Ein Trauerspiel: Akt 327

In diesen Minuten stimmen die amerikanischen Senatoren über irgendwas ab, was mit „Obamacare“ zu tun hat. So richtig durchblicken tut kaum noch jemand bei diesem Possenspiel in Washington. Oder zitieren wir hier mal Präsident Donald Trump, als er nach dem Wahlkampf auf dem Chefsessel im Oval Office Platz nahm und merkte, so einfach und so schnell kann er die Gesundheitsreform seines Vorgängers nicht mit einem Federstrich loswerden. Trump meinte „Healthcare, it’s complicated“. Ach was!

So schön groß wird Trump-Care. Foto: Reuters.

Seit sieben Jahren wettern die Republikaner gegen die verhasste gesetzliche Krankenversicherung, die Barack Obama und die Demokraten verabschiedet hatten. Mit ihrer Ablehnung und mit einem Wust an Falschaussagen und offenen Lügen gewannen die Republikaner in den Folgejahren Wahlkämpfe. Im Kongress und Senat brachten sie immer wieder Anträge ein, um „Obamacare“ abzuschaffen, wohl wissentlich, dass Präsident Obama so etwas nie unterzeichnen würde. Der „Affordable Care Act“ blieb das „Law of the land“.

Nun allerdings haben sie im Weißen Haus einen Präsidenten sitzen, der schon mit gezücktem Füller da sitzt und darauf wartet, „Obamacare“ endlich in die Tonne kloppen zu können. Und das ohne Rücksicht auf Verluste. Trump geht sogar so weit, den Demokraten vorzuwerfen, sie seien „nicht patriotisch“ und „unamerikanisch“, wenn sie nicht für den lauen Vorschlag der Republikaner stimmten, obwohl die eigenen Reihen noch nicht einmal geschlossen hinter dem Papier stehen. Und Trump selbst, der Oberpolterer gegen das „worst ever“ Krankenversicherungsgesetz, hat außer Luftschwingungen bislang auch nichts kluges oder ernstzunehmendes zur Diskussion beigetragen. Er will alles nur billiger machen, jeder werde eine Krankenversicherung haben, keiner werde benachteiligt, „a beautiful healthcare bill“. Wie war das noch mit dem kompliziert sein?

Was in diesen Tagen, Wochen und Monaten der Trump-Ära immer deutlicher wird, die Republikaner hatten und haben keinen Plan. Sieben Jahre sind eine lange Zeit. Da hätte man eigentlich erwarten können, dass eine eigene Reform durchdacht, ausformuliert und innerparteilich verabschiedet worden wäre. Doch das ist nicht der Fall. Stattdessen fliegen die Fetzen zwischen den Parteiflügeln. Die einen wollen alles abschaffen, die anderen wollen einiges behalten. Das heißt, einen Kompromiss wird es nicht geben. Nicht heute, nicht morgen und auch nicht in einem halben Jahr. Die Reform der Gesundheitsreform wird also wieder Wahlkampfthema werden. Auf geht’s ins Jahr 2018.

Wer Geld hat, hat eine Krankenversicherung

Nach Obamacare kommt nun also Trumpcare. Präsident Trump gratulierte sich selbst dazu auf der Pressenkonferenz im Rose Garden des Weißen Hauses. Wörtlich sagte er: „Wie mache ich mich? Ich bin Präsident, hey, ich bin Präsident. Könnt ihr das glauben?“ Um anschließend zu erklären, man könne mit dieser neuen Gesundheitsreform durchaus „angeben“.

Ein Schulterklopfen im Rose Garden des Weißen Hauses. Foto:Reuters.

Ein grandioser Sieg war es dennoch nicht für Trump und die republikanische Partei, denn sie machten eigentlich nur das, was sie mit ihrer Mehrheit machen sollten – regieren. 217 Ja Stimmen, 213 Gegenstimmen, damit wurde “The American Health Care Act” angenommen. Alle Demokraten und 20 Republikaner votierten mit Nein. Damit wurden auch deutliche politische Gräben im Kongress gezogen.

