die „Burner“.

Jedes Jahr in der Woche vor dem „Labor Day“ wird hier das Burning Man Festival gefeiert, erlebt, durchlebt, zelebriert. Es ist wie eine Mischung aus Mad Max meets Love Parade. Schräg, schrill, einzigartig. Es geht um Kunst und Kultur, um Gemeinschaft und Sein.

Alles ist möglich. Alles kann sein. Man ist erstaunt und fasziniert, begeistert und nachdenklich. Man erlebt Grenzen und überschreitet diese auch. Kunst ist ein dehnbarer Begriff, der hier in der Wüste ganz neu definiert wird. Und auch die Menschen, die für eine Woche „Black Rock City“ erschaffen, sind ein besonderer Schlag Mensch. Ich bin gespannt, was mich dieses mal erwarten wird. Auch wenn ich dienstlich dort hin muß, manche „Jobs“ sind gar nicht so schlecht.

Wenn ich eine Internetverbindung irgendwo da draußen finde, werde ich mich reinmelden. Ein kleines Lebenszeichen aus der Wüste von Nevada nach Nürnberg.