Dicke Luft in Kalifornien

Kein klarer Blick am Golden Gate.

Seit Tagen schon bin ich tagsüber nahezu alleine mit meinem Hund auf den Waldwegen unterwegs. Und wenn ich jemanden sehe, tragen sie Atemmasken, um sich vor dem Rauch zu schützen, der vom „Camp Fire“, mehr als 200 Kilometer entfernt, in die Bay Area weht. Der „Smoke“ ist giftig, es sind nicht nur Wälder abgebrannt, die ganze Kommune Paradise ist durch die Flammen dem Boden gleichgemacht worden. Man kann sich vorstellen, was dort alles verbrannt ist. Vom Auto bis zum Kühlschrank, von Farben bis zu Elektroartikeln. Und man will gar nicht daran denken, dass in dem gewaltigen Feuer Menschen und Tiere gestorben und verendet sind.

Kalifornien brennt erneut und schon wieder. Früher gab es hier eine Feuersaison zwischen September und Dezember. Die ist nun alljährlich und überall. Jeder, der hier mit Bäumen um sich herum lebt, etwas am Stadtrand oder in der Natur, kann davon betroffen sein. Die Anzahl der Feuer nimmt zu, die Intensität auch.

Eigentlich jeder ernstzunehmende Wissenschaftler erklärt, dass all das mit dem Klimawandel zusammenhängt. Es wird heißer, der Regen bleibt aus, das Unterholz trocknet mehr aus, die Winde nehmen an Stärke zu. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen raus aus den Städten ziehen, die viel zu teuer geworden sind und gleichzeitig die Feuerwehren die präventive und dann feuerbekämpfende Arbeit gar nicht mehr leisten können. Einen Masterplan, wie man all dem begegnen soll existiert nicht. Weder in Sacramento noch in Washington.

Kalifornien kommt in diesen Tagen an seine Grenzen. Allein im vergangenen Jahr gab es sechs massive Brände, die in der Häufigkeit und der Stärke zuvor nie beobachtet wurden. Jedesmal war es das größte Feuer,  um kurz danach schon übertroffen zu werden. Ich selbst lebe seit 20 Jahren in einer Feuerzone, daher weiß ich, dass die „Red Flag Alerts“, die höchste Warnstufe mehr und mehr ausgerufen wird. Was das bedeutet ist klar, man hat für sich die Frage geklärt, was im Falle eines Feuers schnell eingepackt werden muss und welche Fluchtwege es aus dem Canyon raus gibt. Und, der Hund muss mit! Klar, ist man an das Leben mit der Katastrophengefahr in Kalifornien gewöhnt, immerhin lebe ich nur einen guten Kilometer Luftlinie von der sehr aktiven Hayward Spalte entfernt. Jedesmal auf dem Weg zum Einkaufen fahre ich direkt auf der Spalte entlang.

Das eingeäscherte Shangri-La

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Das Video ging um die Welt, ein unbekannter Mann versucht einen Hasen vor den Flammen des „Thomas Fire“ zu retten. Er schafft es und bringt den „Bunny“ in Sicherheit. Das „Thomas Fire“ ist nur eines von mehreren Feuern, das derzeit durch den Süden Kaliforniens wütet, aber es ist das größte und das am schwersten unter Kontrolle zu bringende. Der Grund, die betroffenen Kommunen Ojai, Santa Paula, Casitas Springs, Meiners Oaks, Ventura liegen am Rande des riesen „Los Padres National Forest“, ein wilder und geschützter Staatswald.

Das Ausmaß des „Thomas Fire“, Ojai wurde fast komplett von den Flammen eingeschlossen.

Ojai wird als Shangri-La beschrieben, als ein spiritueller Tal, umrandet von Bergketten. Abend für Abend gibt es den „Pink Moment“, wenn die Sonne sich senkt und die Berge rosa erstrahlen. Es ist ein friedlicher Ort, der nun mit Asche überzogen ist. Die Menschen, die noch geblieben sind, versuchen das zu retten, was zu retten ist, helfen und unterstützen sich gegenseitig. Viele Tiere wurden zurück gelassen, als die Besitzer überhastet vor der Feuerwalze fliehen mussten: Hunde, Katzen, Ziegen, Schafe, Pferde, Esel, Vögel. Haustiere gerieten in Panik, rissen aus und versteckten sich, Pferdekoppeln, Ställe und Gitter wurden einfach geöffnet, damit die Tiere sich selbst vor den Flammen retten konnten.

Mike wartet mit Verbrennungen auf seine Behandlung.

Doch schon schnell begannen die Zurückgebliebenen im Tal mit  den Rettungsaktionen. So bald es ging durchsuchte man Häuser und Wohngegenden nach den Tieren, über Twitter wurden Informationen ausgetauscht, wo Haustiere zurück gelassen wurden und Hilfe brauchen. Mike ist einer der Hunde, der aufgeschnappt und mit Verbrennungen ins Tierheim gebracht wurde. Seine Familie hatte ihr Haus verloren und war mit sechs Kindern, zwei Hunden und mehreren „Puppies“ in einem Hotel in Ventura untergekommen.

Pferde wurden eingefangen und an sichere Orte gebracht. Das Tierheim von Ojai gleicht in diesen Stunden und Tagen einer Arche Noah. Veterinäre aus der gesamten Region reisten an, um die Tiere zu behandeln so gut es unter den Bedingungen geht.

