Trump bereitet den Boden für den Kampf danach

Die dritte Debatte war verlorene Zeit für Donald Trump. Foto: AFP.

Die dritte Debatte war verlorene Zeit für Donald Trump. Foto: AFP.

Nicht ein, nicht zwei, nein, dreimal trafen sich nun Donald Trump und Hillary Clinton auf einer Bühne. Das Publikum, die amerikanische Fernsehnation und alle rund um den Globus, die es interessierte, schauten fasziniert auf das, was sich da amerikanische Demokratie nennt. Zwei Kandidaten, die schlimmer nicht sein könnten. Ein New Yorker Immobilienmilliardär, der poltert, tobt und lügt, und bei so gut wie allen politischen Themen seine Meinung in den letzten Jahren geändert hat, darunter Abtreibung, Waffengesetze, Immigration. Und dann ist da Hillary Clinton, eigentlich wäre sie ein Grund zur Freude, denn sie ist die erste Frau, die Präsidentschaftskandidatin einer großen Partei geworden ist. Doch Clinton ist nicht gerade die ideale Kandidatin, sie ist durch die vielen Skandale und Skandälchen in ihrem Umfeld mehr als angreifbar: Bill Clintons Eskapaden, Email-Server, Bengasi…

Das dritte Aufeinandertreffen ergab keinen klaren Sieger. Es ging auch nicht mehr darum, wer hier gewinnt. Dafür ist es schon viel zu spät im Rennen. Beide Lager überzeugten ihre Wählerinnen und Wähler. Trump hielt sich anfangs noch zurück, aber man merkte an seinem Gesichtsausdruck, dass er innerlich kochte und endlich loslegen wollte. Das tat er dann auch mit seinen bekannten „Wrong“- Einwürfen, er bezeichnete Clinton als schlechte Person, er erzählte erneut Lügen, die schon seit Wochen widerlegt wurden und zweifelte ganz offen das anstehende Ergebnis der Wahl an.

Wenn überhaupt, dann hat Hillary Clinton heute noch einmal gepunktet, denn sie hat keinen Fehler gemacht, in den Umfragen liegt sie weit vor Donald Trump. Vor allem in einigen der umkämpften Swing-States. Trump wird da nicht mehr aufholen können. Von daher ist wohl auch diese dritte Fernsehdebatte ein Punktgewinn für Hillary Clinton. Donald Trump hat die Chance verpasst, Hillary noch einmal aus der Reserve zu locken, sie in Widersprüche zu verwickeln. Doch die ließ die Angriffe des Donald an sich abperlen, wechselte bei heiklen Themen schnell zu anderen Themen über, meist wurde aus Donalds Angriff eine Gegenoffensive. Und Hillary Clinton war besser vorbereitet, sie war auf die eine mögliche Offensive Trumps bestens vorbereitet. Das zeigte sie, als der Milliardär ihr erneut vorwarf, in den letzten 30 Jahren keine Veränderungen herbeigeführt zu haben. Auch argumentierte Clinton mit dem Über-Präsidenten der Republikaner, Ronald Reagan. Trump hatte 1987 eine 100.000 Dollar Anzeige in der New York Times schalten lassen, in der er die Steuerpolitik Reagans kritisierte.

Als Zuschauer im Saal war man zum Stillschweigen verpflichtet. Doch das ging nicht immer. Gerade dann, als Trump nach seiner Einstellung gegenüber Frauen gefragt wurde und er erklärte erneut, niemand respektiere Frauen mehr als er. Das war dann schon lachhaft. Auch als Trump betroffen erklärte, er hätte einen Emmy für seine Apprentice Show verdient. Da kam das geknickte Ego des Egozentrikers durch und ließ erahnen, was passieren wird, wenn Trump am 8. November eine Niederlage erleiden wird.

