Die Rechten und ihr Rechtsverständnis

Cliven Bundy schuldet der Bundesregierung rund eine Million Dollar. Der Farmer aus Nevada läßt seit 20 Jahren seine Rinder auf Ländereien grasen, die dem Staat gehören. Illegal. Die Situation spitzte sich zu, als Offizielle des „U.S. Bureau of Land Management“ (BLM) die Herde des Farmers beschlagnahmten. Bundy wehrte sich lautstark, zahlreiche bewaffnete Amerikaner und Milizen zogen nach Nevada, um dem Rancher in seiner Konfrontation mit der verhassten Bundesregierung beizustehen. Es drohte eine Eskalation wie 1993 in Waco, Texas. Klar wurde bei dem Streit, weder Cliven Bundy noch seine bewaffneten Unterstützer respektieren die Regierung in Washington. Doch am Ende beruhigte sich die Situation wieder.

Und nun gibt es einen weiteren Fall. In Utah ist der „Recapture Canyon“ unter der Kontrolle des „U.S. Bureau of Land Management“ (BLM), einer Bundesbehörde, die alle Ländereien in öffentlicher Hand, wie Nationalparks, verwaltet. Der „Recapture Canyon“ ist für die Öffentlichkeit zugänglich, rund 2800 Meilen an Wegen sind offen. Lediglich 14 Meilen sind für Motorräder und ATVs gesperrt. Doch das hielt am vergangenen Samstag etwa 50 Protestierende nicht davon ab, mit ihren motorisierten Geländevehikeln die Schranke zu überwinden und etwa eine Meile weit in den Canyon zu fahren. Zuvor gab es eine Demonstration mit mehreren Hundert Demonstranten. Darunter auch zahlreiche von Cliven Bundys Unterstützer.

Man wolle ein Zeichen setzen, hieß es. „Nur weil BLM das Land besitzt, hat es noch lange nicht das Recht dazu, uns den Zugang zu versperren“, erklärte Phil Lyman, Organisator des Protests. Diese Aktion sei eine Weiterführung des Kampfes für Land, den Cliven Bundy begonnen habe, so die Demonstranten. „This land is your land, this land is my land“, diese berühmte Textzeile des Folksängers Woody Guthrie bedeutet eigentlich etwas ganz anders. Vor allem nicht, dass jeder tun und lassen kann, was er will. Die Interpretation der rechten „Patridioten“ ist ungefähr so dämlich wie „Freie Fahrt für freie Bürger“ und in Utah total fehl am Platz. Denn der betroffene 14 Meilen Abschnitt im „Recapture Canyon“ war über Jahrtausende Indianergebiet. Immer wieder werden dort Artefakte der „Native Americans“ gefunden, die in dieser Gegend bereits vor 2000 Jahren lebten. Vertreter der Indianer werteten die Aktion vom Samstag denn auch als Mißachtung ihrer Kultur und Religion.

BLM machte Photos der Eindringlinge und gab sie an die Bundespolizei weiter. Unklar ist allerdings, ob die Rechten überhaupt mit einer Bestrafung rechnen müssen.

It’s the end of the world as we know it…

Nun mußte er auch gehen. Mit großem Bedauern habe ich von der letzten Kündigungswelle im Funkhaus Nürnberg erfahren, denn unter denen, die nun vor die Tür gesetzt wurden, war mein „Radio-Ziehvater“, dem ich sehr viel zu verdanken habe. Ich erinnere mich noch an meine ersten Schritte im Hörfunk, damals bei Radio Gong in der Inneren-Kramer-Klett-Straße. Ich machte dauerhaft Frühdienst mit R.K., jeden Morgen um halb fünf begann die Schicht. Wir hatten Zeit über vieles im Radio zu sprechen. Oftmals nach dem Dienst gingen wir noch auf einen Kaffee in die Meisengeige, unterhielten uns, tauschten uns aus über Beiträge, Nachrichten, Gehörtes. Und irgendwann meinte R. zu mir, „Radio, das ist Theater im Kopf“.

Und wie recht er hatte. Dieser Satz begleitete mich und begleitet mich noch immer in meiner beruflichen Laufbahn. Egal ob in Kurzbeiträgen für Privatsender oder in Einstundenfeatures für öffentlich-rechtliche Hörfunkanstalten, Radio ist „Theater im Kopf“, wenn man es denn will. R. redete nicht nur, er zeigte mir auch, was er meinte. Ein Begleiter in den Anfangsjahren, den ich jedem Berufsanfänger nur wünschen würde.

Doch es ging in diesen Gesprächen nicht nur um das Handwerk, wir redeten auch über die Verantwortung als Journalist, wie leicht es ist als Radiomann, Dinge zu verändern, Stimmung zu machen, einseitig zu berichten. Nie wieder wurde mir in meiner Ausbildung zum Radioredakteur im Funkhaus Nürnberg so deutlich gemacht, was Ethik im Journalisms bedeutete. R. bereitete mich für das Leben als freier Journalist und Korrespondent vor.

Das hier soll jetzt kein Nachruf sein. Oder vielleicht gerade doch. Ein Nachruf auf die journalistische Qualität im bayerischen Lokalradio und besonders im Funkhaus Nürnberg. Über die Jahre wurden viele Journalisten in diesem Radioverbund gegangen, die Qualität auf die Sender brachten. Die gerne mehr Programm wollten, Qualitätsprogramm. Die jungen Nachwuchskräften halfen, ihnen mit Fachwissen und Rat zur Seite standen.

Als jemand, der aus dem Funkhaus Nürnberg kommt, der dort als der erste Volontär ausgebildet wurde, verbindet mich viel mit diesen vier Sendern, für die ich damals arbeitete. Und ich höre immer mal rein übers Webradio und sowieso, wenn ich in Nürnberg bin. Doch was ich höre gleicht einer Dauerwerbesendung. Zwischen den einzelnen Werbeblöcken werden Musik und Wortbeiträge geschalten. Wortbeiträge, mehr ist es nicht mehr. Ganz banal und immer Witzi-Spritzi-Heiterkeit. Natürlich ist das Funkhaus Nürnberg ein kommerzielles Unternehmen, natürlich muß auch hier gespart werden. Doch die Entwicklung, die im Privatfunk mit Siebenmeilenstiefeln voran getrieben wird, ist der Todesstoß des Radios. Die Qualität bleibt links liegen. Schade, sehr schade. Doch verständlich, wenn man die guten Leute, diejenigen, die diese Sender mit ihrer Stimme aufgebaut haben, gehen läßt, oder sie aus Kostengründen vor die Tür setzt. Praktikanten und Volontäre sind billiger, keine Frage.

Doch Radio ist mehr als Nebenbeibeschallung. Auch ein Privatsender kann anspruchsvoller Hörfunk sein. Es benötigt nur den Mut, neue Wege in der Programmgestaltung, der Vermarktung, der Einbeziehung von Zielgruppenzu zu gehen, ja auch in Fragen des Werbeverkaufs. Die eingeschlagenen Pfade, nicht nur im Funkhaus Nürnberg, sind leider die falschen.