Help, I’m steppin‘ into the twilight zone…

Nach einem Tag, an dem alle Seiten zur Besonnenheit aufriefen, lese ich am Morgen so etwas. Donald Trump tweetet, dass ja eigentlich die Medien mit ihren Lügen und Halbwahrheiten an der schlechten Stimmung im Land schuld sind. Pardon my inaccuracy…die Mainstream Medien natürlich. Trumps Haussender FOXNews wird da beflissentlich ausgenommen.

Gestern Abend schaute ich mir am Bombentag noch seine Wahlkampfveranstaltung in Wisconsin an. Es ist schon erstaunlich und für mich einfach nicht greifbar, wie dieser Mann die Welt sieht. Kein Grund zur Selbstkritik, keine Zweifel am eigenen Verhalten, den eigenen Worten, der eigenen Politik. Einfach weiter so und ab durch die Mitte. „Schaut, wie ich mich zurückhalte“, waren seine Worte, um damit zu zeigen, dass er ja der gute in diesem bösen, bösen Politzirkus ist. Der Spalter eint die Menge, zumindest seine Menge an Fans.

Donald Trump hat ja schon mehrmals erklärt, dass er sich nie für Fehler entschuldigen würde. So muss man also seine Worte bewerten. Die anderen sind schuld, seine nachweislichen nahezu 3000 Lügen, Falschaussagen und Halbwahrheiten seit Amtsantritt, viele davon in voller Absicht unter die jubelnde Menge gebracht, werden von ihm weder zurückgenommen nochkorrigiert oder relativiert. Trump zeichnet so ein Bild des unfehlbaren Präsidenten. Er der große Führer, der immer recht hat, immer die Wahrheit spricht  und dessen Worte einfach nicht angezweifelt werden dürfen. Denn wenn das jemand tut, dann gehört er entweder dem demokratischen Mob oder den „Fake News“ der Mainstream Medien, also der „Lügenpresse“ an.

Man muss es Teflon Donald schon lassen. Kritik an ihm perlt einfach ab, nichts schadet ihm, kein Skandal bringt ihn zum Stolpern, keine nachgewiesene Lüge zum Einlenken. Trump bleibt auf Kurs, auch am Tag eins nach Bombensendungen an Clinton, Obama, CNN und weiteren. Erneut greift er in morgendlichen Tweets die Demokraten an, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, in dieser aufgeheizten politischen Landschaft mal eine wirkliche präsidiale Führungsrolle zu übernehmen und verbal abzurüsten. Am Ende bleibt wie immer nur die Hoffnung, dass da auf dem Trumpschen Panzer doch irgendwo im Laufe der Geschichte ein Lindenblatt gelandet ist und der Egozentriker mit dem Finger auf die anderen politisch und ganz demokratisch verwundbar geblieben ist.

Juarez versinkt im Blutbad

JuarezDie Spirale dreht sich weiter. In Juarez, Mexiko, wurden am Samstag eine Amerikanerin, die dort für das US Konsulat arbeitet, ihr Mann und ein mexikanischer Angestellter des Konsulats ermordet. Die 35jährige Lesley Enriquez und ihr 34jähriger Mann Arthur Redelfs waren mit ihrem Baby im Auto kurz vor der Santa Fe Brücke, als die tödlichen Schüsse fielen. Enriquez wurde im Kopf getroffen, ihr Mann im Nacken. Beide verstarben noch am Tatort. Das Baby auf dem Rücksitz blieb unverletzt.

Das Bild zeigt den Tatort, unmittelbar an der Santa Fe Bridge. Links davon ist bereits das ausgetrocknete Flussbett des Rio Grande, auf der anderen Seite, also keine 50 Meter entfernt steht immer ein amerikanischer Border Patrol Agent. Dieser muss am Samstagnachmittag wohl hilflos mitangesehen haben, wie die beiden Amerikaner erschossen wurden

Zehn Minuten zuvor wurde Jorge Alberto Salcido Ceniceros erschossen, der im US Konsulat als Lokalkraft angestellt war. Seine beiden Kinder im Wagen wurden schwer verwundet. Enriquez, Redelfs und Ceniceros waren zuvor auf derselben Veranstaltung.

Präsident Obama, Präsident Calderon und Aussenministerin Clinton zeigten sich geschockt von dem Zwischenfall und sprachen den Angehörigen ihr Beileid aus.

Über den Mord an den Amerikanern wurde in den US Medien gross berichtet. Damit ist die Situation in Juarez seit langem mal wieder in den amerikanischen Schlagzeilen. Seit Januar 2008 wurden nahezu 5000 Menschen in der Grenzstadt gegenüber El Paso ermordet.

