Der Ton macht es aus

Letzte Woche malten die Republikaner in Cleveland den Teufel an die Wand. Nach all den Redebeiträgen hatte ich das Gefühl, ich muss langsam doch mal meine Haustüre abschließen, denn anscheinend warten da draußen bewaffnete Übeltäter und Terroristen, um mich abzuknallen. Wenn man den Republikanern und allen voran Donald Trump Glauben schenken möchte, dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann ich, unbewaffnet und naiv, zum Opfer werde. Krisen- und Kriegsgebiete habe ich überlebt, auch mehrere Aufenthalte im Drogenkartellsumpf von Ciudad Juarez, aber die USA scheinen die „Frontline“ im Krieg gegen alles und nichts zu sein. Und dann ist da Trump, der als starker Führer die Amerikaner vor ihrem Weltuntergang retten wird. Es wunderte mich schon, dass in der „Quicken Loans Arena“ nicht einige lautstark „Heil Donald“ riefen.

So ganz anders klingt es bei den Demokraten. Die hatten am Montag ersteinmal mit sich selbst zu kämpfen, denn nach dem Datenklau und den veröffentlichten Emails, in denen deutlich wurde, dass die Parteiführung sich schon frühzeitig auf Hillary Clinton festgelegt hatte, war erst einmal Rambazamba in Philadelphia angesagt. Die Bernie Sanders Anhänger protestierten lautstark und verlangten Konsequenzen. Und die Partei lieferte, u.a. damit, dass die Vorsitzende der Partei, Debbie Wasserman Schultz, mit sofortiger Wirkung ihren Job abgab. Das musste auch sein.

Und dann kam First Lady Michelle Obama auf die Bühne, danach Senatorin Elizabeth Warren und schließlich Bernie Sanders selbst. Es wurden innerparteiliche Brücken gebaut und Bernie zeigte seine wahre Größe in diesem Wahlkampf. Monatelang predigte er von der politischen Revolution, am Montagabend forderte er seine Unterstützer auf, Hillary Clinton zu wählen, denn der Gegner sei bei allen Kontroversen und unterschiedlichen Ansätzen nicht Clinton sondern Trump. Sanders führte auf, in welche Richtung sich die USA bewegen würden, wenn Trump ins Weiße Haus einziehen würde. Allein dieses Bild sollte viele davon überzeugen, dass im November mehr auf dem Spiel steht als nur ein gekränktes Ego. Und Bernie Sanders machte es vor. Nun ist es an der Partei selbst, die Reihen zu schließen und den Alptraum Donald Trump als Präsident zu beenden. Trump hat im Vorwahlkampf schon genügend Schaden angerichtet, nicht vorzustellen, was auf nationaler und internationaler Ebene passieren würde, wenn dieser Egomane im Oval Office Platz nimmt.

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The United States of Schlaraffenland

Friede, Freude, Eierkuchen, dazu Jobs, „Law and Order“ und Flächenbombardements. Amerika wird wieder „great“ gemacht. Nach vier Tagen Wahlparteitag der Republikaner erscheinen die USA als ein Land am Rande des Abgrunds und werden schon bald wieder als „God’s country“, als das gelobte Land auferstehen. All das verspricht er, der Heilsbringer, im weltlichen Leben Donald Trump genannt.

Donald Trump denkt groß. Foto: Reuters.

Donald Trump denkt groß. Foto: Reuters.

Vier Tage Jubelveranstaltung, Lobreden auf einen Mann, dem so einige glauben, das Land mit simplen Parolen und wütenden Brandreden wieder auf den bewährten Kurs zu bringen, der selbst so nie in den USA gefahren wurde. Kapitän Trump ist bereit für die Kaffeeausfahrt. Ein starker Führer für eine geschwächte Nation, so empfinden es manche. Die meisten der Republikaner jedoch sehen sich vor die Wahl gestellt Hillary Clinton oder Donald Trump. Sie schlucken lieber die Kröte mit Überkämmfrisur, als die verhasste Hillary zu wählen oder sie mit einer Nichtwahl indirekt zu unterstützen.

