Die Supernasen gegen Krebs

Schäferhund Charlie soll schon bald Krebs erschnüffeln. Foto: UC Davis.

Der vier Monate alte Schäferhund Charlie soll schon bald Krebs erschnüffeln. Foto: UC Davis.

Vor ein paar Jahren berichtete ich über die „Pine Street Foundation“ im kalifornischen San Anselmo. Dort glaubte man, Hunde für die Krebserkennung ausbilden zu können. Man war überzeugt, die feine Nase der Vierbeiner könnte, bei richtiger Ausbildung, frühzeitig Krebszellen im menschlichen Körper erriechen.

Damals lachten einige über diesen Ansatz. Damit würde man wohl auch den besten Spürhund überfordern, hieß es. Einige Jahre später ist dieser experimentelle Ansatz nun auch bei „seriösen“ Wissenschaftlern angekommen. Die „University of California“ in Davis kündigte an, in nun mit zwei Hunden zu arbeiten. Alfie ist ein Labradoodle, Charlie ein deutscher Schäferhund, beide sind etwa vier Monate alt. In den kommenden zwölf Monaten werden die beiden dazu ausgebildet, im Speichel, im Urin und im Atem von Patienten Krebszellen zu entdecken. Damit soll erreicht werden, dass die Gefahr frühzeitig erkannt und somit behandelt werden kann.

In Davis wartet auf die beiden Hunde ein Team aus Experten. Ärzte, Veterinäre und Verhaltensforscher wollen nun herausfinden, ob es eine neue, natürliche Form der Krebserkennung gibt. Man setzt dabei auf den Spieltrieb der Vierbeiner. Schon 2016 will man die ersten klinischen Tests mit den Supernasen von Alfie und Charlie durchführen.

 

 

Supernasen im Einsatz

Jährlich erkranken rund 9000 Frauen in Deutschland an Eierstockkrebs. Das Problem ist oftmals dabei, dass diese Form des Krebses erst zu spät entdeckt wird und sich bereits Metastasen gebildet haben. Im kleinen San Anselmo in Kalifornien, nördlich von San Francisco, hat sich die Pine Street Stiftung der Aufklärung und Früherkennung des Krebes verschrieben. Und dafür hat man ein paar empfindliche Nasen angeheuert

Auf die Idee, Hunde als wissenschaftliche Mitarbeiter einzusetzen, kam man über einen Artikel im englischen Medical Journal „Lancet“. Darin wurde eine Frau beschrieben, deren Hund immer wieder ein Bein der Frau anbellte, daran kratzte und auch biss…Immer an der gleichen Stelle. Schliesslich ging die Frau zum Arzt und es stellte sich heraus, dass sie genau dort Hautkrebs hatte.

Die Forscher der Pine Street Klinik dachten sich, wenn Hunde das schon ohne Ausbildung könnten, dann sollte man mal versuchen sie gezielt auf den Geruch von Krebs zu trainieren. Vor drei Jahren gab es die ersten sehr positiven Ergebnisse beim Lungen- und Brustkrebs. Nun wendet man sich dem Eierstockkrebs zu. Bis zum Ende des Jahres werden noch Frauen in das Projekt aufgenommen, die einfach nur in einen Behälter mit Fasern ausatmen müssen. Man geht davon aus, dass diese Fasern den Geruch des Krebses auffangen. Anschliessend werden die Hunde darauf trainiert.

Wer das nun einfach so als Blödsinn oder Humbug abtut, der sollte bedenken, dass der Geruchssinn von Hunden phänomenal ist. Sie werden in der Drogen- und Bombensuche eingesetzt, sind im Einsatz um Verschüttete zu finden und können sogar von einem Boot aus Ertrunkene am Grund eines Sees erschnüffeln. Warum also nicht auch Krebs?

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