Es hallt erneut „Build that wall“

Lange Zeit sah es danach aus, als ob die Republikaner nicht aus ihrem Umfragetief herauskommen würden. Die „Midterm elections“ im November drohten zu einem Debakel für die Partei von Präsident Trump zu werden. Nicht, dass seine Basis sich von ihm abwenden würde, ganz im Gegenteil, seine Wählerinnen und Wähler von 2016 stehen nach wie vor zu ihm. Doch auf der demokratischen Seite hat man sich nach dem betäubenden Ergebnis der Präsidentschaftswahl erneut aufgerichtet, Wählergruppen mobilisiert und das gemeinsame Ziel fest im Blick – die republikanische Mehrheit im Kongress zu überwinden.

Die ermordete Studentin Mollie Tibbetts und der vermeintliche Mörder Cristhian Bahena Rivera. Foto: Reuters.

Doch nun haben die Republikaner ein neues Thema im Wahlkampf gefunden, mit dem sie in die Offensive gehen. Eines, das von den vielen offenen Fragen der Trumpschen Politik ablenken kann und soll. Der Mord an der 20jährigen Studentin Mollie Tibbetts in Brooklyn, Iowa, und die Verhaftung des vermeintlichen Täters, des 24jährigen Cristhian Rivera, hat neue Energie in die GOP Reihen gebracht. Denn Rivera war illegal im Land. Nur wenige Stunden nach der Verhaftung nutzte Donald Trump bereits auf einer Veranstaltung in West-Virgina den Fall für seinen Schlachtruf „Build that wall“. Genauso, wie im Wahlkampf 2016 nach den tödlichen Schüssen auf die 32jährige Kate Steinle, die an einem Pier in San Francisco von tödlichen Schüssen getroffen wurde. Täter war der illegal im Land lebende Jose Inez Garcia, der die Tatwaffe zuvor aus einem Wagen geklaut hatte.

Trump nutzte damals den Mord an Steinle für sich, um gegen illegale Einwanderer zu hetzen und den Bau seiner Mauer zu fordern. Illegale Mexikaner im Land, so Trump, seien Kriminelle, Vergewaltiger und „not the best“. Und nun eben der Fall Tibbetts, genau richtig für die heiße Phase des Wahlkampfs 2018. Schnell sprangen etliche Republikaner auf den Zug mit (Lok)Führer Trump auf. Der Lieutenant Governor von Texas, Dan Patrick, beschuldigte die Demokraten, CNN, MSNBC und andere Medien für den Mord an der Studentin verantwortlich zu sein, da sie den Mauerbau und die Grenzsicherung nicht unterstützten, ja, verhinderten. Donald Trump selbst tweetet seit jeher gegen Demokraten und erklärt sie als Befürworter einer offenen Grenze, damit verantwortlich für Mord, Totschlag, Drogen im eigenen Land.

Ein Wahlkampf also auf dem Rücken einer Tragödie, des Mordes an der 20jährigen Studentin Mollie Tibbetts. Unterstellt wird dabei, dass der Großteil der Morde in den USA auf die Kappe von illegalen Einwanderern oder Fremden im Land geht. Doch das stimmt nicht, das belegen Kriminalitätsstatistiken, Analysen und Recherchen von Medien. Aber genau wie in Deutschland werden aus Fakten alternative Weltsichten gesponnen, wo Tatsachen nicht mehr Tatsachen sind, es alternative Realitäten gibt und der Präsident sogar selbst erklärt, man solle nicht das glauben, was man sieht und liest. Ein Mord wird hier zum Ablenkungsmanöver genutzt. Die nächsten Wochen bis zur Wahl werden spannend.

Amerika zwischen den Küsten

In Oakland und der Bay Area zu leben heißt, man lebt auf einer politischen Insel. Donald Trump erreichte bei den Wahlen 2016 in den meisten Distrikten meiner Wahlheimat einstellige Ergebnisse und lag oftmals noch hinter der Kandidatin der Grünen Partei, Jill Stein. Wer mutig ist und auffallen will in Oakland, Berkeley oder San Francisco läuft mit einer „MAGA“ Mütze durch die Straße. In meiner Nachbarschaft hat ein älterer Herr einen NRA-Aufkleber auf seinem Auto, schon allein das ist Gesprächsstoff unter Nachbarn.

Wellenlos mit Johnny Cash über den See.

