Von einer Wüste in die andere

Eine weitere Reise steht an. Eine, der etwas anderen Art. „Black Rock City“ ist das Ziel, eine Woche lang, die drittgrößte Stadt im Bundesstaat Nevada. Von hier in Oakland sind es ein paar Stunden bis Reno, dann geht es noch ein Stückcken weiter auf dem Interstate 80, bis zum Highway 447 Richtung Gerlach. Durch Indianergebiet auf einem endlos langen Highway. Das Ziel ist das „Burning Man“ Festival, alljährlich findet es in der Woche vor dem Labor-Day statt.

Gerade habe ich die nächste Radio Goethe Sendung produziert, den passenden Soundtrack für die Playa. Deutscher Elektrosound, harte, treibende Beats. Etwas für die Anreise. Das letzte Mal war ich 2013 bei diesem einzigartigen Festival, 2014 und 2015 klappte es nicht mit den Tickets. Die Nachfrage ist mittlerweile so groß, die 60.000 Karten sind innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Pressetickets gibt es sowieso nicht, auch, wenn ich Jahr für Jahr über „Burning Man“ berichtete. Aber dieses Jahr bin ich wieder dabei, auch wieder zum Berichten. Zumindest einmal noch will ich es sehen.

Es ist schwer in Worte zu fassen, was einen immer wieder in den Staub, die Hitze, auf die Playa zieht. Für einige ist es die konstante Rave-Party. Man findet dort gigantische Soundanlagen, Weltklasse DJs, die unterm Sternenhimmel ihren Klangmix auflegen. Dazu diese schrille Mischung aus Love-Parade und apokalyptischen Mad Max Filmszenen, Themencamps, Freiheiten und ein Community-Gedanke, den man nirgends sonst in den USA findet. Und es ist ein Stück Gegenkultur, Amerika präsentiert sich auf diesem ausgetrockneten Seebett ganz anders. Was mich jedoch immer wieder dorthin zieht, sind die eigenwilligen Kunstprojekte, die manchmal über Nacht aus dem Playaboden zu wachsen scheinen. Mir sagte mal jemand, „Burning Man“ ist die größte Galerie der Welt, hier könne man als Künstler fast alles realisieren. Der Fantasie sind in dieser Woche wahrlich keine Grenzen gesetzt.

In der kommenden Woche geht es los, ein krasser Gegensatz zu meiner aktuellen Arbeit über die weibliche Genitalbeschneidung in Somaliland. Von einer Wüste in die andere. Von einer Kultur in die andere. Von einem Extrem zum anderen. Aber ich bin mir sicher, ich werde da draußen ein paar ruhige Momente finden, um mal in mich zu gehen. Auch das ist „Burning Man“, die Seelen-Tankstelle im gestressten Alltag.

„Yummy, Yummy Steel’”

Der alte Ostteil der Bay Bridge (rechts) wird abgerissen.

Der alte Ostteil der Bay Bridge (rechts) wird abgerissen.

Hunderttausende von Tonnen Stahl stehen da noch zwischen Oakland und Treasure Island. Der Ostteil der alten Bay Bridge wird abgerissen, die Autos fahren nun auf dem hellen Neubau gleich daneben Richtung San Francisco.

Doch was machen mit all dem Altstahl. Das fragten sich viele Künstler, die in der Bay Area leben und fast täglich im Berufsverkehr auf der Brücke standen. Denn gerade hier werden viele Kunstprojekte für das alljährliche „Art Festival“ Burning Man hergestellt. Oftmals gewaltige Stahlkonstruktionen, wie die von Rebecca Anders. Sie arbeitet derzeit an einem riesigen Tiefseefisch, der beim kommenden Festival in der Wüste von Nevada aus dem Grund der Playa auftauchen soll.

Illumacanth ist das neue Stahlprojekt von Rebecca Anders.

„Illumacanth“ heisst das neue Stahlprojekt von Rebecca Anders. Hier ein Model des Tiefseefisches.

Die Künstler organisierten sich und schrieben die staatliche Verkehrsbehörde CalTrans an, die in Kalifornien für die Highways, Freeways, die Brücken und den Schienenverkehr zuständig ist. Der Vorschlag war, doch einiges an überflüssigem Stahl der Kunst im Bundesstaat zur Verfügung zu stellen. Nach längerem Hin und Her willigte CalTrans ein und beauftragte das Oakland Museum of California mit der Verteilung.

