Liar, liar pants on fire!

2. November, ein Freitagmorgen. Präsident Donald Trump hat nachweislich seit seiner Amtsübernahme im Januar 2017 6,420 mal die Unwahrheit gesagt, Falschaussagen verbreitet, bewusst gelogen. Zurückgenommen hat er nichts. Diese 6420 Lügen kursieren daher weiter unkommentiert und unkorrigiert durch die sozialen Medien und das Internet.

Der moderne Baron von Münchhausen aus dem Weißen Haus. Foto: Reuters.

Nun haut Trump wetiere Lügen raus, und das direkt in der heißen Schlußphase des Wahlkampfs. Es geht um die Staatsbürgerschaft. In der Verfassung steht, dass jeder, der in den USA oder auf amerikanischem Territorium geboren wird, automatisch amerikanischer Staatsbürger ist. Doch Trump wettert nun gegen die sogenannten „Anchor Babies“, jene Kinder, die von illegalen Einwanderern hier zur Welt gebracht werden und somit von Geburt an US Bürger werden. Damit solle Schluß sein, poltert der Präsident. Doch damit begibt sich Trump auf ein sehr dünnes Eis, sprich einen offenen Rassismus. Denn was er hier unterstellt ist, dass die einen mehr wert für die amerikanische Gesellschaft sind, als die anderen. In der US Verfassung wird da kein Unterschied gemacht, doch Trump geht es vor allem um sein Horrorszenario von den marschierenden Menschen aus Guatemala, Honduras, El Salvador und aus Mexiko. Er fragt ganz offen, wie kann ein solches Kind von Eltern, die illegal ins Land kamen, gleichwertig sein zu einem von weißen US Staatsbürgern geborenen Baby. José ist eben nicht gleich John.

Und dann auch seine nicht zu belegende Behauptung, dass diese Babies dem Staat und der Allgemeinheit Milliarden Dollar kosten würden. Wie er auf diese Milchmädchenrechnung kommt, das verschweigt er, denn eingerechnet wird nicht, welche Leistungen der neue Staatsbürger in Zukunft für den Staat und die Gesellschaft erbringen wird. Donald Trump spielt vor dem Wahltag am Dienstag erneut mit falschen Behauptungen, mit Ängsten und das alles mit einem rassistischen Unterton. Man kann nur hoffen, dass dieser Mann in wenigen Tagen ausgebremst wird, wenn nicht dann drohen den USA zwei weitere, schlimme Jahre. Denn klar ist, die Republikaner im Kongress sind nicht in der Lage oder nicht Willens diesen Präsidenten in seine Schranken zu weisen. Trump hat schon unzählige von roten Linien in der Gesellschaft übertreten und wurde dafür von seiner eigenen Partei nicht zur Verantwortung gezogen. Das ist ein wahrlich gefährliches und folgenschweres Spiel der Republikaner.

„An der Ostküste ist der Atlantik“

Heute hatte ich meinen Einbürgerungstest. Downtown San Francisco, 10:45 am Morgen. Erstmal ging es durch einen Metalldetektor, dann zur Anmeldung. Dort wurden gleich mal wieder Fingerabdrücke abgenommen und ein nettes Foto von mir gemacht. Die Dame am Auslöser meinte „it’s a good one“. Na, da bin ich beruhigt.

Anschließend ging es in den zweiten Stock. Kurz warten, dann holte mich eine junge Beamtin im Warteraum ab. Wir plauschten kurz. Auf Englisch. In ihrem Büro wurde ich zuerst vereidigt, ja, ich werde hier die Wahrheit sagen, danach zeigte ich ihr meinen kalifornischen Führerschein, um mich auszuweisen, meinen deutschen Pass, den sie interessiert durchblätterte. Visa von Afghanistan, Kongo, Burundi und allerhand Stempel…ich dachte, da müsste doch eine Frage kommen, aber nichts. Nun ging es an meine Englischkenntnisse, die zuallererst getestet wurden. Ich mußte einen Satz vorlesen „What color is the American flag?“. Und dann die Antwort aufschreiben, die mir die nette Beamtin vorsagte: „The American flag ist red, white and blue“. Das schaffte ich. Ohne Probleme. Sprachtest bestanden.

Danach ging es zum Wissenstest. Vor ein paar Wochen wurde ich zum Fingerabdrucknehmen und Fotografieren vorgeladen, da erhielt ich auch ein Heft „Learn about the Unitet States“. 100 Fragen aus Geschichte, Geographie und Politik. Dazu die Antworten. Und aus diesem Fragenkatalog wählte die Beamtin 10 Fragen aus. Sieben mußten richtig beantwortet werden.

– „What is freedom of religion?“ – You can practic any religion, or not practice ?

– „What ocean is on the East Coast of the United States?“ – The Atlantic ?

– „Name one state that borders Canada?“ – North Dakota ?

– „How many U.S. Senators are there?“ – 100 ?

– „When must all men register for the Selective Service?“ – Age 18 ?

– „When was the Constitution written?“ – 1787 ?

– „What is the capital of the United States?“ – Washington, D.C. ?

Sieben richtige Antworten. Das war es. „Congratulations, you passed the test“.

Nun gingen wir nochmals alle Papiere durch. Nochmal mußte ich beantworten, dass ich weder hier bin, um den Präsidenten zu stürzen, noch dass ich jemals Terroristen unterstützt habe.

„That’s all“….in ein paar Wochen muß ich nun noch in einer Veranstaltung mit rund 1300 Neubürgern einen Schwur ablegen, dann bin ich amtlich Amerikaner.

Und ich bleibe Deutscher. Eine Frage stellte ich mir allerdings immer wieder während dieses ganzen Prozedere, warum ist sowas nicht in Deutschland möglich? Warum erlaubt mir der deutsche Staat meine Staatsbürgerschaft zu behalten und eine andere anzunehmen , wenn ich glaubwürdig nachweisen kann, dass ich noch enge Kontakte und Verbindungen nach Deutschland habe? Die doppelte Staatsbürgerschaft ist in meinem Fall möglich. Warum wird dieses Recht nicht den vielen „ausländischen Mitbürgern“ in Deutschland zuerkannt, die noch enge Kontakte und Verbindungen in ihr Herkunftsland oder das Land ihrer Eltern haben? Muss ich das verstehen, kann ich das verstehen? Nein, das verstehe ich nicht!