Was Donald Trump da am Donnerstagabend in Cleveland alles versprochen hat, wird selbst er im Falle einer Wahl nicht einhalten können. Trump malt da bunte Bilder des Schlaraffenlandes in die aufgeheizte Luft der „Quicken Loans Arena“. Es fehlten wirklich nur noch die Versprechungen von Schokoladenbrunnen, Limonadenbächen, Gummibärchen an den Bäumen. Er wolle der „Law and Order“-Präsident werden, mit ihm werde die Kriminalität ausgemerzt. Wie er das schaffen will, dazu schwieg er. Er werde der Jobs-Präsident werden, Firmen dazu anhalten wieder in den USA zu produzieren und Unternehmen, die im Ausland fertigen wollen, mit Strafzahlungen belegen. Kein Wort davon, dass Trump jahrelang die Fanartikel aus seinem Shop, seine Bücher, seine Spiele, all die Produkte mit „Trump“ darauf, in China produzieren ließ. Kein Wort davon, dass viele Amerikaner die produzierenden Jobs gar nicht mehr wollen, die der Milliardär in seinem dreistöckigen New Yorker Penthouse verspricht. Er werde die internationalen Verträge aufkündigen und neu verhandeln, Jubel im Saal, vielleicht auch deshalb, weil man gerade an die Märchenstunde mit Onkel Donald erinnert wird. NAFTA, NATO, UN, TTIP, Iran-Nuklear Deal, all das und mehr will Trump neu aushandeln und dabei amerikanische Führungsqualitäten beweisen. Er ist ja der „Deal Maker“. So, als ob sich Clinton, Bush, Obama in den letzten 25 Jahren da ganz einfach über den Tisch haben ziehen lassen. Ach ja, Donald Trump will ja auch noch die Mauer an der mexikanischen Grenze bauen lassen. Und klar, Mexiko zahlt dafür. Die ersten 100 Tage in der Trump-Adminstration werden „busy“ sein.

Es ist dieser „American Dream“, den Trump da derzeit ins amerikanische Bewußtsein hämmert. Wir sind die beste, die innovativste, die größte Nation der Welt. Wenn wir wollen, können wir alles, sogar den Terrorismus besiegen, ein Land ohne Kriminalität sein, der Weltwirtschaft die Nase zeigen, „America First“. Und dann ist da auch noch Gott auf unserer Seite, immerhin wurde er ja nach jedem Wortbeitrag angerufen. Da kann doch nun wahrlich nichts mehr schief gehen mit Trumps Plänen. Es sei denn, sein „American Dream“ würde dann doch zu einem „American Nightmare“ werden.

 

Die Partei der Angst

Wenn man sich so die Reden auf dem republikanischen Wahlparteitag anhört, dann steht es nicht gut um dieses Land. Raub, Mord, Vergewaltigung, Terror. Eigentlich müsste hinter jedem Busch ein böser Bube, Kerl oder höchstwahrscheinlich ein „radical, extreme Islamist“ warten, um mir am liebsten sofort und gleich die Kehle durchzuschneiden, mich mit einer vollautomatischen Knarre zu durchsieben und dazu noch „Allahu Akbar“ rufen. All die Reden auf dem Parteikonvent der Republikaner drehen sich um ein Land, in dem einen nur angst und bange sein kann.

Die Cleveland-Show des Donald Trump. Foto: Reuters.

Die Cleveland-Show des Donald Trump. Foto: Reuters.

Mit dieser Aussage wollen Trump & Co punkten, ins Weiße Haus einziehen, „Leader of the free world“ werden. Amerika soll so wieder „great“ werden, in dem zuerst einmal die USA schlecht geredet werden. Denn Tatsache ist, seit 25 Jahren fällt die Kriminalitätsrate. Die Mordrate ist noch immer sehr hoch, aber sie hat sich halbiert. Was sich verändert hat, ist, die allgegenwärtige, polarisierende und blutige Berichterstattung über Gewaltverbrechen. Das gab es so bislang nicht. Und darauf baut Trump.