Doch Ojai liegt direkt am „Los Padres National Forest“ und dort leben Rehe, Koyoten, Füchse, Berglöwen, Bären und viele andere wilde Tiere, die vor den Feuern fliehen mussten. Auf Twitter waren immer wieder Berichte zu lesen, wie die Wildtiere ins Tal flüchteten und sich in den Orangenhainen versteckten. Eine Frau tweetete, dass sie das Geheule der Koyoten hörte, die von Flammen eingeschlossen waren. Man versucht zu helfen, wo es geht, auch mit solchen Hinweisen, frisches Wasser für die durchziehenden Tiere bereit zu stellen. Der „Spirit“ von Ojai lebt, doch das Shangri-La Kaliforniens wird lange brauchen, bis es wieder zu diesem einzigartigen und friedlichen Ort wird, der es einst war.

 

 

 

 

 

Kalifornien brennt

Die Feuerwehreinheiten in Kalifornien sind derzeit in höchster Alarmbereitschaft. 23 Brände werden derzeit im Golden State bekämpft. Und das ist erst der Anfang. Auf Kalifornien kommt ein heißer Herbst zu. Nach vier Jahren Dürre sind die Böden und Wälder ausgetrocknet. Massive Brände in teils unzugänglichem Gebiet sind die Folge. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung in den letzten Jahren stark angestiegen ist. Immer mehr Menschen ziehen in ländliche, abgelegene Gegenden. Die Gefahr von massiven Bränden mit Evakuierungen und Todesfolgen steigt damit um ein vielfaches.

In Kalifornien blickt man besorgt auf die kommenden Monate, denn noch steht die heiße Zeit im Bundesstaat bevor. Im Frühherbst erwartet man die Santa Ana Winde, die wie ein Fön vom Landesinneren kommend über das Land fegen. Ein kleiner Funke und die Katastrophe ist da.

Die derzeit 23 Brände verheißen nichts gutes. Die Dürre der letzten Jahre hat ein Szenario herauf beschworen, das ganz leicht dramatisch enden könnte. Einige der Flächenbrände, wie das „Rocky Fire“ in Lake County, sind erst zu fünf Prozent unter Kontrolle. Viele Feuerwehreinheiten sind im Einsatz und kommen schon jetzt an ihre Grenzen. Und das Jahr ist noch lange nicht vorbei. Man hofft derzeit auf die nassen Zeiten des El Niño.

Nordkalifornien brennt

Die Feuersaison hat in diesem Jahr früh in Kalifornien begonnen. Derzeit sind gleich zwei riesige Brände im näheren Umfeld ausser Kontrolle. Und die eigentliche Feuersaison im Herbst ist noch Wochen weg. Der Grund für diese Feuer liegt in einer Trockenperiode in diesem Jahr. Es hat nur wenig geregnet, die Böden und das Unterholz sind ausgedorrt. Kalifornien ist in Sachen Feuergefahr in höchster Alarmbereitschaft. Da reicht eine Zigarettenkippe, eine Glasscheibe, ein Blitzeinschlag. Dazu noch die passenden Winde und schon lodert ein Wald.

Hier Bilder vom Feuer in den Santa Cruz Mountains:

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Und hier das Feuer in Livermore, im Osten der San Francisco Bay Area:

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Es brennt

Es ist Juni, es ist heiss, es ist trocken und es ist viel zu früh für die Feuer Saison in Kalifornien. Normalerweise ist man hier in Nordkalifornien im September/Oktober in höchster Alarmbereitschaft. Denn dann liegt ein langer, heisser Sommer hinter uns, die Wälder sind ausgetrocknet und der kleinste Funken kann Katastrophen verursachen.

Normalerweise werden dann tagelang, wenn auch noch die warmen Passatwinde vom Landesinneren wie ein Fön in die Bay Area blasen, die Wälder weiträumig abgesperrt. Die Feuerwehren patroullieren Tag und Nacht und alles ist auf höchste Alarmbereitschaft eingestellt.

Der Grund liegt auf der Hand. 1991 brannten die Hügel zwischen Berkeley und Oakland, und dort lebe ich heute. Damals wurden tausende von Häusern zerstört und noch heute sieht man die lichten Flecken in der Landschaft.

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Heute war ich mal wieder mit meinem Hund draussen im Wald, unterhalb eines Tennisplatzes sammeln wir die verschossenen Tennisbälle für ihn ein. Doch da stand eine Reporterin einer lokalen Fernsehstation und berichtete von der Feuergefahr in den Oakland Hills. Die „Wildfire Map“, die Feuerkarte des Senders zeigt, dass bereits jetzt höchste Gefahr besteht.

Erst vor wenigen Wochen brannten in den Santa Cruz Mountains weite Flächen und zerstörten etliche Häuser. Hier ein etwas aufgemotzter Videoclip der helfenden Feuerwehren aus Marin County (Firemen sind in den USA Helden!)

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Das Problem ist derzeit, dass Kalifornien in einer Dürreperiode steckt. Erst letzte Woche rief Gouverneur Arnold Schwarzenegger den Notstand aus. Zu wenig Wasser, Hitze und ausgedörrte Wälder und Grasflächen ergeben eine katastrophale Mischung.

Die Feuerwehren fordern wie jedes Jahr dazu auf, dass man um das Haus herum einen Feuerschutz aufbaut, also Unterholz wegschafft, wildwuchernde Gräser schneidet, Ranken vom Haus entfernt, Äste, die über dem Haus hängen zurück schneidet.

Die Angst vor dem nächsten Grossfeuer geht um. Und wir alle haben Pläne, was zu machen ist, wenn wir innerhalb von 15 Minuten die Häuser räumen müssten. Haben Sie schon mal daran gedacht, was Sie sich schnappen würden?