Es sind noch 20 Tage bis zur Wahl. Die große Frage ist nun, was passiert, wenn Donald Trump eine krachende Niederlage erleben wird. Es sieht danach aus. Es sieht sogar so sehr danach aus, dass der Wahlabend kurz werden könnte, denn wenn er Florida, Virginia, New Hampshire, Pennsylvania und Ohio im Osten des Landes nicht gewinnen sollte, ist das frühe Ende des Trump-Alptraums erreicht. Doch wird er die Niederlage eingestehen? Das muß sein, er muß öffentlich erklären, verloren zu haben. Das ist Teil des amerikanischen Wahlsystems. Derzeit sehe ich das nicht, Trump wird die Wahl wohl anzweifeln und die Krise damit nur noch verschlimmern. Am Wahlabend ist noch lange nicht alles vorbei.

Die Nacht der Nächte im Wahlkampf

Foto: AFP.

Hillary Clinton gegen Donald Trump. Es war der Kampf, der seit Wochen beworben wurde. Die Latte lag aber für beide unterschiedlich hoch. Hillary Clinton sollte und durfte nicht distanziert und alleswissend rüberkommen. Donald Trump hingegen mußte nur „präsidial“ wirken und nicht aufbrausend sein. Die Debatte war dann auch das, was sie sein sollte, ein guter Schlagabtausch. Anschließend war ich dran. Ein Interview nach dem Fernsehdebattenabend, diesmal wurden mir die Fragen gestellt, kurz und knapp sollte es sein.

– Zum ersten Mal debattieren Hillary und Trump direkt gegeneinander. Aus dem Fernduell wird also ein direkter Schlagabtausch?

Ja, es war der erste direkte Kontakt von beiden im Wahlkampf. Von daher wurde das vorher auch als Megafernsehereignis und als die wichtigste Kandidatendebatte aller Zeiten angekündigt. Es war ein Schlagabtausch, der es durchaus in sich hatte. Ein guter Fernsehabend.

– Das Ganze ist ein gigantisches Fernsehereignis mit Millionen von Zuschauern. Ich nehme an auch in den letzten Tagen war es DAS Thema in den USA? 

Klar, alle Medien arbeiteten darauf hin. Auf den bekannten Nachrichtensendern wurde sogar ein Countdown dauerhaft eingeblendet. Alle möglichen wichtigen und weniger wichtigen Leute gaben im Vorfeld ihren Senf ab, gaben Tipps, wie die beiden Kandidaten sich verhalten, auf was sie achten sollten. Also, das war am Ende schon sehr nervig.

– Sprechen wir kurz über das Outfit der beiden… Trump ohne rote Kravatte dafür Hillary im angriffigen, knall-roten Kleid!

Diese Bedeutung würde ich so nicht sehen. Beide trugen eigentlich etwas, was sie immer tragen. Die blaue Krawatte von Trump ist nichts neues, und auch die Farbe rot hat Hillary Clinton schon öfters getragen. Ich glaube, es ging mehr darum, ein angenehmes Fernsehbild zu präsentieren, als um eine politische Aussage.

– Spätestens seit Hillary die 9/11 Feier abgebrochen hat ist ihr Gesundheitszustand DAS Thema. Heute wirkt sie aber SEHR vital und frisch! 

Ja, sie war vital, sie war frisch, lächelte viel. War immer gegenwärtig, reagierte auf Trumps Aussagen gekonnt und auf den Punkt gebracht. Also heute Abend konnte man Hillary Clinton “at her best” sehen, also wirklich ein sehr gute Präsentation von ihr.

– Wer macht auf dich den besseren Eindruck? Wer wirkt kompetenter?

Also, ich glaube, die Frage ist überflüssig. Hillary Clinton ist einwandfrei die kompetentere Kandidatin. Das hat man gesehen als sie über internationale Verträge, über diplomatische Beziehungen, über Außenpolitik gesprochen hat. Donald Trump stand da rum und schaute so, als ob er das, was Clinton da sagt, nicht verstehen würde oder noch nie gehört hätte. Clinton wäre vom ersten Tag einer Präsidentschaft einsatzfähig. Bei Trump trifft das wohl auf keinen Fall zu.

– Sind von den Beiden auch NEUE Dinge zu hören? Oder ist es der alte Wein in neuen Schläuchen?

