Gangland Los Angeles (4)

Besuch bei den Interventionists in Los Angeles     

Los Angeles ist ohne Zweifel die Gang Haupstadt der USA, wenn nicht sogar der Welt. Zehntausende von jungen Männern und Frauen sind in den Banden der Stadt organisiert. Die Geschichte der Gangs in LA reicht bis in die 30er Jahre zurück. Von Hollywood glorifiziert und lange Zeit einfach als Randproblem abgetan, sind heute einige Stadtteile der kalifornischen Metropole in fester Hand der Banden. Lange Jahre betrachtete man die Gangs als reines Polizeiproblem. Hier die Kriminellen, dort die Beamten im Einsatz.

Doch das hat sich in den jüngsten Jahren geändert. Los Angeles arbeitet und bezahlt mit öffentlichen Geldern verschiedene Interventionsprogramme, die von ehemaligen Gang Mitgliedern aufgebaut wurden und geleitet werden. Die Idee dahinter ist, dass die früheren Bandoleros einen besseren Zugang zu den Gangs auf den Straßen haben, im Falle von Schießereien Racheakte verhindern können. Und das scheint zu funktionieren. Ein weiterer Audiobeitrag in der Serie Gangland Los Angeles.

South Central LA – 20 Jahre danach

An diesem Sonntag jähren sich zum 20. mal die „Riots“, die Ausschreitungen in South Central Los Angeles. Am 29. April 1992 brannte der Stadtteil. Nachdem vier weiße Polizisten von einer Jury frei gesprochen wurden, die für das brutale Vorgehen gegen den Afro-Amerikaner Rodney King vor Gericht standen, wurde geplündert, gebrandschatzt, South Central ging in Flammen auf. Die schockierenden Bilder, wie ein Mob aus schwarzen Jugendlichen einen weißen LKW Fahrer aus seinem Laster zieht und ihn zusammenschlägt, wie Läden in der eigenen Nachbarschaft geplündert  und anschließend angesteckt wurden gingen damals um die Welt.

Am Freitagabend war South Central Los Angeles ruhig. Fast. Im 77. Revier der Stadt, in dem die Ausschreitungen vor 20 Jahren begannen, gehört Gewalt und Kriminalität einfach dazu. Ich bin mit Sergeant Rodriguez unterwegs, der mir vorab die Gangaktivitäten im Bezirk beschreibt. Hier die „40 Riders“, dort die „60 Riders“, die „Crips“, die „Bloods“, die „Hoovers“. Der ganze Stadtteil ist aufgeteilt, so, dass Schulkinder am Morgen Angst haben in die Schule zu gehen, denn sie müssen durch fremdes Ganggebiet, ein, zwei Blocks weiter.

Und doch meint Sergeant Rodriguez vieles hat sich verändert seit 1992. Damals ging die Polizei hart vor. Die Mordrate lag alleine in diesem Revierbezirk bei nahezu 200. In der ganzen Stadt bei fast 2000. Heute ist die Mordrate in gesamt LA auf unter 300 gesunken. Auch die Polizeitaktik habe sich verändert, meint der Beamte. Früher machte man sein Ding, heute versucht man viel mehr mit der „Community“ zu arbeiten. Respekt und Vertrauen stehe im Vordergrund. Ehemalige Gang Mitglieder werden nach Schießereien für Interventionen gerufen. Die Polizeiarbeit läuft hier anders und erfolgreicher als noch vor wenigen Jahren. Die Statistiken belegen das.

Sgt. Rodriguez fährt durch die Straßen, erklärt, wer hier und dort das sagen hat. Dann ein Notruf, ein bewaffneter Raubüberfall. Noch im Tageslicht wurde direkt vor einem Cornerstore ein Mann überfallen. Zwei junge Schwarze zogen eine Knarre, hielten sie ihm an den Kopf und verlangten Geld. Einfach so, schnell und einfach, es ist Freitagabend in South Central LA. Das ist nach wie vor Normalität in der Gegend, auch wenn sich vieles zum Positiven hin verändert hat.

Zwei Hubschrauber kreisen ständig über dem Bezirk, sind sofort über dem Einsatzort, wenn die Polizei im Einsatz ist. An diesem Abend kommen noch mehrere Polizeirufe über Funk. Mit Sirene und durchgetretenem Gaspedal rasen wir durch den Stadtteil. Jugendliche Gangmitglieder werden kontrolliert. Es liege was in der Luft, heißt es. Doch es bleibt ruhig in den nächsten Stunden. South Central LA bleibt ein Problemviertel. Die Polizei tut, was sie kann. Die Lösungen für die sozialen Probleme im Stadtteil müssen allerdings woanders gefunden werden.