Trump und die Mehrheit der Republikaner entlasten mit ihrem neuen Gesundheitsgesetz vor allem die reichen Amerikaner. Die finanzierten zum großen Teil Obamacare mit einer Steuer, die nun entfallen soll. 765 Milliarden Dollar werden somit in den kommenden zehn Jahren wegfallen, und das auf Kosten des gesamten Gesundheitssystems. Hinzu kommt, dass die Verpflichtung zur Krankenversicherung zwar bleibt, aber eine Strafzahlung für jene wegfällt, die keine Versicherung haben. Damit wird das gesamte System augehöhlt.

Das überparteiliche “Congressional Budget Office” erklärte zuvor schon, dass über 20 Millionen Amerikaner bis 2026 ihren Versicherungsschutz verlieren werden. Jene mit einer Vor- oder einer chronischen Erkrankung werden wohl höhere Versicherungsbeiträge zahlen müssen oder überhaupt keine Versicherung erhalten. Zwar soll ihnen durch einen Bundesfond geholfen werden, doch die Gelder, die dafür eingeplant werden, gelten schon jetzt als weitaus zu gering. Hinzu kommt, dass ein Streichkonzert bei den Maßnahmen durchgeführt wird, die bislang von den Versicherungen übernommen wurden, darunter Kosten nach sexueller Gewalt, Misshandlung, Kaiserschnitt und Depressionen. Im Juni soll nun der Senat über das Gesetz abstimmen, aber bislang gibt es keine Mehrheit in der zweiten Kammer des Kongresses.

Deutliche Schlappe für Donald Trump

Regieren ist nicht leicht, findet Donald Trump. Foto: AFP.

Der Kompromiss im Haushaltsstreit wird von beiden politischen Seiten als Sieg bezeichnet. Jeder habe etwas nachgegeben, heißt es. Bei genauerem Hinschauen wird aber deutlich, dass die Republikaner vor allem ihren Präsidenten im Regen stehen lassen. Kein Geld für die Mauer, weiter Geld für die Gesundheitskliniken von “Planned Parenthood”  und keine Streichung der finanziellen Mittel für die sogenannten “Sanctuary Cities”.

Das ist eigentlich eine schallende Ohrfeige für Präsident Donald Trump. Doch der hat in einem Interview mit Bloomberg News am Montag erklärt, er sei “happy” mit dem Kompromiss, also rundum zufrieden. Was die Republikaner durchgesetzt haben sind eine Anhebung des Militärhaushalts und mehr Geld für die Grenzsicherung. Gerade die 12,5 Milliarden Dollar für das Pentagon wurden deshalb auch von ihnen als wichtigster Punkt gefeiert.

Insgesamt ähnelt dieses Budget mehr den Obama Jahren. Denn für die Umwelt, die Kultur und auch die Hungerkatastrophen in Übersee ist sehr viel Geld eingeplant. Was dieser Kompromiss vor allem zeigt ist deshalb auch die gespaltene republikanische Partei. Hier die Realisten, die durchaus mit den Demokraten zusammen arbeiten wollen, auch auf Kosten des neuen starken Mannes im Oval Office. Dort die Hardliner des “Freedom Caucus”, der Erzkonservativen und Tea-Party Mitglieder, die ganz offen sagen, die Konservativen in der Partei würden diesen Deal nicht mittragen.

Und auch die christliche Rechte, die sich im Wahlkampf fast geschlossen hinter Donald Trump stellte, ist von diesem Kompromiss mehr als enttäuscht. Denn Trump hatte versprochen, Gelder für Abtreibungen in den “Planned Parenthood” Kliniken umgehend zu stoppen, wenn er erst einmal im Weißen Haus sitzt. Doch daraus wird erst einmal nichts. Im Oktober wird dann der Haushalt 2018 ausgehandelt.