Solche Debatten sind ja mehr ein Aufeinandertreffen, wie die beiden reagieren, sich provozieren lassen und auch eben auf direkte Fragen antworten und gegenantworten können. Neues gab es nichts, das ist auch viel zu spät im Wahlkampf, jetzt geht es darum die eigene Position klar zu machen, Standpunkte zu verdeutlichen und nicht mehr darum mit einem Wahlgeschenk zu trumpfen.

– Die beiden müssen sich zu dutzenden, teils äusserst komplexen Problemen und Themen äussern… wer schaffte es besser diese einfach zu erklären und einleuchtende Lösungen zu präsentieren? 

Einwandfrei Hillary Clinton. Also, sie macht auf mich den Eindruck, dass sie weiß wovon sie spricht. Donald Trump ist mehr der Kandidat der Einzeiler.

– Solche Debatten werden jeweils von einem der beiden Kandidaten „gewonnen“. Wer hat das Rennen gemacht und warum?

Ich denke, Hillary Clinton hat gewonnen, denn sie machte deutlich, dass sie ihr Handwerk versteht. Trump wurde von ihr wirklich an die Wand gespielt. Natürlich hat Clinton nicht die Hardcore Trump Wähler gewinnen können. Aber ich denke mal, viele Republikaner werden einfach Trump nicht wählen…wahrscheinlich gar nicht zur Wahl gehen. Und das ist dann schon ein Gewinn für Hillary Clinton.

– Wer hat mehr angegriffen? Hillary sagte unter anderem, Trump habe Frauen Schweine genannt.

Für Trump war es wichtig nicht aufzubrausen, sich präsidial zu präsentieren. Ich denke Hillary Clinton hat Donald Trump gut in der Hand gehabt, auf seine fehlenden Pläne, seine nicht realisierbaren Konzepte hingewiesen. Und sich dann auch nicht provozieren lassen. Also ich muss sagen, heute Abend hat mir Hillary Clinton am besten gefallen. Sie überzeugte deutlich.

– Wie geht es nun weiter die nächsten Tagen und Wochen? Der Tag X rückt ja rasend schnell näher!

Es wird noch zwei Debatten zwischen den beiden geben, und die nächsten Wochen geht es noch heiß her. Wahlkampf bis zum Schluß. Also, es ist noch nicht vorbei.

Der Lügenbaron hat die Buxe voll

Nun also doch nicht. Da bekam Donald Trump kalte Füße. Gestern kündigte er noch groß eine live übertragene Fernsehdebatte aus einem Stadion mit Bernie Sanders an. Am Freitag kam dann der Rückzieher, es sei für ihn, den Kandidaten der Republikaner,  „unangebracht“ mit dem Zweitplatzierten im demokratischen Rennen und höchstwahrscheinlichen Verlierer gemeinsam aufzutreten. So kann man auch erklären, dass man Muffensausen hat, denn noch am Tag zuvor meinte der New Yorker Egomane: „Ich würde gerne mit Bernie eine Debatte führen. Aber ich will damit viel Geld für gemeinnützige Organisationen sammeln. Was wir machen sollten ist, wir sollten Geld, vielleicht 10-15 Millionen Dollar für Gesundheitsprojekte von Frauen zusammenkriegen, das wäre eine gute Sache. Ich kenne das Fernsehgeschäft sehr gut, ich glaube, es würde sehr hohe Einschaltquoten bringen. Es sollte in einer großen Arena sein. Und wir können jede Menge Spaß damit haben.“

Senator Bernie Sanders reagierte gelassen, so, als ob er das Kneifen des Donald schon erwartet hätte: „Ich hoffe, er ändert wieder seine Meinung. Mr Trump ist ja bekannt dafür seine Meinung mehrmals am Tag zu ändern. Trump ist ein Raufbold, ein großer, harter Kerl. Ich frage Sie, Mr. Trump, vor was haben Sie Angst?“

Lalalala...Donald Trump verschließt die Ohren vor dem Naturschutz. Foto: Reuters.

Lalalala…Donald Trump verschließt die Ohren vor dem Naturschutz. Foto: Reuters.

