Kormorane wollen nicht umziehen

Die neue Bay Bridge zwischen Oakland und San Francisco war nicht gerade billig. 6, 4 Milliarden Dollar kostete der Neubau auf der Ostseite. Damit lag man rund fünf Milliarden Dollar über dem angepeilten Preisschild. Doch schön sieht sie aus. Ganz weiß, nachts beleuchtet, nett anzusehen. In einer weiter nach rechts reichenden Biegung sieht man sogar hinter Treasure Island die Golden Gate Brücke vor sich. Beeindruckend.

Neben dem Neubau steht noch die alte Stahlkonstruktion aus den frühen 30er Jahren. Rostig und schon teilweise abgetragen. Doch man ist schon jetzt – mal wieder – hinter dem Zeitplan und es wird noch schlimmer, denn die alte Bay Bridge hat Untermieter, die nicht gestört werden dürfen. Seit 1984 nisten Kormorane im Unterbau der Stahlbrücke. Damals kamen sie aus Alaska, Mexiko und Nova Scotia. Warum ist nicht so klar, aber so geht es vielen hier, die in der Bay Area hängen bleiben. Irgendwie fanden sie die Stahlträger mit Aussicht auf den Oakland Hafen klasse und blieben. Das Problem ist nun, die Vögel sind unter kalifornischem und US Gesetz geschützt und dürfen während der Brutzeit nicht gestört werden.

700.000 Dollar hat Caltrans bereits für eine Umziehaktion ausgegeben. Unter dem neuen Brückenteil wurden extra Träger eingezogen, schöne, frische Nistplätze, doch die Vögel wollen nicht so, wie sich das die Ingenieure gedacht haben. Sie bleiben lieber da, wo sie sind und verzögern damit den Brückenabriss. Nun hat Caltrans weitere 12,9 Millionen Dollar eingeplant, diesmal allerdings für zusätzliche Bauarbeiter, die die verlorene Zeit wieder reinholen sollen. Noch ist unklar, wann die Arbeiten weitergehen können, denn noch lachen sich die Kormorane einen.

Tod einer Schülerin

Am 29. August fuhr die 17jährige Gabri Aparicio zur Golden Gate Bridge, parkte ihren Wagen, spazierte auf die Brücke und sprang in den Tod. 46 Menschen brachten sich so im vergangenen Jahr um, so viele wie noch nie zuvor seit der Eröffnung der weltbekannten Brücke 1937.

Eine halbe Stunde vor ihrem Freitod schickte die Schülerin noch einen Fragenkatalog per Email ab, für einen Artikel an dem sie für ihre Schulzeitung arbeitete. Das sei ein Zeichen dafür, dass es eine Kurzschlusshandlung gewesen sei, so die Eltern der 17jährigen. Ihr Leben hätte gerettet werden können. Die Geschichte der jungen Frau und die vieler anderer Selbstmörder wurden am Montag vor dem Rathaus in San Francisco erzählt. Angehörige und verschiedenste Organisationen fordern schon seit langem ein Netz unter der Brücke anzubringen, um Todesspringer retten zu können. Beschlossen wurde so ein Schutz im Jahr 2008, doch fehlt dem Brückenbetreiber, Golden Gate Bridge Highway and Transportation District. die dafür notwendigen 45 Millionen Dollar.

Die Angehörigen von Selbstmördern wollen sich damit nicht zufrieden geben und verlangen endlich die Umsetzung des Plans. Kritiker eines Sprungnetzes unterhalb der Golden Gate Bridge führen immer wieder an, dass durch diese Baumaßnahme das Bild der Brücke zerstört werden würde und, dass man damit einem zum Selbstmord entschlossenen Menschen langfristig nicht von seiner Tag abhalten kann.

„The Bridge“ ist eine beeindruckende Dokumentation über Menschen, die den Freitod an der Golden Gate Bridge wählen.

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Ein Jahrhundertbau wird eröffnet

Seit letzten Mittwoch war die Bay Bridge gesperrt. Die letzten Handgriffe, die letzten Baumaßnahmen, die letzten Aufräumarbeiten, dann war es soweit. Seit gestern Abend um 22:15 Uhr Ortszeit fließt der Verkehr wieder auf der Bay Bridge. Der Neubau des Ostteils von Oakland nach Yerba Buena Island wurde am Nachmittag feierlich eröffnet. Wenige Stunden danach leiteten mehrere Streifenwagen der Highway Patrol den Verkehr vom alten auf den neuen Teil um. Damit geht eine Endlossaga in Kalifornien vorerst zu Ende.

