Back to Juarez

Am Dienstag geht es wieder nach Ciudad Juarez, der mexikanischen Grenzstadt zu El Paso. Hunderte von Frauen wurden dort seit den 90er Jahren entführt, ermordet, verschwanden einfach spurlos von der Bildfläche. Ein Thema, das aufgrund des andauernden Drogenkrieges mit alleine 3111 Morden im vergangenen Jahr nahezu in den Hintergrund geraten ist, doch nicht vergessen werden sollte. An dieser Stelle und in der Printausgabe der NZ werden Sie schon bald mehr darüber lesen können.

Besuch in Ciudad Juarez     

3000 Tote in Juarez

Ciudad JuarezAm Dienstag wurden in Ciudad Juarez, der Grenzstadt zu El Paso, Texas, zwei weitere Männer auf offener Straße erschossen. Damit stieg die Mordrate in diesem Jahr auf 3000, so hoch wie noch nie.

Juarez ist die derzeit gefährlichste Stadt der Welt. Der seit Anfang 2008 schwelende Drogenkartellkrieg in Mexiko, hat alleine hier mindestens 7386 Menschenleben gefordert.

2008 starben 1623 Menschen, 2009 2763 und dieses Jahr ist mit 3000 Toten noch nicht zu Ende. Nichts deutet derzeit darauf hin, dass die verheerende Situation in Juarez unter Kontrolle zu bringen ist

Das Morden geht weiter

Ciudad Juarez kommt nicht zur Ruhe. Allein am Samstag wurden 18 Menschen im Stadtgebiet umgebracht. Der Krieg von Drogenkartellen und -Banden ist einfach nicht stoppen. Ciuadad JuarezSeit fast drei Jahren bekämpfen sie sich in der Grenzstadt zu El Paso und die Regierung, die Polizei und das Militär schauen hilflos zu. Sie versuchen zwar die Situation unter Kontrolle zu bekommen, verhaften hier und da einen „Kingpin“, einen der Drogenbosse, doch das hat bislang zu nichts geführt. Es scheint, als ob sich die Lage von Monat zu Monat nur noch verschlimmert. Seit Beginn des Kartellkrieges vor drei Jahren sind rund 7000 Menschen in Ciudad Juarez ermordet worden.

In Ciudad Juarez herrscht die Anarchie. Zwar wurde erst kürzlich ein neuer Bürgermeister ins Amt gewählt, doch die Aussichten für ihn sind mehr als düster. Die Bürger der Stadt, die die noch nicht weggezogen sind und bleiben müssen, trauen sich nicht mehr aus dem Haus. Restaurants und Bars sind verwaist. Juarez ist zu einem Vorhof der Hölle geworden.

Tod und Anarchie in Juarez

Ciudad JuarezÜber die Situation im nordmexikanischen Ciudad Juarez wird in diesen Tagen viel berichtet. Ein erneutes Massaker an Jugendlichen geht durch die Nachrichten…

Vor einigen Monaten besuchte ich die Grenzstadt zu El Paso. Als ich dort war, wurden täglich „nur“ zehn Menschen ermordet. Mittlerweile ist die Situation erneut außer Kontrolle geraten. 20-30 Menschen werden in Juarez täglich Opfer von Gewaltverbrechen…..und ein Ende ist nicht in Sicht.

Zum Nachhören hier das SWR/DRS-Feature. Reise in eine Stadt, die im Chaos versinkt:

Besuch in Ciudad Juarez     

Der Tod in Juarez

Dieser Monat ist der bislang tödlichste in Ciudad Juarez, seitdem der offene Straßenkrieg zweier Drogenkartelle im Januar 2008 begann. Rund 200 Menschen starben bereits im Juni, 60 alleine in der letzten Woche. Die Gewaltspirale dreht sich immer schneller.

juarezIm Januar war ich in Juarez, konnte mich einigermassen frei und alleine in der Stadt bewegen. Doch nun soll auch das nicht mehr möglich sein. Immer öfters und immer brutaler finden die Schiessereien zwischen den Drogengangs nun auch auf offener Strasse im Downtown Bereich von Juarez  statt. Und der liegt gleich hinter der Santa Fe Bridge, die El Paso mit Juarez verbindet.

Juarez ist wie Tijuana ein Knotenpunkt für den Drogenhandel in die USA. Die Nachbarstadt von El Paso gilt als das „Goldene Dreieck“. Wer es kontrolliert, kontrolliert den Fluss der Drogen in die Vereinigten Staaten von Amerika, ein Hunderte von Millionen Dollar lukratives Geschäft. Im NZ Interview meinte der Bürgermeister von Juarez, José Reyes Ferriz, dass die Situation noch eskalieren wird, bevor sie sich bessert. Man sei jedoch auf dem richtigen Weg. Doch bislang ist auch nur der Ansatz einer Besserung in Juarez nicht erkennbar. Polizei und Militär sind präsent auf den Straßen der Stadt, doch das hat bislang wenig zur Befriedung beigetragen. Ganz im Gegenteil. Wurden im Januar noch zehn Morde pro Tag notiert, sind es jetzt schon nahezu doppelt so viele. Juarez versinkt in einem Blutbad