Am Freitagnachmittag hatte Trump dann eine Wahlveranstaltung in Fresno, Kalifornien, im „Heartland“ des landwirtschaftlichen Anbaus. Von hier wird Amerika mit Gemüse versorgt. Die Bauern im Central Valley leiden besonders unter der Wasserknappheit im Bundesstaat. Vorgeschriebene Einsparungen und ein gesunkener Grundwasserspiegel hat viele Farmer an den Rand der Existenz gebracht. Kein Wunder also, dass Trump erklärte, die Dürre gebe es gar nicht. Der Staat und die Regierung in Washington verschwendeten Wasser für den Erhalt eines neun Zentimeter langen Fisches. Der „Delta Smelt“ ist eine bedrohte Fischart, die noch im Sacramento River zu finden ist. Schutzmaßnahmen verhindern, dass für die Landwirtschaft mehr Wasser aus dem Fluß gepumpt wird. Wasser, so die Farmer, das dringend im Central Valley gebraucht wird.

Trump erklärte nach einem 30minütigen (!) Treffen mit Vertretern der Bauernorganisation, in dem die Farmer ihm von der Wasserknappheit in Kalifornien berichteten: „Wir werden Eure Wasserprobleme lösen. Ihr habt ein Wasserproblem, das verrückt ist. Es ist so bekloppt, dass sie das Wasser einfach ins Meer fließen lassen. Wenn ich gewinne, liefern wir wieder mehr Wasser, damit die Farmer hier überleben können.“

Nach 30 Minuten war und ist Donald Trump zu einem kalifornischer Wasserexperten geworden. Naturschutz interssiert ihn nicht. Man kann nur hoffen, dass er im Falle eines Wahlsieges nicht alle seine weitreichenden Entscheidungen in nur 30 Minuten fällen wird.

Republikaner gegen Trump

Das waren wirklich 24 fette Stunden. Ben Carson steigt aus, Mitt Romney und John McCain warnen das amerikanische Wahlvolk in sehr direkter Art und Weise vor Donald Trump und dann schießen sich die Moderatoren von FOXNews in der elften Debatte der republikanischen Kandidaten auf den Außenseiter und Milliardär ein. Nach dem Super-Tuesday wird Trump nun offen bekämpft. Er gilt als die größte Gefahr für die Republikaner in Washington DC.

"Ich habe keine kleinen Hände und auch nichts anderes, was klein ist", erklärte Donald Trump. Foto: Reuters.

„Ich habe keine kleinen Hände und auch nichts anderes, was klein ist“, erklärte Donald Trump. Foto: Reuters.

Vergessen ist die Tea Party Fraktion, die seit Jahren politische Entscheidungen blockiert. Ihr Grund, sie hassen ganz offen und ehrlich Präsident Barack Obama. Der wird mal als Sozialist, als Nazi, als unamerikanisch, als Nigger, als schwul, bisexuell, als Verräter, Callboy und Leichtgewicht bezeichnet, all das zählt nicht in den republikanischen Reihen. Große Aufregung darüber gibt es weder vom Establishment der Partei, nicht von den Verfassungsfetischisten in der GOP und auch nicht von den erzkonservativen Christen in den Reihen der Republikaner. Alles halb so wild, denn es geht ja gegen den ersten afro-amerikanischen Präsidenten, der noch nicht mal so richtig schwarz ist.

Nun also Trump, und ich will ihn wirklich nicht in Schutz nehmen. Aber was die Republikaner derzeit liefern, ist ein einziges Tohuvabohu. Man verweist bei der GOP immer auf die Partei von Lincoln und Reagan, doch seien wir mal ehrlich, die beiden Präsidenten würden sich im Grab umdrehen, um diesen Wahlkrampf nicht sehen zu müssen. Es ist ein kindisches Scharmützel, in dem der eine vom „kleinen Mario“ redet, der andere von Trumps „kleinen Händen“ und einem bei den Ausführungen des Texaners im Bund angst und bang‘ wird. Nur Ohios Gouverneur John Kasich macht da Sinn, doch der hat keine Chance.