Sowieso ist die Cleveland-Show des Donald Trump die Heiligsprechung eines Mannes, der diese viertägige Bauchpinselei mehr als genießt. Für einen Egozentriker wie Trump muß das doch der absolute Kick sein, wenn ihm tagelang gehuldigt, er in allen Reden als der Retter der „YOU-ESSS-AAAA“ und des Abendlandes gepriesen, ohne ihn, so scheint es, das Land und die Kultur dem Untergang preisgegeben wird.

Donald Trump soll die Partei auf diesem Wahlkonvent einen, klar ist, das wird er nicht schaffen. Wahrscheinlich will er es auch gar nicht. Die Rednerliste weist keine kritischen Stimmen auf, sie sind nicht zugelassen. Nur Stars und Sternchen, zweit- und drittklassige Politiker, nervige Blogger und Kommentatoren, bekannt aus dem Hausfunk der GOP, FOXNews, stehen am Rednerpult. Das einzige was immer wieder die gesamte „Quicken Loans Arena“ zum Jubeln bringt ist der gemeinsame Hass auf Hillary Clinton. Nicht Trump und seine fehlende politische Vision einen die Partei, sondern einzig und allein jene Frau, die für sie all das repräsentiert, was in den USA schief läuft. Auch eine Art der politischen Einheit. Die Zukunft des Landes wird auf einem Hassgebilde aufgebaut.

Mit der Wumme zum Parteitag

San Bernardino, Orlando, Dallas, Baton Rouge, nur ein paar Orte, an denen Bewaffnete in diesem Jahr wild durch die Gegend ballerten, ein Blutbad anrichteten. Die Polizei in den USA ist sichtlich nervös geworden. Man weiß nie, was bei einem Einsatz passieren könnte.

Und nun findet der Parteitag der Republikaner in Cleveland, Ohio, statt. Eine Partei feiert sich selbst und ihren exzentrischen Kandidaten Donald Trump. Eine Partei, die für das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz eintritt, allgemein und überall. Selbst der egozentrische Milliardär hat davon immer wieder im Wahlkampf getönt und erklärt, viele der Terrorattacken im Land hätten durch die „good guys“ mit Knarre verhindert werden können.

Man darf, wenn man will, seine Knarre offen zeigen. Foto: Reuters.

Man darf, wenn man will, seine Knarre offen zeigen. Foto: Reuters.

Es scheint, die Republikaner bekommen jetzt die Quittung für ihre langjährige Blockade von sinnvollen Waffengesetzen. Denn Ohio ist ein Bundesstaat mit einem „open carry “ Gesetz. Heißt, den Bürgerinnen und Bürgern ist es erlaubt offen mit Schußwaffen durch die Gegend zu laufen, sie bei sich zu führen und der Welt zu zeigen, man sei bewaffnet. Das Problem bei allem ist nur, dass solche Wahlparteitage immer auch etwas verstörte Zeitgenossen und radikale Gruppen anziehen, teils gewaltsame Proteste sind vor dem eigentlichen Parteitagsort vorbestimmt. Die „Quicken Loans Arena“ ist zwar gut gesichert, doch die Polizei wird sich mit Sicherheit einer bewaffneten Menge gegenüber sehen. Wer davon ein „good guy“ und wer ein „bad guy“ ist, lässt sich so schnell nicht klären. Nur ein kleiner Sicherheitsbereich, nur zugänglich für den inneren Zirkel der Partei und den Kandidaten, abgesichert vom Secret Service, ist ausgenommen. Ansonsten darf man überall in Cleveland, auch im rund 1,7 Quadratmeilen umfassenden Eventbereich offen seine Wumme tragen.

Der Präsident der lokalen Polizeigewerkschaft, Stephen Loomis, forderte sogar den republikanischen Gouverneur John Kasich auf, für die Tage des Parteitages ein Verbot des „open carry“ Gesetzes, zumindest für Cleveland auszusprechen. Doch Kasich weigerte sich und erklärte: „Ein Gouverneur von Ohio hat nicht die Macht willkürlich ein in der Bundes- und Landesverfassung garantiertes Grundrecht zu suspendieren“. Klare Worte, man kann nur hoffen, dass niemand diese Worte in den kommenden Tagen bereuen wird.

