„What a circus!“

Carly Fiorina unterstützt nun Ted Cruz, denn er sei der einzige verbliebene Kandidat, der Donald Trump stoppen kann. Ben Carson hingegen will nun Teil des „Küchen-Kabinettes“ von Donald Trump sein, ihn im Wahlkampf beraten und eventuell sogar in einer möglichen Trump-Administration eine Rolle übernehmen.

Carly Fiorina unterstützt nun Ted Cruz. Foto: Reuters.

Carly Fiorina unterstützt nun Ted Cruz. Foto: Reuters.

Der Milliardär selbst hat die Nase gestrichen voll von den Fernsehdebatten. Er will keine weiteren mehr, es sei genug auf die immer selben Fragen geantwortet worden. Damit will sich Trump auch schützen, denn immer deutlicher wird, dass er keine Antworten auf wichtige politische Fragen hat. „America will be great again“, „We will build a wall, a great wall, and the Mexicans pay it“, „I will rip up the Iran Deal“, „We will defeat the Islamic State“, Aussagen, die auf den Trump-Veranstaltungen bejubelt werden. Aber mal ehrlich, ein klarer Plan ist da nicht zu erkennen. Trump ist viel Getöne und wenig Substanz.

Das wurde auch gestern wieder in der Debatte deutlich, die letzte vor der großen Stimmabgabe am Dienstag. Da könnte sich einiges entscheiden. Es geht um Marco Rubio und John Kasich. Beide müssen ihre Bundesstaaten Florida und Ohio gewinnen, um überhaupt noch im Rennen zu bleiben. Wenn sich Trump auch dort durchsetzen sollte, wäre das das Ende für den Jung-Senator und den Gouverneur. Dann würde die Grand Old Party den Supergau erleben. Schon jetzt sprechen einige in den republikanischen Reihen ganz offen von einer Präsidentin Hillary Clinton. Nicht, weil sie die verhasste Hillary im Amt sehen möchten, sondern vielmehr um einen Neuaufbau und eine Neuausrichtung der Republikaner anzugehen. Vier Jahre Präsidentin Hillary Clinton sollten genug sein, so die Meinung der GOP-Insider, um die Partei wieder auf einen geeinten Kurs zu bringen.

Zwei sind nicht mehr dabei

Carly Fiorina und Chris Christie sagen zum Abschied leise Servus. Foto: Reuters/AFP.

Fiorina und Christie sagten zum Abschied leise Servus. Foto: Reuters/AFP.

Ich hatte auf drei getippt, nun haben sich am Mittwoch nur zwei weitere Kandidaten aus dem Rennen verabschiedet. Ben Carson glaubt noch immer an Wunder. Chris Christie, Gouverneur von New Jersey und auch die ehemalige CEO von Hewlett-Packard, Carly Fiorina, hingegen strichen die Segel. Genug ist genug. Fiorinas Abgang war klar, bei Christie stellte sich am desaströsen Wahlabend in New Hampshire die Frage, ob er über seinen eigenen Schatten springen kann. Er kann und sein Ausscheiden hilft vor allem Jeb Bush und John Kasich. Alle drei Gouverneure buhlten um die gleichen Wähler. Die kommenden Wahlen in South Carolina und Nevada werden zeigen müssen, wer von diesen beiden den langen Atem gegen Donald Trump haben wird.

Trump ist derzeit obenauf, sein gewaltiger Sieg in New Hampshire, setzte für die Partei ein deutliches Zeichen. Gespalten wie sie derzeit erscheint, mit nach wie vor sechs Kandidaten im Rennen, wird sie die Kandidatenkür des Immobilieninvestors nicht stoppen können. Doch selbst wenn auch noch Bush oder Kasich aussteigen sollten, sind da noch Cruz und Rubio, die sich für die Heilsbringer Amerikas halten. So läßt sich ein Donald Trump mit seiner nichtssagenden Kampagne stoppen.

