Voice FROM America

Die Dauerangriffe gegen CNN gehen weiter.

Donald Trump tweetete vor ein paar Tagen, dass der von ihm verhasste Nachrichtenkanal CNN die USA im Ausland schlecht darstelle. Er meint wohl, ein amerikanischer Sender müsse Jubelhymnen auf den Präsidenten, „God’s Country“ und sein ausgerufenes Mantra „America First“ in die Welt posaunen. So, und nicht anders habe ein US TV-Sender zu arbeiten, das zumindest lässt sich aus diesen Tweets lesen, die der 45. Präsident der Vereinigten Staaten gerne in den Morgenstunden beim „Genuss“ von „Fox and Friends“ raushaut.

Trump in seiner ganzen Kurzsichtigkeit übersieht dabei allerdings, dass nicht CNN International das Amerika-Bild in die Welt trägt, sondern Hunderte (Tausende?) von festen und freien ausländischen Korrespondenten, die aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten berichten. Doch das ist nichts Neues, dass internationle Journalisten, die hier leben und arbeiten, nicht von den Amerikanern wahrgenommen werden, schon gar nicht von den politischen Entscheidungsträgern. Unter Trump hat sich das allerdings noch einmal kräftig verstärkt. Hinterm amerikanischen Horizont geht es für viele hier nicht mehr weiter.

Übersehen wird, dass Korrespondenten, die für ausländische Medien arbeiten, tagtäglich ihre Eindrücke und Erfahrungen, ihre Analysen und Zusammenfassungen aus diesem Land übermitteln. Die USA zu erklären war schon immer kein leichtes Unterfangn. Obwohl uns Deutsche mit den Amerikanern viel verbindet, sah ich es auch immer als meine Aufgabe an, Hintergründe zu liefern, Einschätzungen zu geben, Entscheidungen und Ereignisse einzuordnen. Unter Trump erreicht das alles noch einmal eine ganz andere Dimenson, die oft ins Surreale kippt. Eine Nation, die von einem Twitter-Präsidenten regiert wird, der die eigenen Grundfesten der Demokratie unterhöhlt, wie will man das erklären? In der heutigen Berichterstattung aus den USA unter Donald Trump geht vieles verloren, was dieses Amerika so spannend und interessant macht. Alles wird auf einmal durch das Trump’sche Brennglas gesehen. Selbst eine unschuldige Ausstellung im de Young Museum von San Francisco über die Schätze aus der Ruinenstadt Teotihuacan erhält in diesen Wochen und Monaten einen politischen Spin. Trump ist der Newskönig geworden, über ihn und seine Folgen dreht sich die Berichterstattung aus den USA, er prägt das Bild Amerikas in diesen Tagen. Und das wird eben nicht (nur) von CNN International in die Welt getragen, sondern vor allen von internationalen Korrespondenten, die, zumindest bislang von Trump noch ungescholten und ungehindert, aus diesem Land berichten.

„Modern Day Presidential“

Da steht man morgens ganz unbescholten auf, erkennt sich kaum im Spiegel, der Kaffee läuft, während man mit dem Hund um den Block geht. Schließlich sitzt man im Sessel, will seine Sonntagszeitung und über die Nachrichten der Nacht lesen und stolpert über die Meldung von Donald Trumps jüngstem Tweet. Gestern noch verkündete der Präsident der Vereinigten Staaten, dass sein Verhalten „modern day presidential“ sei, heute legt er nach und zeigt, was er damit meint.

Sein jüngster Tweet ist ein Video aus dem Jahr 2007. Damals machte Trump bei den Show-Wrestlern von WWE mit. „The battle of the billonaires“ hieß die Ausgabe. Am Rande des Rings gab es die Einlage, wie Trump auf Vince McMahon, dem Präsidenten der Show Catcher einschlägt. Und dieser Videoausschnitt ist nun auf @realDonaldTrump zu sehen, allerdings wurde über das Gesicht von McMahon das CNN Logo platziert, so als ob Donald Trump auf CNN einschlägt. Ja, so etwas nennt man dann „modern day presidential“. (Das Video ist hier zu sehen).

Die Reaktionen sind dementsprechend. CNN selbst ist entsetzt und schreibt, der Präsident fordere zur Gewalt gegen den Sender und seine Reporter auf. Trumps Heimatschutzberater, Tom Bossert, hingegen erklärte in der ABC Sendung „This Week“, dass das Video alles andere als eine Drohung sei. „Niemand würde das als eine Drohung erkennen. Ich hoffe, sie tun es nicht“. Sowieso sei die Art der Kommunikation von Trump „authentisch“.