 

 

Keine Liebe auf dem Lovefest

Am kommenden Montag beginnt in Cleveland, Ohio, der Wahlparteitag der Republikaner. Diese „Conventions“ ein paar Monate vor dem Wahltermin kommen normalerweise einem Fest der Liebe gleich. Der Kandidat, der sich in den Vorwahlen durchsetzen konnte, wird tagelang in Reden gefeiert. Es wird darauf geachtet, wer wann und was sagt, solche Parteitagsreden haben, wie Barack Obama zeigt, schon die Grundlage für Präsidentschaftswahlkämpfe gelegt.

Doch in diesem Jahr ist nichts normal. Gerade bei den Republikanern, die den patriotischen „America First“ Unterton immer so gerne hinausposaunen. Donald Trump hat das Lager der „Grand Old Party“ gehörig aufgemischt, so sehr, dass sich wohl Lincoln und Reagan im Grab umdrehen würden, um dieses peinliche Schauspiel ihrer Partei nicht mitansehen zu müssen.

Ohios Gouverneur John Kasich wird nicht beim GOP-Parteitag in Cleveland dabei sein. Foto: Reuters.

Ohios Gouverneur John Kasich wird nicht beim GOP-Parteitag in Cleveland dabei sein. Foto: Reuters.

John Kasich, Gouverneur von Ohio und selbst Präsidentschaftskandidat, der als letzter aus dem Rennen gegen Trump ausschied, erklärte zur aktuellen Lage der GOP: „Stimmt alles mit der Immigration? Natürlich nicht. Aber sind wir total gegen Immigration? Natürlich nicht. Sind wir eine Partei, die sagt, aufgrund eines religiösen Tests ist jemand hier nicht willkommen? Das ist nicht meine Partei…die Partei hat ihren Kurs verloren“. Kasich macht keinen Hehl daraus, dass er Donald Trump nicht unterstützen wird. Auch wenn er vor Monaten, wie alle anderen republikanischen Präsidentschaftskandidaten, einen Eid unterschrieb, im Falle des Wahlsieges eines anderen, auch diesen Kandidaten zu unterstützen. Trump schäumt, da Kasich in seinen Augen diesen Eid gebrochen hat. Doch John Kasich steht damit nicht alleine da.

Einzig Chris Christie, Gouverneur von New Jersey, hat sich nach seinem Ausscheiden aus dem Rennen überschnell hinter dem New Yorker Milliardär eingereiht. Das willige Helferlein Christie erhofft sich dadurch einen Posten in einer möglichen Trump-Administration. Andere ehemalige Kontrahenten von Trump, und da gibt es diesmal einige, halten sich noch sehr mit ihrer Unterstützung zurück. Der Parteitag in Cleveland wird also nicht zum freudigen Ringelrei der Republikaner werden. Schon allein deshalb nicht, weil einige der bekannten Namen der Partei nicht kommen wollen. Selbst John Kasich, der eine kurze Anfahrt hätte, wird nicht in die „Quicken Loans Arena“ radeln, auch wenn er gleich um die Ecke wohnt.

John McCain, Lindsey Graham, die Bush Familie, darunter zwei ehemalige Präsidenten und ein Präsidentschaftskandidat, Mitt Romney und zahlreiche republikanische Gouverneure, Senatoren und Kongressabgeordnete haben bereits öffentlich erklärt, sie hätten keine Zeit, keine Lust oder seien irgendwie nicht in der Lage nach Cleveland zu reisen. Eine herbe und laute Ohrfeige für Donald Trump, der sich von der Partei hintergangen fühlt. In Cleveland wird es sicherlich die Donald-Party mit Fahnen, Konfetti und Luftballons geben. Ein deutliches Zeichen der Einheit an die Nation und die eigene Parteibasis wird diese „Love Parade“ allerdings nicht sein.