Die Wahl in den republikanischen Reihen scheint zwischen Luzifer, Beelzebub und Mephisto zu sein. Am Ende wird einer der drei in den Wahlkampf ums Weiße Haus ziehen, der da wirklich nicht hingehört. Das klingt hart, aber Rubio, Trump und Cruz lassen all das vermissen, für was Amerika im Laufe der Geschichte steht. Der heutige Tag und die heutige Debatte haben das erneut ganz deutlich gemacht. Die Republikaner sind nur noch ein Verbund aus Splittergruppen, unfähig zu regieren, unfähig Kompromisse zu schließen, unfähig tiefe Gräben zu überwinden, unfähig dieses Land wieder zu einen und unfähig, eine Führungsrolle in der Welt zu übernehmen.

Keine große Show

Das war also die erste Fernsehdebatte der Demokraten. Kein großes Ereignis, kein großes Fernsehen, kein Hauen und Stechen. Hillary Clinton, Bernie Sanders und drei weitere Kandidaten, die so gut wie niemand kennt und bei denen man sich fragt, warum sie überhaupt auf der Bühne stehen. Viele Kommentatoren erklärten anschließend, die Debatte sei so lahm und langweilig gewesen, sie hätten immer mal wieder zum live übertragenen Baseballspiel umgeschaltet. Als ob das eine spannende Alternative wäre.

Ein nettes Zusammenkommen demokratischer Politiker.

Ein nettes Zusammenkommen demokratischer Politiker.

Genau da liegt das Problem Amerikas. Politik ist nicht Entertainment, auch wenn ein republikanischer Präsidentschaftskandidat Donald Trump es unterhaltsam gestalten will. Politik ist Sachthemen, Statistiken, trockene Zahlen, diplomatisches Feingefühl, Zukunftsvisionen, Sachkenntnis. Eigentlich muß so eine Fernsehdebatte langweilig sein und dennoch die Menschen ansprechen. Was Trump und seine Mitstreiter da auf der republikanischen Seite liefern, hat nur wenig mit Politik zu tun. Es ist Showbusiness, ein schwarz-weiß Bild malen, den Sündenbock ausmachen und einfach erklären, man mache alles besser. Ganz offensichtlich wird das beim verhassten Iran-Deal von Präsident Barack Obama. Alle auf der republikanischen Bühne erklären, es wäre der schlechteste Deal überhaupt, sie alle könnten es besser machen. Übersehen wird dabei, dass der Deal nicht einfach so zwischen den USA und dem Iran abgeschlossen wurde. Weitere Nationen, die UN sassen da mit am Tisch und verhandelten über Jahre diesen Deal aus. Aber egal, die Republikaner sind die Könige der Schlagworte und der Einzeiler.

Die demokratische Debatte drehte sich dann wirklich auch um Sachthemen. Und man erkannte den eigentlich politischen Gegner, die Republikaner. Ein gegenseitiges Niedermachen, ein drauflos schlagen auf die Parteikollegen gab es nicht. Ganz im Gegenteil, zu fast 90 Prozent stimmte man miteinander überein. Als Sieger, wenn man das überhaupt so nennen darf, kam Hillary Clinton aus dieser Debatte, denn sie liegt in den Umfragen weiterhin vorne, machte keinen Fehler und wird auch in den kommenden Wählerbefragungen weiter führen. Als Verlierer kann eigentlich nur Joe Biden genannt werden, der noch immer nicht eindeutig zu einer Kandidatur geäußert hat. Er verliert an Boden, umso länger er damit wartet. Die Demokraten haben noch fünf weitere Debatten geplant, man muß sich allerdings fragen, was da noch groß diskutiert werden soll. Es wird Zeit, dass wir, die Wähler, endlich wählen können.

Der Countdown läuft

Seit Tagen spinnt CNN. Ehrlich, die haben eine Macke. Heute findet die erste Fernsehdebatte der  demokratischen Kandidaten statt und der 24/7 News Channel dreht am Rad. CNN läßt schon seit Tagen einen Countdown laufen, so, als ob bei Null die Erde bebt. Kommentatoren und ihre Gäste diskutieren über einen Debatte, die eigentlich für die Tonne ist. Denn Hillary Clinton liegt in allen Umfragen vorne, ihr „großer“ Herausforderer, der Senator Bernie Sanders, macht sich zwar gut, aber hat keine Chance. Die anderen drei auf der Bühne heute Abend laufen unter ferner liefen.

