Ruhe am Golden Gate

Na ja, so ruhig ist es dann nun doch nicht auf der Golden Gate Bridge. Bautrupps hämmern und biepen mit ihren Fahrzeugen durch die Gegend. Doch zum ersten Mal in der langen Geschichte, ist die Brücke ein ganzes Wochenende lang für den Verkehr gesperrt. Der Grund ist eine mobile Fahrspurtrennung, die neu eingerichtet werden muß. Bislang veränderten Arbeiter der Brücke täglich zweimal die Spurenführung. Im morgendlichen Berufsverkehr wurden vier Spuren in Richtung San Francisco freigegeben, im Abendverkehr vier Spuren in Richtung Marin County.

Per Hand wurden gelbe Plastikröhren in vorgebohrte Löcher im Asphalt gesteckt. Die verhinderten natürlich keine Frontalzusammenstöße, von denen es seit 1970 128 gab. Dabei starben 16 Menschen. Die Stimmen wurden lauter, eine sichere Fahrspurentrennung einzurichten. Das Problem war lange Zeit, dass es nur feste Trennungskörper in einer Breite von fast 50 cm gab. Die Golden Gate Bridge kann aber nur Barrieren in einer Breite von maximal 30 cm verkraften. Schon jetzt sind die Spuren äußerst schmal bemessen, das wird auch so bleiben, die Brücke läßt sich ja nicht einfach erweitern. Doch das 30 Millionen Dollar teure Projekt soll einen sichereren Verkehrsfluß und eine täglich einfache zweimal veränderbare Spurenführung garantieren.

Mit der neuen Barriere wird es eng auf der Golden Gate Bridge.

Mit der neuen Barriere wird es eng auf der Golden Gate Bridge.

Nun allerdings hat man mit einer Firma einen „road zipper“, eine Art Reißverschluß entwickelt, der für die Golden Gate Bridge paßt. Um alles genau zu bemessen und die neue Technik im Einsatz vor Ort testen zu können, mußte die Brücke geschlossen werden. Für insgesamt 52 Stunden, so lange wie noch nie zuvor. Nur Fußgänger, Fahrradfahrer und öffentliche Busse dürfen an diesem Wochenende die Golden Gate Bridge überqueren.

Dies ist nicht die einzige bauliche Maßnahme, die ansteht. Schon bald soll unterhalb der Brücke ein Sicherheitsnetz installiert werden, das Selbstmörder vor dem Sprung in den fast sicheren Tod bewahrt. Seit der Eröffnung der Golden Gate Bridge 1937 haben sich mehr als 1500 Menschen von dort hinabgestürzt.

Schutz vor Selbstmörder?

Die kalifornische Strassenbaubehörde, CalTrans, wurde nun von einer Gruppe verklagt, die verhindern will, dass auf der Cold Spring Bridge in Santa Barbara County ein Selbstmordzaun errichtet wird. Die “Freunde der Brücke” begründen ihren Schritt damit, dass die Behörde keinerlei Rücksicht auf umweltpolitische Konsequenzen beachtet habe. Der rund 2,50 Meter hohe Zaun würde das Bild der Brücke total verändern, so die Gruppe in ihrer Klage. Seitdem die Brücke 1953 errichtet wurde, sprangen 47 Menschen von dort in den Freitod. Die Brücke ist ein Teilstück des San Marcos Pass, eine Abkürzung auf der Nord- oder Südroute des 101.
Interessant ist diese Klage gerade im Hinblick auf den geplanten Selbstmordzaun an der Golden Gate Bridge. Seit Jahren wird hier die Errichtung diskutiert, es wurden Studien in Auftrag gegeben und die Bürger auf beiden Seiten der Brücke befragt. Der Ausgang der Klage könnte durchaus Folgen für den beliebtesten Selbstmordplatz in Kalifornien haben.