In Washington schüttelt man nur noch den Kopf über diesen „modern day“ Präsidenten. Demokraten und Republikaner wissen schon gar nicht mehr, was sie noch auf die Fragen der Reporter anworten sollen. Unklar ist, wie Trump seine Politik durchsetzen will, wenn er sich wie ein fünfjähriger Knirps auf dem Spielplatz verhält, dem man das Sandförmchen weggenommen hat, weil er damit ständig Sand auf andere geworfen hat.

 

Entertainment am Samstagmorgen

Der „Tweeter in Chief“ gibt sich keine Auszeit. Er ist zwar über das verlängerte 4th of July Weekend auf seinem Anwesen in Bedminister im Norden New Jerseys, doch am Samstagmorgen holte Trump mal wieder für einen Rundumschlag aus. Beleidigend und sehr direkt gab er sich. Unterstellte NBC und CNN, dass sie „Fake News“ seien und Leute entliessen, die positiv über ihn berichten wollten, die MSNBC Moderatoren Joe Scarborough und Mika Brzezinski seien „verrückt“ und „dumm wie ein Stein“. Und dann gratulierte er den Kanadiern noch zu ihrem „Canada Day“ und nannte Präsident Justin Trudeau einen „neuen Freund“. Ob der das allerdings so gerne hört und liest sei mal dahingestellt!

Trump feiert sich selbst

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Und Präsident Donald Trump sammelt bereits Gelder für den nächsten Wahlkampf ein. Nicht nur das, er hat nun auch schon einen Werbespot über seine bislang erreichten „Erfolge“ produzieren lassen. Eine Lobhudelei, die ihn ins rechte Licht setzen soll. Zumindest bei seinen Wählern. Einige Sender, darunter CNN haben sich jedoch geweigert, diesen Clip zu spielen. Der Grund liegt darin, dass einige Moderatoren und Journalisten des Nachrichtenkanals am Ende des Spots als „Fake News“ bezeichnet werden. CNN forderte, dass dies unterlassen, der Clip neu geschnitten werden sollte. Das Trump-Lager weigerte sich allerdings, somit ging das Trump Video zumindest bei CNN nicht auf Sendung.

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Die lange Nase des Donald Trump

Donald Trump nennt sie „unehrlich“, „Schmierenpresse“, „Lügenpresse“, „Fake News“. Keine Veranstaltung vergeht, in der Trump nicht auf die amerikanischen Medien und ihre Vertreter einschlägt. Wer gegen ihn schreibt, hat es sich mit Donald Trump verspielt. Und seine Anhänger jubeln, denn die „Mainstream Media“ in den USA ist ihnen ebenfalls verhasst.

Doch die Gescholtenen haben nun die Faxen dicke und machen das, was sie tun sollten, sie berichten. Die Hoffnung, dass man mit Trump arbeiten kann, wurde von vielen aufgegeben. Trump der ein Präsident im Wahlkampf bleiben will, wird nun direkter angegangen. Trump will keine kritische Presse, er verlangt vielmehr Hofberichterstattung, Jubelberichte, Abdrucken und Senden ohne Nachfrage. Doch das wollen sich mehr und mehr Medien nicht mehr gefallen lassen.

Donald Trump regt sich an unpassender Stelle erneut über die Medien auf. Alles Lüge, sagt er. Foto: AFP.

Ganz deutlich wurde dies am Tag 1 der Regentschaft Donald Trumps. Der nutzte seinen Auftritt in der CIA Zentrale, um erneut gegen die Medien zu wettern. Er habe die größte „Inauguration“ aller Zeiten gehabt, er selbst habe ja die Menschenmassen gesehen. Trump tobte, denn zuvor wurden Zahlen und Bilder veröffentlicht, die belegen, die Amtseinführung des neuen Mannes im Weißen Haus hatte weit weniger als die Hälfte der Menschen angezogen, die 2009 zur „Inauguration“ von Barack Obama kamen. Nicht wahr, alles Lügen, Falschmeldungen. Trump schickte sogar seinen Pressesprecher vor die „White House Correspondents“ und ließ den Zahlen auflisten, die hinten und vorne nicht stimmten.