Doch San Francisco/Oakland und selbst Kalifornien sind nicht die USA. Wer Amerika verstehen will, muss von den Küsten weg fahren, rein ins Land, dorthin, wo über Jahrzehnte das Mittelwellenradio mit Sendungen von Rush Limbaugh, Farm Talk oder Gun Talk die Tagesgespräche bestimmte. Auf einer jüngst in der New York Times veröffentlichten Landkarte mit den genauen Wahlergebnissen der Präsidentenwahl von 2016 kann man sehen, dass das Land weitgehendst rot ist, also republikanisch. Demokratische Blautöne gibt es vor allem in den Küstenmetropolen und in Universitätsstädten wie Butte, Montana, Madison, Wisconsin, oder auch hier oben in Houghton, Michigan. Und damit will ich nicht sagen, dass unstudierte Amerikaner vor allem Donald Trump gewählt haben. Vielmehr, dass Universitätsstädte vielleicht auch mehr für ein kritisches Denken und Weltoffenheit stehen.

Gestern Abend beim Kayaken über den kleinen See, an dem ich gerade bin, dachte ich genau darüber nach. Johnny Cash spielte ein paar Songs, der perfekte Soundtrack für diesen Versuch des Amerikaverstehens. Und hier in der Einöde, der Wildnis, der Abgeschiedenheit ist Washington, der Handelskrieg, Iran und Nordkorea, „Pussy Grabbin'“ und selbst die Mauer an der mexikanischen Grenze ganz weit, weit weg. Hier gibt es andere Probleme, die nicht von Washington und nicht von Präsident Trump gelöst werden können, auch wenn hier vereinzelt Schilder am Rand des Highways stehen „Support the UP – Logging & Mining“. Die regionale Wirtschaft wird man durch mehr Baumfällen und Bergbau nicht ankurbeln können. Wie die San Francisco Bay Area eine politische Insel fernab von Amerika ist, ist auch diese Region eine Insel im amerikanischen Kosmos. Weit weg von der Scheinrealität, die uns über CNN, FOXNews und andere vorgegaukelt wird.

Beim Versuch dieses riesige Land auf dem kleinen See zu verstehen wurde mir einfach klar, dass Amerika nicht zu verstehen ist. Es gibt nämlich nicht nur dieses eine Amerika. Es ist ein Land der Immigranten, die oftmals ihre Herkunft, die Sprache und die Kultur ihrer Eltern pflegen. Es ist ein Land der verschiedenen Interessen, die hier problemlos ausgelebt werden können. Es ist ein Land der vielen kleinen Inseln in einem stürmischen Meer. Nichts und niemand wird die Staaten von Amerika vereinen können. Was das Ziel vielleicht sein könnte ist, dass die gesellschaftlichen Gräben in diesem Land nicht tiefer werden. Und das allein wäre schon ein riesiger Erfolg.

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Alarmierende Selbstmordzahlen

In dieser Woche nahmen sich die Modedesignerin Kate Spade und der Koch und Reisejournalist Anthony Bourdain das Leben. Zwei Selbstmorde, die viel Aufmerksamkeit erhielten, gerade weil beide erfolgreich und beliebt waren, für viele Außenstehende mitten im Leben standen.

Sogar Barack Obama erinnerte sich an sein Treffen mit Anthony Bourdain. Man beachte den Ton dieses Tweets des früheren Präsidenten.

Die USA haben ein Problem, das wird deutlich, wenn man sich den in dieser Woche vorgelegten Bericht des „Centers for Disease Control and Prevention“ durchliest. Im letzten Jahr starben 45.000 Menschen in den USA durch Suizid. Zwischen 1999 und 2016 stiegen in allen Bundesstaaten außer Nevada die Selbstmordraten. In North Dakota um bis zu 57 Prozent. In Montana liegt die Rate am höchsten im ganzen Land, auf 100.000 Einwohner kommen 29,2 Suizide, US weit liegt diese Zahl bei 13,4 auf 100.000 Einwohner. Nur in Nevada fiel die Selbstmordrate um ein Prozent.

Vor allem die Rocky Mountain Staaten und der Mittlere Westen sind von dieser Welle an Selbsttötungen betroffen. Dort war die Wirtschaftskrise der letzten zehn Jahre besonders zu spüren. Mit dem Verlust von Häusern, Jobs und Familientragödien aufgrund von wirtschaftlichen Problemen, wurde der Ausweg Selbstmord mehr und mehr gewählt. Und in vielen dieser zumeist ländlichen Gegenden gibt es keine Hilfseinrichtungen, Ansprechpartner, Unterstützung für Menschen in einer Krise. Interessanterweise waren die Betroffenen in weniger als der Hälfte der Fälle auffällig, bevor sie ihrem Leben ein Ende setzten.