Nun also können sich Kunstschaffende um das bewerben, was da in langer Kleinarbeit zerlegt wird. Wichtig ist, dass die Künsterinnen und Künstler nachweisen, dass sie mit Stahl arbeiten können und daraus öffentliche Kunstprojekte produzieren werden. Denn aus dem Material, der 1937 eröffneten Brücke, soll etwas für Kalifornien enstehen. Ein beeindruckender Kreislauf der Kreativiät.

Burning Man….ohne mich

Es ist wie ein Warten auf Godot. Ticketvorverkauf für Burning Man.

Es ist wie ein Warten auf Godot. Sinnloser Ticketvorverkauf für Burning Man.

Ich begreife es nicht. Wie kann man nur so ein blödes System online stellen? Burning Man vereint eigentlich die Kreativen mit den Tech-Freaks, Künstler mit Musikern, Normalsterbliche mit Kulturschaffenden. Jedesmal ist man fasziniert von der Energie, vom Ideenreichtum und den unterschiedlichsten Perspektiven. Und dann schaffen sie es nicht, ein Kartensystem aufzubauen, das funktioniert. Ich weiß, ich weiß….ommmmmm…. diese Energie ist nicht burningmangerecht…..ich beruhige mich, tief ein- und wieder ausatmen….

Um Punkt 12 Uhr mittags sollte es losgehen, ich war da….auf der Couch, Kreditkarte neben mir. Doch da kam kein grüner Knopf, wie angekündigt, auf den man drücken konnte. Dann brach das Kartenverkaufssystem „ticketfly“ zusammen. Alles wurde auf Pause gesetzt. Und nun warte ich da in einer Warteschleife, an deren Ende ein „Sorry“ stehen wird. Denn irgendwie kamen andere doch durch. Wie, keine Ahnung. Und nein, ich werde kein Ticket auf dem Schwarzmarkt für 1000 und + Dollar erwerben.

Schade, schade, ich wäre gerne wieder dabei gewesen, um über dieses einmalige Ereignis in der „Black Rock Desert“ von Nevada zu berichten. Auch als teilnehmender Journalist bekommt man kein Presseticket, man muß es sich kaufen. Also, genauso in der virtuellen Schlange anstellen, wie jeder andere auch.

Wenn der Mann in der Wüste brennt

Seit Montag campen wieder Zehntausende in der „Black Rock Desert“ in Nevada. Nordöstlich von Reno gelegen findet hier alljährlich das Burning Man Festival statt. Ein Ereignis, das einzigartig ist. Schräg, schrill, schön. Es ist ein Festival, ganz anders als alles was man kennt. Es geht um „Community“, um Kunst, um gemeinsames Leben, um Kreativität, um den Austausch, darum sich einmal auszuleben, wie man es normalerweise nicht tun würde. Und man kann sein, wie man will, alles geht, alles ist erlaubt, so lange es nicht gegen offizielle Gesetze und Burning Man Statuten läuft.

Eines der riesigen Kunstobjekte in diesem Jahr. Aus Holz gefertigt, innen ist eine Rutsche angebracht. Fast im freien Fall sollen Teilnehmer ihre Ängste besiegen.

Eines der riesigen Kunstobjekte in diesem Jahr. Im Innenraum der gewaltigen Holzskulptur ist eine Rutsche angebracht. Fast im freien Fall sollen Teilnehmer ihre Ängste besiegen.

Was mich schon mehrmals in die Black Rock Wüste gezogen hat, war die Kreativität der Teilnehmer. Im letzten Jahr meinte ein Künstler zu mir, Burning Man sei“ die größte Galerie der Welt“. Und das stimmt, nirgends sonst ist das möglich, was hier eine Woche lang im Wüstensand passiert. Er hatte ein riesiges, tonnenschweres Stahlkonstrukt errichtet. Ein Objekt von unzähligen auf dem weiten ausgetrockneten Seebett. Künstler arbeiten in Teams ein ganzes Jahr lang, um hier für diese eine Woche ihr Projekt zu präsentieren. Und sie alle lieben es, egal, ob sie am Ende finanziell draufzahlen, ob sie in der Hitze, im Staub, in der Knüste sind. Burning Man ist einzigartig und wirklich, auch beim Schreiben dieser Zeilen, schwer in Worte zu fassen. Man muß es mit eigenen Augen gesehen, auf der eigenen Haut gespürt haben. Man muß diese besonderen „Burning Man Momente“ erlebt haben, die für mich jedes Jahr aufs neue passierten. Seltsame Zufälle, die einfach passieren, doch die einen ganz tief drinnen lächeln lassen. So ein warmes Gefühl des „Ja, das ist es“.