Auf CNN lächelten sie sich einen und sagten das, was schon lange in aller Deutlichkeit gesagt werden sollte: Trump lügt. Ja, sie sagten „he lies“. Die Washington Post, CNN und viele andere Medien zeigten einfach die Luftaufnahmen der Veranstaltungen, führten die Fahrgastzahlen des öffentlichen Verkehrsnetzes an. Trump wurde kalt erwischt, sein Versuch die Fakten erneut zu verdrehen wurde im Keim erstickt.

Die aktuelle Berichterstattung so einiger „Mainstream“ Medien macht Hoffnung in diesem Land, denn Journalisten haben eine mehr als wichtige Aufgabe, auch und vor allem im Königreich des Donald Trump. Trump ist es gewohnt sich mit Ja-Sagern und Jubelrufern zu umgeben. Doch es geht um die Kontrolle der Regierenden. Und die ist derzeit mehr als gefragt. Einige der Medien in den USA erkennen mehr und mehr ihre Verantwortung. Keine leichte Aufgabe, aber eine dringend benötigte in diesem Land.

 

Trump the Trumpeter

Ich hoffe, ich beleidige nun niemanden, der Trompete spielt. Aber so gut ins eigene Horn blasen, wie Donald Trump, kann wohl niemand. Das hat er gestern Abend mal wieder in einem „Town Hall Meeting“ mit Wählern in South Carolina gezeigt. Anderson Cooper von CNN moderierte und man merkte dem Moderator an, dass er nur allzu gerne nachfragen würde. Doch darum ging es nicht, das war gar nicht nötig. Trump lieferte, wie er in diesem Wahlkampf immer liefert.

Am Donnerstag war die Aufrgegung groß. Das Ted-Cruz-Lager hatte ein Bild veröffentlicht, auf dem der lächelnde Konkurrent Marco Rubio zu sehen ist, wie er die Hand von Barack Obama schüttelt. Es ist kein wirkliches Foto, es ist eine eindeutige Fotomontage. Die Aussage ist klar, Rubio steht dem verhassten Präsidenten nahe. Rubio wehrte sich gegen den „schmutzigen Wahlkampf“, Cruz lachte das ganze nur weg.

Die Fotomontage, die für viel Aufregung sorgte.

Die Fotomontage, die für viel Aufregung sorgte.

Und Donald Trump? Der setzte eine ganz gekonnte Spitze an. Wenn man sich das Bild ansehe, so Trump, „haben sie Marco sogar kleiner abgebildet. Und das hat ihn wohl am meisten geärgert. Er ist darauf sehr klein. Ich meine, er ist nicht so klein, aber eben auch nicht gerade groß“. Die Lacher waren auf seiner Seite.

Donald Trump ist ein Entertainer im wahrlich verstaubten Politzirkus. Seine Antworten auf die Fragen der Wähler waren null und nichtig, eigentlich gab er keine Antworten, erzählte vielmehr nur, was für ein toller und klurger Kerl er sei. Trump ist Trump und das macht den Wahlkampf zu einer Unterhaltungsshow.

In den Umfragen liegt er weiter vorne. Ich verstehe es auch nicht, wie man ihm sein „Nicht-Konzept“ abnehmen kann, aber viele Wähler wollen einen politischen Außenseiter in Washington DC sehen. Wenn ich mir die Berichterstattung in Deutschland über Trump durchlese, anhöre, ansehe, dann scheint es so, als ob Trump der gefährlichste Kandidat im Rennen sei. Sicherlich, die USA unter einem Präsidenten Donald Trump wären eine, nennen wir es milde gesagt, Herausforderung. Doch wen ich für eine wirkliche Gefahr halte, das ist Ted Cruz. Er beschreibt sich zwar selbst als Reagan-Republikaner, davon ist er jedoch weit weg. Gerade auch, weil er mit ganz fiesen Mitteln Wahlkampf führt. Das beschriebene Bild ist dabei nur ein kleines Versatzstück. Cruz verfälscht vielmehr Zitate seiner Mitstreiter, arbeitet mit Falschinformationen, führt einen Wahlkampf mit rassistischen Untertönen, das alles in ein christlich-erzkonservatives Gewand gehüllt. Und immer dieses Lächeln um die Lippen.