Die bevorzugte Methode sind Schusswaffen, mittlerweile greifen auch immer mehr Frauen zu einer Knarre, um sich – fast sicher – ins Jenseits zu befördern. Bislang brachten sich mehr Männer um, doch der Bericht des CDC zeigt, dass die Zahlen nun fast ausgelichen sind. Das liegt nicht daran, dass Männer weniger Selbstmorde begehen, sondern daran, dass die Rate der Frauen steigt.

Die Suizide von Kate Spade und Anthony Bourdain haben Amerika in dieser Woche erschüttert. Dazu der Bericht des „Centers for Disease Control“, der zeigt, dass die USA in einer tiefen Gesundheitskrise stecken, ein Ende scheint nicht in Sicht zu sein. In allen Medien wird darüber berichtet und immer wieder betont, dass Betroffene nicht allein sind. Die nationale Nummer der Suizidprävention wurde allernorts veröffentlicht: 1-800-273-TALK.In Deutschland ist die Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 zu erreichen.

Die „Fake News“ Macher

Der „Fake News“ König Donald Trump ist in diesen Tagen mehr als aktiv auf Twitter. Am Ostersonntag, als viele seiner christlich-fundamentalistischen Unterstützer in die Gottesdienste strömten, um die Auferstehung von Jesus zu feiern, tweetete Trump gegen Einwanderer und für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Aus dem „Bible Belt“ kamen dazu keine Widerworte. Trump weiß, mit solchen Äußerungen macht er sich nur beliebt bei seiner Basis.

Der Präsident ließ es allerdings nicht nur bei seinen durchaus rassistischen und ausländerfeindlichen Tweets, er griff auch mal wieder die Medien in den USA an. CNN, NBC, ABC, CBS wurden von ihm als „Faker“ bezeichnet, als Lügner. Das im Zusammenhang mit einem Trumpschen Lob für die Sinclair Broadcast Group, einer konservativen Fernsehgruppe, die 173 lokale TV-Stationen in 81 Fernsehmärkten besitzt. Viele von ihnen sind mit anderen Networks verbunden, übernehmen deren Mantelprogramm, sind aber im Besitz von Sinclair. Sinclair ist als Unterstützer von Donald Trump bekannt, im Wahlkampf wurde oftmals positiv über ihn berichtet oder bestimmte skandalöse Äußerungen von Trump relativiert. Auch hatte Sinclair ein Abkommen mit dem Trump Lager, in dem man Zugang zum Präsidentschaftskandidaten erhielt, mit der Zusage, Interviews und Berichte nicht zu kommentieren.

Nun hat sich Sinclair allerdings sehr weit für Trump aus dem Fenster gelegt. Eigentlich lieben und vertrauen die Amerikaner ihren lokalen Medien. 85 Prozent gaben dies in jüngsten Umfragen an. Vielmehr als den nationalen Networks. Sinclair weiß das und hat nun von ganz oben bestimmt, dass alle lokalen Nachrichtenredaktionen einen vorgefertigten, einminütigen Text lesen sollten. Unkommentiert und ganz im Trump Sinne, ein Angriff gegen die „Mainstream Medien“. Doch das ging kräftig nach hinten los. Ein Twitter Nutzer hat Dutzende von lokalen News Sendungen aus dem ganzen Land zusammen geschnitten, in denen der Text als Statement der lokalen Nachrichtenredaktion vorgetragen wird. Es ist ein Affront gegen jeglichen journalistischen Grundsatz, ein Frontalangriff auf die Demokratie, ein Stiefellecken für einen Präsidenten, der dieses Verhalten auch noch bejubelt und keinerlei Probleme damit sieht. Die Gleichschaltung der Medien scheint als „normal“ angesehen zu werden, zumindest ganz oben im Land.

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Voice FROM America

Die Dauerangriffe gegen CNN gehen weiter.

Donald Trump tweetete vor ein paar Tagen, dass der von ihm verhasste Nachrichtenkanal CNN die USA im Ausland schlecht darstelle. Er meint wohl, ein amerikanischer Sender müsse Jubelhymnen auf den Präsidenten, „God’s Country“ und sein ausgerufenes Mantra „America First“ in die Welt posaunen. So, und nicht anders habe ein US TV-Sender zu arbeiten, das zumindest lässt sich aus diesen Tweets lesen, die der 45. Präsident der Vereinigten Staaten gerne in den Morgenstunden beim „Genuss“ von „Fox and Friends“ raushaut.