Bei den Demokraten beginnt nun der Kampf um die Stimmen der Minderheiten, die der Afro-Amerikaner und der Latinos. Der „Black Caucus“ im Kongress, die Vereinigung der afro-amerikanischen Abgeordneten auf demokratischer Seite, haben sich nun auf Hillary Clinton festgelegt. Doch das heißt gar nichts, denn in Umfragen wird immer deutlicher, dass gerade junge und Erstwähler unter den Schwarzen Bernie Sanders unterstützen. Sanders marschierte in den 60er und 70er Jahren für Gleichberechtigung, gegen Rassismus und Segregation, wurde dafür sogar verhaftet. Der alte Mann aus Vermont spricht nicht nur von einer politischen Revolution, er kann auch mit Anekdoten aus seinem Leben begeistern. Hillary Clinton wird nun einen offensiveren Wahlkampf führen und dabei aufpassen müssen, dass sie die Wähler von Sanders nicht verprellt. Denn die Chancen, dass der Senator aus Vermont am Ende der strahlende Sieger sein wird, sind gering. Hillary wird es wohl schaffen, doch sie braucht für den Einzug ins Weiße Haus eine geschlossene Partei hinter sich. Und das geht nur mit den Millionen Unterstützern von Bernie Sanders.

Die Kandidaten wünschen „Merry Christmas“

Die Kandidaten wünschen auf ihren facebook Seiten frohe Weihnachten. Bis auf den Demokraten Martin O’Malley, dessen Seite ist seit dem 21. Dezember nicht mehr aktualisiert worden. Man beachte auch Hillary Clintons Foto, ein altes als First Lady im Weißen Haus. Eine klare Kampfansage fürs kommende Jahr.

 

Merry Christmas to all. Have a great day and have a really amazing year. Together, we will MAKE AMERICA GREAT AGAIN! It will be done!

Merry Christmas to all. Have a great day and have a really amazing year. Together, we will MAKE AMERICA GREAT AGAIN! It will be done!

 

Can't think of a better day than one with family, food, and the best gift of all: a new grandchild on the way! Merry Christmas.

Can’t think of a better day than one with family, food, and the best gift of all: a new grandchild on the way! Merry Christmas.

 

Wishing you a Merry Christmas and a blessed holiday season!

Wishing you a Merry Christmas and a blessed holiday season!

 

Merry Christmas from the Sanders family!

Merry Christmas from the Sanders family!

 

Merry Christmas, from the Rubios!

Merry Christmas, from the Rubios!

 

Enjoying time with family and reflecting on all the blessings God has given us. From mine to yours, Merry Christmas!

Enjoying time with family and reflecting on all the blessings God has given us. From mine to yours, Merry Christmas!

 

Kelley and I want to wish you all a very Merry Christmas.

Kelley and I want to wish you all a very Merry Christmas.

 

Merry Christmas! Wishing you peace and happiness this holiday season and throughout the coming year. -Chris, Mary Pat, Andrew, Sarah, Patrick, and Bridget

Merry Christmas! Wishing you peace and happiness this holiday season and throughout the coming year. -Chris, Mary Pat, Andrew, Sarah, Patrick, and Bridget

 

Merry Christmas! - Mike and Janet

Merry Christmas! – Mike and Janet

 

I wanted to take a moment to wish you all a very Merry Christmas and happy New Year. At Christmas, we celebrate the love of family, the power of faith, and the freedom to practice that faith. As John 5:11 tells us, God has given us eternal life, and this life is in His son. May you and your loved ones enjoy the blessings of peace, hope, and love. This season and always. From my family to yours, Merry Christmas - Carly Fiorina.

I wanted to take a moment to wish you all a very Merry Christmas and happy New Year. At Christmas, we celebrate the love of family, the power of faith, and the freedom to practice that faith. As John 5:11 tells us, God has given us eternal life, and this life is in His son. May you and your loved ones enjoy the blessings of peace, hope, and love. This season and always. From my family to yours, Merry Christmas – Carly Fiorina.

 

As we celebrate the arrival of our Savior -- God's greatest gift -- we hope that you and your family also have a chance to enjoy some of God's other gifts this season: the joy of time with the people most important to us, a break from the rush of everyday life and a deeper knowledge of how blessed we are to live in freedom. From our family to yours, Merry Christmas! -John, Emma, Reese and Karen Kasich

As we celebrate the arrival of our Savior — God’s greatest gift — we hope that you and your family also have a chance to enjoy some of God’s other gifts this season: the joy of time with the people most important to us, a break from the rush of everyday life and a deeper knowledge of how blessed we are to live in freedom.
From our family to yours, Merry Christmas!
-John, Emma, Reese and Karen Kasich

 

Die Reise nach Jerusalem

Besser läßt sich das Kandidatenkarussell wohl nicht umschreiben. Es ist wie das beliebte Kindergeburtstagsspiel „Reise nach Jerusalem“. Da laufen sie im Kreis, mal langsamer, mal schneller und hoffen, einen Stuhl zu erwischen.

