Live in Konzert

Vier Bands, vier Konzerte, gnadenlos gute Stimmung. Eisbrecher live im Circus Krone in München, Fiddler’s Green im E-Werk in Köln, Rammstein im Madison Square Garden in New York City, die Böhsen Onkelz live am Hockenheimring. Unterschiedlicher könnte es nicht sein und doch belegen alle vier CDs/DVDs/LPs, welche Energie in der deutschen Musikszene steckt. Alle vier Bands sind geniale Live-Acts.

Eisbrecher haben sich nach dem Ausstieg von Sänger Alex Wesselsky und Gitarrist Noel Pix von Megaherz etwas eigenes und neues geschaffen. Kein Blick geht zurück, es wird nur nach vorne geblickt, und das aus gutem Grund. Mitreißend ihr Stil und ihr Spiel. Das zeigen sie nur zu gerne in diesem Circus Krone Konzert. Es ist eine kraftvolle Mischung aus den bisher sechs Studioalben der Band. Die Münchner Combo wird angetrieben vom nimmermüden Sänger Alex Wesselsky, der hier auf der Bühne in seinem Element ist. Ein geborener Frontmann. Eisbrecher, und da bquatsche ich sie seit Jahren, haben durchaus eine Chance in den USA. Eisbrecher sind bereits im Land der unbegrenzten Möglichkeiten in den Plattenregalen erhältlich. Metropolis Records hat sie unter Vertrag. Es wäre einen Versuch wert, auch jenseits des Atlantiks den Eisbrecher auf Fahrt zu bringen. Das Konzert im Circus Krone belegt das nur noch einmal erneut.

Fiddler’s Green aus Erlangen sind eine der besten Live-Bands in Deutschland. Ihre Konzerte sind schweisstreibende Parties für Musiker und Publikum gleichermaßen. Mit ihrem Irish-Speed-Folk haben sie sich eine treue Fangemeinde in allen Teilen der Republik erspielt. Gab es früher für die Band noch weiße Flecke auf der Landkarte, ist das nach 25. Jahren Bandgeschichte längst Vergangenheit. Egal, wo die Jungs aus Erlangen auftreten, es wird gefeiert. Ihr Kölner E-Werk Konzert wirkt wie ein Heimspiel im Erlanger E-Werk. Interessant bei den Fidders ist, dass sie es schaffen, immer wieder neue, junge Fans zu gewinnen. Wenn man sich die Bilder aus vergangenen Tagen ansieht, dann scheint es, dass ihr Publikum nicht altert. Das spricht für die Band, die diese spezielle musikalische Sprache gefunden hat, die Generationen verbindet und begeistert.

Deutsch hingegen ist die Sprache von Rammstein. Keine andere deutsche Band hat so viel für den Deutschunterricht in aller Welt getan, wie die Schwermetaller aus Ost-Berlin. Das zeigen sie auf beeindruckende Weise auf ihrer DVD „In Amerika“. Innerhalb von nur einer halben Stunde war das Madison Square Garden Konzert vom Dezember 2010 ausverkauft. Rammstein riefen, Tausende von Fans kamen, um die wohl weltweit beste Live-Band zu sehen. Rammstein spielen schon längst eine führende Rolle im internationalen Musikzirkus. Sie setzen mit ihren Live-Shows Maßstäbe, spielen in einer eigenen Liga. Und dann sind da die Fans, wie hier in New York City, die lauthals die Texte der Band mitsingen. Rammstein sind ein Erlebnis, für das es keine Vergleiche gibt. Perfekt organisiert, initiiert, abgespult. Als ich mir „In Amerika“ ansah, mußte ich unweigerlich an das erste Rammstein Konzert denken, das ich gesehen habe. Damals spielten sie als Vorband von KMFDM in einem kleinen Club in Palo Alto. Doch nichts außer der Größe der Konzerthallen hat sich verändert. Rammstein sind einmalig geblieben.

Nach neun Jahren Pause, zahlreichen Schlagzeilen außerhalb der Musik, haben sich die Böhsen Onkelz wieder zusammen gerauft. Böse Zungen werfen ihnen Geldgeilheit vor, nur deshalb würden sie wieder spielen. Doch die Onkelz sind solche Vorwürfe gewohnt. Sie haben sich in all den Jahren, 35 an der Zahl, nicht verbogen und nicht verbiegen lassen. Den alten Vorwurf der rechten Band hört man noch immer, aber der ist so verstaubt, wie diese olle Elton John Platte, die ich mal vor etlichen Jahren geschenkt bekommen habe und die seitdem auf dem Regal lieg. Geht gar nicht! Ihre Fans sind ihnen treu geblieben. Das zeigten vor allem auch die beiden Konzerte vom Juni 2014, die nun in einer speziellen Vinyl-Box erschienen sind. Pro Abend waren 100.000 Fans vor und um die Bühne herum versammelt, um die „Bad Boys“ der deutschen Musikszene zu feiern. Die Mannen um Stephan Weidner sind älter geworden, die Stimme von Sänger Kevin Russell spröder, kratziger und etwas kraftloser. Dennoch, die Band hat noch immer den „Drive“, die Energie und diese kompromisslose Wut im Bauch. Mit dem Hockenheimringkonzert melden sie sich beeindruckend und lautstark zurück. Ihre Kritiker hatten sich zu früh gefreut.