Ein Sonntag in Juarez

50 Cent kostet der „Eintritt“. Den zahlt man an der Brücke, die El Paso mit Juarez verbindet. Kaum drüben steht schon der erste Soldat mit Maschinengewehr vor einem und schaut einen etwas grimmig an. Es geht die belebte Strasse entlang Richtung Downtown. Musik dringt aus einigen Läden, doch viele Ladenflächen und Restaurants sind verlassen, zugenagelt, alles andere als besenrein hinterlassen. Eine Folge des Drogenkrieges auf den Strassen von Juarez. juarez

Doch im Zentrum der Stadt angekommen erinnert so gut wie gar nichts daran, dass es in diesem Jahr schon 90 Morde gegeben hat, 18 alleine am Freitag, über 30 an diesem Wochenende. Und nicht nur das, einige der Leichen wurden zerstückelt aufgefunden. Die Brutalität kennt hier keine Grenzen. Downtown Juarez erscheint an diesem Sonntag wie eine ganz normale Stadt. Lautes Geplärre aus den Shops, Strassenhändler, die allerlei feil bieten. Die Menschen strömen zur Kathedrale, dem Mittelpunkt der Stadt.

Ich bin mit Carlos unterwegs, einem 47jährigen, der in El Paso wohnt, aber in Juarez aufgewachsen ist. Mit ihm schlendere ich durch die Gegend. Er hat, so sagt er, keine Angst, wir gehen von den Hauptstrassen ab in Nebenstrassen. Carlos erzählt und berichet, weist mich auf dieses hin, zeigt auf jenes. Auf was ich achten soll, wenn ich morgen alleine unterwegs bin, frage ich. Na ja, meint Carlos, wohl nicht in Nebenstrassen gehen, ich habe auch keine Ahnung wo wir gerade sind, meint er, lacht und wir gehen weiter.

Juarez ist eine beeindruckende Stadt. Es ist nicht der Kriegsschauplatz, den man sich aufgrund der Nachrichten vorstellt. Es gibt ein „normales“ Leben in dieser Stadt. Und das lerne ich an diesem Nachmittag auch kennen. Wir essen gut, trinken Kaffee, unterhalten uns….und doch kommt das Gespräch immer wieder auf das eine Thema zurück. Später treffen wir Julian, einen freien Journalisten, der in Juarez lebt. Er zeigt uns die vernachlässigten Gegenden. An einer Militärkontrolle werden wir von schwerbewaffneten Soldaten angehalten, müssen aussteigen, das Auto wird durchsucht, die Ausweise kontrolliert. Sogar in meine Tasche mit meinem Equipment wird geschaut. Was wir hier machen? Nichts weiter, wir sind Journalisten. Mit einem Nicken dürfen wir weiterfahren. Auch das ist Alltag in Juarez.

YouTube Preview Image

Wohin geht die Reise?

Nach wochenlangen Vorbereitungen geht es morgen los. Ciudad Juarez in Mexiko ist das Ziel. Die Grenzstadt zu El Paso, Texas. Die derzeit gefährlichste Stadt der Welt. Letztes Jahr wurden über 2600 Menschen dort umgebracht, in diesem Jahr ist die Statistik schon auf 50 Morde geklettert. Die 1,5 Millionen Metropole im Norden des Landes gleicht nach 21 Uhr einer Geisterstadt, schilderte mir ein lokaler Reporter am Telefon. Es ist unglaublich, denn nur eine Brücke über den Rio Bravo trennt Juarez von El Paso, der zweitsichersten Stadt in den USA. Hier sinkende Verbrechenszahlen, dort ein offener, brutaler und nicht zu kontrollierender Krieg zweier Drogenkartelle.

JuarezIch bin gespannt, was ich dort sehen werde, was mich erwartet. Es geht mir nicht darum, einen weiteren Beitrag über die Schrecken und den Horror in der Stadt zu zeichnen. Ich möchte sehen, ob und wie ein Leben in Juarez möglich ist, trotz dieser Umstände. Ist es überhaupt möglich, wenn es heisst, die irakische Haupstadt Bagdad oder die afghanische Haupstadt Kabul wären sicherer als Juarez? Es gibt einige beeindruckende und erschütternde Fakten über den Alltag in Juarez. In Mexiko gibt es nur einen legalen Waffenladen, und der ist in Mexico City. Doch die Kartelle sind bis zu den Zähnen bewaffnet. Die Waffen kommen aus den USA, wo einige Leute sehr, sehr gut mit dem Strassenkrieg in Juarez verdienen. Und die Kartelle, die sich um die Drogenrouten nach Norden bekämpfen, lassen den Krieg nicht nach El Paso rüber schwappen, denn sie wissen genau, dass das nur die amerikanischen Sicherheitsbehörden auf den Plan rufen würde. Es scheint also so, als ob Amerika nur dann reagieren würde, wenn die eigenen Interessen berührt werden, wenn die eigenen Bürger dran glauben müssten. Was ausserhalb der südlichen Grenze geschieht….tja, man beobachtet die Situation, heisst es von offiziellen Stellen. Und man zählt die Toten mit, die sich seit zwei Jahren in den Strassen von Juarez anhäufen.