Jim Webb winkt schon mal zum Abschied. Foto: AFP.

Jim Webb winkt schon mal zum Abschied. Foto: AFP.

Der Demokrat Jim Webb steht nun ohne Sitzplatz da. Seine Kandidatur war sowieso ein „long shot“, wie man hier eine fast aussichtslose Situation nennt. Webb konnte nie aus den Schatten der übermächtigen Hillary Clinton und des erfolgreichen Einzelkämpfers Bernie Sanders treten. Seine „Message“ kam bei den Wählern nicht an. Nach der ersten Fernsehdebatte der Demokraten meinten etliche Kommentatoren und Wähler, Webb sei zu konservativ für die Demokraten. Groß punkten konnte er nicht gegen die beiden Frontrunner in seiner Partei. Das Geld blieb aus, die Spender wendeten sich lieber anderen Kandidaten zu. Der Rückzug von Jim Webb war nur noch eine Frage der Zeit, nun ist der 69jährige raus aus dem Rennen ausgestiegen.

Auf der republikanischen Seite hat sich die Situation für Carly Fiorina verschlechtert. Nach der letzten, der zweiten republikanischen Fernsehdebatte, stieg sie in den Umfragen, lag zeitweise sogar auf Platz drei hinter Donald Trump und Ben Carson. In ihrem Umfeld hoffte man auf ein Wunder. Doch damit ist nun Schluß.

Carly Fiorinas Kandidatur is bald zu Ende. Foto: AFP.

Carly Fiorinas Kandidatur is bald zu Ende. Foto: AFP.

In nur wenigen Tagen verlor sie massiv an Unterstützung. In den jüngsten Umfragen kommt sie gerade noch auf vier Prozent und liegt damit auf dem siebten Platz im Kandidatenreigen, weit abgeschlagen und ohne Chance auf einen frischen Start. Denn Fiorina hat gerade in den für sie wichtigen Wählergruppen, Frauen und Universitätsabsolventen, massive Stimmen eingebüsst. Hinzu kommt, dass auch bei ihr die Spendengelder ausbleiben. Zwar steht in der kommenden Woche die nächste Fernsehdebatte der Republikaner an, doch niemand rechnet mehr mit einem großen Punktgewinn der einzigen Frau im Republikanerfeld.

 

Und diese Partei will regieren?

Im Präsidentenwahlkampf gibt es keine gerade Linie. Vielmehr sind jene republikanischen Kandidaten in vorderster Reihe, die als Washington Außenseiter in den Wahlkampf gezogen sind; Donald Trump, Ben Carson und Carly Fiorina. Das gesamte republikanische Establishment fällt bei den Wählern bislang durch. Weder ein Bush noch ein Christie, weder ein Rubio noch ein Cruz, weder ein Huckabee noch ein Paul können da überzeugen. Ganz zu schweigen von den unter-ferner-liefen Kandidaten und den bereits ausgeschiedenen „Hoffnungsträgern“ Scott Walker und Rick Perry. Die Republikaner zeigen Abend für Abend auf der Fernsehbühne ein katastrophales Bild ihrer Partei.

Kevin McCarthy schmeißt die Brocken hin. Foto: AFP.

Kevin McCarthy schmeißt die Brocken hin. Foto: AFP.

Und nun eröffnet die Grand Old Party noch eine weitere Front, diesmal im Kongress. Überraschend trat letzte Woche der Sprecher des Abgeordnetenhauses, John Boehner, von seinem Amt zurück. Immer deutlicher wurde, dass er keine Mehrheit mehr hinter sich hatte. Boehner schmiss hin und man dachte, oder eher hoffte, nun wird das schon wieder mit der GOP. Doch Pustekuchen. Der angedachte Nachfolger sollte der kalifornische Abgeordnete Kevin McCarthy werden, der schon jetzt der Fraktionssprecher seiner Partei im Kongress ist. Alles lief auf ihn hinaus.

