1981 – San Francisco am Puls der Zeit

Ein altes Video, eine Nachrichtensendung auf einem lokalen Sender aus dem Jahr 1981. Sieht witzig aus und auch was die machen, scheint von vorgestern zu sein. Per Telefon werden Daten übermittelt, in diesem Fall die Artikel einer Zeitung. Zwei Stunden dauerte der Download am roten Telefon „ohne Bilder, ohne Werbung, ohne Comics“. Und doch, schon damals spürte man, dass sich der Zeitungsmarkt verändert und verändern wird.

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Seltsames aus Amerika

Die Jahreswende bringt es mit sich. Es gibt Rückblicke aller Art. Im San Francisco Chronicle wurden nun mal so einige seltsame Nachrichten aus der Reisewelt zusammen gefasst. Hier ein paar Meldungen aus dem vergangenen Jahr.

Da ist der Schönheitschirurg aus Beverly Hills, der erklärte, er habe die wahre Form des Bio-Treibstoffs entdeckt. In seiner Praxis sauge er pfundweise das Fett übergewichtiger oder schlankheitsbesessener Zeitgenossen ab. Und das nutze er dann für seinen SUV. Das ganze wurde bekannt, als einige seiner Patienten die Idee der Fetteinspritzung im Motor des Arztes nicht so toll fanden und klagten. Ausgang noch ungewiss.

Auch schön ist die Meldung des Ehepaares aus Arizona, die Schritt für Schritt und Meile für Meile ihre Urlaubsfahrt nach Kansas City twitterten. So sollten Freunde und „Followers“ an ihrer schönen Reise durch den Südwesten teilhaben. Einziges Problem, einer der Twitter Freunde nutzte die genauen Nachrichten, um das Haus der Urlauber auszuräumen. Geklaut wurde professionelles Video Equipment im Wert von mehreren tausend Dollar. Also manchmal ist weniger durchaus mehr.

Douglas Jones hat eine dicke Klage am Hals. Er wurde von den Rangers im Joshua Tree National Park in Südkalifornien wegen Verschmutzung angezeigt. Jones hatte sage und schreibe 3000 Golfbälle aus seinem Auto geworfen. Seine Begründung für die Aktion: Jeder dieser Golfbälle stehe für einen verstorbenen Golfer. Golf war mir schon immer ein Rätsel.

Die Druckerschwärze schwindet

Die Nachricht ist katastrophal. Der San Francisco Chronicle, eine alteingesessene Zeitung, die auflagenstärkste in Nordkalifornien steht vor dem Aus. Die Besitzer, die Hearst Gruppe, haben nun dem Herausgeber unumwunden das Messer auf die Brust gesetzt. Entweder man setzt sich mit Arbeitnehmervertretungen an einen Tisch und spart oder die letzte Ausgabe werde gedruckt.

Der Grund ist klar. Alleine 2008 machte der Chronicle 50 Millionen Miese. In diesem Jahr wird sogar noch mit einem grösseren Loch in der Kasse gerechnet. Erst im Jahr 2000 kaufte die Hearst Gruppe, zu der 15 Tageszeitungen in den USA gehören, das Blatt. Kurz danach platzte die Blase der High Tech Industrie und damit gingen wichtige Werbeeinnahmen verloren. Hinzu kommt, dass das Abo für den Chronicle weit unter den Produktionskosten liegt. Derzeit zahlt man dafür 7,95 Dollar pro Woche, eigentlich müsste es für die sieben Ausgaben doppelt so hoch sein.

Hearst meint es ernst mit der Drohung. Bereits im Januar wurde angekündigt, falls sich bis März kein Käufer für den Seattle Post-Intelligencer finde, werde das Blatt eingestampft. Bislang blieb die Suche vergebens. Der amerikanische Zeitungsmarkt wird derzeit in seinen Grundfesten durchgeschüttelt und man geht davon aus, dass am Ende nur wenige „Daily Newspapers“ übrigbleiben. Weniger Leser und schwindende Werbeeinnahmen führen zu Kosteneinsparungen, die sich wiederum in aufgekündigten Abos bemerkbar machen, die dann zu weniger Anzeigen führen, ein Teufelskreis, der weitreichend ist. Und nicht nur das. Zum Chronicle Unternehmen gehört auch die Webseite sfgate.com, eine der erfolgreichsten Nachrichtenseiten in den USA. Doch diese speist sich aus den redaktionellen Beiträgen der rund 275 Mitarbeiter des San Francisco Chronicle. Mit den Kürzungen und dem eventuellen Aus bei der Zeitung wäre auch der Erfolg online in Frage gestellt.

Hillary, McCain und der Schuhkauf in San Francisco

Barack Obama hat Joe Biden als VP (Vice Presidential Candidate) gewählt. Vieles spricht für den Senator aus Delaware, aber im demokratischen Lager sind nicht alle mit dieser Wahl zufrieden. Vor allem zahlreiche Hillary Clinton Unterstützer hatten bis zuletzt gehofft, dass Obama doch noch die frühere First Lady kürt…

Und genau darauf setzt nun auch John McCain, der mit einem Wahlspot diese Hardcore Hillary Anhänger gewinnen, oder sie zumindest nicht für Obama wählen lassen will.

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Ab heute beginnt in Denver der Parteitag der Demokraten…na ja, Parteitag ist gut, viel debattiert wird dabei nicht. Vielmehr ist es ein reines Schaulaufen von C, B und schliesslich A Promis in den demokratischen Parteireihen, bis am Donnerstag dann Barack Obama ganz offiziell zum Kandidaten seiner Partei gekrönt wird. Das ganze wird perfekt inszeniert sein, Hollywood lässt grüssen.

Die Republikaner haben schon jetzt angekündigt, dass sie in der kommenden Woche nicht einfach hintenan stehen wollen, sondern sicherlich mit einigen Dingen die Nachrichten bestimmen werden. Man kann gespannt sein…und dann ist da auch noch John McCain, der seinen VP präsentieren muss.

Und noch was ganz anderes, mehr lokales aus San Francisco. Der Spiegel Artikel in der letzten Woche über Bundestagsabgeordnete, die sich hier unter aller Kanone aufgeführt haben und mehr auf Shopping als auf Information aus waren, zieht immer grössere Kreise. Das Thema wurde nicht nur zwischen San Francisco und Berlin heiss diskutiert, sondern erreichte auch diplomatische und politische Kreise in Peking (!) am Rande der Olympischen Spiele. Und nun hat auch noch die grösste Tageszeitung Nordkaliforniens, der San Francisco Chronicle, die Story aufgegrifffen. Der Chronicle bezieht sich in seinem Artikel in der Sonntagsausgabe auf einen Bericht des britischen Guardian…. In beiden Blättern wird der „Schuhkauf“ und das gefallene „N-Wort“ erwähnt. Diese Gruppe von deutschen Parlamentariern hat dem Ansehen Deutschlands im Ausland wirklich einen Bärendienst erwiesen…wohlgemerkt diese Gruppe! Andere Abgeordnete schütteln über so viel Dummdreistigkeit nur noch den Kopf.