„American Nightmare“

Was passiert mit Detroit? Einst galt die Automobilstadt als das Paris des Westens. Es schnurrte in der Stadt, in Detroit lebte man den „American Dream“. Doch das ist lange her. Die Stadt ist bankrott, darbt nur noch vor sich hin. Seit der Hochzeit des Automobilbooms hat Detroit weit über eine Million Bewohner verloren. 1950 lebten mehr als 1,8 Millionen Menschen in „Motor City“, heute sind es noch nicht einmal 700.000. Die, die es sich leisten konnten, zogen in die Vorstädte oder ganz weg. Steuereinnahmen blieben aus, Detroit gab jedes Jahr über 100 Millionen Dollar mehr aus, als in der Kasse waren. Verpflichtungen, Rentenansprüche, verblendete Ideen von Lokalpolitikern rissen immer größere Löcher in den Haushalt

Und das läpperte sich zusammen. Der Schuldenberg wuchs auf über 17 Milliarden Dollar an. Nun wurde vom Gouverneur und seinem Sonderbeauftragten die Bremse gezogen, die Bankrotterklärung von offizieller Stelle unterzeichnet. Was nun kommt ist fraglich. Was nicht kommen wird ist wohl eine staatliche Hilfe, wie sie noch vor ein paar Jahren den Automobilkonzernen von Detroit das Leben gerettet hat. Damals stimmte Präsident George W. Bush einem Deal mit den Automobilgiganten zu. Rund 25 Milliarden Dollar wurden zur Rettung der Industrie bereit gestellt und von seinem Nachfolger Präsident Barack Obama ausbezahlt.

Nun ist Detroit am Ende. Die Stadt verslumt, verelendet, geht vor die Hunde. Auf einen Zahltag aus Washington wird man jedoch lange warten können, denn die republikanische Mehrheit im Kongress verweigert sich einem Deal. Einer der Gründe ist ganz banal, Detroit war schon immer eine Stadt in den Händen der Demokraten. Die Republikaner mahnen mit erhobenem Finger, schaut her, das passiert, wenn man das Geld zum Fenster rausschmeißt. Die Leidtragenden dieses Politspektakels sind die noch verbliebenen Bürger der Stadt. Wie die Rentner, die jahrzehntelang für die Kommune gearbeitet haben. Polizisten, Feuerwehrleute, Sekretärinnen, Straßenreinigungspersonal, Gärtner…. Deren Pension ist nun nur noch zehn Prozent des eigentlichen Betrages wert, d.h. für jeden Dollar, den sie eigentlich bekommen müssten, werden ihnen nur noch 10 Cent oder weniger ausgezahlt. Ein Skandal, der im Amerika von heute einfach untergeht. Der „American Dream“ wird zum amerikanischen Alptraum.

 

Sandy ist Demokratin

Mitt Romney würde ja gerne, aber irgendwie hört ihm gerade keiner so richtig zu. Amerika blickt auf die Ostküste, auf den Schaden, den eine stürmische Sandy angerichtet hat. Präsident Barack Obama macht seinen Job, koordiniert Not- und Soforthilfe, organisiert die Bundesbehörden und wirkt dabei ganz präsidial. Sogar politische Gegner, wie der lautstarke republikanische Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, preisen den Präsidenten für dessen Krisenmanagement. Christie, der Romney im Wahlkampf unterstützt, erklärte in mehreren Interviews, wie er noch spät nachts mit Obama am Telefon war, um über die Situation zu sprechen. Besser könnte es für den Wahlkämpfer Obama nicht laufen. Seit Samstag hat er sich mit offiziellen Veranstaltungen zurück gehalten, dafür traten Bill Clinton und Joe Biden auf und beackerten die Swing-States.

