Stories of America

Es kommt ja nicht so oft vor, dass ein Musikvideo aus und in meinem alten VW-Bus gedreht wird und dabei auch noch Käthe aus dem Fenster blickt. Im Januar waren ALP in San Francisco, um den beeindruckenden Walter Ruttmann Stummfilm von 1927 „Berlin: Die Sinfonie einer Großstadt“ neu und live zu vertonen. Es war zweifellos der Höhepunkt des 20. deutschsprachigen Filmfestivals „Berlin & Beyond“. Standing Ovations zum Schluß, ein grandioser Auftritt, eine erleichterte Band, die noch kurz vor dem Konzert einige „stürmische“ Momente erlebte.

Da ich sowas wie der Herbergsvater, Fahrer und Roadie war, begleitete ich das Trio aus Berlin auf vielen ihrer Ausflüge. Nun liegt ein kleines Video von ALP in San Francisco vor. Und da es diesmal leider nur zu einem Auftritt kam, kann man das Filmchen durchaus „ALP in Amerika“ betiteln.

Aufgrund der sehr positiven Resonanz planen die Berliner bereits weitere Konzerte an der amerikanischen Westküstefür den Spätherbst. Dann stehen mit Sicherheit mehrere Konzerte und Konzertorte an.

YouTube Preview Image

Die Pegel steigen wieder

El Niño ist da. Mit aller Gewalt brettern die Stürme über Kalifornien, bringen viel Regen und Schnee mit sich. Die gute Nachricht zuerst, die Wasserpegel in den Reservoirs, Seen und Flüssen steigen wieder. Der Folsom Lake ist innerhalb eines Monats um 15 Meter gestiegen, der Lake Oroville um 7 Meter. Und auch von anderen Seen und Reservoirs in Nordkalifornien kommen positive Wasserstandsmeldungen. Auch aus der Sierra werden gute Nachrichten vermeldet, die Berge sind mit Schnee bedeckt. So langsam tropft sich Kalifornien aus der Wasserkrise.

Der Pegel am Folsom Lake steigt langsam wieder, doch ist noch lange nicht auf der selben Höhe wie vor der Wasserkrise in Kalifornien. Foto: Nasa.

Der Pegel am Folsom Lake steigt langsam wieder, doch ist er noch lange nicht auf dem selben Stand wie vor der Wasserkrise in Kalifornien. Foto: Nasa.

Ein Grund zur Entwarnung gibt es dennoch nicht. Denn derzeit ist vor allem der Norden Kaliforniens von El Niño betroffen. Im Süden fehlt nach wie vor der Niederschlag. Dort ist in den Stauseen noch immer gähnende Leere.

Und bei mir zu Hause hat El Niño auch kräftig zugeschlagen. Am Sonntag krachte ein gewaltiger Redwood auf die Oberleitung, nur zwei Häuser weiter. Ich sass im Wohnzimmer und plötzlich eine Explosion vor dem Fenster, die Stromkabel waren gerissen. Ich rannte nach draussen, sah, was passiert war, sprang ins Auto und fuhr den Wagen etwas die Straße hoch. Denn ich wußte, gleich kommt die Feuerwehr, die werden alles absperren, gerade auch weil auf den am Boden liegenden Kabeln noch Strom war. Wieder zurück ins Haus, der Band ALP gesagt, sie müssen sich beeilen, denn wir müssen JETZT los zum Konzert im Castro Theatre. Wie Musiker eben so sind, dauerte es etwas, bis sie in die Schlappen kamen. „Oakland Fire Department“ war inzwischen auch angekommen. Die wollten niemanden mehr raus und rein lassen. Also meinte ich zu den Jungs, schön langsam und ruhig die Treppe runter und dann losrennen, unter den Resten der Kabel durch. Wenn wir mal auf der anderen Seite der Straße sind, schicken sie uns nicht mehr zurück. So kam es dann auch, der Feuerwehrhauptwachtmeister war zwar etwas entsetzt, doch ließ uns im Regen ziehen. Das Konzert wurde ein absoluter Erfolg, ALP aus Berlin vertonten live Walther Ruttmanns 1927er Film „Berlin, die Sinfonie der Großstadt“.