Showdown am Parteitag

Wild, Wild West in Cleveland. Vom 18. bis 21. Juli wird dort der republikanische Wahlparteitag abgehalten. Schon jetzt gruseln sich einige in der Partei von Lincoln und Reagan vor diesem Konvent. Es könnte hart hergehen, denn falls Donald Trump im Vorfeld nicht die notwendigen 1237 Delegiertenstimmen bekommen sollte, würde das heißen, auf dem Parteitag müsste eine Entscheidung fallen. Doch Trump machte schon deutlich, dass er mit den meisten Stimmen auch die Nominierung bekommen sollte. Auf alle Fälle. Und dagegen wehren sich so einige in den Reihen der Republikaner.

Auf geht's zum Parteitag der Republikaner.

Auf geht’s zum Parteitag der Republikaner.

Und nun kommt auch noch die Gefahr eines Showdowns ganz in Wildwest-Manier hinzu. Eine Initiative von Waffenträgern hat auf change.org eine Unterschriftenliste gestartet, die einfordert, dass Waffenhalter bewaffnet zum Pro-Waffenparteitag der Republikaner kommen dürfen. Zuletzt hatten fast 50000 Personen diesen Aufruf unterstützt. Die Initiatoren führen an, dass Cleveland eine der gefährlichsten Städte sei und man Waffenträger nicht auffordern sollte, ihre Schießeisen im Hotelzimmer zu lassen, um dann unbewaffnet die Strecke zum Parteitag zu laufen.

Also, „High Noon“ in Cleveland. Alle drei noch im Rennen befindlichen Republikaner treten für den unbehinderten Waffenbesitz ein. Das ist ein wichtiges Thema in den Reihen der GOP und im Wahlkampf. Nun wird diese Haltung grundlegend getestet. Wie stehen die Waffen-Lobbyisten zu einer allgemeinen Bewaffnung auf einem hitzig debattierten Parteitag, dessen Ausgang noch offen ist? Vor allem, wie reagiert der Secret Service, der die Kandidaten beschützen soll, wenn Delegierte zum Wahlkonvent mit ihren 45ern, ihren AK47, ihren Glocks, ihren Smith & Wesson oder anderen Schießeisen kommen sollten? Die Republikaner gleichen im Jahr 2016 einem Tollhaufen. Ob und wie die Partei die derzeitige Zersplitterung überleben wird und kann, ist noch offen. Ausgang ungewiss.

Kraftwerk fürs Museum

Kraftwerk wurden für die Hall of Fame nominiert.

Kraftwerk wurden erneut für die Hall of Fame nominiert.

Es gibt nicht viele Bands aus Deutschland, vor denen sich Musikfans weltweit voller Hochachtung verneigen. Klar, international werden Gruppen wie Can, Faust, Einstürzende Neubauten für ihre musikalischen Arbeiten und ihre Experimentierfreude geliebt und geschätzt. Einig sind sich jedoch alle, dass Kraftwerk schon lange in die Rock’n Roll Hall of Fame gehören. Keine andere deutsche Band hat solch einen Einfluß auf das Musikgeschehen rund um den Globus gehabt. Und das nicht nur für die elektronische Musikszene, sondern auch für Genres wie Rock, Hip Hop und Pop, ganz zu schweigen von all den Subgenres, die es da so gibt.

Nun wurde die Düsseldorfer Formation erneut für die Ahnengalerie in Cleveland nominiert. Zum zigten Mal wohlgemerkt, bislang wurden Kraftwerk immer wieder übergangen. Ob es diesmal klappt muß man abwarten. Wahrscheinlich ist es nicht, denn die Liste der Vorschläge ist lang und die Amerikaner huldigen lieber ihresgleichen und auch noch ein paar Briten. Für 2014 wurden nominiert: Green Day, Nine Inch Nails, Joan Jett & The Blackhearts, Sting, Stevie Ray Vaughan, Lou Reed, NWA, War, Bill Withers, Chic, The Marvelettes, The Smiths, The Spinners, The Paul Butterfield Blues Band. Wo und wie da Kraftwerk mit ihrem geradlinigen und minimalistischen Elektrosound reinpassen ist fraglich.