Trump in seiner ganzen Kurzsichtigkeit übersieht dabei allerdings, dass nicht CNN International das Amerika-Bild in die Welt trägt, sondern Hunderte (Tausende?) von festen und freien ausländischen Korrespondenten, die aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten berichten. Doch das ist nichts Neues, dass internationle Journalisten, die hier leben und arbeiten, nicht von den Amerikanern wahrgenommen werden, schon gar nicht von den politischen Entscheidungsträgern. Unter Trump hat sich das allerdings noch einmal kräftig verstärkt. Hinterm amerikanischen Horizont geht es für viele hier nicht mehr weiter.

Übersehen wird, dass Korrespondenten, die für ausländische Medien arbeiten, tagtäglich ihre Eindrücke und Erfahrungen, ihre Analysen und Zusammenfassungen aus diesem Land übermitteln. Die USA zu erklären war schon immer kein leichtes Unterfangn. Obwohl uns Deutsche mit den Amerikanern viel verbindet, sah ich es auch immer als meine Aufgabe an, Hintergründe zu liefern, Einschätzungen zu geben, Entscheidungen und Ereignisse einzuordnen. Unter Trump erreicht das alles noch einmal eine ganz andere Dimenson, die oft ins Surreale kippt. Eine Nation, die von einem Twitter-Präsidenten regiert wird, der die eigenen Grundfesten der Demokratie unterhöhlt, wie will man das erklären? In der heutigen Berichterstattung aus den USA unter Donald Trump geht vieles verloren, was dieses Amerika so spannend und interessant macht. Alles wird auf einmal durch das Trump’sche Brennglas gesehen. Selbst eine unschuldige Ausstellung im de Young Museum von San Francisco über die Schätze aus der Ruinenstadt Teotihuacan erhält in diesen Wochen und Monaten einen politischen Spin. Trump ist der Newskönig geworden, über ihn und seine Folgen dreht sich die Berichterstattung aus den USA, er prägt das Bild Amerikas in diesen Tagen. Und das wird eben nicht (nur) von CNN International in die Welt getragen, sondern vor allen von internationalen Korrespondenten, die, zumindest bislang von Trump noch ungescholten und ungehindert, aus diesem Land berichten.

„Modern Day Presidential“

Da steht man morgens ganz unbescholten auf, erkennt sich kaum im Spiegel, der Kaffee läuft, während man mit dem Hund um den Block geht. Schließlich sitzt man im Sessel, will seine Sonntagszeitung und über die Nachrichten der Nacht lesen und stolpert über die Meldung von Donald Trumps jüngstem Tweet. Gestern noch verkündete der Präsident der Vereinigten Staaten, dass sein Verhalten „modern day presidential“ sei, heute legt er nach und zeigt, was er damit meint.

Sein jüngster Tweet ist ein Video aus dem Jahr 2007. Damals machte Trump bei den Show-Wrestlern von WWE mit. „The battle of the billonaires“ hieß die Ausgabe. Am Rande des Rings gab es die Einlage, wie Trump auf Vince McMahon, dem Präsidenten der Show Catcher einschlägt. Und dieser Videoausschnitt ist nun auf @realDonaldTrump zu sehen, allerdings wurde über das Gesicht von McMahon das CNN Logo platziert, so als ob Donald Trump auf CNN einschlägt. Ja, so etwas nennt man dann „modern day presidential“. (Das Video ist hier zu sehen).

Die Reaktionen sind dementsprechend. CNN selbst ist entsetzt und schreibt, der Präsident fordere zur Gewalt gegen den Sender und seine Reporter auf. Trumps Heimatschutzberater, Tom Bossert, hingegen erklärte in der ABC Sendung „This Week“, dass das Video alles andere als eine Drohung sei. „Niemand würde das als eine Drohung erkennen. Ich hoffe, sie tun es nicht“. Sowieso sei die Art der Kommunikation von Trump „authentisch“.

