„Gun Culture“ in the USA

Man redet von der amerikanischen Waffenkultur. Gemeint ist damit, dass „Guns“ einfach dazu gehören. Leicht zu erwerben und das ganz legal. Dazu kommt, dass der Waffenbesitz als uramerikanisch dargestellt wird und irgendwie dazu gehört, wie die Pommes zum Burger, wie Hotdogs zum Baseball, wie Bud Bier zum Football.

Und selbst in einem Laden wie Walmart, der vor wenigen Tagen in El Paso noch Ort eines Amokläufers wurde, sind Waffen zu kaufen. Man stelle sich vor, man kaufe seine Wumme bei Karstadt, Real oder Metro. Doch nicht nur der leichte Zugang und die fehlenden „Background Checks“ gehören zur Waffenkultur in den USA, es ist auch die Verherrlichung des Waffenbesitzes, der Waffennutzung, dieses mit Waffen leben. Ganz deutlich wird das, wenn man sich die T-Shirts ansieht, die es bei Walmart, bei amazon oder in anderen Läden im Angebot gibt. „Smoke a pack a day“ hat nichts mit dem Rauchen einer Schachtel Zigaretten zu tun, sondern vielmehr damit, dass man ein Rudel Wölfe am Tag abknallen will.

Nicht viel besser sind da die Shirts der amerikanischen Fahne als Knarre oder das mit den Bildern einige automatischer oder halbautomischer Waffen, den Tatwaffen bei Massenschießereien. Was soll man denken von jemandem, der so etwas trägt? Was soll man von einem Unternehmen halten, in dessen El Paso Store Menschen durch Schüsse starben und verletzt wurden und die dennoch weiterhin Teil dieser ausufernden „Waffenkultur“ in den USA bleiben wollen. Sowieso hat das nichts mit Kultur zu tun, zumindest nicht mit dem weiten Feld, was ich unter Kultur verstehe. Amerika hat ein Problem und will nichts davon wissen. Das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz hat sich verinnerlicht in den USA. Das Recht eines Waffenbesitzers zählt mehr als das Recht auf Sicherheit eines Schulkindes, eines Gläubigen, eines Kunden, eines jeden.

 

 

Wahlkampf auf dem Rücken der Opfer

Amerika durchlebt derzeit schwierige Tage. Nach den Schießereien in Dayton und El Paso fragt man sich im Land, wie man damit umgehen soll, was die Lehren sein sollten, was man den vielen Toten und Verletzten schuldig ist. Die Demokraten, allen voran die zahlreichen Präsidentschaftskandidaten suchen das Rampenlicht, um Donald Trump zu verurteilen. Seine befeuernden Worte, seine Reaktionen, sein Festhalten daran, keinen Fehler gemacht zu haben, all das wird kritisiert.

Donald Trump besuchte am Mittwoch Dayton und El Paso. Foto: Reuters.

FoxNews und Trump Vertreter erklärten, das sei nicht richtig, was die Demokraten da täten, sich nach vorne zu drängeln, quasi nach so einer nationalen Katastrophe. Das kann man so sehen, eigentlich sollte die Nation inne halten, nachdenken und vor allem zu Schlüssen kommen, wie man in Zukunft diese Gewaltverbrechen unterbinden kann. Doch dann ist da auch noch Donald Trump selbst, der spätabends und frühmorgens tweetet, den Ton setzt, politische Gegner angreift und schlichtweg Unwahrheiten verbreitet.

Heute besuchte er Dayton und El Paso. Die begleitende Presse durfte nicht anwesend sein, als der Präsident und die First Lady mit den Opfern und den Einsatzkräften sprachen. Es hieß von Seiten des Weißen Hauses, der Besuch solle nicht für politische Diskussionen hergenommen werden können. Das ist gut, wenn, ja, wenn da nicht ein anschließendes Video vom Weißen Haus veröffentlicht worden wäre, das doch sehr an ein Wahlkampfvideo mit passender Musik unterlegt erinnert. Trump nutzt also seine Besuche an den Katastrophenorten, um zum einen gegen politische Gegner auszuteilen. Zum anderen, um aus den blutigen Verbrechen auch noch politische Punkte ziehen zu können. Nein, Mister President, das ist nicht präsidial, das ist schlichtweg schäbig.

