So einfach ist das mit der Außenpolitik

Wenn einer eine Reise tut....dann kann er Präsident werden. Foto: AFP.

Wenn einer eine Reise tut….dann kann er Präsident werden. Foto: AFP.

Eigentlich wäre ich ja wie geschaffen für den Job als amerikanischer Präsident. Zumindest, wenn es nur um die „Außenpolitik“ ginge. Immerhin habe ich schon ein paar Länder außerhalb der USA bereist und zweitens auch schon Flüchtlingslager besucht. Eine gute Basis für „internationale Erfahrungen“. Damit liege ich im Feld der Möchtegernpräsidenten weit vorne. So zumindest muß man die jüngste Reise von Präsidentschaftskandidat Ben Carson einschätzen. Der Neurochirurg Carson, der in vielen Umfragen noch immer auf dem zweiten Platz im republikanischen Kandidatenkarussell liegt, ist nun überraschend nach Jordanien gereist, um dort zwei syrische Flüchtlingslager zu besuchen. Damit, so Vertraute Carsons, wolle sich der Kandidat außenpolitisch als interessiert und „erfahren“ darstellen. Denn immer wieder wurden die Stimmen laut, dass Ben Carson zwar ein netter Kerl, ein guter Konservativer sei, aber außenpolitisch sei er wohl in einer Zeit wie der unseren der falsche Mann. Unerfahren, ja, richtig blank auf dem internationalen Parkett. Sogar führende konservative Meinungsmacher, wie der Radio Talkshow Moderator Rush Limbaugh und der  FOXNews Kommentator Charles Krauthammer erklärten, Carson sei aus diesem Grund unwählbar. Die Anschläge in Paris hätten noch einmal gezeigt, dass man kein globales Greenhorn ins Oval Office setzen sollte.

Die Reise nach Jordanien ist nun also etwas für den Wahlkampf. Schaut her, ich kenne mich im Syrienkonflikt aus. Carson selbst meint dazu: „Ich finde, man bekommt einen stärkere Eindruck, wenn man die Dinge selbst sieht, als sie nur erzählt zu bekommen.“ Stimmt schon, lieber Ben, allerdings kann man als amerikanischer Präsident nicht überall hin reisen, um sich zu informieren. Da ist man auf die Beschreibungen und Berichte anderer angewiesen.  Aber egal, so kann man also mitreden in den USA, so kann man schließlich Präsident werden.

Daneben will Ben Carson auch noch die Evangelikalen im Land erreichen, denn sie sind in der Flüchtlingsfrage hin und her gerissen. Sie wollen helfen, doch wissen nicht genau wie. Nur den Christen aus Syrien, wie es einige fordern, oder allen, egal welcher Glaubensrichtung. Der Chor in den USA ist laut, der verlangt, man solle helfen, aber bitte keine Flüchtlinge ins Land holen. Ben Carson wird dazu sicherlich bald etwas sagen. Er ist ja dann Experte in Sachen Syrienkrise, Flüchtlinge, Vertreibung, Terrorgruppe ISIS.

Das sichere Amerika

Nun hat auch er seine Bücherei. George W. Bushs Präsidentenbibliothek wurde in Dallas feierlich eröffnet. Damit rückte der 43. Präsident für ein paar Tage zurück ins Rampenlicht. Es gab nette Kommentare und Artikel, Berichte und schöne Bilder von diesem denkwürdigen Ereignis. Alle noch lebenden früheren Präsidenten kamen, um „W“ zu feiern. Rund 40 Millionen Seiten Papier warten nun auf Wissenschaftler, Forscher, Politologen, Journalisten, die ausgewertet werden wollen.

George W. Bushs Amtszeit ist eng verbunden mit 9/11, den Kriegen in Afghanistan und dem Irak. Was war da sonst noch? Die Kommentatoren sind gespalten wie eh und je. Konservative sehen ihn als starken Präsidenten, der Amerika sicherer gemacht habe und führen, wie Charles Krauthammer, an, dass es seit dem 11. September 2001 keinen Terroranschlag mehr auf amerikanischem Boden gegeben habe. Auch das Attentat in Boston müsse vielmehr als peinliche Schlappe der Behörden gesehen werden. Und überhaupt, drei Tote im Vergleich zu 3000 Toten sei auch ein Zeichen dafür, dass Amerika dank Bush sicherer sei, so Krauthammer.

Doch Bush ist nach wie vor auch das rote Tuch für viele in den USA, die ihn ganz anders sehen, die seine zwei Amtszeiten völlig kontrovers betrachten. Er habe Amerika durch seine aggressive Politik nur noch unsicherer gemacht. Scharfe Rhethorik, Kriege, Folter, Geheimgefängnisse, all das habe nur noch mehr Hass gegen die USA geschürt. Hinzu kämen die Beschneidungen von Bürgerrechten in den USA im Zuge des „War on Terror“.

George W. Bush wird mit seiner Bibliothek zwar geehrt, doch er spaltet weiter die Nation. Und nicht nur das, man muß Amerika in Zukunft in vor und nach 9/11 sehen und bewerten. Die Politik von George W. Bush ist damit der historische Scheidepunkt geworden.