In Washington schüttelt man nur noch den Kopf über diesen „modern day“ Präsidenten. Demokraten und Republikaner wissen schon gar nicht mehr, was sie noch auf die Fragen der Reporter anworten sollen. Unklar ist, wie Trump seine Politik durchsetzen will, wenn er sich wie ein fünfjähriger Knirps auf dem Spielplatz verhält, dem man das Sandförmchen weggenommen hat, weil er damit ständig Sand auf andere geworfen hat.

 

Entertainment am Samstagmorgen

Der „Tweeter in Chief“ gibt sich keine Auszeit. Er ist zwar über das verlängerte 4th of July Weekend auf seinem Anwesen in Bedminister im Norden New Jerseys, doch am Samstagmorgen holte Trump mal wieder für einen Rundumschlag aus. Beleidigend und sehr direkt gab er sich. Unterstellte NBC und CNN, dass sie „Fake News“ seien und Leute entliessen, die positiv über ihn berichten wollten, die MSNBC Moderatoren Joe Scarborough und Mika Brzezinski seien „verrückt“ und „dumm wie ein Stein“. Und dann gratulierte er den Kanadiern noch zu ihrem „Canada Day“ und nannte Präsident Justin Trudeau einen „neuen Freund“. Ob der das allerdings so gerne hört und liest sei mal dahingestellt!

Trump feiert sich selbst

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Und Präsident Donald Trump sammelt bereits Gelder für den nächsten Wahlkampf ein. Nicht nur das, er hat nun auch schon einen Werbespot über seine bislang erreichten „Erfolge“ produzieren lassen. Eine Lobhudelei, die ihn ins rechte Licht setzen soll. Zumindest bei seinen Wählern. Einige Sender, darunter CNN haben sich jedoch geweigert, diesen Clip zu spielen. Der Grund liegt darin, dass einige Moderatoren und Journalisten des Nachrichtenkanals am Ende des Spots als „Fake News“ bezeichnet werden. CNN forderte, dass dies unterlassen, der Clip neu geschnitten werden sollte. Das Trump-Lager weigerte sich allerdings, somit ging das Trump Video zumindest bei CNN nicht auf Sendung.

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Die lange Nase des Donald Trump

Donald Trump nennt sie „unehrlich“, „Schmierenpresse“, „Lügenpresse“, „Fake News“. Keine Veranstaltung vergeht, in der Trump nicht auf die amerikanischen Medien und ihre Vertreter einschlägt. Wer gegen ihn schreibt, hat es sich mit Donald Trump verspielt. Und seine Anhänger jubeln, denn die „Mainstream Media“ in den USA ist ihnen ebenfalls verhasst.

Doch die Gescholtenen haben nun die Faxen dicke und machen das, was sie tun sollten, sie berichten. Die Hoffnung, dass man mit Trump arbeiten kann, wurde von vielen aufgegeben. Trump der ein Präsident im Wahlkampf bleiben will, wird nun direkter angegangen. Trump will keine kritische Presse, er verlangt vielmehr Hofberichterstattung, Jubelberichte, Abdrucken und Senden ohne Nachfrage. Doch das wollen sich mehr und mehr Medien nicht mehr gefallen lassen.

Donald Trump regt sich an unpassender Stelle erneut über die Medien auf. Alles Lüge, sagt er. Foto: AFP.

Ganz deutlich wurde dies am Tag 1 der Regentschaft Donald Trumps. Der nutzte seinen Auftritt in der CIA Zentrale, um erneut gegen die Medien zu wettern. Er habe die größte „Inauguration“ aller Zeiten gehabt, er selbst habe ja die Menschenmassen gesehen. Trump tobte, denn zuvor wurden Zahlen und Bilder veröffentlicht, die belegen, die Amtseinführung des neuen Mannes im Weißen Haus hatte weit weniger als die Hälfte der Menschen angezogen, die 2009 zur „Inauguration“ von Barack Obama kamen. Nicht wahr, alles Lügen, Falschmeldungen. Trump schickte sogar seinen Pressesprecher vor die „White House Correspondents“ und ließ den Zahlen auflisten, die hinten und vorne nicht stimmten.

Auf CNN lächelten sie sich einen und sagten das, was schon lange in aller Deutlichkeit gesagt werden sollte: Trump lügt. Ja, sie sagten „he lies“. Die Washington Post, CNN und viele andere Medien zeigten einfach die Luftaufnahmen der Veranstaltungen, führten die Fahrgastzahlen des öffentlichen Verkehrsnetzes an. Trump wurde kalt erwischt, sein Versuch die Fakten erneut zu verdrehen wurde im Keim erstickt.

