Back in California

Zurück in Oakland. Ein Kurztrip ins winterliche Deutschland liegt hinter mir, natürlich ging es auch nach Nürnberg. Glühwein und Schneestapfen, Lebkuchen und eingefrorene Finger. Familie, Freunde, Heiligabend. Mit viel Glück ging es dann am ersten Weihnachtsfeiertag über Frankfurt zurück.

Das Wetter hier ist zwar etwas besser, anstelle von Schnee zieht ein arktischer Sturm nach dem anderen über den Bundesstaat. In höheren Lagen schneit es, hier im Flachland und an der Küste regnet es vor allem. Die Ostküste jedoch ist lahmgelegt, versinkt im Schnee. Sogar im Süden flockt es vom Himmel. Atlanta hat das erste mal seit weit über 125 Jahren weiße Weihnachten erlebt. Das Wetter spielt verrückt, und auch die Kapriolen in der Politik können mit Petrus‘ Jahreswendenspielereien nicht erklärt werden.

Präsident Obama hofft nach einem verbockten Jahr auf 2011 und darauf, dass er ab Januar auch noch was mit dem neuen, republikanisch dominierten Kongress machen kann. Die Chancen für ihn stehen nicht gut. Schon jetzt blasen die Konservativen zum Sturm aufs Weisse Haus, die GOP Front wird geeint gegen den Amtsinhaber vorgehen. „Yes we can“ ist nun ihr Motto. „He can not“, er darf keinen Fuß mehr vor den Wahlen 2012 auf den Boden bekommen.

Und in Kalifornien tritt ein alter Hase die Nachfolge von Arnold Schwarzenegger an. Jerry Brown war schon mal Gouverneur. Das war in den 70ern, als es noch nicht einmal ein Faxgerät gab. Nun also will er es noch einmal wissen. Allein schon seine Kandidatur machte deutlich, dass es im „Golden State“ nicht gut um die demokratische Partei steht. Brown sieht sich als Reformer. Doch nach der Wahl wurde ihm wohl erst so richtig klar, auf was er sich da eingelassen hat. Von drastischen Kürzungen und Einsparungen, vom Gürtel enger schnallen bis zur Durststrecke wird alles genannt. Man fragt sich als kalifornischer Steuerzahler, was man eigentlich überhaupt noch vom Staat erwarten kann.

In Oakland wird weiter geballert, ein Mord nach dem anderen. Die neue Bürgermeisterin Jean Quan will damit endlich Schluss machen und hat die Idee mit einem Freiwilligenheer die bösen Buben auf der Straße zur Vernunft zu bringen. Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht.

Und da spielten auch noch Rammstein in New York. Natürlich bekam ich von allen Seiten Mails, wie es beim ausverkauften Konzert im Madison Square Garden war. Diesmal waren sogar deutsche Journalisten vor Ort, die sich aber erneut nicht zu blöd waren Beiträge über Band und Fans abzuliefern, die so ganz am Thema vorbeiliefen. Man suchte gezielt nach schillernden Fans, anstelle sich einmal richtig mit dem Thema Rammstein in den USA zu beschäftigen. Skandal und Schock, dämliche Fans und Gekreisch verkaufen sich einfach besser als Bilder von Klassenzimmern und Hörsälen, in denen Rammsteintexte behandelt werden, um so einen Startpunkt für eine schwierige Sprache zu liefern. Ich lehne mich nun einfach mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte nach über 14 Jahren in den USA, dass die Berliner Schwermetaller weitaus mehr für die deutsche Sprache und die deutsche Kulturvermittlung in Amerika getan haben, als so manches sündhaft teure Sprach- und Kulturkonzept, das in Behörden- und Institutsstuben von Geisteswissenschaftlern ausgedacht wurde. Anstatt gemeinsame Sache zu machen, grenzte man sich lieber ab.

Schade, Chance verpasst. Lachen wir lieber über junge Amerikaner, die von weither zu einem Konzert reisen, um eine deutsche Band zu sehen. Die nach Hause fahren, dort auch andere deutsche Bands im Plattenschrank stehen oder auf dem ipod gespeichert haben. Die sich deutsche Filme anschauen, begeistert von deutschen Produkten sind und die alles in allem einen durchaus positiven Eindruck von Deutschland bekommen haben. Was soll’s, mit der nächsten freien Tanzgruppe aus Bottrop-Fuhlenbrock kann man auf alle Fälle Jugendliche zwischen Neufundland und Südkalifornien erreichen. Ich seh‘ sie schon vor mir, wie ihre Leiber im Rhythmus mitschwingen….

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