Heute allerdings zog auch er den Schwanz ein und meinte, die Partei brauche ein frisches Gesicht. Woher das nun kam, ist allen ein Rätsel. Klar ist nur, die Republikaner im „House“ sind ein einziger Chaosverein. Die verschiedenen Fragmente der Partei sind sich nicht grün, behakeln sich, wo es nur geht. Die Fraktion der Republikaner ist zu einem Minenfeld geworden, der Gegner ist in den eigenen Reihen zu suchen. Von einer geeinten Linie, von einer konservativen Revolution nach acht Jahren Barack Obama ist nichts zu spüren. Und diese Partei will im kommenden Jahr nicht nur das Weiße Haus übernehmen, sondern auch die Mehrheiten im „House“ und im Senat verteidigen.

Die Grand Old Party ist heute nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die einzige gemeinsame Basis besteht darin, Barack Obama und Hillary Clinton abzulehnen. Von eigenen und überzeugenden politischen Ideen, von einer geschlossenen Strategie ist man Lichtjahre entfernt. Und es scheint, es wird nur noch schlimmer. Was die Republikaner und was Amerika gut tun würde, wäre ein Vielparteiensystem. Eine Aufspaltung der Republikaner, der Demokraten, eine Fünfprozenthürde, wie es sie in Deutschland gibt. Damit könnte man diese scheinheilige Chaosdemokratie noch retten. Alles andere führt nur in die absolute Polit-Katastrophe.

Carly, die eiserne Lady

Besticht im Wahlkampf durch Härte - Carly Fiorina. Foto: AFP.

Besticht im Wahlkampf durch Härte – Carly Fiorina. Foto: AFP.

In den Umfragen steigt die einstige Hewlett-Packard Chefin, Carly Fiorina, immer weiter nach oben. Vor ihr nur Donald Trump und Ben Carson. Drei Außenseiter, die das etablierte politische Washington zum Wackeln bringen und in ihren Grundfesten erschüttern. Vor ein paar Wochen dachte noch niemand daran, dass die ersten, die aus dem Rennen ausscheiden würden der langjährige texanische Gouverneur Rick Perry und das Darling der Koch-Brothers, Wisconsins Gouverneur Scott Walker sein würden. Alle rechneten mit den politischen Newcomern, die so gar keine Erfahrungen in der Schlangengrube Washington mitbrachten.

Doch weit gefehlt. Donald Trumps lautstarker Posaunenchor kommt genauso an, wie der stille und zurückhaltende Ben Carson oder die eiserne Lady Carly Fiorina. Die bestach schon bei der letzten Fernsehdebatte mit markanten Sprüchen zur amerikanischen Verteidigungs- und Außenpolitik. Wenn sie erst einmal Präsidentin ist, werde das US Militär wieder aufgerüstet, man werde wieder die Nummer Eins weltweit sein. Keiner, weder Russland, China noch irgendjemand, dürfe den Amerikanern militärisch gleichauf sein. Fiorina sieht sich da ganz in der Tradition von Ronald Reagan. Noch immer wird dessen harte Haltung gegen die Sowjetunion, das Wettrüsten, als der eigentliche Grund des Mauerfalls und des Zusammenbruchs des Sowjetreiches gesehen.

Nun legt Carly Fiorina nach und macht deutlich, dass mit ihr nicht gut Kirchenessen ist. Sie verteidigt die geheimen Folterplätze der CIA rund um den Globus und auch die „Befragungsmethoden“ der Geheimdienstler. Auch wenn ein Bericht des Senats, unter damaliger demokratischer Führung, zu einem anderen Ergebnis kommt, der wird von Carly einfach vom Tisch gefegt. Es sei „unredlich“, „eine Schande“, „wenn man so die Moral einer Menge von Leuten untergräbt, die ihr Leben dafür einsetzen, dieses Land zu sichern“. Fiorina hat nichts gegen Schlafentzug, enges Anketten, „Waterboarding“, Unterkühlen, Schläge, Erniedrigungen aller Art und so weiter und so fort.

Interesssant ist deshalb diese Dokumentation von PBS in der Serie „Frontline“, ein investigativer Bericht des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in den USA, der die Methoden der CIA nachverfolgt. Spannend die Vorgehensweise der Schlapphüte, die direkt an Hollywood herangetreten sind, um das Aufspüren von Osama bin Laden aus ihrer Sichtweise zu verkaufen. Herausgekommen ist der Action Streifen „Zero Dark Thirty“. Darin werden die brutalen Befragungsmethoden der CIA als wichtig für die Terrorbekämpfung dargestellt. Die Journalisten von Frontlines „Secrets, Politics and Torture“ kamen zu einem ganz anderen Ergebnis. Fazit: Der Film ist erstunken und erlogen. Doch das will Carly Fiorina nicht hören und nicht sehen. Für sie sind die CIA Agenten nationale Helden, denen man für ihren Einsatz dankbar sein muß.

