Suuuuperhelden im Jahr 2012

Eigentlich klar. Strumpfhosen und körperbetonte Outfits, Umhang und kniehohe Stiefel, Körperkult und gegelte Fönfrisuren. Also, mal ganz ehrlich, so ein Superheld sieht schon schwul aus. Batman und Superman, Spiderman und sogar Captain America, so ein bißchen kommen die Kämpfer aus dem Herzen der amerikanischen Popkultur „gay“ rüber. Damit ist ja nichts falsch. Wenn da Superman einen Zug mit beiden Armen aufhält oder Spiderman so einen Wolkenkratzer hoch rauscht oder Batman mal wieder die fiesen Burschen in Gotham City eigenhändig ausschaltet, da wird mir als mickriger Hetero-Mittvierziger ja ganz schwummerig. Wenn ich mir so die Bilder der dicken Bizeps, dem Waschbrettbauch und der muskulösen Oberschenkel unter Spandex anschaue, dann denke ich allerdings schon etwas an das Castro und das Folsom Street Fair in San Francisco, zwei der großen Gay Straßenfeste in der Stadt.

Egal, Superhelden sind cool, ob homo oder hetero….doch nun will DC Comics, einer der wichtigsten Superheldencomicbuchverlage einen „Gay Super Hero“ einführen. Wie der aussehen soll steht noch nicht fest. Und nicht nur das, auch einer der alten Umhangträger soll nun sein „Coming out“ bekommen. Wer ist es, das fragt sich die Onlinefangemeinde? Viele tippen auf Batman, dessen „Beziehung“ mit Robin war schon lange vielen suspekt und würde dann in einem ganz neuen Licht erscheinen. Oder ist es doch Aquaman oder Green Lantern oder vielleicht doch Wonderwoman….klar, eine Frau, ist doch am einfachsten, oder? Für die vielen jugendlichen und jugendlich gebliebenen Leser wäre eine lesbische Überfrau im sexy und enggeschnitten Outfit doch am einfachsten zu schlucken. Noch ist nichts klar, nur die Gerüchteküche kocht. Es wird warm und wärmer….

Kein gutes „Timing“

Gestern war „Veterans Day“ in den USA. An diesem Tag gedenkt die amerikanische Nation ihrer Veteranen, die in den Kriegen rund um den Erdball für Frieden, Freiheit und Demokratie kämpften. In den letzten Jahren, seit Beginn der Offensiven im Irak und in Afghanistan, ist dieser Feiertag wieder ganz wichtig geworden. Überall weht die amerikanische Flagge, die Soldatenfriedhöfe sind geschmückt, in Veranstaltungen im ganzen Land wird an den Einsatz der Soldaten gedacht. Wie bedeutend dieser Tag ist, zeigt auch der Blitzbesuch von First Lady Michelle Obama auf dem amerikanischen Militärstützpunkt in Ramstein.

Und genau an diesem Tag erschien in unzähligen von amerikanischen Tageszeitungen der jüngste Garfield-Comicstrip von Jim Davis (siehe unten). Und der war leider zeitlich total unpassend, denn etliche Leser und Kritiker sahen dies gleich als Angriff auf die Veteranen, als ein politisches Statement, als ein Belächeln der „wahren Helden“. Als Davis morgens in Muncie, Indiana, die Zeitung aufmachte, mußte ihn wohl der Schlag getroffen haben, denn umgehend ließ er eine Stellungnahme veröffentlichen, in der er sich ausdrücklich für das „Timing“ entschuldigte. Dieser Comicstrip sei schon vor mehr als einem Jahr gezeichnet worden und er habe dabei auf keinem Fall das US Militär im Sinn gehabt. Vielmehr habe sein Bruder in Vietnam gekämpft und sein Sohn sei im Irak und in Afghanistan eingesetzt worden.

Veteranenverbände sehen das ganze gelassen, sowas passiere und eine Entschuldigung sei nicht notwendig. Doch konservative News Organisationen, wie FOX News, blasen das ganze unnötig auf. Muß wohl so sein, denn wir sind ja hier drüben auch in einem „Cultural War“, und wer dabei das Militär unterminiert, dient dem Feind.

GARFIELD-VETERANS-DAY

Cartoonist ist nicht mehr

Molly Norris gibt es nicht mehr. Zumindest offiziell nicht mehr. Und unter diesem Namen nicht mehr. Die Cartoonistin aus Seattle hatte im April die Idee, einen „Everybody Draw Mohammed Day“ auszurufen. Der Grund dafür war die zensierte Sendung „South Park“ von Comedy Central. Dort sollte eigentlich der gezeichnete Mohammed neben anderen religiösen Persönlichkeiten auftreten. Doch die Anwälte im Sender bekamen kalte Füße und änderten flugs das Programm. Geschrei hin oder her. Die South Park Kreativen treten zwar jedem und allem vors Schienbein, aber Mohammed, da hört der Spaß auf.South Park Mohammed

Norris‘ Initiative führte zu einer Art Schneeballeffekt. Eine Facebookseite wurde gegründet, die wiederum zog das Interesse von pakistanischen Behörden auf sich, die als Folge facebook ganz in Pakistan verboten. Und dann rief so ein Mufti noch eine „Fatwa“ aus, das wiederum nahmen die amerikanischen Behörden sehr ernst. Das FBI klingelte dann eines Tages bei Molly Norris an der Tür und die Agenten sagten zu ihr, eigentlich wäre es am besten, wenn sie mal alles einpackt, abreist, niemandem sagt, wohin sie fährt, ihre Namen ändert und irgendwo, wo auch immer, ganz von vorne anfängt.

Am Mittwoch gab nun Molly Norris‘ Arbeitgeber, der Seattle Weekly, bekannt, dass die Comics der Zeichnerin nicht mehr erscheinen werden. „Molly is no more“.

Comic Heft für 40.000 Dollar

Ein Comicladen Besitzer aus Richmond, Virginia, hat aus Ärger über den Ausgang eines Comics die rare Nummer Eins der Serie versteigert. Knapp 40.000 Dollar erbrachte die Auktion für das erste Heft von „Archie“.

Der 67jährige Dave Luebke war darüber verärgert, dass Archie im Heft 600 Victoria einen Heiratsantrag macht und nicht, wie allseits erwartet, Betty. 99 Prozent der Leser, so Luebke, seien mit diesem Lauf der Dinge überhaupt nicht einverstanden, deshalb seine drastische Reaktion. Victor Gorelick, der verantwortliche Redakteur des Archie-Comics erklärte zwar, man solle doch erstmal abwarten, was genau passiere, doch das hielt Luebke nicht zurück. Wahrscheinlich war der fette Scheck im Austausch für das Comicheft auch ein Grund „Archie #1“ loszuwerden.