1989 wurde die Brücke schwer vom Loma Prieta Erdbeben beschädigt. Der Westteil mit seinen gewaltigen Türmen konnte repariert, verstärkt und erdbebensicher gemacht werden. Der Ostteil hingegen, das war schnell klar, mußte durch einen Neubau ersetzt werden. Die 77 Jahre alte Stahlkonstruktion war nicht erdbebensicher. Doch kalifornische Politiker sind bekannt dafür, dass hier viel debattiert und zerredet wird und am Ende kommt keine Entscheidung heraus. 1998 einigte man sich endlich auf ein Design für den Ostteil der am meisten befahrenen Brücke in der San Francisco Bay Area. Geschätzte Kosten: 1,4 Milliarden Dollar. Geschätzte Bauzeit: 4 Jahre. Doch daraus wurde nichts. Das Hin und Her der Politiker nahm kein Ende. Änderungswünsche von profilsüchtigen Lokalpolitikern, Pannen beim Bau und eine Verwaltung, die einfach bezahlte ohne zu prüfen machte die Bay Bridge zu einem Fass ohne Boden. Am Ende wurden 6,4 Milliarden Dollar in elf Jahren verbaut. Und, die Brücke ist noch nicht einmal fertig. Im Frühjahr wurde bekannt, dass viele der Metallbolzen, die zur Verankerung genutzt wurden, aufgrund von falscher Lagerung kleine Risse aufweisen und ausgewechselt werden müssen. Auch ist der Fahrrad- und Fußgängerweg bis Buena Vista Island noch lange nicht fertig gestellt.

Doch all das war kein Grund, um nicht zu feiern. Politiker aus San Francisco und Oakland rückten sich auf einer eher überschaubaren Feier ins rechte Licht. Die große Party wurde im Frühsommer abgesagt, als der Eröffnungstermin verschoben werden mußte. Nur geladene Gäste waren am Montag erlaubt. Noch nicht mal die Ingenieure und Arbeiter, die Tag und Nacht an dem Jahrhundertbau gebaut hatten, waren zugelassen. Zumindest in ein paar der Reden wurde daran erinnert, dass man aus diesem Fiasko Bay Bridge lernen sollte. Man kann es nur hoffen!

Wurde auch langsam Zeit

Nun also doch. Am 3. September wird nun endlich der Ostteil der San Francisco-Oakland Bay Bridge eröffnet. Einfach so, ohne großes Tam-Tam. Eigentlich sollte es eine Party geben, einen Volkslauf, ein Riesenfreudenfest für die Bay Area und Kalifornien, immerhin ist diese Brücke eine der meistbefahrenen im Bundesstaat. Doch dann stellte sich heraus, dass viele meterlange Metallschrauben brüchig waren. Denn die wurden vor Jahren produziert und lagen dann wohl zu lange dem Wind und Wetter ausgesetzt herum.

Das sind sie noch immer, aber irgendwie will man nun doch die Brücke für den Verkehr eröffnen und fummelt da und bessert hier ein bißchen aus. Das wird schon, das klappt schon, muß ja…is‘ klar, ne? Denn eine weitere Verschiebung bis in den Dezember, bis eben alle Schrauben geprüft und notfalls ausgetauscht worden wären, hätte weiteres Geld verschlungen.

Die Bay Bridge ist sowieso schon teurer gekommen, als anfangs geplant. Eigentlich sollte der Ostteil mal gerade etwas über eine Milliarde Dollar kosten. Aber das ist lange her. Mittlerweile hat man 6,4 Milliarden Dollar verbaut. Von daher will man das Ding endlich für den Verkehr freigeben. Wird schon alles halten!

Happy Birthday Golden Gate Bridge

Sie steht für den American Dream, galt lange Zeit als ein modernes Weltwunder, eine Meisterleistung der Ingenieure, ist Wahrzeichen der Stadt. Die Golden Gate Bridge ist all das und mehr, gewaltiges Konstrukt aus Stahl, besungen, verfilmt, photographiert, wie keine zweite Brücke auf der Welt.

Wer nach San Francisco kommt, wird zumindest einmal über sie drüber laufen. Egal ob die Sonne scheint, es durch das Golden Gate stürmt, sich der dicke Nebel in der Bucht festsetzt oder eine kalte Regenfront vom Pazifik her einfällt, die Golden Gate Bridge ist Tag für Tag das Ausflugsziel in San Francisco.

Vor 75 Jahren, am 27. Mai, wurde die Golden Gate Brücke für den Verkehr freigegeben. Zum Jubiläum hier ein Audiobericht:

75 Jahre Golden Gate Bridge