4 Wochen sind eine halbe Ewigkeit

Vier Wochen ist Donald Trump nun im Amt. Von außen betrachtet, erscheint das, was da im Weißen Haus vor sich geht, etwas chaotisch. Aber es kommt ganz darauf an, mit wem man hier spricht, wem man zu hört. Seine Wähler, etliche Kommentatoren auf FOXNews sind begeistert, denn Trump hat in diesen vier Wochen genau das durchgezogen, was er angekündigt hat. Er regiert per Dekret, umgeht den zerstrittenen Kongress, zeigt, er ist der starke Mann in Washington, der aufräumt.

Sehr erfolgreich ist er damit allerdings nicht, aber er setzt einen ganz neuen Ton in Washington, der so ganz anders als der seines Vorgängers Barack Obama ist. Und das deutlich. Seine Kritiker, die Demokraten und viele Medienvertreter schlagen nur noch die Hände über dem Kopf zusammen, was da Tag für Tag aus dem Weißen Haus kommt. Es erinnert an eine Chaostruppe, die ohne wirklichen Plan angetreten ist, um die Welt zu verändern.

Präsident Donald Trump beim Regieren. Foto: Reuters.

Seit dem Ende des republikanischen Wahlkampfes und seiner Nominierung im vergangenen Juli hieß es, Donald Trump werde nun präsidialer. Nichts passierte. Trump polterte weiter wie eh und je. Dann der Wahlsieg und wieder hieß es, nun werde Trump präsidialer. Fehlanzeige. Donald Trump ist selbstverliebt und er macht genau da als Präsident weiter, wo er als Wahlkämpfer aufgehört hat. Er provoziert weiterhin, am liebsten auf Twitter. Er verdreht die Tatsachen, schimpft auf die Fake News, aber setzt genau diese weiterhin in Umlauf, man denke nur an seine Behauptung, er hätte auch die meisten Wahlstimmen erhalten, wenn man die fünf Millionen illegalen Stimmen für Hillary abziehen würde. Beweise für seine haltlose Behauptung legt er natürlich nicht vor. Von einem Präsident aller Amerikaner ist er weit entfernt. Er setzt die billigen Parolen aus dem Wahlkampf um und streicht darüberhinaus Maßnahmen beim Umweltschutz und in der Bankenkontrolle. Alles für die Amerikaner oder eher für seine superreichen Freunde und Geschäftskollegen?

Trump war im Wahlkampf kritisch gegenüber der eigenen Partei und ihrer bekanntesten Vertreter.  Und auch viele in den Reihen der Republikaner haben ihn kritisiert. Doch dann kam die Wahlnacht, der Wahlsieg und alles schien vergessen zu sein. Anfangs sah es danach aus, als ob die Republikaner die Reihen schließen und sich hinter dem neuen Präsidenten einreihen würden. Man hoffte darauf, dass Trump gemäßigter wird. Aber nun hat sich das gewandelt, die kritischen Stimmen in den eigenen Reihen werden lauter. Gerade das Desaster um den Sicherheitsberater Michael Flynn, die engen Kontakte des Trump-Teams zu Russland, machen viele in der GOP sehr nervös. Dann auch die Art und Weise, wie Trump die Medien, Richter, all jene angreift, die nicht auf seiner Linie sind. Das stößt vielen bei den Republikanern auf. Da braut sich was zusammen, denn Donald Trump wird sich nicht ändern, er ist genau so, wie er sich im Wahlkampf präsentiert hat. So langsam sickert das auch bei den Parteimitgliedern durch, die sich mehr und mehr in ihren Distrikten erklären müssen, auf Distanz gehen zum Präsidenten. Die Hoffnung stirbt zuletzt, die Hoffnung, dass Trump sich ändern wird.

