Juarez und die gute Meldung

Zu Anfang die gute Nachricht. Die Mordrate in Juarez ist in diesem Jahr drastisch gefallen. Bislang sind „nur“ rund 2000 Morde zu verzeichnen. 2010 kamen insgesamt 3111 Menschen in der mexikanischen Grenzstadt durch Gewaltverbrechen zu Tode. Doch so richtig feiern will in Juarez niemand. Nach wie vor ist die Nachbarstadt El Pasos im Griff der Drogenkartelle und brutalen Gangs, die sich seit vier Jahren einen Straßenkrieg liefern, bei dem die Polizei, das Militär und die Behörden zumeist nur reagieren können.

Immer mehr Menschen wandern ab, Fabriken werden geschlossen, die lokale Wirtschaft leidet und nun ist eine weitere Branche hart getroffen worden. Die Bestattungsunternehmer beklagen das schlechte Geschäft in den letzten Monaten. Kein Witz! Sie spürten die niedrigere Mordrate in der eigenen Kasse, so die Totengräber, die vor den Büros der Ermittlungsbehörden auf betroffene Familien warten. „Es gab Tage, da hatten wir 12-15 Bestattungen pro Tag“, meint einer der Leidtragenden. „Nun haben wir nur noch eine bis zwei pro Woche“. Er und seine Kollegen erkennen zwar, dass die Gewalt ein Problem für Ciudad Juarez ist, doch am Ende zählt für sie nur das monatliche Einkommen. Er müsse schließlich eine Familie ernähren, betont ein anderer.

Obwohl die Mordrate zum Vorjahr gesunken ist, sie liegt noch immer höher als 2008, dem Jahr, in dem die Drogenkartelle am Rad drehten und Juarez zum Schlachtfeld erklärten.

 

 

Blutbad „Made in USA“

Anschlagsort Mexiko2010 wurden allein in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juarez 3111 Menschen umgebracht. Doch in Mexiko gibt es nur einen Waffenladen und der ist in Mexiko City. Man kann auch nicht einfach so dorthin fahren und eine Knarre kaufen, denn der Laden ist auf dem Gelände einer Militärkaserne. Ohne Ausweis, gutem Leumund, Fingerabdruck und Photo geht gar nichts. Und dann kann man auch nur eine kleinkalibrige Handfeuerwaffe zum persönlichen Schutz erwerben.

Mexiko hat mit die strengsten Waffenkontrollgesetze der Welt. Wer eine Schußwaffe erwerben will, muss genaue Gründe angeben. Mit der Lizenz für ein Schießeisen bekommt man keinen Freischein zum Transport der Knarre. Dafür braucht man dann wieder eine andere Lizenz. Mexiko ist allerdings voller Waffen, und die kommen aus den USA. Im nördlichen Nachbarland werden pro Jahr rund 14 Millionen Schußwaffen von rund 6600 offiziellen Händlern verkauft. Der Waffenschmuggel nach Mexiko ist zu einem lukrativen Geschäft geworden. Amerika verdient am Blutbad in Mexiko.