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Die gesamte PBS-Frontline Dokumentation „Secrets, Politics and Torture“ findet man hier.

Der Donald kann eigentlich nichts dafür

In diesen Tagen wundert man sich in den USA, was eigentlich aus der republikanischen Partei geworden ist. Da kandidieren alles namhafte Politiker, doch in den Umfragen und bei den Wählern fallen sie durch. Auf den vordersten Rängen in der Wählergunst liegen Donald Trump, Ben Carson und Carly Fiorina. Drei Außenseiter, die alle anderen hinter sich lassen. Insgesamt bekommt das Trio rund 50 Prozent der Stimmen.

Er ist nicht schuld am Untergang der Republikaner. Foto: AFP.

Er ist nicht schuld am Untergang der Republikaner. Foto: AFP.

Das ist das eine. Das andere ist, was nun eine weitere Umfrage herausgefunden hat, auch wenn Donald Trump aus dem Rennen ausscheiden würde, die „richtigen“ Politiker würden dann nicht besser abschneiden. Senator Ted Cruz, der Trump sehr nahe steht, könnte aus einem Abgang von Trump nicht profitieren, er würde gerade mal zwei Prozent zulegen. Ganz oben stände dann der Neurochirurg Ben Carson gefolgt von Carly Fiorina.

Die Republikaner sind derzeit ein Tollhaus. Das wird in den neuesten Umfragen ganz klar. Und es liegt eben nicht nur an Donald Trump, sondern an der Partei selbst, die zwar gut blockieren, aber nicht regieren kann. Von Mehrheiten ist die einstige Reagan Partei Welten entfernt. Klar, der Wahlkampf ist noch lang, viel Wasser fließt da noch den Mississippi runter, doch es muß ein Wunder geschehen, dass die Republikaner geeint aus dieser massiven Krise herauskommen.

Bei den Demokraten sieht es nicht viel anders aus. Hillary Clinton fällt und fällt in den Umfragen. Gefragt, wen die Wähler bevorzugen, Hillary Clinton oder Joe Biden, dann entscheiden sich mehr für den Vize-Präsidenten. Problem dabei ist, dass er gar nicht kandidiert, auch wenn im Hintergrund gemunkelt wird, dass Biden doch noch ins Rennen einsteigen könnte.

Hier und da, die politische Landschaft in den USA ist fragmentiert. Von einer geeinten Partei ist nirgendwo die Rede, doch das spiegelt wohl nur das Land selbst wider. Es fehlt einfach jemand, der nicht nur die eigenen Reihen begeistern kann, sondern auch jemand, der die andere Seite mit seinen Vorschlägen und seiner Kompromissbereitschaft erreichen und überzeugen kann. Am Ende wird eine Wahl stehen, die nichts leichter, doch vieles verschlimmern wird.

Am Ende liefen ihm die Wähler davon

Am Sonntag rieb sich Scott Walker wahrscheinlich mehrmals die Augen. Denn was er da las, konnte er sicherlich nicht glauben. Die jüngste Umfrage unter republikanischen Wählern war veröffentlicht worden und da lag er, der einstige Hoffnungsträger der Tea-Party, der Koch-Brothers, der gewerkschaftsfeindlichen Konservativen, mit noch nicht einmal einem Prozent weit abgeschlagen. Zwar hatte es oben auch ein Beben gegeben. Donald Trump verlor Prozente, liegt aber weiterhin vorne. Carly Fiorina drängelte sich mit ihren Lügengeschichten vorbei an Ben Carson auf Platz zwei. Der Neurochirurg fiel auf Platz drei, er hatte nach der Fernsehdebatte fünf Prozentpunkte eingebüßt.

Und Tschüss. Walker ist raus. Foto: AFP.

Und Tschüss. Walker ist raus. Foto: AFP.

