Kalifornien brennt

Eine Hitzewelle trifft Kalifornien. Alles ist ausgetrocknet, etliche Blitze haben Dutzende von Feuern, alleine in Nordkalifornien entfacht. Besonders betroffen sind erneut Napa und Sonoma County, das „Wine Country“ in der Region, etwa eine Autostunde nördlich von San Francisco. Tausende von Menschen wurden bereits zur Evakuierung aufgerufen. Mittlerweile hat eines der Feuer auch den nördlichen Teil des „Armstrong Redwoods State Natural Reserve“ erreicht, ein wunderschöner kalifornischer Park, in dem gewaltige Redwoods zu finden sind.

Hitze und Rauch, eine giftige Mischung.

Draußen ist es heiß, dazu eine dicke Rauchdecke. Auch südlich und östlich von Oakland brennt es. Normalerweise kann man von hier kilometerweit blicken, jetzt gerade mal ein paar Hundert Meter. Schon nach wenigen Sekunden draußen brennen die Augen. An Sport oder an einen längeren Spaziergang ist gar nicht zu denken. Die Feuersaison hat in diesem Jahr früh begonnen. Eigentlich ist mittlerweile das ganze Jahr über „Fire Season“. Als ich vor 25 Jahren hierher kam, hieß es immer noch, dass im Frühherbst die Gefahr der großen Waldbrände steige. Das ist schon lange her, brennen kann es nun immer. Kalifornien trocknet aus. In diesem Jahr gab es bislang noch kaum Niederschlag, die andauernde Brandgefahr ist zu einem normalen Umstand im „Golden State“ geworden, da helfen auch nicht guten Ratschläge von Präsident Donald Trump, dass die Kalifornier mehr ihre Wälder harken sollten. Man hofft nur, dass es nicht vor der eigenen Tür brennt. Und doch, ich habe Freunde in Sonoma County, die erneut auf gepackten Koffern sitzen, denn wenn es zu einer Evakuierung kommen sollte, dann bleiben manchmal nur 5-10 Minuten, um das eigene Haus zu verlassen, sich in Sicherheit zu bringen, wissend, dass man sein Zuhause vielleicht nie wieder sehen wird.

Gleich gehe ich harken

Donald Trump weiß es mal wieder besser. Zwar sind Zweidrittel des kalifornischen Waldes als „National Forest“ ausgeschrieben, also unter seiner Aufsicht, doch der nicht gerade belesene und halbwissbegierige Mann im Oval Office meint, die Kalifornier liegen nur am Strand, bräunen sich die Bäuche und sind schlichtweg faul. Denn was er schon vor ein paar Wochen vorgeschlagen hat, wird einfach nicht im Sonnenstaat umgesetzt.

Trump meinte kurz nach den desaströsen Feuern in Kalifornien, er habe mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö gesprochen, der erklärte, so Trump, dass solche Brände in den Wäldern Finnlands nicht passierten, weil die Finnen regelmäßig den Boden harkten und das Laub aufklaubten. Ist logisch, dass da Horden von Finnen durch die nordischen Wälder streifen und Blatt für Blatt aufsammeln. Einziges Problem bei der Geschichte, Sauli Niinistö hat das nie gesagt. Auf Nachfrage gleich mehrerer finnischer und amerikanischer Medien meinte er, er habe mit Donald Trump zu keinem Zeitpunkt über die Wälder Finnlands und Kaliforniens gesprochen. Also, eine weitere bestätigte Lüge des amerikanischen Präsidenten.

Doch egal, Trump legt nach. Während die Kleinstadt Paradise nach den Bränden nicht mehr existiert und der neue kalifornische Gouverneur, Gavin Newsom, den Brandschutz zur Priorität erklärt hat, droht der Präsident ganz offen mit dem Entzug jeglicher Gelder für Kalifornien. Und das vor dem Hintergrund, dass der Bundesstaat am meisten in die US Haushaltskasse einzahlt. Nicht nur das, die stetig steigende Feuergefahr liegt sicherlich nicht an den Blättern, die auf dem Waldboden zu finden sind. Als ich Mitte der 90er Jahre nach Kalifornien zog, gab es eine „Fire Season“. Immer im Herbst, nach dem heißen Sommer und noch vor dem winterlichen Regenfällen, war man gewarnt. Die Schilder zur Brandgefahr standen auf „Extreme“. Doch das ist lange her. Nun gilt das ganze Jahr über hohe oder extreme Feuergefahr in den Wäldern des Bundesstaates.

Der Klimawandel ist hier bereits zu spüren, darin sind sich nahezu alle Klimaforscher einig. Doch Trump hört lieber auf die paar wenigen Pseudo-Wissenschaftler, die ihm das Märchen von der Wetterfee erzählen. Die Menschen können nichts dafür, von daher setzt Trump einfach weiter auf Kohle und Öl, wendet sich gegen ein Umdenken in der Energie- und Verkehrspolitik und haut seine dämlichen Ratschläge raus. Wir Kalifornier sollten also mehr harken und den Waldboden reinemachen. Also, weiß ich ja, was ich heute noch mache. Gummistiefel und Arbeitshose an und wie ein Zwerg aus Schneewittchen „dum-di-dum-di-dum“ pfeifend und eine Rechen geschultert in den Wald marschieren. Alles klar, Mister President!

Sommer in San Francisco

Es ist ungewöhnlich warm in San Francisco und Nordkalifornien. Gestern waren es 22 Grad, die Strassencafes waren geöffnet, die Leute sassen in T-Shirts da und genossen die Sonne, wie hier auf der Chestnut Street. Und obwohl das schon seinen Reiz hat, im Januar draussen zu sitzen, während man weiss, woanders ist es bitterkalt, bringen die Wärmewelle und Temperaturrekorde auch Probleme mit sich. Januar ist der Regenmonat für Kalifornien. Ohne Niederschlag trocknen die Böden aus und das führt zu Ernteproblemen und einer erhöhten Feuergefahr. Man kann also jetzt schon davon ausgehen, dass es dieses Jahr im Westen der USA zu verheerenden Bränden kommen wird.