Alles "ready" in Las Vegas.

Alles „ready“ in Las Vegas.

Ach ja, da ist dann noch das Extrapult, das CNN neben der Bühne stehen hat. Das steht da, weil man ja auf den Fall der Fälle vorbereitet sein will, falls Vize-Präsident Joe Biden doch noch in Las Vegas auftaucht, um seine Kandidatur zu erklären. Ich sag‘ doch, die spinnen!

Hillary Clinton wird, wenn sie nicht noch irgendetwas ganz bescheuertes macht, die Kandidatin ihrer Partei werden. Daran geht kein Weg vorbei. Ob ich das nun gut finde oder nicht, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Bernie Sanders liegt mir mit seinen Themen, seinen Haltungen und Vorstellungen, seinen politischen Überzeugungen mehr, aber er hat sich selbst aus dem Rennen geschossen. In Umfragen wurde klar, dass Amerikaner heute kein Problem mehr damit hätten, eine Frau, einen Schwarzen, einen Juden, einen Katholiken oder einen Hispanic zu wählen. Mehr als 90 Prozent der Befragten stimmten mit Ja. Doch für einen Sozialisten, wie es Bernie Sanders nach eigenen Angaben ist, würden weniger als die Hälfte der Amerikaner votieren. Noch weniger als für einen erklärten Atheisten.

Das ist eine klare Aussage. Selbst wenn – und dieses wenn ist so, als ob Weihnachten und Ostern im kommenden Jahr auf einen Tag fallen – wenn Bernie Sanders sich trotz allem im demokratischen Vorwahlkampf gegen Hillary Clinton durchsetzen sollte, dann würde er deshalb dennoch nicht am 8. November 2016 zum Präsidenten gewählt werden. Ein bekennender Sozialist ist in den USA unwählbar.

Die Unterstützer von Bernie Sanders können zu diesem Zeitpunkt nur hoffen, dass ihr Kandidat lange im Rennen bleibt, Hillary Clinton das Leben schwer macht. Denn dann hätte er eine Möglichkeit die Politik Clintons zu beeinflussen. Nur als gemeinsame Kandidatin der demokratischen Partei hat Hillary eine Chance am Wahltag gegen den republikanischen Herausforderer zu punkten. Sie müsste sich politisch bewegen und den doch wichtigen und durchaus wiedererstarkten linken Flügel der eigenen Partei für sich gewinnen. Das geht nur mit Zugeständnissen an das Sanders Lager und Kompromissen. Darauf bauen viele, die sich derzeit von Hillary Clinton ab- und Bernie Sanders zuwenden.

Die Macht der Frauen

Die zweite Runde steht an. Diesmal stehen elf Republikaner auf der Bühne, um die Fernsehnation von sich zu überzeugen. Donald Trump, Jeb Bush, Scott Walker, Marco Rubio, Rand Paul, Ted Cruz, Mike Huckabee, Ben Carson, Chris Christie, John Kasich und diesmal auch Carly Fiorina. Zuvor schon tritt die zweite Reihe der Kandidaten an: Rick Santorum, Bobby Jindal, Lindsey Graham, George Pataki und Jim Gilmore. Rick Perry sollte eigentlich auch noch dabei sein, doch der ist ja aus dem Rennen ausgestiegen und überlegt nun, was er mit den Spenden, die er erhalten hat, machen soll.

Die Debatte wird live von CNN aus der Ronald Reagan Presidential Library im kalifornischen Simi Valley übertragen werden. Absolut präsidial vor einer ausgemusterten Air Force One Maschine. Und klar ist schon im Vorfeld, zehn werden sich auf einen stürzen. Denn bislang hatte Donald Trump Narrenfreiheit, er hat sich in den letzten Wochen und Monaten selbst zur Zielscheibe der innerparteilichen Kontrahenten gemacht. Keiner spaltet die Partei so sehr wie Donald Trump. Zuletzt ließ der Donald es krachen, als er die ehemalige Hewlett-Packard Chefin Carly Fiorina heftigst mit den Worten angriff, wer wolle schon dieses Gesicht sehen?