Ted Cruz, die derzeitige Nummer zwei im republikanischen Feld, ist eine Gefahr für die USA und die Weltgemeinschaft. Ein radikaler Fundamentalist, der vor Flächenbombardierungen nicht zurückschrecken, die religiösen Freiheiten in den USA einschränken, die Bürgerrechte massiv beschneiden würde. Er ist ein begnadeter Redner, man könnte ihn auch als Blender bezeichnen, denn seine eigentliche Message verkauft er in gezuckerten Worten. Mit ihm im Oval Office würden andere Zeiten anbrechen. Und ganz ehrlich, bei einer Wahl zwischen Trump und Cruz, würde ich für Trump stimmen, und das heißt schon einiges.

 

Keine große Show

Das war also die erste Fernsehdebatte der Demokraten. Kein großes Ereignis, kein großes Fernsehen, kein Hauen und Stechen. Hillary Clinton, Bernie Sanders und drei weitere Kandidaten, die so gut wie niemand kennt und bei denen man sich fragt, warum sie überhaupt auf der Bühne stehen. Viele Kommentatoren erklärten anschließend, die Debatte sei so lahm und langweilig gewesen, sie hätten immer mal wieder zum live übertragenen Baseballspiel umgeschaltet. Als ob das eine spannende Alternative wäre.

Ein nettes Zusammenkommen demokratischer Politiker.

Ein nettes Zusammenkommen demokratischer Politiker.

Genau da liegt das Problem Amerikas. Politik ist nicht Entertainment, auch wenn ein republikanischer Präsidentschaftskandidat Donald Trump es unterhaltsam gestalten will. Politik ist Sachthemen, Statistiken, trockene Zahlen, diplomatisches Feingefühl, Zukunftsvisionen, Sachkenntnis. Eigentlich muß so eine Fernsehdebatte langweilig sein und dennoch die Menschen ansprechen. Was Trump und seine Mitstreiter da auf der republikanischen Seite liefern, hat nur wenig mit Politik zu tun. Es ist Showbusiness, ein schwarz-weiß Bild malen, den Sündenbock ausmachen und einfach erklären, man mache alles besser. Ganz offensichtlich wird das beim verhassten Iran-Deal von Präsident Barack Obama. Alle auf der republikanischen Bühne erklären, es wäre der schlechteste Deal überhaupt, sie alle könnten es besser machen. Übersehen wird dabei, dass der Deal nicht einfach so zwischen den USA und dem Iran abgeschlossen wurde. Weitere Nationen, die UN sassen da mit am Tisch und verhandelten über Jahre diesen Deal aus. Aber egal, die Republikaner sind die Könige der Schlagworte und der Einzeiler.

Die demokratische Debatte drehte sich dann wirklich auch um Sachthemen. Und man erkannte den eigentlich politischen Gegner, die Republikaner. Ein gegenseitiges Niedermachen, ein drauflos schlagen auf die Parteikollegen gab es nicht. Ganz im Gegenteil, zu fast 90 Prozent stimmte man miteinander überein. Als Sieger, wenn man das überhaupt so nennen darf, kam Hillary Clinton aus dieser Debatte, denn sie liegt in den Umfragen weiterhin vorne, machte keinen Fehler und wird auch in den kommenden Wählerbefragungen weiter führen. Als Verlierer kann eigentlich nur Joe Biden genannt werden, der noch immer nicht eindeutig zu einer Kandidatur geäußert hat. Er verliert an Boden, umso länger er damit wartet. Die Demokraten haben noch fünf weitere Debatten geplant, man muß sich allerdings fragen, was da noch groß diskutiert werden soll. Es wird Zeit, dass wir, die Wähler, endlich wählen können.

Der Countdown läuft

Seit Tagen spinnt CNN. Ehrlich, die haben eine Macke. Heute findet die erste Fernsehdebatte der  demokratischen Kandidaten statt und der 24/7 News Channel dreht am Rad. CNN läßt schon seit Tagen einen Countdown laufen, so, als ob bei Null die Erde bebt. Kommentatoren und ihre Gäste diskutieren über einen Debatte, die eigentlich für die Tonne ist. Denn Hillary Clinton liegt in allen Umfragen vorne, ihr „großer“ Herausforderer, der Senator Bernie Sanders, macht sich zwar gut, aber hat keine Chance. Die anderen drei auf der Bühne heute Abend laufen unter ferner liefen.

Alles "ready" in Las Vegas.

Alles „ready“ in Las Vegas.