Dann kam da auch noch Marco Rubio von hinten auf Platz vier…aber Scott Walker, der kam und kam nicht….ach ja, dann, mit etwas mehr als Null Prozent. Da war klar, das Rennen ist vorbei. Aus die Maus für den Wisconsin Governor, der angetreten war, um auch in Washington die Gewerkschaften vor die Tür zu setzen. Die Reaktion der Unions ließ nicht lange auf sich warten. Der Präsident des Gewerkschaftsbundes AFL-CIO, Richard Trumka, meinte: „Scott Walker ist noch immer eine Schande, nur eben nicht mehr auf nationaler Ebene.“

Walker zog sich am Montag zurück und erklärte, er wolle Platz machen für einen konservativen Kandidaten, der dem Spitzenreiter Trump endlich Stirn zeigen könne. Denn bislang ging es nur um persönliche Angriffe im übervollen Kandidatenfeld. Scott Walker forderte andere Mitstreiter ums Weiße Haus auf, es ihm nachzutun und aus dem Rennen auszuscheiden. Die prall gefüllte Kandidatenrunde verhindere nur, dass sich ein wahrer Konservativer herauskristallisieren und am Ende im direkten Duell mit dem politischen Gegner bestehen könnte. Es waren nicht nur die Wähler, die Scott Walker im Sommer davonliefen. Tatsache ist  auch, dass ihm schlichtweg das Geld ausging. Mit seinem Freifall in den Umfragen blieben die Spender aus.

Mit Scott Walker geht einer, auf dem große Hoffnungen gelegen hatten. Andere Kandidaten werden in den nächsten Tagen mit Sicherheit folgen. Dann muß Donald Trump zeigen, dass er bestehen kann. Denn wenn es einmal und endlich um Inhalte geht, kann er sich nicht mehr hinter seinen Verbalangriffen und Selbstbeweihräucherungen verstecken. Carly Fiorina, die zwar in den Umfragen gestiegen ist, wird auch bald wieder fallen. Ihre Münchhausen Geschichten in der Fernsehdebatte stießen einigen doch übel auf.

Der amerikanische Wahlkampf bleibt spannend. Wer wird wohl als nächster in den wohlverdienten Feierabend gehen?

Ich hab‘ doch keine Ahnung!

Ich glaube, ich habe gestern die falsche Fernsehdebatte der Republikaner gesehen. Denn was ich heute lese, trifft so gar nicht das, was ich da beobachtet habe. Es heißt, die frühere CEO von Hewlett-Packard, Carly Fiorina, habe den Abend für sich entschieden. Klar, sie hat gut auf Donald Trump reagiert, das stimmt. Aber die Kommentatoren zeigten sich anschließend davon beeindruckt, dass Carly eine „gute Rednerin“ sei und ihre Themen „verständlich“ vermitteln könne. Hallo! Geht’s noch? Also sexistischere Kommenatere kann es ja wohl nicht geben. Das klingt ja so, als ob man verwundert war, dass nicht nur eine Frau mit auf der Bühne stand, sondern auch noch, dass sie in zusammenhängenden Sätzen sprechen konnte.

Ihre Nase wuchs dann doch nicht auf der Bühen - Carly Fiorina. Foto: AFP.

Ihre Nase wuchs dann doch nicht auf der Bühen – Carly Fiorina. Foto: AFP.

Carly Fiorina kam äußerst unterkühlt rüber. Alle anderen auf der Bühne lachten zumindest einmal, machten teils Witze oder reagierten locker auf die Fragen der Moderatoren. Vielleicht sehe ich Carly Fiorina zu verbissen, kann durchaus sein, aber überzeugend war ihr Auftreten für mich nicht. Vor allem auch nicht, wenn man weiß, dass sie auf der Bühne gelogen hat. Sie forderte, die staatliche Finanzierung der Gesundheitskliniken von „Planned Parenthood“, in denen auch Abtreibungen durchgeführt werden, zu beenden. Dabei bezog sie sich auf umstrittene Videos. Fiorina sagte wörtlich: „Jeder, der diese Videos gesehen hat – ich fordere Hillary Clinton, Barack Obama auf, sich diese Bänder anzusehen – zuschauen, wie ein völlig entwickelter Fötus auf dem Tisch liegt, das Herz schlägt, seine Beine strampeln und jemand sagt; „Wir müssen ihn am Leben halten, um sein Gehirn zu bekommen“. Es geht hier um den Charakter unserer Nation. Und wenn wir nicht aufstehen und Präsident Obama zwingen, dieses Gesetz zu blockieren, Schande über uns alle.“

