Im Tschad sind die Borussen Fans

Mit der Flugbereitschaft der UN in den Süden des Tschad.

Mit der Flugbereitschaft der UN in den Süden des Tschad.

Sechs Uhr aufstehen, es geht ins „Feld“. Nicht auf den Acker, ins Feld bedeutet zu den Einsatzorten von Care. Mit der Flugbereitschaft der UN, unterstützt u.a. auch von der Bundesregierung, fliegen wir nach Moundou. Unter uns der Tschad, flach und grün, immer mal wieder kleine Dörfer und einzelne Häuser. Es ist drückend heiß. Am Flughafen warten schon zwei SUVs der Organisation auf uns. Nach einer Fahrt durch die Stadt halten wir an einem nobleren Hotel. Hier sollen wir warten. Die lokalen Care Mitarbeiter müssen noch einiges für ihren Außenposten einkaufen.

Nach fast drei Stunden geht es weiter, die beiden Wagen sind vollbepackt. Die geteerte Straße wandelt sich schon bald zu einer Huppelpiste. Ich sitze mit den beiden anderen Besuchern hinten im Wagen. Die Sicherheitsvorkehrungen schreiben das vor. Westliche Besucher sollen so wenig wie möglich gesehen werden, denn jüngst wurden Fahrzeuge der UN gewaltsam gestoppt und entführt. Ohne Personen, na immerhin. Der vordere Wagen ist mit unserem SUV per Funk verbunden und gibt jedesmal durch, wenn uns ein Auto, ein Bus oder ein Motorrad entgegenkommt. Sicher ist sicher.

Drei Stunden dauert die Fahrt von Moundou nach Gore. Der Südtschad ist grün, die rote Sandstraße geht fast schnurgeradeaus Richtung Süden. Immer mal wieder ein paar kleine Dörfer. Kühe, Schafe und Ziegen weiden am Straßenrand. Ein paar ausgezehrte Hunde rennen über die Fahrbahn. Ich muß sagen, im Tschad scheint es viele Borussia Dortmund Fans zu geben. Die Trikots der Borussen sind weit verbreitet in dieser Gegend.

In Gore liegt eines der Compounds von Care, unweit der Grenze zur Zentralafrikanischen Republik. Von hier werden wir in den nächsten paar Tagen in verschiedene Lager aufbrechen. Ansiedlungen für Rückkehrer und Camps für Flüchtlinge aus CAR. Die Care Besucher sind im eigenen Gästehaus untergebracht. Es ist ruhig, kein Verkehrslärm, ein Hund bellt, ein Hahn kräht, Vogelgeschrei. Ein dicker schwarzer Käfer wackelt vorbei und verschwindet in einem Loch. Noch immer ist es drückend warm, Zeit für ein kühles Bier. Ja, auch das gibt es hier.

Ein Stück weit Normalität

Erst eine Pizza aus dem Holzofen, dazu ein Bierchen und danach geht es zum Fußballschauen. Borussia Dortmund spielt im Achtelfinale der Champions League gegen den ukrainischen Meister Shakhtar Donezk. In Goma werden an diesem Abend nicht viele dieses Spiel verfolgt haben, zeitgleich lief ja Real Madrid gegen Manchester United. Doch das Satellitenfernsehen macht es möglich, dass man auch am entferntesten Örtchen der Welt – und das ist Goma irgendwie – vertrauten Fußball sehen kann. Ein kleines Stück Normalität, die einem erst wieder nach dem Spiel auf dem Weg zurück ins Hotel bewußt wird.

75 Minuten Fußball – das langt!!!

Gleich mal vorweg, ich bin kein Freund der Deutschen Welle. Ich habe ihr Programm in den USA, in Kanada und eben auch in Afrika gehört und mich oft genug fragen müssen, was das eigentlich soll? Wäre es nicht sinnvoller, gemeinsam mit den Auslandsprogrammen anderer europäischer Staaten einen Radiosender nach dem Fernsehvorbild Euronews aufzubauen? Billiger wäre es allemal.

Egal, was ich eigentlich erzählen wollte…ich fahre heute durch Ruanda, habe das Radio an, höre die Deutsche Welle und dann um halb fünf fangen sie tatsächlich an die Fußballbundesliga zu übertragen. In einer Konferenzschaltung. Super, denke ich mir. Mir kommen fast die Tränen, als sie live nach Dortmund zu meiner Borussia schalten. Ich mitten im tiefsten Afrika und da höre ich die Gesänge aus dem Stadion. Dann der Club….klar, auch da höre ich hin, dachte mir sogar, da schreib ich doch mal einen positiven Blogeintrag über die DW…und was passiert um Schlag 17 Uhr, die Nasen von der Deutschen Welle schalten die Nachrichten auf…in Kisuaheli….da quakt dann eine Tante schlappe acht Minuten. Kein Witz! Ich denke, mein Gott was soll das und hoffe auf das Ende der News….Und was passiert, eine ganz neue Sendung in Kisuaheli beginnt auf der Frequenz der Deutschen Welle.

Ja, haben die sie noch alle, ist ein Fußballspiel nach 75 Minuten zu Ende? Erstens, warum überträgt man die Bundesliga, wenn 15 Minuten vor Schluß für den Reporter Schluß mit Torjubel ist? Ich verpasse zwei Tore vom BVB, den Ausgleich des Clubs und noch so einiges mehr…das geht doch nicht!!! Und dann – zweitens – als Radiomann kriege ich Hitzewallungen und einen ganz dicken Hals, wenn man eine Live-Schaltung 15 Minuten vor Abpfiff beendet. Das geht überhaupt nicht! Die Deutsche Welle wird mit Steuermitteln finanziert, also bei dem Kram was da manchmal gesendet und gemacht wird frage ich mich schon, ob da überhaupt mal ein Parlamentarier zuhört, denn das Budget für den deutschen Auslandsrundfunk wird ja vom Bundestag verabschiedet.

Bier, Bratwurst, gute Laune

Rund 3000 Besucher kamen alleine zu den Deutschen. Die Schlange reichte bis auf die Straße raus und immer neue Busse karrten die EU Interessierten von den anderen diplomatischen Vertretungen heran. Das “Open House” der EU Botschaften in Washington DC war erneut ein voller Erfolg. Auch die Sicherheitschecks hielten niemanden davon ab, einen Rundgang in der Residenz und im riesigen Parkgelände der deutschen Botschaft zu unternehmen.

Als ich am Morgen kam, stieß den BGS Beamten am Eingang nur mein Borussia Dortmund Trikot auf, denn fast alle waren Schalke Fans. Als ich die Soundanlage testete und Songs raussuchte standen sie herum und meinten lachend, sie überlegen gerade, wer mich zuerst umhauen soll. Knappe und für sie schmerzliche Antwort von meiner Seite: “Deutscher Meister ist nur der BVB”. Die 1:3 Schlappe der Knappen hob die Stimmung der Bundesgrenzschützer nicht sichtlich an.

Ansonsten war es ein schöner und sonniger Nachmittag. Haribo und Gerolsteiner, Bier und Bratwurst, Döner und Goethe-Institut. “Die Alten Kameraden” spielten am Bierstand auf und ich mixte am Eingang rum und beschallte noch den Rest des Botschaftsgeländes mit einer Mischung zwischen Lena, 2raumwohnung, Wir sind Helden und Polarkreis 18.

Um vier Uhr war Schluß und wie ernst man die Sicherheit an der Botschaft nimmt, zeigte auch die Anwesenheit der Secret Service Police, die mit einem Bombenschnüffelhund kamen und das Gelände nach explosiven Hinterlassenschaften durchsuchte.