Super Tuesday

Am Dienstag ist es soweit. In 20 amerikanischen Bundesstaaten werden Vorwahlen durchgeführt. Damit könnten am Dienstagabend bereits die Kandidaten beider Parteien für das Weisse Haus feststehen. Das Ende vom Anfang ist der Anfang vom eigentlichen Wahlkampf. Dann geht die Klopperei erst so richtig los. Was im Vorfeld zwischen Obama und Clinton, zwischen Romney und McCain passierte, wird dann als Aufwärmtraining abgetan werden müssen.

Egal, wer von den vier Kandidaten auf die Endstrecke geschickt wird, es wird ein brutaler Zweikampf werden.In den USA herrscht ein Kulturkampf. Hier die konservativen Republikaner, die am liebsten das Rad der Zeit zurück in die Reagan Ära drehen würde. Bei der jüngsten GOP-Debatte in der „Ronald Reagan Library“ in Simi Valley müssen dem ehemaligen Präsidenten im Jenseits die Ohren geklingelt haben, denn so oft wie noch nie wurde sein Name genannt. Komischerweise meinen die republikanischen Präsidentschaftsanwärter, dass unter Ronald Reagan alles im Lot war – mal ganz abgesehen von einem gigantischen Wettrüsten, einer damit verbundenen gewaltigen Staatsverschuldung, dem Abbau des Sozialstaates, dem Verlust von Arbeitsplätzen in der Produktion, der Verslumung vieler Grossstädte….aber der amerikanische Traum lebte in den 80er Jahren (!)Und auf der anderen Seite des Kulturkampfes stehen Hillary Clinton und Barrack Obama, zwei sehr unterschiedliche Kandidaten, mit zum Teil sehr progressiven, europanahen Politikansätzen.

Clinton macht damit Werbung, dass nach vier Jahren Bush Senior ein Clinton das Land wieder auf Vordermann bringen musste. Und nach acht Jahren George W. Bush erst recht ein Clinton ins Oval Office muss,  um Amerika wieder zur führenden Nation zu machen. Vergessen oder unterschlagen wird dabei, dass Bill Clinton das Glück der Stunde hatte, und mit einer boomenden Wirtschaft im Rücken regieren konnte. Die Explosion der High Tech Industrie, das rasante Ausbreiten des Internets schufen Arbeitsplätze Mitte der 90er Jahre. Auch wenn der damalige Vize-Präsident Al Gore einmal meinte, er habe das Internet erfunden, so ist der wirtschaftliche Erfolg der High Tech Branche in den 90er Jahren nicht auf die Politik des damaligen Weissen Hauses zurück zu führen. Unterschlagen wird auch, dass die Gesundheitsreform der Clintons kläglich scheiterte. Vergessen ist auch, dass der Lincoln Bedroom, das Gästezimmer im Weissen Haus, in den 90er Jahren süffisant Motel Room genannt wurde. Damals konnte praktisch jeder großzügige Spender an die Clintons dort übernachten, was nur zu offensichtlich machte, wie eng Bill und Hillary mit der Wirtschaft und bestimmten Interessensvertretern verbunden waren.Hillary Clinton polarisiert und steht nicht für einen Neuanfang in den USA, und den braucht das Land. Amerika ist heute eine gespaltene Nation.

Ich sehe nur einen Kandidaten, der die Chance hätte die USA wieder einigermassen zu vereinen, und das ist Barrack Obama. Obama ist ein politischer Neuling, aber er kann begeistern, junge und alte Amerikaner, Frauen und Männer. Er könnte für einen Neuanfang stehen, wenn er die Chance bekommt. Und ich meine damit nicht nur, wenn er es tatsächlich schaffen sollte, ins Weisse Haus zu kommen. Wichtig ist, und das darf nicht vergessen werden, dass die demokratischen Mehrheiten im Senat und Kongress mit aller Wahrscheinlichkeit im November kippen werden. Die Demokraten unter Nancy Pelosi und Walter Reid haben es in den letzten zwei Jahren nicht geschafft, ein anderes Klima nach Washington zu bringen, schlicht und einfach, sie haben als Mehrheitspartei versagt. Das heisst, ein Präsident Barrack Obama müsste im Falle eines Wahlsieges mit einem republikanisch dominierten Kongress zusammen arbeiten.

Wie schwer das ist, das erlebt derzeit George W. Bush, der nur noch als „lame duck president“, als lahme Ente bezeichnet wird, denn gegen Pelosi und Reid kann er nichts mehr durchsetzen. Politisch hat er so gut wie nichts mehr zu sagen, seine „Rede zur Nation“ in der vergangenen Woche unterstrich dies sehr anschaulich.Barrack Obama schafft es im Wahlkampf die Menschen mitzureissen, sie eine bessere Zukunft spüren zu lassen, er gibt ihnen Hoffnung und eine Vision – auch erklärte Republikaner empfinden das. Obama könnte der Präsident sein, denn dieses Land derzeit braucht, alles hängt davon ab, wie er im Falle einer Wahl auf den politischen Gegner zu gehen wird. Denn ohne die Grand Old Party läuft in den USA so oder so nichts.