Sowieso hat sich Mitt Romneys jüngster Rückenwind in ein laues Lüftchen gewandelt. Sein neuester Flop ist ein Werbespot über die amerikanische Autoindustrie (siehe unten). Darin heißt es, Romney habe weitaus mehr für sie getan, als Barack Obama. Chrysler sei von Obama in den Bankrott geführt und danach an den italienischen Autobauer Fiat verkauft worden. Und der würde nun in China die neuen Jeeps bauen lassen. Obama habe also zur Auslagerung von Jobs beigetragen. Starker Tobak, der allerdings so nicht stimmt. Sowohl das Weiße Haus, wie auch die Führungsebene von Chrysler widersprechen diesen Anschuldigungen. Tatsache ist, Chrysler wird eine Produktionsstätte für Jeep in China bauen, allerdins sind das Wagen, die ausschließlich für den chinesischen Markt bestimmt sind. Chrysler erklärte weiter, dem Unternehmen gehe es wieder gut und man habe sogar mehr Jobs in den USA geschaffen als noch vor kurzem geplant.

Romney verbreitet dennoch weiter seine Lügengeschichte und versucht sich in den Swing-States als ernstzunehmender „Commander in Chief“ zu präsentieren. Obama hingegen hat derzeit leichtes Spiel, sich mit der stürmischen Sandy als der richtige Mann auf dem Chefsessel zu präsentieren.

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Aus die Maus für den Hummer

Die Ankündigung hätte zu keinem passenderen Zeitpunkt kommen können. Die amerikanische Automobilindustrie demontiert sich derzeit selbst, schliesst Fabriken, streicht ganze Modelle und Marken und versucht sich durch das Abstossen tausender von Händler-Showrooms gesund zu schrumpfen. Wieviele Arbeitsplätze dabei verloren gehen werden, ist noch gar nicht absehbar.

Doch in diesen düsteren Zeiten für GM, Chrysler und Ford kommt der Präsident und verkündet das umweltpolitisch sinnvolle Ziel, den Ausstoss von Autoabgasen drastisch zu senken. Ziel ist es bis 2016 den Verbrauch pro Gallone auf 35 Meilen, also 56 Kilometer pro 3,78 Liter vorzuschreiben. Damit schlägt sich Obama auf die Seite von Arnold Schwarzenegger und Kalifornien, die das schon seit langem fordern und dafür von der (amerikanischen) Automobilindustrie hart angegangen wurden. Ein Affront für die „Gas Guzzlers“ aus Detroit, die bislang mehr auf PS-Power und Bequemlichkeit setzten, als die Zeichen der Zeit und die Ansätze aus Europa und Asien zu erkennen.

Barack Obama hat mit seinen Plänen ein neues Feuer unter den schon brennenden Arsch der US Car-Manager gelegt. Nicht nur müssen sie sich jetzt gesund schrumpfen sondern sich auch noch Gedanken machen, wie man bessere, wettbewerbsfähige, umweltfreundlichere und zukunftsorientierte Modelle produzieren kann.

Aus die Maus für den Monstertruck Hummer, der noch nicht mal als Hybrid diese Zahlen liefern kann.

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Das Ende einer Legende

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Nach 83 Jahren ist Schluss. Die einst legendäre Automarke Pontiac ist reif für den Schrottplatz. GTO, Firebird oder Trans-Am, das sind Modelle aus längst vergangenen Tagen. Die ruhmreichen Jahre der amerikanischen Automobilindustrie sind lange vorbei. Nun krebsen GM, Chrysler und Ford nur noch herum und versuchen sich auf Druck der Obama-Regierung gesund zu schrumpfen. General Motors, der einst grösste Autokonzern der Welt, stösst alles ab, was nichts mehr einbringt. „Saturn“ und „Hummer“ Fabriken werden geschlossen, falls sich keine Käufer finden sollten und nun ist auch Pontiac dran.

Es geht um das Überleben einer ganzen Branche, ja, ganzer Landstriche in den USA. Da zählen keine Gefühlsduselei und nette Jugenderinnerungen in aufgedrehten PS-Karossen. Es geht nur noch um Zahlen. Und die brachte die Marke Pontiac schon lange nicht mehr. In den 60ern und 70ern war Pontiac noch was, konkurrierte mit dem Ford Modell „Mustang“ und sogar mit Porsche. Doch das ist Vergangenheit. Nun wird die Firma von GM abgewickelt. Was bleibt sind ein paar nette Werbespots aus besseren Tagen.

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