Die große Frage ist also nun, ob Trump diese Art der provokaten Politik im Alleingang vier Jahre durchhalten kann. Es rollt sicherlich eine Klagewelle auf die Adminstration zu, bei fast allem, was Trump bislang per Dekret entschieden hat folgten Klagen….bestes und bekanntestes Beispiel das Einreiseverbot für Menschen aus dem Irak, dem Iran, Syrien, Libyen, dem Sudan, Somalia und Jemen. Abzuwarten bleibt, ob sich Teile der Republikaner offen gegen Trump stellen werden. Denn die Demokraten können alleine nichts erreichen. Doch das wäre der Supergau für das politische Washington.

 

 

„Not my president“

Am kommenden Samstag steht der „Million Women’s March“ an. Einen Tag nach der Vereidigung von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA wird es im ganzen Land zu Massenprotesten kommen. Die zentrale Veranstaltung ist in Washington DC angesetzt, von überallher fliegen Frauen ein, um am Lincoln Memorial, unweit des Weißen Hauses und des US Kongresses, gegen den Rechtsruck unter Trump in der Gesellschaft zu protestieren. Es heißt, „Frauen und Feministinnen protestieren öffentlich gegen die Vereidigung von Donald Trump zum Oberbefehlshaber“.

Doch auch in vielen Städten der USA werden am Samstag die Menschen auf die Straße gehen, zumindest all jene, die nicht für Donald Trump gestimmt haben. Hier in Oakland, in San Francisco, in San Jose und in Hunderten von Städten im ganzen Land, wollen Hunderttausende gegen Trump protestieren. Ob der das wahrnimmt sei dahingestellt, ob er danach twittert ist garantiert.

Donald Trump redet zwar davon das Land in einer tiefen Krise wieder zusammen zu führen, doch davon merkt man nichts. Im Wahlkampf buddelte er die tiefsten Gräben, nach seinem Wahlsieg schüttete er sie nicht zu, ganz im Gegenteil, Trump sichert seine Schützengräben noch ab. Auch wenn er am Freitag schwören wird, er werde der Präsident aller Amerikaner sein, das, was er von sich gibt, was er über Twitter verbreitet, vor allem das, was er in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit angehen will, läßt nur einen Schluß zu: Trump arbeitet für sich und sein Image und für niemanden sonst.

52 Demokraten aus dem Kongress haben bislang erklärt, sie werden nicht an der „Inauguration“ von Donald Trump teilnehmen. Die Situation eskalierte am Wochenende, als der Abgeordnete und Bürgerrechtler John Lewis in einem Interview erklärte, Trump sei für ihn kein „legitimer“ Präsident. Das Verhalten Russlands zeige, dass Trump nicht fair die Wahl gewonnen habe. Deshalb werde er, Lewis, am kommenden Freitag nicht dabei sein.

Donald Trump reagierte wie eh und je. John Lewis sei nur „all talk, talk, talk”. Er solle sich mehr um die brennenden und von Kriminalität verseuchten Innenstädte kümmern, als seinen Wahlsieg anzuzweifeln. Gerade das „all talk, talk, talk“ stieß vielen Demokraten auf, denn Lewis marschierte mit Martin Luther King in den 60er Jahren, führte den Protestzug von Selma an, wurde brutal von den „State Troopers“ niedergeknüppelt. Lewis ist eine Ikone der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, wer ihn mit solchen Worten kritisiert, zeigt, dass er nur wenig von der amerikanischen Geschichte weiß. Trumps Twittererguss erinnert da schon sehr an das Bildchen des Kreisverbandes Nürnberg-Süd/Schwabach, in dem es heißt „Sophie Scholl würde AfD wählen“. Rechtspopulisten aller Länder vereinigt euch!

Eins, zwei, drei, vier, fünf….