Fiorina ließ den Angriff auf sich und ihr Aussehen locker abperlen und produzierte sogar einen Werbespot mit dem Titel „Faces“, der sehr gut ankam. Vor allem bei Frauen, die immer mehr zur politischen Macht im amerikanischen Wahlkampf werden. Zum einen machen sie 52 Prozent der Wähler aus, zum anderen werden viele Frauen mit der Aussicht Hillary Clinton als Präsidentin nicht richtig warm. Zwar stimmte der Großteil der Frauen in den USA seit George Bush 1988 für den demokratischen Kandidaten, darauf baute und baut Hillary Clinton in diesem Wahlkampf. Doch das will Carly Fiorina nun ändern. Sie greift an, als Geschäftsfrau, die sich von Männern, auch und erst recht von großmäuligen Geschäftsmännern wie Donald Trump nichts vorschreiben läßt. Es wird mit Sicherheit ein interessanter und unterhaltsamer Fernsehabend am heutigen Mittwoch werden.

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Die Handgranate in der Partei

Alle sind doof, nur ich nicht, scheint Donald Trump hier zu sagen. Foto: AFP.

Alle sind doof, nur ich nicht, scheint Donald Trump hier zu sagen. Foto: AFP.

Die Washington Post brachte es auf den Punkt: „Donald Trump landete auf der republikanischen Bühne wie eine Handgranate“. Das sagt alles. Trump, ganz der Showman, bringt zur Zeit die Republikaner zur Implosion. Niemand scheint ihm in der Partei gewachsen zu sein und dennoch müssen seine Kontrahenten zugeben, dass er ein Gefühl für die Stimmung eines großen Teils der republikanischen Wähler hat. Trump provoziert, rechtfertigt, scheint unangreifbar und erklärt auch noch, falls die Partei nicht ihn als Kandidaten nimmt, es eben alleine, als Independent, zu machen.

Die anderen Kandidaten fallen kaum auf auf dieser Bühne. Alles konzentriert sich auf Donald Trump, wartet auf seine Reaktionen und Provokationen. Und der Donald liefert immer und immer wieder. Er schimpft über die politische Korrektheit in den USA, man könne sich nicht um die Wortwahl sorgen, wenn Terroristen Amerikanern die Köpfe abschlagen. Die Probleme seien zu groß, um sich darum zu kümmern, ob man in einer politischen Auseinandersetzung einem anderen auf die Füße tritt. Und die Amtszeit von Jeb Bushs Bruder George W. Bush war schrecklich, denn der habe am Ende Obama gebracht.

Es gab ein paar Ansätze auch über Inhalte zu diskutieren. Über das amerikanische Sozialnetz, über Sicherheitspolitik, aber so richtig Zeit und Raum war dafür nicht. Die nächste Debatte steht bereits fest, am 16. September geht es weiter. Interessant wird in den kommenden Wochen sein, wie die Republikaner auf den Trump Faktor reagieren, denn lange kann die Partei das nicht mehr aushalten, wenn sie überhaupt eine Chance gegen Super-Hillary haben will.

 

McCain droht, bleibt aber harmlos

mccainandobama_540.jpgJohn McCain hat am Dienstagabend eine weitere Chance verpasst, Barack Obama direkt anzugreifen. Die zweite Debatte zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten brachte keinen klaren Sieger hervor, und das hilft am Ende nur dem Demokraten, der in den Umfragen weiter vorne liegt. In den wenigen verbleibenden Wahlkampfwochen und nur noch einer anstehenden Debatte, bleibt dem US-Senator aus Arizona kaum noch eine Chance den Rückstand aufzuholen.

Hier ein Audiobericht vom zweiten Aufeinandertreffen von John McCain und Barack Obama.

      2. Debatte

Biden gegen Palin – ein lockerer Fight

2008_10_02t212254_380x450_us_usa_politics1.jpgEs war die wohl wichtigste Debatte zweier Vize-Präsidentschaftskandidaten überhaupt. Der erfahrene Senator Biden gegen die Gouverneurin Palin. Zwei Extreme, die aufeinander prallten und sich dabei ganz locker durch den Ring schupsten.

Hier ein Audio Bericht:

      Vize-Debatte