Die USA, der Irak, die Terrorgruppe IS

Die Sendung Frontline auf PBS ist herausragendes Fernsehen.

Frontline auf PBS ist herausragendes Fernsehen.

Das amerikanische Fernsehprogramm ist meist erlähmend blöd. Man muß schon gezielt suchen, um gute Angebote zu finden. In all den “Reality”, “Comedy” und sendezeitenfüllenden Shows finden sich aber auch wahre Perlen. Von Fernsehserien wie “The Wire” oder “Breaking Bad” bis hin zu “Pawn Stars”. Im Bereich Nachrichten wird es ganz schlimm. Entweder versuchen lokale Sender wirklich jedes Thema auf eine lokale Ebene zu ziehen, d.h. irgendeiner läßt sich immer finden, der irgendwann einmal an irgendeinem Ort in irgendeinem Restaurant was gegessen oder getrunken hat. Und der gilt dann als Experte und also lokaler Bezug; “Jim aus San Francisco war vor fünf Jahren genau da, wo heute Morgen Terroristen zwei Geiseln genommen haben”. Meist kommt dann noch ein “Live-Bericht”, der sieht dann so aus, dass sich Reporter Joe Smurf nachts um 11 vor das Haus von Jim stellt und erzählt, wie das Interview mit Jim am Nachmittag verlief. Absage dann “Joe Smurf live aus San Francisco für Kanal Schlagmichtot”.

Nachrichten sind zum umkämpften Geschäft und zur Unterhaltung geworden. Man muß nur im Kabelsalat FOXNews, CNN Headline News, CNBC einschalten, irgendeiner brüllt immer oder hat fragwürdige Interviewpartner im Studio oder sendet zweifelhaft geschnittene Beiträge. Es geht nicht mehr um die Information, es geht um die Nachrichtenberieselung, wässrig, dünn und manipuliert. Und das 24 Stunden lang, sieben Tage die Woche. Fakten und eine richtige Berichterstattung stehen dabei nicht mehr im Vordergrund.

Eine absolute Ausnahme in dieser Newssuppe ist PBS, der öffentlich-rechtliche Kanal. Und dort, neben dem Nachrichtenmagazin “News Hour”, vor allem die Sendung “Frontline”. Dokumentationen, wie sie besser nicht sein könnten. Es geht um Themen aus aller Welt und aus den USA. Um Bereiche, die für mich als Zuschauer weit weg oder ganz nah sind. Das ist Fernsehjournalismus der Extraklasse. Für mich eine der besten Sendungen über den Genozid in Ruanda, und ich habe mich mit dem Thema sehr intensiv beschäftigt, ist die Frontline Dokumentation “Ghosts of Rwanda”, die man ohne weiteres auf youtube finden kann.

ISIS Kämpfer in der Frontline Dokumentation "The Rise of ISIS"

ISIS Kämpfer in der Frontline Dokumentation “The Rise of ISIS”

Gestern zeigte die Redaktion eine Sendung über den Aufstieg der Terrorgruppe ISIL oder ISIS oder IS im Irak und Syrien. “The Rise of ISIS” ist eine beeindruckend recherchierte und präsentierte Dokumentation. Und sie läßt kein gutes Haar an den USA, Präsident Barack Obama und seine Strategie eines schnellen Abzugs aus dem Land. Die USA unter Bush und unter Obama setzten auf den machtbesessenen und “paranoiden” irakischen Präsidenten Nouri al-Maliki. Bush führte die USA in eine Katastrophe, Obama wollte so schnell wie möglich davon weg. Beide Präsidenten, das wurde in “The Rise of ISIS” deutlich gemacht, hatten keinen langfristigen Plan. Es gab jeweils ein Ziel, das wurde erreicht. Saddam Hussein gestürzt, doch was kam danach? Die USA zogen ihre Kampftruppen aus dem Irak ab, doch was kam danach? Frontline, das wurde mir gestern wieder bewußt, ist die wohl beste, politische Dokumentarsendung, die es gibt. Fernsehen kann sich auch heute noch im Zeitalter der Rund-um-die-Uhr-Bespaßung lohnen.

Erdbeben im News Geschäft

Gleich zwei Schlagzeilen drehen sich um das Newsgeschäft. “Al Jazeera America” geht in diesen Tagen on-air und bei FOXNews wird einiges durcheinander gewürfelt. Mit Hochspannung wartet man auf den Start des neuen Nachrichtenkanals. Al Jazeera steht noch immer im Ruf, in den USA pro-islamistische Propaganda zu verbreiten. Totaler Quatsch, aber sowas hält sich. Vielmehr berichet der Kanal aus einer Region und aus einem Blickwinkel, der von amerikanischen Stationen total vernachlässigt wird. Am 20. August ist nun der Sendestart des neuen Nachrichtenkanals geplant.