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It’s not just Trump

Donald Trump macht heute einen auf Präsident und will nach den tödlichen Schüssen vom Wochenende Dayton, Ohio und El Paso, Texas besuchen. Dort will er sich mit Einsatzkräften und Opfern treffen. Und doch macht er klar, dass er sich nur als Präsident seiner Minderheitsbasis sieht. Vor dem Abflug nach Dayton erklärte Trump: „Ich glaube, was ich sage bringt die Leute zusammen“ und weiter, er sei „besorgt über jegliche Zuwachs von Hassgruppen“, was auch immer das heißen soll.

Nicht mehr als ein Wunsch, das Ende der Waffengewalt in den USA ist nicht in Sicht. Foto: Reuters.

Donald Trump macht also da weiter, wo er vor diesem Wochenende aufgehört hat. Er sieht kein Problem in seinen Aussagen, seiner Wortwahl, seinem rassistischen Unterton. Und sein Umfeld und die republikanische Partei schauen nicht nur weiterhin zu, sie unterstützen den Präsidenten auch weiterhin. Es wird sich also nichts ändern. Man muss sowieso zwischen zwei Dingen unterscheiden. Zum einen Trumps fremdenfeindliche und aggressive Äußerungen, die wohl auch aus Auswirkungen auf den Todesschützen in El Paso hatten. In seinem Manifest hatte der 21jährige an mehreren Stellen genau das aufgegriffen, was Trump per Twitter und auf seinen Massenveranstaltungen stets von sich gibt. Von einer „Invasion“ war die Rede.

Zum anderen ist da aber auch die aktuelle Debatte um eine Verschärfung der Waffengesetze. Und die wird nicht kommen. Das liegt nicht nur an Trump, es gibt dafür einfach keine Mehrheit im republikanisch geführten Senat. Hinzu kommt, dass Amerika sich bereits knietief im Wahlkampf befindet und niemand davon ausgehen kann, dass es nun weitreichende Einschnitte im Waffengesetz geben wird. Dafür hat die angeschlagene Waffenlobby NRA immer noch genug Muskelkraft.

Trump und die Waffendiskussion in den USA sind eine gefährliche Mischung. Denn wenn es wirklich so ist, dass sich bewaffnete Amerikaner bewusst oder unbewusst durch die Worte dieses Präsidenten radikalisieren lassen, dann sollte man mit größter Vorsicht die kommenden Wahlen ansteuern. Denn Trump, der König der Verschwörungstheorien, hat damit eine nicht zu unterschätzende Waffe in seiner Hand – verblendete, schwerbewaffnete und zu allem bereite Amerikaner. Die Folgen einer Wahlniederlage dieses Mannes sind noch nicht abzusehen, aber man sollte mit allem rechnen.

Viel Rauch um Nichts

Präsident Donald Trump liest am Montagmorgen eine kurze Rede im Weißen Haus ab. Foto: Reuters.

Eins muss man Donald Trump an diesem Montagmorgen zugute halten. Er sprach zum ersten Mal davon, dass man „White Supremacy“ als Problem in diesem Land erkennen muss und er erwähnte in einem Nebensatz, dass es eine Gefahr duch „nationalen Terrorismus“ gebe. Immerhin, denn ansonsten war die schlecht abgelesene Rede eher für die Tonne.

Das Internet und Videospiele bringe Geisteskranke dazu, solche Taten zu begehen. Deshalb müsse man fortan mehr aufpassen, was andere posten und falls es dann doch noch zu solchen Massenschiessereien kommen sollte, wird der Täter eben schnell mit der Todesstrafe bestraft. Das ist der Lösungsvorschlag von Donald Trump. Mal ganz ehrlich, Mister President, auch in Luxemburg haben sie das Internet, Videospiele und wahrscheinlich auch ein paar Geisteskranke, aber von dort hört man wenig über Massenschiessereien. Das kann nun sicherlich an den „Fake News“ liegen, die nicht über das schießwütige Volk der Luxemburger berichten. Eher anzunehmen ist allerdings, dass in Ihrer Analyse der aktuellen Lage in den USA etwas nicht ganz stimmt, Mister President. Ein Wort zur Erinnerung: Guns!