Wisconsin 0,8 Prozent, Michigan 0,2 Prozent und Pennsylvania 1,1 Prozent. Das ist der jeweilige Vorsprung von Donald Trump in diesen „Swing States“. Es geht also nur um ein paar Stimmen, die ihn am Ende zum Wahlsieger werden ließen. Nicht die meisten Stimmen in den USA zählen, sondern die meisten Stimmen in den umkämpften Bundesstaaten. Denn hier entscheiden sich die Wahlen, hier entscheidet sich die Anzahl der Wahlmänner, die am Ende ausschlaggebend sind.

Donald Trump glaubte schon früh an ein Verschieben der Wahlen, er kündigte an, das Wahlergebnis anfechten zu wollen. Das war im Wahlkampf. In der Wahlnacht sah er alles dann anders. Hillary Clinton gestand die Niederlage ein, kündigte an, keine Nachzählung durchführen zu lassen, auch wenn ihre Anhänger das forderten.

Jill Stein zählt die Stimmen in drei Bundesstaaten neu aus. Foto: Reuters.

Jill Stein zählt die Stimmen in drei Bundesstaaten neu aus. Foto: Reuters.

Doch nun will genau das Jill Stein machen lassen. Die Kandidatin der Grünen will sich mit Präsident Trump noch nicht abfinden, glaubt, da ist etwas nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen. Sie lässt nun nachzählen. Erst in Wisconsin, wahrscheinlich auch in Michigan und Pennsylvania. Überraschenderweise hat sie viele, sehr viele Bürgerinnen und Bürger gefunden, die insgesamt Millionen an Dollar spendeten, um diese Nachzählung der Stimmen überhaupt möglich zu machen. Im Wahlkampf noch hinkte sie bei den Spenden hinterher, nun bauen viele auf die Wahrheitsbringerin Jill Stein.

Hillary Clinton schließt sich nun der Neuauszählung an. Und Donald Trump? Der tobt. Nichts werde sich ändern, twittert er. Aber man stelle sich vor, es würde sich was ändern. Die drei Bundesstaaten fielen doch noch an Hillary Clinton, damit wäre sie auf einmal Präsidentin. Donald Trump und das amerikanische Wahlsystem wären dann vorgeführt. Es käme zu weiteren Auszählungen, Klagen, einer noch tieferen Krise der Demokratie in den USA. Also, sollte man es vielleicht lassen? Ganz und gar nicht, Jill Steins Initiative sollte unterstützt werden, denn sie wird letztendlich die Frage klären, ob Trump wirklich in diesem seltsamen Wahlsystem der USA zum  Präsidenten gewählt worden ist. Damit verdient Stein großen Respekt. Die Endlosgeschichte „Wahlkampf in den USA“ wird also noch um ein paar Kapitel bereichert.

Die Umfrageergebnisse kannste inne Tonne kloppen!

Ich glaube, Umfrageergebnisse sind nur für die Medien gemacht. Damit werden ganze Sendungen ausgeschmückt. Damit füllt man Sendezeit. Damit wird der Wahlkampf seit nunmehr zwei Jahren allabendlich und zur besten Sendezeit angetrieben. Trump oben, Trump unten. Hillary uneinholbar vorn, dann wieder ein offener Zweikampf. Aber mal ehrlich, ich kenne viele Republikaner, doch nur eine hat bislang ganz offen zu mir gesagt, sie wird für Donald Trump stimmen. Sie meinte auf meine Frage, warum sie denn für Trump stimmen wolle: „He makes America great again“. Darauf fiel mir dann nichts mehr ein.

Viele konservative Zeitungen in den USA unterstützen in diesem Wahlkampf zum ersten Mal die Demokraten fürs Präsidentenamt. Die Zeitung des Ku Klux Klan hingegen setzt auf Donald Trump.

Viele konservative Zeitungen in den USA unterstützen in diesem Wahlkampf zum ersten Mal die Demokraten fürs Präsidentenamt. Die Zeitung des Ku Klux Klan hingegen setzt auf Donald Trump.