Ach ja, da ist dann noch das Extrapult, das CNN neben der Bühne stehen hat. Das steht da, weil man ja auf den Fall der Fälle vorbereitet sein will, falls Vize-Präsident Joe Biden doch noch in Las Vegas auftaucht, um seine Kandidatur zu erklären. Ich sag‘ doch, die spinnen!

Hillary Clinton wird, wenn sie nicht noch irgendetwas ganz bescheuertes macht, die Kandidatin ihrer Partei werden. Daran geht kein Weg vorbei. Ob ich das nun gut finde oder nicht, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Bernie Sanders liegt mir mit seinen Themen, seinen Haltungen und Vorstellungen, seinen politischen Überzeugungen mehr, aber er hat sich selbst aus dem Rennen geschossen. In Umfragen wurde klar, dass Amerikaner heute kein Problem mehr damit hätten, eine Frau, einen Schwarzen, einen Juden, einen Katholiken oder einen Hispanic zu wählen. Mehr als 90 Prozent der Befragten stimmten mit Ja. Doch für einen Sozialisten, wie es Bernie Sanders nach eigenen Angaben ist, würden weniger als die Hälfte der Amerikaner votieren. Noch weniger als für einen erklärten Atheisten.

Das ist eine klare Aussage. Selbst wenn – und dieses wenn ist so, als ob Weihnachten und Ostern im kommenden Jahr auf einen Tag fallen – wenn Bernie Sanders sich trotz allem im demokratischen Vorwahlkampf gegen Hillary Clinton durchsetzen sollte, dann würde er deshalb dennoch nicht am 8. November 2016 zum Präsidenten gewählt werden. Ein bekennender Sozialist ist in den USA unwählbar.

Die Unterstützer von Bernie Sanders können zu diesem Zeitpunkt nur hoffen, dass ihr Kandidat lange im Rennen bleibt, Hillary Clinton das Leben schwer macht. Denn dann hätte er eine Möglichkeit die Politik Clintons zu beeinflussen. Nur als gemeinsame Kandidatin der demokratischen Partei hat Hillary eine Chance am Wahltag gegen den republikanischen Herausforderer zu punkten. Sie müsste sich politisch bewegen und den doch wichtigen und durchaus wiedererstarkten linken Flügel der eigenen Partei für sich gewinnen. Das geht nur mit Zugeständnissen an das Sanders Lager und Kompromissen. Darauf bauen viele, die sich derzeit von Hillary Clinton ab- und Bernie Sanders zuwenden.

Ich hab‘ doch keine Ahnung!

Ich glaube, ich habe gestern die falsche Fernsehdebatte der Republikaner gesehen. Denn was ich heute lese, trifft so gar nicht das, was ich da beobachtet habe. Es heißt, die frühere CEO von Hewlett-Packard, Carly Fiorina, habe den Abend für sich entschieden. Klar, sie hat gut auf Donald Trump reagiert, das stimmt. Aber die Kommentatoren zeigten sich anschließend davon beeindruckt, dass Carly eine „gute Rednerin“ sei und ihre Themen „verständlich“ vermitteln könne. Hallo! Geht’s noch? Also sexistischere Kommenatere kann es ja wohl nicht geben. Das klingt ja so, als ob man verwundert war, dass nicht nur eine Frau mit auf der Bühne stand, sondern auch noch, dass sie in zusammenhängenden Sätzen sprechen konnte.

Ihre Nase wuchs dann doch nicht auf der Bühen - Carly Fiorina. Foto: AFP.

Ihre Nase wuchs dann doch nicht auf der Bühen – Carly Fiorina. Foto: AFP.

Carly Fiorina kam äußerst unterkühlt rüber. Alle anderen auf der Bühne lachten zumindest einmal, machten teils Witze oder reagierten locker auf die Fragen der Moderatoren. Vielleicht sehe ich Carly Fiorina zu verbissen, kann durchaus sein, aber überzeugend war ihr Auftreten für mich nicht. Vor allem auch nicht, wenn man weiß, dass sie auf der Bühne gelogen hat. Sie forderte, die staatliche Finanzierung der Gesundheitskliniken von „Planned Parenthood“, in denen auch Abtreibungen durchgeführt werden, zu beenden. Dabei bezog sie sich auf umstrittene Videos. Fiorina sagte wörtlich: „Jeder, der diese Videos gesehen hat – ich fordere Hillary Clinton, Barack Obama auf, sich diese Bänder anzusehen – zuschauen, wie ein völlig entwickelter Fötus auf dem Tisch liegt, das Herz schlägt, seine Beine strampeln und jemand sagt; „Wir müssen ihn am Leben halten, um sein Gehirn zu bekommen“. Es geht hier um den Charakter unserer Nation. Und wenn wir nicht aufstehen und Präsident Obama zwingen, dieses Gesetz zu blockieren, Schande über uns alle.“

