Er schwebte so dahin

Dieter Moebius. Foto: Klangbad

Dieter Moebius. Foto: Klangbad

Ich habe Dieter Moebius nie persönlich getroffen, doch gegenwärtig war er in den letzten fast 20 Jahren schon. Zu seinen Platten und seiner Musik fand ich erst, als ich schon in den USA war. In Deutschland spielte eigentlich niemand Dieter Moebius oder seine Bands Cluster und Harmonia. Zumindest nicht im Nürnberger Sendegebiet. Weder der Bayerische Rundfunk, AFN noch die Nürnberger Privatsender, die ich hörte, hatten Cluster oder Harmonia in ihren Playlisten. Klar, in ein paar Sendungen irgendwo in Deutschland, moderiert von weitsichtigen oder exzentrischen Musikjournalisten, lief auch das.

Dieter Moebius kreuzte immer mal wieder meinen Weg, seitdem ich Radio Goethe produziere. In Interviews tauchte sein Name auf, in Artikeln und Büchern wurde er erwähnt, als Gastmusiker war er beliebt. Und ja, auch in den guten, alten Tagen bei KUSF in San Francisco schätzte man diesen Ausnahmemusiker, diesen Visionär, diesen Pionier des deutschen 70er Jahre Sounds.

Er sah sich nicht als Krautrocker und doch repräsentierte Moebius diese bedeutende Ära in der deutschen Musikgeschichte. Gerade laufen die beiden im Januar auf bureau-b Records veröffentlichten Cluster Platten „Japan Live“ und „USA Live“. Empfehlenswert auch die beiden Solo Scheiben von Dieter Moebius „Ding“ und „Kram, die bei Klangbad erschienen sind. Es sind keine Hitscheiben, kein eingängiges Material. Mancher Top Ten geformte Hörer würde es vielleicht sogar als Katzenmusik bezeichnen. Cluster fanden gerade im Ausland ihre begeisterten Fans. In den USA, in Japan, in Großbritannien. In Deutschland waren sie und auch die vielen anderen experimentierfreudigen Gruppen ihrer Zeit Fremde im Land. Moebius und sein langjähriger musikalischer Partner Hans-Joachim Roedelius ließen Klänge zusammen fließen zu einem Strom, der bei genauem Hinhören elektrisierte. Fantastische Soundlandschaften, mit denen man sich beschäftigen mußte. Es war fast nie eingängig, als Hörer mußte man nach der Hintertür suchen, um überhaupt den Zugang zu diesen Klangkörpern zu finden.

Dieter Moebius ist nun im Alter von 71 Jahren verstorben. Sein reiches Musikarchiv wird noch Generationen von Musikbegeisterten faszinieren.

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Elektronika „Made in Germany“

Die Deutschen kommen an in den USA….Was mit Kraftwerk, Tangerine Dream und anderen experimentierfreudigen Krautrockbands Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre angefangen hat, zieht sich weiter duch die Jahrzehnte bis heute. Die Deutschen legen den Maßstab in Sachen Elektronika und Soundtüftelei. Die Amerikaner blicken immer wieder gespannt und gebannt nach Deutschland. Was daheim so gar nicht richtig bekannt ist, deutsche Elektrofummler, DJs und Soundkreative touren weltweit und kommen mit ihrer Musik an. Zwischen New York, Los Angeles, Tokio und Peking hat die deutsche elektronische Musikszene einen hervorragenden Ruf. Von daher hier mal ein Review einer neuen Platte, die über Radio Goethe bereits im ausländischen Radio getestet wurde und beeindruckende Rückmeldungen bekommen hat. Sølyst heißt sie, dahinter steckt der Schlagzeuger der Kölner Gruppe Kreidler, Thomas Klein:

Manchmal bekomme ich Cds zugeschickt, die mich restlos begeistern. Und dann sitze ich an meinem Schreibtisch, das Album läuft und ich versuche das in Worte zu fassen, was ich gerade höre. Doch irgendwie lässt sich das gerade nicht fassen. Sølyst, das Soloprojekt von Kreidler Drummer Thomas Klein. Es ist Elektronik, es ist Ethno, es ist weltoffen, hypnotisierend, ergreifend….ein bisschen Krautrock, ein bisschen Buschtrommeln, mal düster, mal ganz nah und sehr persönlich. Und dann wieder voller Beat und Drums, distanziert, wie in einem berauschenden Diafilm mit Momentaufnahmen. Das Label, selbst nach Worte suchend, umschreibt diese Musik als “Tribal Dub Krautrock” und das zeigt schon die Schwierigkeit, diese Klangweiten in eine Schublade zu pressen.

Ja, es ist die ideale Musik für einen Afrikafilm. Ich denke an Bilder und Momente, die ich in Ruanda, Kongo, Uganda gesehen und erlebt habe. Sølyst wäre der ideale Soundtrack dazu gewesen. Steppe, Weite, Sonne, wunderschöne Landschaft, erbärmliche Armut, reiche Natur, Grausamkeiten der Menschheit, Gesichter, alt und jung. Sølyst unterlegt diesen Film…meinen und ich denke jeden Erinnerungsstreifen, egal ob Afrika oder hoch im Norden. Es ist diese persönliche Weite, die die Musik von Thomas Klein auszeichnet. Für mich ist dieses Album eines der absoluten Höhepunkte in diesem Jahr. Sehr, sehr empfehlenswert.