Das Tollhaus Republikaner

Bei den Republikanern blickt man nach Iowa, doch irgendwie blickt man gar nicht mehr durch. Der Iowa „Caucus“ findet am 1. Februar statt, es ist quasi die erste Vorwahl für die Partei. Schon seit dem Herbst 2014 beackern einige der Kandidaten die weiten Felder im „Hawkeye State“. Allen voran Wisconsins Gouverneur Scott Walker, der schon früh als Geheimfavorit der republikanischen Partei gehandelt wurde. Walker machte sich in seinem Bundesstaat einen Namen damit, dass er die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes zerlegte, massiv Steuern kürzte, den Haushalt zusammenstrich und auch im Bildungsbereich den dicken Rotstift ansetzte. Das kam an bei Republikanern in Wisconsin und im ganzen Land und fiel auch den Koch Brothers angenehm auf, die seit Jahren die Wahlkämpfe der GOP finanzieren. Sie erwählten Walker als ihren Kandidaten für 2016. Alles sah nach einem „homerun“ aus.

Scott Walker hat derzeit nichts zu lachen. Foto: AFP.

Scott Walker hat derzeit nichts zu lachen. Foto: AFP.

Doch dann kam Donald Trump und irgendwie lief auf einmal alles ganz anders als geplant. Und nicht nur bei Scott Walker, auch bei den anderen Kandidaten, die sich ernsthafte Chancen in Iowa und darüberhinaus ausrechneten. Derzeit liegt Trump in Iowa mit 23 Prozent weit vorne. Dahinter der Arzt Ben Carson mit 18 Prozent und an dritter Stelle dann Scott Walker mit gerade mal 8 Prozent. Mit so einem innerparteilichen Stellungskrieg hat man weder im Lager Walker noch im Lager Bush gerechnet. Von den anderen Kandidaten ganz zu schweigen. Zwei politische Außenseiter liegen weit vorne, der Rest der Partei versucht damit umzugehen und driftet immer weiter nach rechts ab. Trump und Carson bestimmen die Diskussion zum Leid der Partei, die sie sich als Plattform gewählt haben.

Scott Walker ist kaum wiederzuerkennen. Das ist nicht nur die Analyse der Kommentatoren in den USA, auch seine einstigen Unterstützer sind irritiert. Sie behaupten, Walker höre zu sehr auf seine Berater aus dem fernen Washington und halte sich zu sehr mit seinen Stellungnahmen zurück. Und wenn, dann reagiere er nur noch auf Trumps Gepoltere und agiere kaum noch.

Der Wahlkampf steht derzeit Kopf. Vor einem halben Jahr hatte niemand mit dieser Situation gerechnet. Aus dem Darling der Partei wurde ein Mitläufer, der in der Debatte kaum noch beachtet wird. Ob er den Trend noch drehen kann ist fraglich. 15 Prozent hinter dem Frontrunner Trump ist keine gute Ausgangslage, um in den Iowa Endspurt zu gehen. Nun versucht man im Walker Lager und auch in den andern PAC, political action commitees, Trumps Ruf zu beschädigen. Was die anderen GOP Kandidaten im Rennen derzeit eint, ist nicht nur ihre Ablehnung von Obama und Clinton, die steht sowieso fest. Was die Reihen der Senatoren, Gouverneure und der vielen Ex-Offiziellen in diesen Wochen verbindet, ist der New Yorker Milliardär. Er muß aus dem Weg geschafft werden, koste es was es wolle, um überhaupt einen Wahlkampf zu erlauben. Man kann sich also vorstellen, dass da einige vertrauliche Telefonate, Gespräche und Treffen zwischen Walker, Bush, Perry, Huckabee, Graham, Christie, Kasich, Cruz, Rubio, Pataki, Jindal, Fiorina, Paul, Santorum stattfinden. Alle gegen einen, zum Wohle der Partei.