Einziges Problem, dieses Video gibt es gar nicht. Was da Carly „Pinochio“ Fiorina gesehen haben will war nicht aus dieser Welt. In den bislang bekannten Videos ist solche eine Szene nicht zu sehen. Auch nicht etwas annähernd brutales. Carly Fiorina wurde mit ernster Miene in der Fernsehdebatte zur Märchentante, die ihre Zuhörer schön gruseln wollte. Und das erreichte sie. Ein Wunder nur, dass ihr keine lange Nase wuchs. Natürlich weiß ich, dass im Wahlkampf gelogen wird bis sich die Balken biegen, aber das ist dann schon eine krasse Nummer.

Am Tag danach feierte sich CNN selbst. 25 Millionen Zuschauer schalteten sich zu, so viele, wie noch nie zuvor. Klar, CNN sah das als Erfolg des eigenen Konzeptes. Doch vielmehr lag es daran, dass Donald Trump wieder einmal auf der Bühne stand. Er ist der Entertainer im Wahlkampfzirkus, der die Massen anzieht, schockiert und unterhält. Auch am Mittwoch lieferte er, gute Breitseiten gegen die anderen Kandidaten, er klopfte sich wie immer mehrmals auf die eigenen Schultern und bestach durch aberwitzige politische Ideen. Genau das will man sehen und hören. Das kommt an in diesen Tagen. Also, auf zur nächsten Runde, die am 28. Oktober stattfinden wird.

 

 

Die Macht der Frauen

Die zweite Runde steht an. Diesmal stehen elf Republikaner auf der Bühne, um die Fernsehnation von sich zu überzeugen. Donald Trump, Jeb Bush, Scott Walker, Marco Rubio, Rand Paul, Ted Cruz, Mike Huckabee, Ben Carson, Chris Christie, John Kasich und diesmal auch Carly Fiorina. Zuvor schon tritt die zweite Reihe der Kandidaten an: Rick Santorum, Bobby Jindal, Lindsey Graham, George Pataki und Jim Gilmore. Rick Perry sollte eigentlich auch noch dabei sein, doch der ist ja aus dem Rennen ausgestiegen und überlegt nun, was er mit den Spenden, die er erhalten hat, machen soll.

Die Debatte wird live von CNN aus der Ronald Reagan Presidential Library im kalifornischen Simi Valley übertragen werden. Absolut präsidial vor einer ausgemusterten Air Force One Maschine. Und klar ist schon im Vorfeld, zehn werden sich auf einen stürzen. Denn bislang hatte Donald Trump Narrenfreiheit, er hat sich in den letzten Wochen und Monaten selbst zur Zielscheibe der innerparteilichen Kontrahenten gemacht. Keiner spaltet die Partei so sehr wie Donald Trump. Zuletzt ließ der Donald es krachen, als er die ehemalige Hewlett-Packard Chefin Carly Fiorina heftigst mit den Worten angriff, wer wolle schon dieses Gesicht sehen?

Fiorina ließ den Angriff auf sich und ihr Aussehen locker abperlen und produzierte sogar einen Werbespot mit dem Titel „Faces“, der sehr gut ankam. Vor allem bei Frauen, die immer mehr zur politischen Macht im amerikanischen Wahlkampf werden. Zum einen machen sie 52 Prozent der Wähler aus, zum anderen werden viele Frauen mit der Aussicht Hillary Clinton als Präsidentin nicht richtig warm. Zwar stimmte der Großteil der Frauen in den USA seit George Bush 1988 für den demokratischen Kandidaten, darauf baute und baut Hillary Clinton in diesem Wahlkampf. Doch das will Carly Fiorina nun ändern. Sie greift an, als Geschäftsfrau, die sich von Männern, auch und erst recht von großmäuligen Geschäftsmännern wie Donald Trump nichts vorschreiben läßt. Es wird mit Sicherheit ein interessanter und unterhaltsamer Fernsehabend am heutigen Mittwoch werden.

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