Auch nach mehreren Versuchen konnte ich dieses Jahr kein Ticket bekommen. Burning Man ist mit 68.000 Teilnehmern ausverkauft. Was ärgerlich war, der Schwarzmarkt florierte. Zwielichte Händler boten Tickets für das fünffache des Kartenpreises an, was absolut gegen eines der Grundprinzipien von Burning Man ist. Denn auf dem Gelände ist Kommerz unerwünscht, man kann nichts kaufen, alles wird geteilt, getauscht.

Aber vielleicht war es ein Zeichen vom „Man“ selbst, dass ich diesmal nicht dort bin, in diesem Jahr eine Pause einlege, mich auf meine anstehende Reise in den Tschad vorbereite. Sonntagnacht stürmte ein Unwetter mit Regen und Hagel über das gewaltige Areal. Der Boden wurde zu einem klebrigen Etwas, der Zugang für die „Burner“ wurde gesperrt. Erst Dienstagmorgen waren die Tore wieder geöffnet. Und nun die Meldung, dass am frühen Donnerstagmorgen eine Frau auf der „Playa“ von Burning Man tödlich verunglückte. Sie wurde von einem „Art Car“ überrollt. Ein Zwischenfall, der einen großen Schatten auf das friedliche Fest wirft, der den Kritikern sicherlich neuen Zündstoff geben, der aber hoffentlich nicht eines der seltsamsten, doch friedliebendsten Festivals verändern wird. Ein Kommentar unter der Nachricht über den Tod der Frau drückt eigentlich das aus, was viele der Teilnehmer heute denken: „If I died there, and I was really into Burning Man, I’d say put my body inside the Burning Man just before it gets lit. That’s how I’d want to go.“

Der Klang von Burning Man

Audiobeitrag zum Burning Man Festival 2013     

Über die USA wird in diesen Tagen viel berichtet. Und das sind nicht immer die besten Nachrichten. Abhörskandal und drohende militärische Einsätze, riesige Waldbrände und Wirtschaftskrisen….bei all den News bleibt kaum Platz mal über etwas anderes aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu berichten. Doch in dem obigen Audiobeitrag geht es um ein ganz außergewöhnliches, ja, einmaliges Ereignis, das jährliche „Burning Man“ Festival, das in der vergangenen Woche erneut in der Wüste von Nevada stattgefunden hat. Ich war dort, hier sind meine Eindrücke.

 

Die beste und größte Galerie der Welt

Staub, Hitze, Dreck, kein fließend Wasser. Und selbst ein drohener Militärschlag gegen Syrien konnte 60.000 Menschen nicht davon abhalten, erneut in die Black Rock Desert in den Norden Nevadas zu pilgern. Ja pilgern, denn das jährliche „Burning Man“ Festival in der Wüste ist mehr als nur eine riesige, nicht enden wollende Party. Die Landschaft, die Menschen, das, was da passiert, ist für viele zu einer Kraftquelle geworden, die man schlecht in Worte fassen kann. Es ist leicht, „Burning Man“ als ein Treffen nackter Hippies abzutun. Doch das zeigt nur, dass man nichts von dem verstanden hat, was dort wirklich passiert.

„Burning Man“ ist ein Treffpunkt von kreativen Menschen aus aller Welt geworden, die tief beeindruckende und bewegende Kunstobjekte auf die „Playa“ der Black Rock Desert transportieren. Einige Kunstwerke sind mehrere Tonnen schwer, wie diese rund 30 Meter Stahlkonstruktion einer nackten Frau oder der heulende Wolf, tief verankert im Boden des ausgetrockneten Sees. Einiges, was hier an Kunst präsentiert wird, ist kritisch, anderes faszinierend, wieder anderes bringt mich an die Grenzen meines Kunstverständnisses. Alles ist da zum Anfassen und es ist den Elementen ausgesetzt, der Hitze und den Sandstürmen.

Andere „Burner“ kommen hierher mit Themencamps, wie in einer „richtigen“ Stadt ist hier alles zu finden. Von Diskussionsrunden mit klugen Köpfen, bis hin zu Kursen für Handwerkarbeiten, Massagen, Yoga, Rollerskating, Rechtsbeistand, Radiostationen, Bühnen, auf denen Theater gespielt, improvisiert, musiziert wird. Einige Camps haben eine sexuelle Ausrichtung, da wird alles ausprobiert und gelehrt und gezeigt…was es alles gibt(?!)… man kann teilnehmen, man muß hier aber gar nichts. Ganz unterschiedliche Menschen zieht es hierher, die alle auf ihre Weise etwas mit zurück in ihr „wirkliches“ Leben nehmen. Und sie kommen von überallher. Deutsche, Franzosen, Ungarn, Russen, Agentinier, Spanier, Südafrikaner, Tschechen, Holländer, Engländer, Kanadier….und auch aus den USA reisen sie aus allen Landesteilen an, um dabei zu sein.

