I’ve been looking for freedom

"The Hoff" in meiner Hosentasche.

„The Hoff“ in meiner Hosentasche.

Als Deutscher in den USA wird man oft gefragt, warum die Deutschen David Hasselhoff lieben? In zahlreichen Comedy Sendungen, wie auch auf Saturday Night Live, ist das ein „Running Gag“. Die Deutschen haben eh keinen Musikgeschmack, weil sie „The Hoff“ lieben. Hasselhoffs größter Hit „I’ve been looking for freedom“, die Hymne des Mauerfalls, war in den USA kein großer Hit. Der Bay-Watch-Star ist ja noch immer davon überzeugt, dass er und sein Lied zum „Fall of the Berlin Wall“ beigetragen haben.

Nun bin ich hin und wieder in Südkalifornien und dort auch viel am Strand unterwegs. Joggen, mit dem Hund spazieren gehen. Und auf einem dieser Spaziergänge kam ich am Haus vom „Hoff“ vorbei, der lebt nämlich da unten. Er stand auf seiner Terrasse und winkte freundlich, ich winkte etwas überrascht zurück.

Und nun bekam ich ein sehr schönes, verspätetes Geburtstagsgeschenk: „The Hoff Schlüsselanhänger“. Auf Knopfdruck sechs nette Sprüche von David, wie gemacht für einen Deutschen in den USA.

The Hoff in your pocket     

Der wahre Heino lebt in LA

Der wahre Heino unterhält die Amerikaner am Pazifik.

Der wahre Heino unterhält die Amerikaner am Pazifik.

Heino ist ein Phänomen. Lange Jahre war er ja nur so eine Omageschichte. Hörte oder las ich was von Heino, dachte ich an meine Oma, denn der blonde Barde mit der dunklen Brille war der Hit im Altenclub in Dortmund-Mengede. Ja, ja so blau, blau, blau blüht der Enzian…. Was er dann mit dem wahren Heino, Norbert Hähnel, Mitte der 80er Jahre machte, war nicht ok, denn in Deutschland muß doch Platz für mehr Heinos sein. Ein Gericht verurteilte Hähnel zu einer Geldstrafe, die der jedoch nicht abzahlte, sondern lieber im Gefängnis absaß.

Heino, der ewige Entertainer, erlebt derzeit einen neuen Frühling. Seine Stammfangemeinde dünnt sich ganz natürlich etwas aus, da erweitert er die Grenzen des Möglichen und Zumutbaren. Heino auf Wacken mit Rammstein. Heino singt Die Ärzte. Heino in Lederkutte. Heino auf großer Clubtour mit harten Gitarrenriffs. Ja, was ist denn jetzt los.

Das alles betrachte ich seit einiger Zeit etwas perplex aus der Ferne. Und nun das, es gibt in Nordamerika einen zweiten Heino. Der Kanadier Marc Hickox tritt schon seit Jahren als singender Doppelgänger auf, meist in deutschen Restaurants zwischen Toronto, San Francisco und Los Angeles, wo Heino ein Begriff ist. Das ganze ist eine Art Persiflage auf Deutschland und die Deutschen, wie Hickox meint, denn „gibt es ein anderes Land auf der Welt, wo David Hasselhoff wie ein Gott verehrt wird?“

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Wo Ronny und „The Hoff“ falsch liegen

Die Berliner Mauer in Kalifornien.

Die Berliner Mauer in Kalifornien.

Als am 9. November 1989 die Berliner Mauer brüchig wurde, war dies auch in Kalifornien ein Freudenfest. Auf seiner Ranch in der Nähe von Santa Barbara sah sich Ronald Reagan bestätigt. Er und viele Amerikaner waren (und sind noch heute) davon überzeugt, dass Reagan im Juni 1987 mit seiner Rede am Brandenburger Tor mit den Abbruchmaßnahmen anfing. Reagan der wortgewaltige „Demolition Man“, der Weitsichtige in der Geschichte.

Welche Bedeutung diese Rede des amerikanischen Präsidenten wirklich hatte, muß man offen lassen. Sie wird allerdings in den USA als eine der wichtigsten Reden überhaupt gefeiert und darf auf keiner CD fehlen, die sich mit Reagan oder der Präsidentschaft allgemein beschäftigt.

Kein Wunder also, dass in der Präsidentenbücherei von Ronald Reagan in Simi Valley ein Stück der Berliner Mauer steht. Und auch sonst wird Reagan ganz offiziell sehr eng mit dem Fall der Mauer in Zusammenhang gebracht. Der konservative Nachrichtenkanal FOXNews feiert in diesen Tagen den „Überpräsidenten“ als einen der wichtigsten in der amerikanischen Geschichte. Eben weil er mit seinen Worten „The Wall“ zum Einstürzen gebracht haben soll. Das war halt noch ein gestandener US Präsident, der der Welt zeigte, wo der Hammer hängt.

Und nicht zu vergessen ist „Bay Watch Man“ David Hasselhoff. „The Hoff“ brachte die Mauer zum Beben, so zumindest einige Darstellungen von „Looking for Freedom“. Amerikaner lieben solche Geschichten. Ein Präsident, der einfach sagt, weg damit und schon passiert es. Ein Sänger, der mit einer billigen Popschnulze Mauern einreisst. So einfach kann Geschichte sein. Warum nicht gleich so? Bei all diesen aktuellen Berichten in den USA über den Mauerfall werden eigentlich die vergessen, die Kopf und Kragen riskierten, die in den Montagsdemos marschierten, die eingesperrt, deren Leben zerstört wurden, weil sie an Freiheit, Demokratie und Mitbestimmung glaubten. Dieses historische Ereignis auf eine Präsidentenrede und ein popeliges Lied zu beschränken macht Geschichte zu einem Disneyabenteuer, zu einer patriotischen US Schnulze.

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In Kalifornien gibt es auch die größte Sammlung an DDR Produkten, Kunstobjekten, Alltagsgegenständen, eben alles was mit Honeckers SED Regime zu tun hatte. Das Wende Museum in Los Angeles wurde nach der Wiedervereinigung gegründet. Damit will man ein Stück Geschichte bewahren, die, so glaubt man, zu schnell vergessen werden würde. Berlin ist ja die „Sister City“ von Los Angeles, also eine ganz besondere transatlantische Brücke besteht zwischen beiden Metropolen.