Nach zwei blutigen und tödlichen Schiessereien in El Paso und Dayton, eine aus fremdenfeindlichem Grund, machte sich Donald Trump am Sonntag zu seinem Golfressort in New Jersey auf, um eine Runde Golf zu spielen und sich dort mit einer Braut ablichten zu lassen, die in seinem Club ihre Hochzeit feierte. Auf dem Rückweg nach Washington gab er dann bekannt, dass er am Montag um 10 Uhr morgens Ortszeit eine Erklärung zu den Vorfällen in El Paso und Dayton abgeben werde. Die Erwartung war hoch, einige Kommentatoren glaubten wirklich, dass Trump etwas zum Ton in der Politik, auch zu seinen eigenen, teils rassistischen Äußerungen sagen würde, aber das war dann wohl wie der Glaube an den Weihnachtsmann. Was bei Trumps Analyse noch fehlte, was er allerdings schon zuvor per Twitter verbreitet hatte, ist die „Mitverantwortung“ der Medien an solchen Taten zu erwähnen. Trump weist damit mal wieder jegliche Schuld von sich.

Das Fazit an diesem Montagmorgen ist klar. Die Liste der Tatorte wird länger. El Paso und Dayton werden nun in einer Reihe mit Columbine, Aurora, Blacksburg, Orlando, Newton, Las Vegas, Parkland und vielen anderen Städten und Gemeinden genannt werden. Was sie alle verbindet ist, sie waren Orte von Massenschiessereien. Die große Frage ist, welche Stadt als nächstes in diese traurige Liste aufgenommen werden muss. Denn passieren wird es wieder, vielleicht schon heute, vielleicht morgen oder erst in einer Woche.

Blutige 24 Stunden

Es war ein blutiges Wochenende in den USA. In El Paso, Texas, schoss ein 21jähriger in einem Walmart Store wild um sich und tötete 20 Menschen. In Dayton, Ohio, fielen am Samstagabend in einer Bar im Zentrum der Stadt tödliche Schüssen, neun Menschen starben. Dazu ein aktuelles Interview:

Wann passiert es wieder? Foto: Reuters.

– Was weiß man bis jetzt über die Hintergründe dieser Angriffe?

Es ist noch alles etwas unklar. Tatsache ist, es war ein blutige Nacht. In Chicago wurden sieben Menschen auf einem Spielplatz angeschossen und in Dayton, Ohio starben 9 Menschen, 26 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Und das, obwohl die Polizei weniger als eine Minute brauchte, um zu reagieren, um den Todesschützen auszuschalten. Er starb bei dem Einsatz. Das Motiv ist noch völlig unklar, auch wurde der Täter noch nicht identifiziert. Hier versucht man gerade einfach damit umzugehen, was in den letzten 24 Stunden passiert ist.

– Beim Amoklauf in El Paso gibt es anscheinend Hinweise auf rassistische Motive. Gibt es da gesicherte Informationen?

Das FBI geht gerade allem nach, was sie über den Täter von El Paso finden können, was er in sozialen Medien gepostet hat, welche Verbindungen er zu Hassgruppen hatte, aber auch, wie er radikalisiert wurde. Das ist derzeit hier die große Frage, wie es dazu kommen konnte, dass der 21jährige 600 Meilen von Dallas nach El Paso fuhr, um dort gezielt gegen Migranten vorzugehen. Der junge Mann wurde ja festgenommen, man erwartet sich davon auch klare Aussagen, die sicherlich in den kommenden Tagen und Wochen veröffentlicht werden. Aber jetzt, noch nicht einmal 24 Stunden nach der Tat ist alles noch zu früh, um ein klares Bild zu haben.

– Die beiden Taten haben viel Bestürzung ausgelöst, Präsident Trump tweetete „thoughts and prayers“, was immer nach solchen Taten passiert. Gibt es Anzeichen dafür, dass sich nun etwas an den Waffengesetzen in den USA ändern könnte?