Einziges Problem, dieses Video gibt es gar nicht. Was da Carly „Pinochio“ Fiorina gesehen haben will war nicht aus dieser Welt. In den bislang bekannten Videos ist solche eine Szene nicht zu sehen. Auch nicht etwas annähernd brutales. Carly Fiorina wurde mit ernster Miene in der Fernsehdebatte zur Märchentante, die ihre Zuhörer schön gruseln wollte. Und das erreichte sie. Ein Wunder nur, dass ihr keine lange Nase wuchs. Natürlich weiß ich, dass im Wahlkampf gelogen wird bis sich die Balken biegen, aber das ist dann schon eine krasse Nummer.

Am Tag danach feierte sich CNN selbst. 25 Millionen Zuschauer schalteten sich zu, so viele, wie noch nie zuvor. Klar, CNN sah das als Erfolg des eigenen Konzeptes. Doch vielmehr lag es daran, dass Donald Trump wieder einmal auf der Bühne stand. Er ist der Entertainer im Wahlkampfzirkus, der die Massen anzieht, schockiert und unterhält. Auch am Mittwoch lieferte er, gute Breitseiten gegen die anderen Kandidaten, er klopfte sich wie immer mehrmals auf die eigenen Schultern und bestach durch aberwitzige politische Ideen. Genau das will man sehen und hören. Das kommt an in diesen Tagen. Also, auf zur nächsten Runde, die am 28. Oktober stattfinden wird.

 

 

It’s a one-man show, man!

Donald Trump stand in der Mitte der Bühne und alles drehte sich um ihn. Die anderen versuchten ihn anzugreifen, doch der Donald parierte gekonnt und teils mit Humor. Als Rand Paul ihm vorwarf, Trump bewerte andere nach ihrem Aussehen, wie er dies jüngst mit Carly Fiorina getan hatte, reagierte der Milliardär, er hätte ja nichts über Rand Pauls Aussehen gesagt, auch wenn er das durchaus könnte. Als Jeb Bush ihm von der Seite kam, meinte Trump, „Jeb, today you’re full of energy. I like that“. Vor ein paar Wochen hatte der Donald seinem Mitkonkurrenten attestiert eine lahme Ente zu sein, saft- und kraftlos im Rennen mitzulaufen.

Foto: AFP

Foto: AFP

Und dann war da noch Carly Fiorina auf der Bühne, die einzige Frau weit und breit. Wie würde sie reagieren? Ihr sah man an, dass sie sich vom lächelnden Donald nicht unterkriegen und unterbuttern lassen wollte. Sie teilte aus, doch kam dabei auch nicht gerade angenehm und sympathisch rüber.

An dem Abend in der Ronald Reagan Library, direkt vor einer ausgemusterten Air Force One Maschine wurde über vieles gesprochen, oder zumindest vieles angerissen. Außenpolitik, die Wirtschaft, Abtreibung, der Iran-Deal, Obamacare, Hillary Clinton, die Grenze, Sicherheitspolitik….querbeet ging es durch die tagesaktuellen Themen. Der Moderator versuchte immer mal wieder mit Zitaten der einzelnen Kandidaten Zwist zu säen und vor allem die anderen gegen Donald Trump aufzubringen. Doch irgendwie war es ein nettes „Get together“ der bekanntesten Republikaner. Klar, die fiesen Blicke von links nach rechts und rechts nach links blieben nicht aus. Auch wurde deutlich, wie zerstritten die Ronald Reagan Partei ist. Dem einstigen Western Helden klingelten in den ewigen Jagdgründen sicherlich die Ohren, denn gerade Jeb Bush versuchte sich als Neffe von Reagan zu präsentieren.

Nach dieser Debatte wird man abwarten müssen, wer in den Umfragen steigen, wer fallen wird. Ich denke mal, viel wird sich nicht ändern. Die Amerikaner lieben ihre Außenseiter Trump und Carson. Nur am Kindertisch, die kleine Gruppe von Kandidaten vor der eigentlichen Fernsehdebatte, wird sich einiges tun. Schon bald werden sie die Segel streichen müssen. Lindsay Graham, George Pataki, Bobby Jindal und Rick Santorum sollten lieber jetzt als später erkennen, dass das Rennen ohne sie läuft.