Das Woodstock Festival der Akkordeon Musik

Festival Jim Boggio als Bronze Statue im Zentrum von Cotati.

In der nordkalifornischen Kleinstadt Cotati findet alljährlich ein Akkordeonfestival statt. Dieses Jahr schon zum 28. Mal. Und wer dieses Treffen von vornherein geringschätzig nur als Fest der Polka Musik abtut, der liegt weit daneben. Die vielen Einwanderer, die nach Amerika kamen, haben ihre Musik, ihre Traditionen, ihre Kultur mitgebracht und damit auch die musikalische Landschaft in den USA verändert und mitgeprägt. Das Akkordeon wurde fester Bestandteil im Country, im Zydeco, in der Hillbilly Musik. Doch die Quetsche, die Konzertina, das Schifferklavier ist viel, viel mehr. Deshalb feiert die kalifornische Kleinstadt Cotati Jahr für Jahr das Akkordeon, um, wie es Veranstalter Scott Goree erklärt, die vielen Seiten dieses Instruments hervorzuheben. “Das Festival hat sich als ein Multikultur Event gegründet, mit der Absicht, die verschiedensten Gruppen und Genres zusammen zu bringen. Damit sie aufeinander treffen, sich sehen, ihre Ideen und Erfahrungen dahingehend austauschen, wie das Akkordeon in den verschiedenen Kulturen eingesetzt wird.”

Und gerade das macht das Festival aus. Zu hören ist alles, von traditioneller Polka über Jazz, Country, Rock, Heavy Metal und sogar Klassik. Musik aus Italien, Deutschland, Finnland, Mexiko, Polen, grenzenlos ist diese internationale Sprache.

„Two Days of Peace & Music“

Der erst 25jährige Matthias Matzke aus dem baden-württembergischen Trossingen ist in diesem Jahr schon zum zweiten Mal dabei. Er suchte zwischen den Songs das Gespräch mit dem Publikum, erklärte was er da auf seinem Digital-Akkordeon macht, was mit den Loops auf sich hat und präsentierte sogar mit seiner Freundin, der Sopranistin Leonie Kratz, ein Stück von Mozart und das alte deutsche Volkslied “Am Brunnen vor dem Tore”. Für Matthias Matzke gehört dieser musikalische Brückenschlag fest zum Festival dazu. “Man muss sagen, es ist größtenteils ein älteres Publikum, dennoch erlauben die sich hier immer wieder ein paar musikalische Ausreißer, erlauben sich einen frischen Wind reinzubringen, was ich grandios finde, weil das Akkordeon muss einfach in seiner Gesamtheit verstanden werden.”

Voller Einsatz von “The Bellow Shakes”.

Rund 5000 Akkordeonfans zog es an diesem Wochenende in den La Plaza Park in Downtown Cotati. Dort steht auch eine Bronze Statue von Festival Gründer Jim Boggio, lachend und meinem Akkordeon in der Hand. Auf Strohballen und Campingstühlen lauschte man begeistert den Musikerinnen und Musikern, die auf drei Bühnen alles aus dem Akkordeon herausholten, was ging. Daneben gab es ein Polka Tanzzelt und ein Zelt des “Golden Gate Accordion Clubs”, in dem vor allem ältere Musiker gemeinsam musizierten.

Nach dem Tango folgte der Metal

Für Deborah Peters, die aus Austin, Texas, angereist kam und gleich mehrmals mit anderen Musikern auf der Bühne stand und auch einen “Accordion Flash Mob” im Park organisierte, ist das Festival einzigartig. “Ich finde, es ist das beste Akkordeonfestival in den USA. Als Akkordeonspielerin versucht man Spaß zu haben, die Feste zu finden und hier wird versucht jeden einzubeziehen.”

Die Finnin Netta Skog überzeugte mit Heavy Metal.

Mit Spannung wurde der Auftritt der Finnin Netta Skog erwartet. Sie spielt auf einem Digital-Akkordeon und zwar fast ausschließlich die härteren Töne des Heavy Metal. Als sie am Morgen auf dem Festivalgelände ankam und das zumeist ältere Publikum sah, zweifelte sie etwas daran, ob sie hier richtig sei. “Ich habe mit Matthias gesprochen und gefragt “Oh Gott, bin ich hier richtig?” Und er meinte, ja klar, es wird großartig”, meint sie mit einem herzhaften Lachen.

Und tatsächlich, Netta Skog wurde mit ihrem Heavy Metal Sound genauso gefeiert wie Matthias Matzke mit Mozart und die vielen anderen, die das Akkordeon an diesem Wochenende zelebrierten. Veranstalter Scott Goree verwunderte das ganz und gar nicht und meinte lachend. “Ich höre immer wieder von Leuten “Ich kann gar nicht glauben, wie viel Spaß ich hier hatte”. Und ich sage ihnen dann immer, weißt du eigentlich, was du mir da sagst? Du sagst mir, du hast erwartet keinen Spass zu haben.”

Links:
www.cotatifest.com/
www.matthias-matzke.de/
www.nettaskog.com/

 

Ein Albino Redwood steht vor dem Aus

Cotati, rund 60 Kilometer nördlich von San Francisco, ist die Hauptstadt des Akkordeons. Jedes Jahr im Sommer pendeln Akkordeonspieler verschiedenster musikalischer und aus allen Himmelsrichtungen in einen Park im Zentrum der nordkalifornischen Kleinstadt und spielen auf. Dort steht am Rande sogar eine bronzene Akkordeonspielerstatue.

Doch nun hat die 7000 Einwohner Gemeinde noch eine Besonderheit vorzuweisen, die sie über die Stadtgrenzen hinaus bekannt macht; einen Albino Redwood Baum. Und nicht irgendeinen, sondern den weltweit größten seiner Art mit nahezu 20 Metern Höhe. Allerdings fragt man sich, für wie lange noch, denn dieser Albino Baum soll schon bald gefällt werden. Auch wenn es von dieser seltenen Art weltweit nur zehn bekannte Exemplare gibt. Der Baum soll einer geplanten Zugtrasse weichen, so zumindest verlangt es eine Bundesvorschrift. Historiker, Arboristen und Anwohner sind entsetzt und können und wollen die Welt nicht mehr verstehen. Wie kann man solch ein Naturmonument fällen? Das Unternehmen, das die Regionalbahn baue, solle sich etwas überlegen, um diesen einzigartigen Redwood zu schützen und zu bewahren, fordern die Aktivisten.

Gepflanzt wurde der Baum bereits 1947 und wuchs so vor sich hin. Er ist jedoch nicht nur ein Albino Redwood, sondern auch noch eine Chimäre mit zwei DNA Typen. Bei diesem hier in Cotati kann man an einem Zweig weiße und grüne Nadeln vorfinden, eine absolute Seltenheit. Nun versuchen die Bürger und Wissenschaftler den Baum zu retten, sogar an eine Umpflanzung ist gedacht, wenn sie denn überhaupt möglich wäre.