Ich sage es mal so, ich lebe seit 23 Jahren in den USA. Ich habe in dieser Zeit gelernt, dass es nicht eine Frage des “ob es wieder passieren wird” ist, sondern eher „wann es wieder passieren wird“? Die Gebete und die betroffenen Worte kommen immer wieder, aber die bringen offensichtlich nichts. Und Präsident Donald Trump, der nach der Schiesserei im kalifornischen Gilroy noch über Twitter sein tiefstes Beileid ausdrückte, hat nur ein paar Stunden nach diesem Tweet ein weiteres Tweet abgesetzt, in dem er einen Kandidaten der Republikaner lobt und unterstützt und dabei betont, dass dieser sich für das Grundrecht auf Waffenbesitz einsetzt. Das lese ich als eine Verhöhnung der Opfer. Also, ich sehe hier keine Zweidrittelmehrheit in den USA, um dieses vermeintliche Grundrecht in der Verfassung zu ändern, ich sehe auch keine Mehrheit im Kongress, um jetzt im Wahlkampf Waffengesetze zu verschärfen. Und ich sehe auch keinen Präsidenten, der mit einer präsidialen Anordnung quasi im Alleingang aktiv wird. Kurz gesagt, es wird wieder passieren, irgendwo in den USA, die Frage ist nur wann?

– Es ist Wahlkampf, aber das Thema Waffengesetze ist nicht eines der großen Themen. Wird sich das nun ändern?

Das würde ich so nicht unbedingt unterschreiben, das Thema ist bereits ein großes Thema im Wahlkampf. Einige der Kandidaten auf demokratischer Seite kommen ja sogar aus der “Anti-Gun” Bewegung, wurden dadurch politisch aktiv. Es war bislang sicherlich noch nicht das Hauptthema bei den Demokraten, aber Donald Trump dagegen machte schon deutlich, dass die Wahl 2020 auch eine Wahl um das Recht auf Waffenbesitz aller Amerikaner geht. Das betont er immer wieder über Twitter und auf seinen Massenveranstaltungen. Von daher, die laxen Waffengesetze und dieses vermeintliche Grundrecht werden sicherlich ein grosses Thema sein. Und es wird dazu führen, dass wie immer im Wahlkampf die Verkäufe von Schusswaffen und Munition in die Höhe schnellen werden, denn es wird das Horrorbild verbreitet werden, dass die Demokraten alle Waffen einziehen wollen. Was ja eigentlich ein totaler Blödsinn ist, denn darum geht es bei dieser Diskussion gar nicht…

– Die starke Waffenlobby, die „National Rifle Association“ (NRA) steckt derzeit in der Krise. Könnte diese Schwächung vielleicht gut für das Durchsetzen von schärferen Waffengesetzen sein?

– Die NRA hat mit Präsident Donald Trump den stärksten Kämpfer im Weißen Haus. Er setzt sich regelmäßig, ja fast täglich für Kandidaten ein, die zum Grundrecht auf Waffenbesitz stehen. Die NRA ist sicherlich geschwächt, durch die Skandale, den Umbau der Organisation und auch durch die in gewissen Bereichen Neuausrichtung, aber es gibt diesen engen Schulterschluss mit den Republikanern in Washington und im ganzen Land. Da wird sich in diesem Wahlkampfjahr nichts daran ändern. Denn es gibt ja hier in den USA noch nicht einmal eine klare und ehrliche Diskussion über das Thema Waffen. Sogar die klare Definition, was eine Massenschiesserei ist, gibt es nicht. Selbst das hat die Waffenlobby verhindert. Experten sagen, wenn es drei oder mehr Opfer gibt, dann ist das eine Massenschiesserei. Wenn man diese Definition zugrunde legt, dann gab es in diesem Jahr schon 293 Massenschiessereien. Eigentlich ist die Waffengewalt ein “public health” Problem in den USA, also eine Frage des allgemeinen Wohls. Das müsste man so bei Zehntausenden von Schußopfern in diesem Land auch so sehen, dann allerdings müsste man das als eine nationale Krise einstufen. Aber das passiert nicht, dank des nach wie vor grossen Einflusses der NRA.