Bei FOXNews werden die Sendeplätze neu vergeben. Der konservative und stark ideologisch ausgerichtete Sean Hannity verliert seinen 21 Uhr Programmplatz. Er hat seit der letzten Wahl 35 Prozent an Zuschauern eingebüßt. Das liegt auch daran, dass Hannity vor der Wahl immer auf die falschen republikanischen Kandidaten setzte und dazu noch demagogische Talk-Gäste, wie Dick Morris, einlud, die ihre stark gefärbten Einschätzungen und Analysen verbreiten durften. Bis zum Schluß glaubte Morris, dass Mitt Romney die Wahl gewinnen würde. Ein fataler Fehler, FOXNews wurde dann kalt erwischt. Hannity muß also weichen und nicht nur hier, er verliert nun auch seine “syndicated” Radioshow. Wie es heißt, wird Cumulus Media die tägliche “The Sean Hannity Show” nicht länger auf Hunderten von Stationen im Land verbreiten. Hannitys Zeit scheint damit abgelaufen zu sein.

Auf den 21 Uhr Spot von FOXNews wird nun Megyn Kelly ziehen, die bereits eine Nachmittagssendung auf dem Sender hatte. Sie gilt als gemäßigter, liberaler und auch weltoffener als Hannity. Ihre Zuschauerzahlen schossen in den letzten Monaten nach oben, ein klares Zeichen für die Senderverantwortlichen, Kelly auf einen “Drive-Time” Platz zu setzen. Einige Beobachter werten dieses Programmgeschiebe bereits als “Liberalisierung” von FOXNews, doch das muß dahin gestellt bleiben. Der Nachrichtenkanal lebt von seinen konservativen und teils extremen Einschätzungen der politischen Landschaft. Das ist die Nische, die sich FOXNews im Kampf gegen CNN und MSNBC geschaffen hat.

“Hier Pilot Ho Lee Fuk, Wi Tu Lo”

KTVU war der Sender, der über den Flugzeugcrash am Airport von San Francisco berichtete. CNN übernahm die Bilder des Lokalsenders und schickte die Aufnahmen in alle Welt, die Reporter der Station waren ganz nah dran am Thema. Und dann kam am Freitag dieser Fauxpas der Extraklasse. Die Nachrichtensprecherin Tori Campbell verkündete in der 12-Uhr-Mittagssendung, man habe nun die Namen der Besatzung des Unglücksfliegers bekommen, die von der “National Transportation Safety Board” (NTSB) bestätigt wurden. Und dann las sie die Namen vor, die auch noch eingeblendet wurden: Captain Sum Ting Wong, Wi Tu Lo, Ho Lee Fuk, Bang Ding Ow.

Doch diese Namen waren eher ein schlechter, rassistischer Witz, auf Kosten der Aussprache vieler Asiaten. Wer sie laut vorliest müßte gleich merken, das hier was nicht stimmt. “Sum Ting Wong” liest sich “Something Wrong”, “Wi Tu Lo” steht für “We are too low”, “Ho Lee Fuk” heißt klarer geschrieben “Holy Fuck” und “Bang Ding Ow” ist wohl eher als Aufschrei nach einem heftigen Stoß zu verstehen. Am Ende der Nachrichtensendung wußte selbst Campbell, dass etwas nicht stimmt. Der Sender ruderte gleich zurück und versuchte auf den Grund der Verbalkatastrophe zu kommen.

Auch die NTSB veröffentlichte eine Erklärung, in der es hieß, ein Praktikant habe unerlaubterweise den Anruf des Senders angenommen und die Namen einfach bestätigt, die angefragt wurden. Woher KTVU die Namen ursprünglich hatte, ist unklar, eine Panne folgte der anderen, alles im Rennen um die exklusive (!) Meldung der Pilotenliste. Am Abend dann entschuldigte sich erneut Anchorman Frank Somerville für den Sender.

Peinlich, peinlich, den Schaden haben die Medien, die im Rausch nach der vermeintlichen Exklusivmeldung die sorgfältige Recherche zum Fenster rauskippen….Holy F….!

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The Day After

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Die republikanische Partei steht vor einem Scherbenhaufen. Auf dem Murdoch Nachrichtenkanal FOXNews trafen sie sich heute alle. Einige gestanden ein, dass sie Fehler in ihren Analysen gemacht haben, andere gingen unmittelbar zum Angriff auf Obama über. Der Präsident werde nur noch weiter die glorreichen USA an die sozialistischen Euroländer heranführen. Dem könne man nicht zusehen, als Konservativer und Patriot sei man nun gefragt, sich für Amerika einzusetzen. In zwei Jahren stehen die nächsten Kongresswahlen an und schon jetzt müsse das Fundament für den nächsten Kampf ums Weiße Haus gelegt werden.