Die meisten GOP-Wähler erklärten hingegen, sie werden wohl ihre Stimme gegen Clinton mit einer Enthaltung ausdrücken und nicht für den republikanischen Kandidaten votieren. Zu einer Trump-Stimme könnten sie sich beim besten Willen nicht durchringen. Klare Aussage! Die Umfragen ergeben also meistens Ergebnisse, die irgendein Bild unterstützen sollen. Ein Kopf-an-Kopf Rennen ist da besser als ein abgeschlagener Donald Trump. Und nein, Hillary Clinton ist wahrlich keine gute Kandidatin. Ich bin mir sogar sicher, dass im wahrscheinlichen Falle einer Clinton-Administration nichts voran gehen wird, denn Hillary Clinton wird auf jeden Fall ausgebremst, blockiert, behindert werden. Unterstützung wird sie von der republikanischen Seite auf keinen Fall bekommen.

Noch ein paar Tage, dann ist zumindest dieses Kapitel in der Endlossaga US-Wahlkampf vorbei. Doch das Ende ist damit noch nicht erreicht. Viele Fragen sind offen. Was passiert mit Hillary Clinton, die sich wohl vor zahlreichen Untersuchungsausschüssen erklären muß? Was passiert mit Donald Trump im Falle einer Niederlage, wie wird er sich verhalten, wie seine Millionen von Unterstützern? Werden sie den Sieg Clintons anerkennen oder was wahrscheinlicher ist, sich in Verschwörungstheorien verrennen? Und wenn sie Trumps Pleite als abgekartetes Spiel sehen, wird das zu einer neuen politischen Kraft führen oder sogar zu einer weiteren Radikalisierung im Land?

Ich befürchte leider letzteres. Donald Trump hat in seinem Wahlkampf den Boden für einen neuen politischen Extremismus in den USA bereitet. Das haben seine Veranstaltungen gezeigt, die Reaktionen zahlreicher seiner Anhänger und auch der vielen rechtsextremistischen, nationalistischen und faschistischen Gruppen in den USA, wie dem Ku Klux Klan. Der Graben, der Amerika schon lange trennt, wird in den kommenden Jahren noch ein bißchen tiefer werden, egal wie die Wahl am kommenden Dienstag auch ausgehen wird.

Ich glaub‘ Donald Trump ist auf Drogen

Also irgendetwas muß er rauchen oder einwerfen. Anders kann man das doch gar nicht mehr begründen, was Donald Trump in diesen Tagen da vom Stapel läßt. Er fordert eine Drogentest vor der nächsten Präsidentendebatte, weil ausgerechnet er meint, Hillary Clinton schien ihm beim letzten Aufeinandertreffen der beiden zugedröhnt zu sein. Er begründet es damit, dass Hillary am Anfang der Debatte voller Energie war und später dann nur noch da saß und ihm still zuschaute. Ich füge hier hinzu, dass sie eigentlich gar nichts machen mußte, nur noch zusehen, wie Trump sich selbst zerlegte.

Was soll man da noch sagen? Foto: twitter.

Was soll man da noch sagen? Foto: twitter.

Als Donald Trump den Drogentest auf einer seiner Veranstaltungen vorschlug, jubelte die Menge und wieder erklangen die Rufe „Lock her up“. Die Trump Unterstützer stehen hinter ihm, egal was da auch kommt. Auf seinen „Events“ geht es laut zu. Sogar die Aussagen des Kandidaten, Frauen einfach sexuell zu benutzen, die Vorwürfe, Trump habe mehrere Frauen angegrabscht, ist für sie nur ein weiterer Beleg dafür, dass die „Lügenpresse“ in den USA gegen ihren Mann im Rennen ist. Auf den Veranstaltungen tauchten sogar Frauen auf, die sich aufs T-Shirt gemalt hatten, Trump könne ihre „Pussy“ ruhig anfassen, mit einem Pfeil nach unten.

