Terrorgefahr im Wüstensand

Wer nach Black Rock City fährt, lässt den Alltag hinter sich. Es ist ein einwöchiges Utopia, was da im Wüstensand von Nevada entsteht. Kunst, Kultur, Anderssein, Selbstverwirklichung und Selbstdarstellung, ein Zusammensein, ein Miteinander ohne Geld, in dem geteilt und aufeinander zugegangen wird. Bislang, doch das soll sich ändern.

Natürlich gibt es auch Kritikpunkte am alljährlichen Burning Man Event, doch die Organisatoren haben endlich erkannt, das etwas getan werden muss, um dieses einzigartige Treffen der Burners in seiner Grundform und mit den gesetzten Werten zu erhalten.

Da passt so gar nicht rein, was nun in einem 372seitigen Umweltbericht des „Bureau of Land Management“ (BLM) veröffentlicht wurde. Die Behörde, die die Aufsicht über „Federal Land“ hat, damit also auch die Aufsicht über die Black Rock Desert in Nevada, wo das Burning Man Fest stattfindet, will nun unglaubliche Auflagen durchsetzen. Darunter auch die Terrorabwehr. Burning Man sei zu einem Ziel geworden, so heisst es. Die internationale Popularität, die mangelnde Kontrolle der Besucher, die fehlende Absicherung nach draussen, all das würde es leicht machen, dort einen Anschlag in welcher Form auch immer duchzuführen. Gefordert werden deshalb feste Zäune, die das riesige Areal umgrenzen, dazu eine eigene private Sicherheitsfirma, die jeden Besucher und jedes Vehikel genauestens kontrollieren soll. Die Kosten für Burning Man würden explodieren, die Ticketpreise noch weiter ansteigen.

Nach der Massenschiesserei auf ein Country Musikfestival in Las Vegas glaubt man bei BLM nun also auch sich im Wüstensand auf etwas vorbereiten zu müssen, was wohl im Jahr 2019 zur Normalität geworden ist. Alles und jeder ist zu einem Anschlagsziel geworden. Angst regiert das Leben. Ein Zaun und verstärkte Kontrollen sollen also die vermeintliche Sicherheit bieten, die es nicht gibt, nicht geben kann. Black Rock City soll also in eine Reihe mit Paris, London, Berlin, Madrid, New York und Las Vegas gestellt werden. Das Schild am Eingang von Burning Man „Welcome Home“ wird damit zum Rückspiegel zu den Orten, aus denen man kam. Ade Utopia! Dem Alltag unserer Zeit kann man damit auch für eine Woche nicht mehr entkommen.

Die Rechten und ihr Rechtsverständnis

Cliven Bundy schuldet der Bundesregierung rund eine Million Dollar. Der Farmer aus Nevada läßt seit 20 Jahren seine Rinder auf Ländereien grasen, die dem Staat gehören. Illegal. Die Situation spitzte sich zu, als Offizielle des „U.S. Bureau of Land Management“ (BLM) die Herde des Farmers beschlagnahmten. Bundy wehrte sich lautstark, zahlreiche bewaffnete Amerikaner und Milizen zogen nach Nevada, um dem Rancher in seiner Konfrontation mit der verhassten Bundesregierung beizustehen. Es drohte eine Eskalation wie 1993 in Waco, Texas. Klar wurde bei dem Streit, weder Cliven Bundy noch seine bewaffneten Unterstützer respektieren die Regierung in Washington. Doch am Ende beruhigte sich die Situation wieder.

Und nun gibt es einen weiteren Fall. In Utah ist der „Recapture Canyon“ unter der Kontrolle des „U.S. Bureau of Land Management“ (BLM), einer Bundesbehörde, die alle Ländereien in öffentlicher Hand, wie Nationalparks, verwaltet. Der „Recapture Canyon“ ist für die Öffentlichkeit zugänglich, rund 2800 Meilen an Wegen sind offen. Lediglich 14 Meilen sind für Motorräder und ATVs gesperrt. Doch das hielt am vergangenen Samstag etwa 50 Protestierende nicht davon ab, mit ihren motorisierten Geländevehikeln die Schranke zu überwinden und etwa eine Meile weit in den Canyon zu fahren. Zuvor gab es eine Demonstration mit mehreren Hundert Demonstranten. Darunter auch zahlreiche von Cliven Bundys Unterstützer.

Man wolle ein Zeichen setzen, hieß es. „Nur weil BLM das Land besitzt, hat es noch lange nicht das Recht dazu, uns den Zugang zu versperren“, erklärte Phil Lyman, Organisator des Protests. Diese Aktion sei eine Weiterführung des Kampfes für Land, den Cliven Bundy begonnen habe, so die Demonstranten. „This land is your land, this land is my land“, diese berühmte Textzeile des Folksängers Woody Guthrie bedeutet eigentlich etwas ganz anders. Vor allem nicht, dass jeder tun und lassen kann, was er will. Die Interpretation der rechten „Patridioten“ ist ungefähr so dämlich wie „Freie Fahrt für freie Bürger“ und in Utah total fehl am Platz. Denn der betroffene 14 Meilen Abschnitt im „Recapture Canyon“ war über Jahrtausende Indianergebiet. Immer wieder werden dort Artefakte der „Native Americans“ gefunden, die in dieser Gegend bereits vor 2000 Jahren lebten. Vertreter der Indianer werteten die Aktion vom Samstag denn auch als Mißachtung ihrer Kultur und Religion.

BLM machte Photos der Eindringlinge und gab sie an die Bundespolizei weiter. Unklar ist allerdings, ob die Rechten überhaupt mit einer Bestrafung rechnen müssen.