Ach du meine Güte, jetzt geht das Theater wieder von vorne los! Einzige Überraschung für mich an diesem Tag war der frühere Bürgermeister von New York und Präsidentschaftskandidat Rudy Giuliani. Er meinte auf CNN, Romney sei ein guter Mann, habe aber Fehler gemacht, in dem er es nicht geschafft habe, die Latino Wähler im Land anzusprechen. Und er warf seiner Partei vor keinen klaren Kurs zu fahren. Man könne nicht auf der einen Seite verlangen, die Bundesregierung dürfe nicht noch weiter wachsen und solle sich möglichst aus allem raus halten und gleichzeitig fordern, dass sie sich in soziale und private Angelegenheiten der Bürger, wie gleichgeschlechtliche Ehen, einmische. Das könnten die einzelnen Bundesstaaten viel besser entscheiden und lösen.

Der Tag danach war eine Bauchnabelschau. Die einen schlugen sich freudig erregt auf den Wanst, dankbar noch einmal die Kurve gekratzt zu haben. Die anderen puhlten sich die Fussel aus dem Bauchnabel und überlegten, wie es dazu kommen konnte. Zum “Day After” gibt es oben einen aktuellen Audiobericht.

 

“Ihr könnt mich mal…”

…so zumindest kann man Mitt Romneys jüngste Aussage verstehen, dass er sich eigentlich nicht um die Armen in den USA sorge. In einem Interview mit CNN nach seinem Wahlerfolg in Florida erklärte er: “Ich mache mir keine Sorgen um die Armen. Wir haben ein Sozialnetz. Wenn es repariert werden muß, dann werde ich das tun. Ich sorge mich auch nicht um die Reichen, denen geht es gut. Ich sorge mich um das Herz Amerikas, die 90-95 Prozent Amerikaner, die zur Zeit kämpfen müssen”.

Solch eine Aussage ist eine Steilvorlage für den politischen Gegner und zeigt eigentlich nur, dass Mitt Romney schon lange jeden Bezug zur Realität in den USA verloren hat. 90-95 Prozent der Amerikaner als Mittelschicht zu deklarieren ist ein Zeichen für eine verblendete Bestandsaufnahme des Alltags im eigenen Land. Wer die wachsende und schleichende Armut in den Vereinigten Staaten nicht wahrnehmen kann oder will, sollte eigentlich nicht um das Amt des Präsidenten kandidieren.

 

 

Tolles Live-Interview

Larry King ist ja nicht gerade bekannt für harte Interviews. Er kriegt sie zwar alle in seine Show, aber die Warmduscherei ist manchmal unerträglich. Umso schöner nun das Interview mit Carrie Prejean, die einstige Miss California, die beim US-Wettbewerb erklärte, sie sei gegen die Homo-Ehe. Das kostete ihr die Krone, danach wurde sie von allen Seiten runtergeputzt. Nur die politische Rechte im Land nahm sie in Schutz. Der Schulterschluss mit Sarah Palin war perfekt.

Nun ist sie also auf “Book Tour”, präsentiert ihr Buch und landete eben auch in “Larry King Live” auf CNN. Dem platzte allerdings der Kragen, als die junge Schönheit ihn massregelte. Ein tolles Fernseherlebnis, das so sicherlich nicht geplant war:

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Ein Bild mit Folgen?

Major Nidal Malik HasanMan kann es nicht anders sagen, CNN und all die anderen Nachrichtenkanäle lieben Tragödien. Gerade haben die TV-Sender einen “field day”, einen Tag, an dem sie alles aus- und auffahren, was sie zu bieten haben. Die Katastrophe im texanischen Fort Hood belegt das nur zu gut. Nun wird rund um die Uhr von dem Vorfall berichtet, der Amerika wirklich ins Herz getroffen hat. Weit über 500 Soldaten von Fort Hood sind bereits gestorben, allerdings in den Einsätzen im Irak und in Afghanistan. So viele, wie aus keiner anderen Kaserne. Die Soldaten und ihre Angehörigen haben gelernt mit Trauer umzugehen. Doch das einer aus ihrer Mitte ein Massaker anrichtet und wild durch die Gegend ballert, dabei wahllos seine Kameraden abschiesst, das ist nur schwer zu schlucken. Die vermeintliche Sicherheit auf eigenem Grund und Boden ist dahin.