Nicht alle bekannten Namen im republikanischen Lager haben sich in der letzten Woche von Donald Trump distanziert. Der frühere Sprecher des Abgeordnetenhauses, Newt Gingrich, ist allabendlich auf FOXNews zu sehen, um mit dem quasi inoffiziellen Sprecher der Trump-Kampagne, dem Moderator Sean Hannity, die Dinge so zu drehen, wie sie in ihren Augen sein sollten. Trump wird über den Klee gelobt, alles, was er sagt und tut hat für sie Hand und Fuß. Die Medienberichterstattung wird ausgerechnet von Hannity angeklagt, die Vorwürfe gegen Trump als Lügen abgetan, Hillary als Strippenzieherin einer riesigen Verschwörung gesehen.

Trump werden keine Chancen mehr auf einen Wahlsieg eingeräumt. Er hat in den letzten Monaten und Wochen zu viele wichtige Wählergruppen verprellt. Die Frage ist, was nach der Niederlage passiert, was der Donald und seine vielen wütenden Wählerinnen und Wähler machen, die schon jetzt alle glauben, die Wahl sei manipuliert, die gesamte Stimmabgabe ein abgekartetes Spiel. Was sie übersehen ist, dass Donald Trump mit seinem provokanten Wahlkampf die Vorwahlen gewonnen hat. Nichts und niemand konnte ihn stoppen, obwohl es genügend Anlässe dazu gab. Auf die bewaffneten amerikanischen Wutbürger blickend, frage ich mich schon, was das hier in diesem Land noch wird.

Ich bin der König Amerikas

Donald Trump erklärt seiner Partei den Krieg. Foto: Reuters.

Donald Trump erklärt seiner Partei den Krieg. Foto: Reuters.

Donald Trump ist nicht länger der Kandidat der republikanischen Partei. Donald Trump ist in einem Parallelpolituniversum unterwegs, kämpft nur noch für sich. Am Wochenende kam der Rückzug einiger Parteigrößen, darunter Payl Ryan und John McCain, die erklärten, sie werden nicht länger Trump verteidigen und auch nicht mehr für ihn Wahlkampf führen. Nach den Affronts gegen Mexikaner, Afro-Amerikaner, Frauen, Behinderte, Muslime, Verbündete war nun das frauenfeindliche Video vom Freitag der letzte Tropfen, der das berühmte Fass im Republikanerhaus überlaufen ließ. Warum so spät, das müssen sich jene fragen lassen, die zu lange zugeschaut haben und hofften, Donald Trump würde noch „präsidial“ werden.

Die Antwort des Donald kam heute, wie eh und je heftigst und über twitter. Die Fesseln der Partei seien nun ab, nun könne er (Trump), endlich so für Amerika kämpfen, wie er das wolle. Und auch Drohungen wurden wieder ausgeteilt. Am Sonntag prophezeite er Hillary Clinton eine Gefängnisstrafe, falls er ins Weiße Haus einziehen werde. Heute meinte er, den Parteifunktionären der Republikaner in den kommenden vier Wochen eine Lehrstunde zu erteilen.

Trump kann nicht anders. Ihm geht es nicht um die Partei, nicht um Werte, nicht um die konservative Bewegung und auch nicht um das Land. Trump kämpft für Trump, für sein Ego und sein Konto. Politische Kommentatoren fassen sich in diesen Tagen verwundert an den Kopf. Keiner weiß mehr, wie er das noch kommentieren soll, was der selbstverliebte Milliardär da tagtäglich vom Stapel läßt. Polit-Historiker sind überfragt, so etwas, wie diesen Wahlkampf, hat noch niemand gesehen, davon gehört oder gelesen.