Es scheint bei der Rock’n Roll Hall of Fame auch nicht um den Einfluß einer Band oder eines Musikers zu gehen, sondern vielmehr um den Geschmack der Jury. Kraftwerk sind einzigartig. Ihre Pionierarbeit veränderte die Musikwelt, ließ weltweit Musiker aufhorchen. Und selbst heute, 40 Jahre nach ihren bahnbrechenden Platten, klingt von all dem nichts verstaubt, veraltet, „out of touch“. Ganz im Gegenteil, im Frühjahr sah ich Kraftwerk live in Oakland. Es war ein lebendiges Konzert, verankert in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Und gerade das macht Kraftwerk aus, Musik ohne Grenzen und ohne Stillstand. Sie haben es verdient endlich ins Clevelander Museum aufgenommen zu werden.

Es geht um den Bart

Vor ein paar Tagen wurde in Cleveland Samuel Mullet Sr. wegen eines „Hate Crimes“, eines durch Hass bedingten Verbrechens für schuldig befunden. Er hatte 16 Mitglieder seiner fundamentalistischen Amish Glaubensgruppe, darunter vier seiner Kinder dazu angestiftet, mehrfach Mitglieder einer anderen Amish Gruppe zu überfallen und deren Bärte und Haare abzuschneiden. Ein ganz schlimmes Ding in der Amish Welt, nun drohen Mullet 15 Jahre Haft, denn die Staatsanwaltschaft konnte sich bei den Geschworenen mit ihrer Argumentation des „Hate Crimes“ durchsetzen.

Aber mal ganz ehrlich, eigentlich wären solche Bartabschneideaktionen gar nicht mal so schlecht, wenn sie denn dabei blieben. Man stelle sich vor radikale Islamisten würden mal solch eine Aktion machen, anstatt auf einem überfüllten Markt eine Autobombe zu zünden oder Selbstmordattentäter in jüdische Busse zu schicken. Zumindest könnten dann anschließend die Betroffenen auch zu diesen Mitteln greifen. Bart ab und gut ist…denn danach müssen alle erst mal wieder warten, bis ein neuer Bart gewachsen ist. Zeit zum „cool down“, zum Abkühlen der Gemüter. Ich weiß, alles Hirngespinste, aber mal ehrlich, andere wichtige und nicht so wichtige Zeitgenossen machen auch keine besseren Vorschläge, wie man extremistische und religiös fundamentalisch bedingte Gewalt einschränken oder unter Kontrolle bringen könnte. Von daher…ja, ja, ich hör‘ schon auf.

 

Über den Wolken…(NOT)

Als die Familie Thomas kürzlich von Cleveland nach Minneapolis fliegen wollte, erlebten sie am Schalter von Continental Airlines eine Überraschung. Beim Einchecken von Herrn, Frau und Tochter Thomas leuchtete auf einmal der Name der sechsjährigen Alyssa auf. Sie, so der Continental Mitarbeiter, sei auf der sogenannten „No Fly“ Liste der US Regierung. Eine ellenlange Liste mit Threat LevelNamen, denen verboten ist, per Flugzeug in und nach den USA zu reisen. Das Ministerium für Heimatschutz gibt lediglich zu, dass es diese Datenbank gibt, allerdings nicht, wer auf dieser Liste steht, wie man darauf kommt und vor allem wie man wieder von ihr gestrichen wird.

Nach langem hin und her durfte Alyssa mit ihren Eltern den Flug nehmen, aber nur, nachdem der Vater zusicherte, umgehend mit den Behörden in Kontakt zu treten, um den Sachverhalt zu klären. Seltsamerweise war dies nicht der erste Flug der Sechsjährigen, doch das erste mal, dass ihr Name beim Einchecken auf der „No Fly“ Liste auftauchte.

Wie der Name von Alyssa auf die Liste kam ist nach wie vor unklar, die offiziellen Stellen hüllen sich in Schweigen. Das Problem für die Familie Thomas ist nun, dass sie für jeden Flug früher am Flughafen sein müssen, um nach genauer Prüfung die Reiseerlaubnis zu bekommen.