Die aktuelle Berichterstattung so einiger „Mainstream“ Medien macht Hoffnung in diesem Land, denn Journalisten haben eine mehr als wichtige Aufgabe, auch und vor allem im Königreich des Donald Trump. Trump ist es gewohnt sich mit Ja-Sagern und Jubelrufern zu umgeben. Doch es geht um die Kontrolle der Regierenden. Und die ist derzeit mehr als gefragt. Einige der Medien in den USA erkennen mehr und mehr ihre Verantwortung. Keine leichte Aufgabe, aber eine dringend benötigte in diesem Land.

 

Trump the Trumpeter

Ich hoffe, ich beleidige nun niemanden, der Trompete spielt. Aber so gut ins eigene Horn blasen, wie Donald Trump, kann wohl niemand. Das hat er gestern Abend mal wieder in einem „Town Hall Meeting“ mit Wählern in South Carolina gezeigt. Anderson Cooper von CNN moderierte und man merkte dem Moderator an, dass er nur allzu gerne nachfragen würde. Doch darum ging es nicht, das war gar nicht nötig. Trump lieferte, wie er in diesem Wahlkampf immer liefert.

Am Donnerstag war die Aufrgegung groß. Das Ted-Cruz-Lager hatte ein Bild veröffentlicht, auf dem der lächelnde Konkurrent Marco Rubio zu sehen ist, wie er die Hand von Barack Obama schüttelt. Es ist kein wirkliches Foto, es ist eine eindeutige Fotomontage. Die Aussage ist klar, Rubio steht dem verhassten Präsidenten nahe. Rubio wehrte sich gegen den „schmutzigen Wahlkampf“, Cruz lachte das ganze nur weg.

Die Fotomontage, die für viel Aufregung sorgte.

Die Fotomontage, die für viel Aufregung sorgte.

Und Donald Trump? Der setzte eine ganz gekonnte Spitze an. Wenn man sich das Bild ansehe, so Trump, „haben sie Marco sogar kleiner abgebildet. Und das hat ihn wohl am meisten geärgert. Er ist darauf sehr klein. Ich meine, er ist nicht so klein, aber eben auch nicht gerade groß“. Die Lacher waren auf seiner Seite.

Donald Trump ist ein Entertainer im wahrlich verstaubten Politzirkus. Seine Antworten auf die Fragen der Wähler waren null und nichtig, eigentlich gab er keine Antworten, erzählte vielmehr nur, was für ein toller und klurger Kerl er sei. Trump ist Trump und das macht den Wahlkampf zu einer Unterhaltungsshow.

In den Umfragen liegt er weiter vorne. Ich verstehe es auch nicht, wie man ihm sein „Nicht-Konzept“ abnehmen kann, aber viele Wähler wollen einen politischen Außenseiter in Washington DC sehen. Wenn ich mir die Berichterstattung in Deutschland über Trump durchlese, anhöre, ansehe, dann scheint es so, als ob Trump der gefährlichste Kandidat im Rennen sei. Sicherlich, die USA unter einem Präsidenten Donald Trump wären eine, nennen wir es milde gesagt, Herausforderung. Doch wen ich für eine wirkliche Gefahr halte, das ist Ted Cruz. Er beschreibt sich zwar selbst als Reagan-Republikaner, davon ist er jedoch weit weg. Gerade auch, weil er mit ganz fiesen Mitteln Wahlkampf führt. Das beschriebene Bild ist dabei nur ein kleines Versatzstück. Cruz verfälscht vielmehr Zitate seiner Mitstreiter, arbeitet mit Falschinformationen, führt einen Wahlkampf mit rassistischen Untertönen, das alles in ein christlich-erzkonservatives Gewand gehüllt. Und immer dieses Lächeln um die Lippen.

Ted Cruz, die derzeitige Nummer zwei im republikanischen Feld, ist eine Gefahr für die USA und die Weltgemeinschaft. Ein radikaler Fundamentalist, der vor Flächenbombardierungen nicht zurückschrecken, die religiösen Freiheiten in den USA einschränken, die Bürgerrechte massiv beschneiden würde. Er ist ein begnadeter Redner, man könnte ihn auch als Blender bezeichnen, denn seine eigentliche Message verkauft er in gezuckerten Worten. Mit ihm im Oval Office würden andere Zeiten anbrechen. Und ganz ehrlich, bei einer Wahl zwischen Trump und Cruz, würde ich für Trump stimmen, und das heißt schon einiges.