Wenn man nachts tief draussen auf der „Playa“ steht, die Wohnwagen und Zelte, die Camps und Buden liegen mehrere Kilometer entfernt, über einem der klare Wüstenhimmel, es pulsiert und ist laut von den Technobeats, Lichter und Feuer blinken und züngeln, und man denkt daran, dass hier eigentlich nichts ist, als der Staub unter den Füßen. So seltsam es klingen mag, in solch einem Moment hat man ein Lächeln im Gesicht, fühlt sich durch und durch wohl.

Seit 26 Jahren gibt es nun „Burning Man“. Es ist ein Festival der Superlative. Nichts ist kommerzialisiert, es gibt keine Werbungen und Logos von bekannten Firmen. Alles  ist hierher transportiert worden, es gibt nichts zu kaufen. In die Bars und Clubs geht man mit seinem Becher und bekommt etwas zum Trinken. In den Cafes und Restaurants wird man verköstigt. „Burning Man“ findet auf vielen Ebenen statt. Man unterhält sich, lächelt, lernt sich kennen, teil das, was man hat. Und irgendwann fragt man sich, warum so ein Miteinander nur einmal im Jahr sein kann.

Verbrannte Kunst

Gerade habe ich das Interview mit „Frau Kästner“, Luiselotte Enderle, gelesen. Vor 80 Jahren, am 10. Mai 1933, verbrannten die Nazis ihnen „missliebige, zersetzende, undeutsche“ Literatur. Darunter die Werke von Thomas und Heinrich Mann, Alfred Döblin, Bertolt Brecht, Erich Maria Remarque. Sie waren zu diesem Zeitpunkt schon im Exil, in Vorahnung dessen, was da auf Deutschland zukommen wird.

Doch auch Erich Kästners Bücher wurden in diesen Abendstunden in die Flammen geworfen. Und er stand dabei auf dem Berliner Opernplatz, sah mit an, wie Studenten seinen „Fabian“ mit den Worten „Gegen Dekadenz und moralischen Verfall!“ einfach ins Feuer schmissen. Auch wenn ihn viele Kollegen zur Ausreise drängten, Erich Kästner blieb in Deutschland und mußte in den kommenden zwölf Jahren mitansehen, wie aus Deutschland ein Totenhaus wurde. Der gerade Weg von der Vernichtung der Kultur zur systematischen Ausrottung Andersdenkender, Andersgläubiger, Andersfühlender.

Seltsamerweise haben wir in der Schule nie über die Bücherverbrennung gesprochen. Sowieso hörte mein Geschichtsunterricht am Anfang des 20. Jahrhunderts auf. Die Römer, die Griechen, das Mittelalter, Französische Revolution, all das bis zum Abwinken. Doch die Geschichte, die uns noch heute und direkt betrifft, die wurde umgangen.

Und warum schreibe ich darüber? Im letzten Jahr war ich beim „Burning Man“ Festival in der Wüste von Nevada. Ein schräges Fest, zu dem mehr als 50.000 Besucher kommen. Es ist aber auch ein Kunstereignis. Eine der Künstlerinnen läßt immer wieder gewaltige Skulpturen entstehen. Und am Ende verbrennt sie sie im Wüstensand. Und ich merkte im Interview, wie ich sie einfach fragen mußte, warum sie Kunst verbrennt? Sie schaute mich etwas entgeistert an und meinte dann „Hey, this is „Burning Man“. We burn things here“. Ich entschuldigte mich und erklärte ihr, warum ich das als Deutscher fragte, dass die Frage einfach so hochkam. Darauf sie, „Schau, ich habe an dieser Skulptur mit vielen anderen fast ein Jahr gearbeitet. Wir haben sie hierher ins Nirgendwo in die Wüste gebracht, um sie dieser Gemeinschaft zu zeigen. Sie ist Teil der „Burning Man Community“ geworden. Und wir haben von Anfang an gewußt, wir werden sie verbrennen. Das war und ist unsere Entscheidung“.

