558 Tote durch Polizeikugeln…so far!

Ein erneuter Fall. Wieder ein toter Afro-Amerikaner. Diesmal wurde ein unbewaffneter Schwarzer von einem weißen Campus Polizisten in Cincinnati erschossen. Wegen einer Lapalie, einem fehlenden vorderen Kennzeichen. Doch diesmal klagt der lokale Staatsanwalt auf Mord. Und erneut gibt es eine Diskussion, wie rassistisch die amerikanischen Polizeieinheiten sind.

Foto: AFP

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Die Statistiken zeigen ein klares Bild. 558 Menschen wurden in diesem Jahr (!) durch Polizeikugeln in den USA getötet. 534 Männer und 24 Frauen. Davon waren 468 mit einer „deadly weapon“ bewaffnet, 57 waren unbewaffnet. Von all den Getöteten waren 274 Weiße, 140 Schwarze, 86 Hispanics und 20 „Andere“. Man kann diese Statistik nun lesen wie man will, auslegen wie man will, analysieren wie man will. Eines steht fest, Afro-Amerikaner sind im Bezug auf die Gesamtbevölkerung häufiger betroffen, als Weiße. Aber das sind sie auch im Strafvollzug, bei Schulabgängern, bei Obdachlosen.

Diese Statistik der tödlichen Schüsse durch Polizisten belegt eigentlich nur eines. Und zwar, dass Amerika ein grundlegendes Problem hat. Es gibt eine Schieflage in der Gesellschaft, die auch 50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung noch nicht behoben ist. Und seien wir mal ehrlich, wohl auch nicht zu beheben sein wird, gewollt oder ungewollt. Die Mär vom „American Dream“, vom Hocharbeiten, vom Tellerwäscher zum Millionär ist so gegenwärtig und so falsch wie seit langem nicht mehr. Das wird in diesen Tagen, Wochen und Monaten offensichtlich. Das steht hinter diesen trockenen Statistikzahlen.

Es ist allerdings kein Schwarz-Weiß Bild, das man hier ansetzen kann, also hier die schwarzen Opfer, dort die weißen Täter. Wer so denkt, kommt zwar zu einem Ergebnis, doch zu keiner Lösung. Allerdings will man in den USA auch keine ernstzunehmenden Lösungsvorschläge, das zeigt die Debatte um Waffenbesitz und – gewalt nur zu gut. Selbst der gegenwärtige Wahlkampf macht deutlich, dass es um eine inhaltliche Diskussion schon lange nicht mehr geht. Tödliche Statistiken hin oder her. Es ist eine platte Phrasendrescherei, die am Ende zu nichts führen wird.