Rauschen im Äther

Heute vor einem Jahr schaltete die University of San Francisco ihr Collegeradio ab. Einfach so. Klick, Schalter umgelegt. Rauschen im Äther. Vorbei mit kultureller Vielfalt, musikalischer Bandbreite und einer lebendigen Programmweite. Die Leitung der Jesuitenuni meinte nach über 30 Jahren, KUSF habe sich mehr zum Community Sender entwickelt, als die Belange der Studenten zu vertreten. Das war die offizielle Haltung, auch wenn schnell klar wurde, dass weder der Präsident von USF, „Father Privett“, noch seine Gehilfen im vorderen Büro das Programm der Station je richtig gehört hatten. Sonst wäre ihnen aufgefallen, dass KUSF einzigartig in seiner Programmvielfalt war, auf der 90,3 fm unzählige von Fremdsprachen und kulturellen Programmen zu finden waren, die es sonst nirgends gab. Noch vor ein paar Jahren wurden diese Programme eingeladen auf die 90,3 fm zu kommen, um hier zu senden. Auch mein „deutsches“ Programm wurde vor über 15 Jahren mit freudestrahlend aufgenommen. Damals sendete ich Samstag morgens, vor mir die Armenier, nach mir die Perser. Dazwischen dann Rammstein, die in meiner Sendung zuerst in den USA überhaupt liefen. Und die Perser luden mich immer mal wieder in ihre Sendung als Live-Gast ein, um über Fußball, Kultur und Politik zu reden. Das war kulturelle Vielfalt, Multi-Kulti-Radio schlechthin. KUSF vereinte die San Francisco Bay Area, war ein Spiegelbild der vielen Menschen, die hier leben.

Wer sich nun fragt, was dieser olle Sender an der amerikanischen Westküste mit Nürnberg und Franken zu tun hat….viel, sehr viel. Auf KUSF fing ich im Herbst 1996 mit meiner Radiosendung an. Keine Sorge, es geht hier nicht um Eigenwerbung. KUSF gab mir jedoch die Möglichkeit mit Musik kulturelle Brücken zu schlagen. Und die reichten auch von Franken an den Pazifik. Dutzende Bands und Musiker aus Nürnberg, Fürth, Erlangen, Schwabach, Ansbach, Bamberg, Würzburg gingen über KUSF in San Franciso on-air. Eine einmalige Möglichkeit in einem der wichtigsten Ballungsräume der USA Musik aus meiner alten Heimat zu präsentieren. Und nicht nur das, es war auch immer Anlass dafür, über Deutschland und Nürnberg zu sprechen.

Der Sender stand weit über 30 Jahre lang für seine teils schräge, teils „cutting edge“ Musikauswahl. Hier fingen sie alle an, hier kamen sie alle zum Interview, bevor sie groß wurden: Nirvana, Metallica, Tom Waits, R.E.M., Bangles, B-52’s….die Einstürzenden Neubauten, Faust, Nina Hagen….auch die Deutschen hatten ihren Platz auf dem Sender, schon vor mir.

Und das war vor einem Jahr auf einmal und schlagartig vorbei. Schon komisch, wenn Katholiken dem schnöden Mammon hinterher rennen und Geld vor vieles stellen, für was sie eigentlich stehen sollten. Sprachlosen ein Forum bieten, der Gemeinschaft dienen, Minderheiten helfen, Medienarbeit als Friedensarbeit verstehen….

Der Kampf um die 90,3 UKW ist noch nicht vorbei. Die Aufsichtsbehörde FCC hat noch nicht entschieden. Ungewöhnlich für so einen Verkauf, denn eigentlich ist so was eine Routinesache. Doch die FCC hat die Proteste aus San Francisco wahrgenommen. Es geht nicht nur um einen Verkauf, es geht hier um viel mehr, um einen Trend im US Radiomarkt. Welche Konsequenzen wird es für den amerikanischen Medienmarkt haben, wenn in Zukunft die Unis ihre Radiosender abstoßen? Auf der linken Seite der Radioskala droht eine Verödung der Meinungs- und Kulturvielfalt.

Collegeradio ist ein Kraftwerk

KraftwerkIch habe hier ja schon viel über Collegeradio in den USA geschwärmt. Die Uniradios sind viel mehr als nur Studentenradio. Sie übernehmen oftmals die Aufgabe des „Community“ Radios, geben Minderheiten und anderen Themen ein Forum. Und sie sind Trendsetter. Viele Bands, die heute legendär sind, wie Nirvana, R.E.M., Metallica uva. haben auf Collegeradio begonnnen.

Ein DJ von KUSF hat mir nun eine Audiofile zugeschickt, die das erneut untermauert. Ende der 70er Jahre interviewte WKSU, der Sender von Kent State University, Ralf Hütter von Kraftwerk. Die Macher von Collegeradio erkannten schon früh, dass Kraftwerk bahnbrechende musikalische Ideen haben. Und die Band hat mit der Kurzversion von „Autobahn“ einen genialen Schachzug gemacht, denn damit war es möglich diesen Song in der normalen Rotation von Radiostationen unterzubringen. Da die Mitglieder der Düsseldorfer Formation sehr selten Rede und Antwort standen und stehen hier das WKSU Interview zum Nachhören.

Kraftwerk auf WKSU