30 Stunden später hatten wir auch wieder Strom im Haus. Bis zum nächsten Morgen, da rollte der nächste Angriff von El Niño vom Pazifik kommend heran. Wieder gab es einen „power outage“, denn erneut war ein Baum in der Nachbarschaft umgefallen. Diesmal dauerte es nicht lange, doch danach war die Telefonleitung dahin. Nur das statische Rauschen war noch zu hören. Und das noch immer. El Niño ist ja erst am Anfang, das wird noch heiter werden in den kommenden Wochen und Monaten.

Man spricht Deutsch

Zum 19. Mal öffnet sich am heutigen Donnerstag der Vorhang im historischen Castro Theatre in San Francisco für das deutschsprachige Filmfestival „Berlin & Beyond“. Spielfilme, Kurzfilme, Dokumentarfilme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz werden in den kommenden Tagen präsentiert. Und meistens ist der Saal gut gefüllt oder sogar ausverkauft. Das Interesse am internationalen Kino, hier am deutschsprachigen Film, ist groß in San Francisco.

Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beim 19. "Berlin & Beyond" Filmfestival in San Francisco.

Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beim 19. „Berlin & Beyond“ Filmfestival in San Francisco.

Die „City by the Bay“ ist eine Filmfestivalstadt. Eigentlich gibt es das ganze Jahr über Angebote. Aus allen Ecken der Welt, zu den verschiedensten Themenschwerpunkten werden Filmfeste organisiert. Da ist es nicht leicht, eine Filmschau mit Streifen aus Übersee zu zeigen, alle mit Untertiteln und dennoch sein Publikum zu finden. Doch „Berlin & Beyond“ hat sich etabliert, ist zu einem frühen Highlight im Festivaljahr der Stadt, ja, der Region geworden.

Waren am Anfang, Mitte der 90er, die „Movies“ aus Deutschland noch eher düster und stimmungsgeladener, sind sie heute lockerer, leichter und weltoffener. Als jemand, der von Anfang an mit dabei war, kann man durchaus die Entwicklung im deutschsprachigen Kino beobachten und erkennen.

„Berlin & Beyond“ erlaubt diesen Blick nach drüben. Für Amerikaner, die zum einen das deutsche Kino schätzen, gerade diese etwas anderen, nicht Hollywood gerechten Filme lieben. Da sind aber auch Besucher, die auf irgendeine Art und Weise einen Bezug zu Deutschland, Österreich und der Schweiz haben und über die Filmwelt in die eigenen Erinnerungen und Erfahrungen eintauchen. Und „Berlin & Beyond“ wurde auch zu einem Treffpunkt der vielen hier lebenden Deutschen, Österreicher und Schweizer. Man merkt das deutlich, wenn im Kino dann gelacht wird, wenn die Untertitel diesen bestimmten und teils eigenartigen deutschen Humor nicht vermitteln können.

In diesem Jahr werden wieder etliche Gäste erwartet, darunter Hannelore Elsner, Doris Dörrie, Pepe Danquart und Ronald Zehrfeld. Sie alle werden begeistert sein vom begeisterten und interessierten Publikum, von den vielen Fragen – teils sehr detailiert, teils sehr schräg – und von einer Stadt, die sich in diesen Tagen in sommerlichen Temperaturen präsentiert.

„Berlin & Beyond“ wird organisiert vom Goethe-Insitut. Es ist ein tiefgehender, teils bewegender, teils humorvoller Blick auf eine irgendwie vertraute Kulturlandschaft, die doch so ganz anders ist. Das Publikum genießt diese Sichtweise, fernab der perfekten Hollywoodmaschine, und kommt jedes auf ein neues ins historische Castro Theatre.

YouTube Preview Image

D + CH + A in SF

Der deutschsprachige Film ist gefragt in den USA. Klar, „Metropolis“, „Das Boot“…auch noch „Lola rennt“ und „Der Untergang“, aber auch die neueren Streifen kommen an, was die Erfolge von Fatih Akin oder Florian Henckel von Donnersmarck belegen. Derzeit läuft wieder das Filmfestival „Berlin & Beyond“ in San Francisco, das größte seiner Art weltweit…zumindest außerhalb der deutschsprachigen Länder. Und die Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ziehen ihre Fans an. Es wird gelacht, geweint, heftigst diskutiert und gefeiert, alles im Zeichen des Films „made in Germany, Austria and Switzerland“. Eine tolle Sache.

Zur 16. Ausgabe des Festivals ein aktueller Hörbeitrag:

Berlin & Beyond 2012