Das verstand ich dann wieder. Was ich nicht verstand ist, warum für mich so eine Frage überhaupt entstand. Vor kurzem dann wieder. Ich habe hier mal CDs ausgemistet und eine ganze Kiste zu einem Plattenladen gebracht. Der Typ dort schaute sie durch und suchte sich 15 aus, die er mir abkaufen wollte. „Und was mache ich mit dem Rest?“, fragte ich ihn. „Burn that shit. I would!“, war die knappe Antwort. Und wieder dachte ich mir, ich kann doch nicht „Kunst“ verbrennen, auch wenn sie mir nicht gefällt.

Vor ein paar Jahren nach den Terroranschlägen des 11. Septembers, als George W. Bush noch Präsident war, haben in einigen Teilen der USA immer wieder Bücher- und CD-Verbrennungen von „unliebsamen“, sprich „unpatriotischen“ Autoren und Musikern stattgefunden. Also von jenen, die nicht ins amerikanische Kriegshorn bliesen. Damals dachte ich mir, was kommt als nächstes. Man, man, man….bin das nur ich oder haben wir Deutschen – ich bin Jahrgang 1968 – irgendwie einen totalen Knacks weg?

Oktoberfest in der Wüste von Nevada

Alex aus Lengries in Oberbayern dachte, „Burning Man“ sei so ein Fest in der Wüste „zehnmal größer als das Oktoberfest“. Na ja, viel Bier wird auch hier getrunken, aber das war es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Zum 26. mal fand in diesem Jahr das „Burning Man“ Festival statt, und dieses mal, war es ein Fest der Extreme. Hitze und ein Wind, der alles und jeden von oben bis unten mit einem weißen Wüstensand bestäubte.

„Rocky Horror Picture Show“ trifft auf „Mad Max“ und die „Love Parade“, so in etwa muß man sich dieses alljährliche Festival in der Einöde von Nevada vorstellen. Zumindest bildlich, denn „Burning Man“ ist mehr als nur ein Riesenfest. Es ist nicht kommerziell, es geht um ein gemeinsames Miteinander, es geht um beeindruckende Kunst im Wüstensand, es geht um Selbstversorgung und Selbstinszenierung. Man kann alles sehen, erleben, durchleben. „Burning Man“ ist Kunstfestival mit Hunderten von Skulpturen und Monumenten, klein und groß, phantasievoll und schräg. Aber es ist auch Rave-Party ohne Ende, ausgelassenes Happening jeglicher Art. Dort auf dem riesigen Gelände kann man nichts kaufen, alles muß mitgebracht werden. Mülleimer gibt es nicht, alles muß auch wieder mitgenommen werden. Ein Ereignis, das einen immer wieder an seine Grenzen führt.

In diesem Jahr traf ich eine Gruppe Münchner Design Studenten, die mithilfe der Schweizer Förderung „Swissnex“ ein Kunstobjekt auf der Playa bei „Burning Man“ realisierten (wo bitte war das Goethe-Institut?). Eine beeindruckende Lounge aus 250.000 Plastik Kabelbindern, bequem und viel besucht von den Besuchern des Festivals. Auf dem Bild die Gruppe in einem der sesselartigen Konstrukte.

„Burning Man“ ist nur schwer mit Worten zu beschreiben. Für jeden und jede, der oder die dort hinkommt ist das Ereignis etwas anderes. Manche machen rund um die Uhr Party, andere genießen den spirituellen Raum, erleben Kunst in einer ganz neuen Form, wieder andere testen ihre physischen Grenzen in einer unwirklichen Welt aus. Interessant bei allem ist, dass die Menschen hier zusammen kommen. Diese „Burning Man“ Gemeinschaft, ohne Geld, sozial- und umweltbewußt, kreativ und global denkend ist so untypisch für Amerika….und dennoch, nur hier in den Vereinigten Staaten von Amerika kann so ein Festival wie „Burning Man“ entstehen  und bestehen. Es ist ein Freiraum, der eben auch ein Stück weit diesems faszinierende Land ausmacht.

Burning Man zum Hören

Ich bin ausgeschlafen, entstaubt und frisch geduscht. Die Tage bei Burning Man in der Black Rock Desert von Nevada waren etwas extrem….wenig Schlaf, überall Staub und Sand und auf eine warme Dusche habe ich mich schon lange nicht mehr so sehr gefreut. Aber es hat sich wieder gelohnt, die Eindrücke und Erlebnisse waren einzigartig und ich kann es eigentlich nur jedem empfehlen, einmal nach Black Rock City zu pilgern.

Hier nun ein Audio Bericht zu Burning Man 2011:

Burning Man 2011