„Yummy, Yummy Steel’”

Der alte Ostteil der Bay Bridge (rechts) wird abgerissen.

Der alte Ostteil der Bay Bridge (rechts) wird abgerissen.

Hunderttausende von Tonnen Stahl stehen da noch zwischen Oakland und Treasure Island. Der Ostteil der alten Bay Bridge wird abgerissen, die Autos fahren nun auf dem hellen Neubau gleich daneben Richtung San Francisco.

Doch was machen mit all dem Altstahl. Das fragten sich viele Künstler, die in der Bay Area leben und fast täglich im Berufsverkehr auf der Brücke standen. Denn gerade hier werden viele Kunstprojekte für das alljährliche „Art Festival“ Burning Man hergestellt. Oftmals gewaltige Stahlkonstruktionen, wie die von Rebecca Anders. Sie arbeitet derzeit an einem riesigen Tiefseefisch, der beim kommenden Festival in der Wüste von Nevada aus dem Grund der Playa auftauchen soll.

Illumacanth ist das neue Stahlprojekt von Rebecca Anders.

„Illumacanth“ heisst das neue Stahlprojekt von Rebecca Anders. Hier ein Model des Tiefseefisches.

Die Künstler organisierten sich und schrieben die staatliche Verkehrsbehörde CalTrans an, die in Kalifornien für die Highways, Freeways, die Brücken und den Schienenverkehr zuständig ist. Der Vorschlag war, doch einiges an überflüssigem Stahl der Kunst im Bundesstaat zur Verfügung zu stellen. Nach längerem Hin und Her willigte CalTrans ein und beauftragte das Oakland Museum of California mit der Verteilung.

Nun also können sich Kunstschaffende um das bewerben, was da in langer Kleinarbeit zerlegt wird. Wichtig ist, dass die Künsterinnen und Künstler nachweisen, dass sie mit Stahl arbeiten können und daraus öffentliche Kunstprojekte produzieren werden. Denn aus dem Material, der 1937 eröffneten Brücke, soll etwas für Kalifornien enstehen. Ein beeindruckender Kreislauf der Kreativiät.

Nischt geht mehr

Bay Bridge ArbeitenDrei schlappe Stunden dauert derzeit die Hin- und Rückfahrt von Oakland nach San Francisco im Berufsverkehr. Die Bay Bridge, die beide Städte verbindet und mit rund 230.000 Autos täglich eine wichtige Hauptverkehrsader in Kalifornien ist, ist weiterhin geschlossen. Seit Dienstagabend arbeiten die Ingenieure und Crews ohne Unterbrechung daran, das Problem zu beheben.

Zum abendlichen Berufsverkehr am Dienstag stürzte ein „I Beam“, ein 5000 Pfund schwerer Stahlträger auf die Fahrbahn, der erst Anfang September angelegt worden war. Damals zum „Labor Day“ war die Brücke ebenfalls für den Verkehr gesperrt worden, um ein Behelfsstück für den Neubau auf der Ostseite der Bay Bridge einzusetzen. Während dieser geplanten Arbeiten entdeckten Ingenieure, dass Risse im Stahlkonstrukt der 70 Jahre alten Brücke aufgetreten waren und verstärkten mit dem Stahlträger die Kabel. Was sie anscheinend dabei nicht beachteten war, dass die Schwingungen von täglich 230.000 Fahrzeugen und der ständig wehende Wind über der Bay das ganze lockern würden. Am Dienstag, nach nur wenigen Wochen, war es eben soweit, der Stahlträger kam runter, beschädigte „nur“ drei Fahrzeuge.

Und nun geht eben nichts mehr. Wie es heisst, soll eventuell der Verkehr am heutigen Nachmittag wieder fliessen. Die Probleme auf der Bay Bridge machen eines jedoch ganz deutlich, zu lange schon wurde der Strassenbau in Kalifornien vernachlässigt. Es grenzt an ein Wunder, dass bislang nicht mehr Stahl und Beton auf die Autofahrer herunter prasselte. Die Ausgaben für das Strassennetz im Bundesstaat wurden regelmässig gekürzt oder eingefroren, was deutlich zu sehen ist. Kommen Sie in Los Angeles oder San Francisco an, fahren Sie mit dem Auto auf die nahegelegenen Autobahnen „405“ oder „101“ und Sie werden schnell merken, von was ich spreche. Oberstes Gebot: auf Schlaglöcher aufpassen, möglichst schnell unter Brücken und von Brücken kommen.