Underground Radio

Zahlenschloss auf, Gitter hoch, Zahlenkombination an der Tür drücken und dann ist man drin im Studio von “KUSF in Exile”. Vor 15 Jahren fing ich mit meiner Sendung Radio Goethe auf KUSF San Francisco an, bis, ja bis die Jesuitenführung der Universität die Frequenz 90.3 fm verkaufte. Einfach so und ohne vorher was zu sagen. Tja, damit ging nicht nur eine der besten College Stationen in den USA verloren, sondern auch ein bedeutender Community Sender für San Francisco, auf dem viele Fremdsprachen- und Kulturprogramme ausgestrahlt wurden.

Die Unileitung meinte, so ein Verkauf wäre ein Klacks, mal schnell 3,75 Millionen Dollar zu kassieren. Doch sie hatte nicht mit dem Protest gerechnet, der kam. Viele in der Stadt protestierten. Von den Supervisors bis zu Clubs, Bands und Hörer und Kulturinstitute und Konsulate…und sogar aus Deutschland und anderen Ländern kamen Protestschreiben. Nun liegt das ganze bei der Aufsichtsbehörde FCC, die den Verkauf noch absegnen muß. Die Unileute jedenfalls hatten vor dem Verkauf keine Ahnung, was sie da machen und auch jetzt haben sie nicht den geringsten Schimmer davon, was sie da treiben und angerichtet haben.

Die ehemaligen Ehrenamtlichen von KUSF 90.3 fm haben sich jedenfalls zu “KUSF in Exile” zusammen getan. Zum einen wird gekämpft, um die Frequenz zurück zu bekommen, zum anderen ist nun mit dem eigenen Online Sender ein Alternativprogramm am Start, das zeigen soll, die alte Musik- und Programmbreite ist nicht verloren gegangen.

Und heute Abend eben sende ich meine erste Live-Show aus diesem provisorischen Studio im Stadtteil Bayview Hunters Point. Keine tolle Gegend, viele Lagerhäuser und seltsame Firmen sind hier ansässig, aber hey, ein Mischpult, Cd Player und Plattenspieler, dazu ein Mikro, was will man mehr. Das ganze hat den Charme von Piratenradio meets Low Budget Community Station. Mal was anderes.

In dem Gebäude sind etliche Proberäume von Bands untergebracht, die ziemlich laut im Hintergrund spielen. Mal sehen und hören, wie sich das mit der Live-Sendung vertragen wird.

Auf alle Fälle mal „KUSF in Exile“ einschalten, lohnt sich….also nicht nur für meine Sendung, aber deshalb auch…is’ klar, ne?

Radio tut gut

KUSFWenn man von Metallica, Tom Waits, Nirvana oder R.E.M. spricht, muss man auch College Radio erwähnen. Denn ohne die Uniradios in den USA wären all diese Bands und Musiker niemals bekannt geworden. Eine der bekanntesten und auch wichtigsten Collegestationen in Nordamerika ist KUSF in San Francisco, der Sender, auf dem ich vor 13 Jahren mit Radio Goethe angefangen habe. KUSF ist die Alternative im Grossraum San Francisco. Die zahlreichen Gold Records im Büro der kleinen Station belegen das, Bands haben so dem Sender ihren Dank ausgesprochen, nachdem sie gross rausgekommen sind. Wer weg will vom Kommerzfunk und Einheitsbrei streng formatierter Sender schaltet in San Francisco die 90,3 UKW ein. Hier hört man alles, was es woanders nicht gibt und man entdeckt die ganze Bandbreite des musikalischen Angebots. Manchmal ist das stressig und nervig, aber Musik ist ohne Grenzen und so ist KUSF. Das ganze nennt sich Freeform Radio.

Auf einer Photowand sieht man sie alle im Studio C sitzen, bevor sie die Charts eroberten. Kurt Cobain und PJ Harvey, Nick Cave und die Melvins. Collegeradio in den USA ist anders als das Uniradio in Deutschland. Zumeist hat man starke UKW-Frequenzen, wie beim Beispiel KUSF eine potentielle Hörerreichweite von 1,5 Millionen Hörern. Und viele der Universitätsstationen haben die Aufgabe des Community Radios übernommen und binden die verschiedensten Gruppen mit ein. Bei KUSF sind es etliche Fremdsprachenprogramme, dazu Kulturprogramme und Spezialsendungen. Und das beste an allem ist, KUSF ist schon lange keine Lokalstation mehr nur für San Francisco. Per Mausklick schalten sich Hörer von überallher zu. Wie wäre es also mit einer transkontinentalen Radiobrücke zwischen Nürnberg und der Bay Area? Kommentare und Hörerwünsche zum Programm sind immer willkommen. Und wem der Sound nicht gleich gefällt, keine Sorge, einfach dranbleiben. Freeform Radio heisst auch, dass mehrere Genres und Sounds in einer Stunde gespielt werden.

Das „f…in“ Wort „F…“

„F…“ ist ein Wort, das überhaupt nicht geht. Jedenfalls nicht, wenn man eine Radiosendung in den USA produziert. Da kennen die Amerikaner keinen Spass. Mit „F…“ kann man sich seine Karriere zugrunde richten und dabei auch noch arm werden. Als DJ auf KUSF, dem Collegesender in San Francisco, muss man schon sehr aufpassen. Denn zum einen sendet der Sender im Vergleich zu den kommerziellen Stationen wirklich live und nicht mit 10 Sekunden Verzögerung. Zum anderen unterschreibt man, dass man für eventuelle Bussgelder selbst aufkommt. Und die können bei rund 30.000 Dollar (!) pro Vergehen liegen.

Das ist auch ein Grund, warum ich jede CD, bevor ich sie on-air spiele, genauestens durchhöre. Seltsamerweise finden gerade viele deutsche Bands das „F…“ Wort besonders cool und nutzen es bis zum Abwinken. Deutscher HipHop geht gar nicht, denn die „F…“-Bombe, wie „F…“ hier drüben auch genannt wird, ist da quasi Markenzeichen und isssss jaaaaa soooooo cooooool! Das schlimmste allerdings, was mir je zugeschickt wurde, war eine Compilation von Düsseldorfer Punk Bands. Ich konnte keinen einzigen Song daraus spielen, soviele „F…“s und „S…“s gab es darauf. Ja, „S…“ ist auch ein Bannwort im puritanischen amerikanischen Medienmarkt.

Aber nun zur Bedeutung und Nutzung von „F…“. Hierzu ein kleines Video, es sei allerdings darauf hingewiesen, dass das im amerikanischen Sinne nicht jugendfrei ist. Also „Explicit Adult Language“:

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