Amerika führt sich gerade selbst vor. Wie kann es sein, dass ein superreicher Egozentriker mit Hasstiraden eine etablierte Partei aus den Angeln hebt und das Land in eine demokratische Krise manövriert. Trump erklärt der Partei für die er angetreten ist nun den Krieg, ein weiteres Schlachtfeld für ihn, dass er blutig hinterlassen wird. Er wird bei den Wahlen am 8. November, genau in vier Wochen, verlieren, doch was er zurück lässt wird ist ein Desaster für die USA sein. Viele werden am Ausgang der Wahl zweifeln, viele sich vom demokratischen Prozess ganz abwenden, viele werden sich weiter radikalisieren. Der Graben in der amerikanischen Gesellschaft wird tiefer.

Trump hat mit seinem populistischen und teils vulgären Wahlkampf ohne Inhalte das Land verändert. Und das nicht zum Guten. Er wird sich nicht einfach geschlagen geben, das steht fest. Der republikanischen Partei steht noch einiges bevor. Sarah Palin, die Tea-Party-Fraktion waren Warnschüsse vor den Bug der Lincoln- und Reagan-Partei, die nicht wahr- oder nicht ernstgenommen wurden. Doch wie war das mit den Geistern, die man rief?

Wirklich? Jetzt ist das Maß voll?

Man kann nur noch den Kopf schütteln über diese Partei. Jetzt regt man sich auf über Donald Trump, na ja, nicht alle, die Führungsriege im Abgeordnetenhaus und im Senat steht weiterhin zu ihm. Paul Ryan und Mitch McConnell haben mal ganz entsetzt getan, mit dem Zeigefinger gedroht, ganz laut „Du, Du, wie kannst Du nur?!“ gerufen und und gut war es. Nur eine Handvoll Republikaner wenden sich nun offen vom Donald ab. Warum erst jetzt, fragt man sich, denn Donald Trumps Kandidatur war von Anfang an auf Provokation, Anfeindungen, Lügen und Beschimpfungen aufgebaut. Die „Grand Old Party“ scheint am Boden zu sein, die Rufe nach Trumps Rücktritt und der Kandidatur von Vize Mike Pence sind deutlich zu hören. Allerdings wird das nicht passieren, dafür hat Trump ein zu großes Ego.

Donald Trump hat an diesem Wochenende nichts zu lachen. Foto: Reuters.

Donald Trump hat an diesem Wochenende nichts zu lachen. Foto: Reuters.

Die Republikaner haben ihren Trump bekommen, den sie schon lange verdienten. Man denke nur an Sarah Palin und ihr Getöse, an die Tea-Party Fraktion, all das ebnete den Weg für eine Kandidatur Donald Trumps. Er als Außenseiter erkannte die Zeichen der Zeit, dazu sein Großmaul, sein Bekanntheitsgrad, das war das „Winning Ticket“ in diesem Wahlkampf. So zumindest schien es. Trump selbst sagte, er könne auf der 5th Avenue jemanden erschießen, seine Anhänger würden ihn deshalb nicht aufgeben.

Und nun wurden wieder Videos veröffentlicht, in denen Trump zu sehen ist, wie er nicht gerade frauenfreundlich von seinen Wählerinnen spricht. Trump hat nun ein Problem, einen Tag vor der wichtigen zweiten Fernsehdebatte zwischen ihm und Hillary Clinton, nur vier Wochen vor der Wahl. Der morgige Abend wird „Must See TV“ in den USA, die Einschaltquoten werden noch weitaus höher liegen als beim ersten Aufeinandertreffen der beiden. Wie wird sich Trump verhalten, angeschlagen wie er nun ist? Kann er sich noch „präsidial“ zeigen oder wird er aufbrausend und angriffslustig auf Clinton losgehen? Ich weiß, was ich morgen Abend machen werde, diesen Schaukampf lasse ich mir nicht entgehen.

Und hier noch Donald Trumps Reaktion auf die nun veröffentlichten Videos. Eine Entschuldigung, zumindest eine ernstgemeinte, klingt anders:

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