Doch die tödlichen Schüsse werfen Fragen auf. Natürlich die, warum Major Nidal Malik Hasan überhaupt darauf kam auf seine Kollegen zu schiessen? Doch es wirft auch die Frage auf, wie Amerika mit den traumatischen Erlebnissen seiner Soldaten umgeht. Hasan war noch nicht im Kriegseinsatz, sollte in wenigen Wochen nach Afghanistan geschickt werden. Allerdings war sein Job mit jenen Soldaten zu arbeiten, die von der Front zurück in die Heimat kamen. Er hörte die Geschichten aus den Kampfgebieten. War das der Grund für die tödlichen Schüsse?

Und zuletzt wirft gerade dieses Bild von CNN die Frage auf, wie Amerika mit seinen muslimischen Bürgern umgeht und nun umgehen wird? Kurz nach Bekanntwerden der Bluttat stürzten sich sofort einige Kommentatoren auf den Namen des Täters: Nidal Malik Hasan. Ein Muslim, der, wie Zeugen erklärten, vor der Tat “Allahu Akbar!” – Gott ist grossartig – geschrien haben soll. Nur wenige Wochen vor dem Zwischenfall, sei Hasans Auto demoliert, ein Aufkleber mit “Allah is Love” runtergerissen worden. Die Polizei verhaftete einen Army-Mitarbeiter. Es geht hier nicht um Erklärungen und Entschuldigungen. Was am Donnerstag in Fort Hood geschehen ist, ist mehr als tragisch, aber ich denke es ist die Einzeltat eines verstörten und, ja wohl auch verblendeten Täters. Dieser aber hat seinem Glauben, seiner Religion einen Bärendienst erwiesen, denn von nun an wird es alles andere als leicht werden in den USA bekennender Muslim zu sein.

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Meine MJ-Nullnummer

Einemillionfünfhundertneunundneunzigtausendneunhundertneunundneunzig Namen standen mit meinem auf der Liste. Auf jener Liste, die wohl am Wochenende zu einer der “hottesten” VIP Listen in Los Angeles wurde. Der Namensliste jener Auserwählten, die am Dienstag Zugang zur Michael Jackson Gedenkveranstaltung im Staples Center von Los Angeles haben werden. Und nein, ich bekam keine der 8750 Emails mit dem Betreff “Congratulations” zugeschickt. Also, liebe Leserinnen und Leser, Anfragen zwecklos.

Eigentlich war das ganze auch mehr als Test gedacht, denn wessen Name aus dem Zauberhut gezogen wurde, der muss schon morgen die Tickets in LA abholen. Der muss seinen Ausweis präsentieren, bekommt dann zwei Tickets überreicht, ein Armband direkt angelegt und eines zum Mitnehmen für eine begleitende Person. Am Dienstag dann muss man Ticket und Armband präsentieren, sonst kommt man nicht in den inneren Kreis um das Staples Center. Ganz nah dran an Michael….fast so nah, wie die erwarteten rund eine Milliarde Fernsehzuschauer die weltweit live am Fernseher die ganze Glanz und Glitter Trauershow mitverfolgen werden.

Also theoretisch, man will ja nichts böses denken, könnte man ein Ticket für diese “historische Feier” (O-Ton CNN) auch teuer verscherbeln, denn immerhin sind einemillionfünfhunderteinundneunzigtausendzweihundertfünfzig Leute ja noch daran interessiert. Und, wie gesagt, man will ja nichts böses denken, aber trotzdem schaut man sich mal auf ebay und Craigslist um, und Tatsache…solche Lumpen, bieten doch tatsächlich ihre Tickets im Internet zum Verkauf an. Die wollen doch tatsächlich einen schnellen Dollar mit dem Tod von King Michael machen. Und nicht nur einen Dollar, die Tickets für das Spektakel am Dienstag liegen zum Teil schon bei über eintausend Dollar. Ist das nicht ein Skandal, damit hätte man aber wirklich nicht rechnen können!

Ich glaube ja, die Stadt Los Angeles hat sich einen Batzen der Karten unter den Nagel gerissen, will die nun auf dem Schwarzmarkt mit Gewinn loswerden und so für die zig Millionen Dollar teure Veranstaltung zahlen. Denn LA ist pleite, da kommt der Tod eines Michael Jacksons etwas unpassend…das lässt sich ja auch so schlecht werbetechnisch verkaufen. Da passt keine Autowerbung. Viagra? Auch schlecht…sowieso sind Pillenwerbungen da nicht so angesagt….die Umstände von Michaels Tod, Sie verstehen….Fast Food Burgers? Könnte gehen, denn Hunger hat man ja bestimmt nach so einem Tag….aber Pepsi, die sponsern doch bestimmt so eine Gedenkveranstaltung für den “King of Pop”. Immerhin haben sie mit Michael Jackson als Werbeträger so einige Dollars verdient. Also… zisch und Prost!

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