Warum Warren?

Elizabeth Warren will Präsidentin werden. Foto: Reuters.

Elizabeth Warren kandidiert nun also doch. Genau wie damals, als Hillary Clinton ihre Kandidatur bekanntgab, frage ich mich, was geht in ihr vor, dass sie meint, sie hat eine Chance gewählt zu werden? Und dabei geht es nicht um die Politik der Senatorin aus Massachusetts und um das, für was sie steht. Warren hat vielmehr ein riesiges Problem, so wie Hillary sie mit ihren unzähligen Leichen im Keller hatte.

Nach einer tumulthaften Woche für Warren, in der die Washington Post eine von ihr handgeschriebene Anmeldung für die texanische Anwaltskammer von 1986 veröffentlichte, auf der Warren angegeben hatte, dass sie „American Indian“ sei, dachten viele, nun ziehe sich Warren zurück. Doch ganz im Gegenteil, die Senatorin glaubt noch immer, dass der Skandal um ihre Herkunft keine Auswirkungen auf ihre Kandidatur um den Präsidentenjob haben wird.

Doch Elizabeth Warren liegt da ganz falsch. Seit Jahren schon muss sie sich immer und immer wieder damit auseinandersetzen, dass sie lange Zeit behauptet hat, sie habe indianisches Blut in sich. Kein Geringerer als Donald Trump nahm das nur zu gerne auf, nannte Warren fortan nur noch „Pocahontas“ und hämmerte die falsche Behauptung Warrens in die Wahrnehmung der Amerikaner. Doch die Senatorin gab nicht einfach klein bei und wollte nachweisen, dass sie zum Teil „Native American“ sei. Im Herbst ließ sie eine DNA Analyse erstellen, die das belegen sollte. Doch der Schuss ging nicht nur nach hinten los, Warren schoss sich dabei in den eigenen Fuss. 1/20 „Native Amercian“ war das Ergebnis. Etwa so viel wie ich es habe, der in Würzburg von einer Mutter aus dem Ruhrgebiet und einem Vater aus Schlesien geboren wurde.

Und nun noch die Registrierungskarte aus Texas, die zeigt, dass Warren ihren indianischen Hintergrund nicht nur selbst glaubte, sondern sich selbst auch so vorstellte. Man muss wissen, dass in den USA jeder irgendwo Vorfahren von irgendwoher hat. Ich treffe immer wieder Leute, die mir sagen, sie seien auch Deutsch. Auf die Nachfrage wie und warum erklären sie dann, ihre Ur-Ur-Großmutter sei die Tochter eines Bäckers gewesen, der 1795 aus einem Dorf in Schwaben nach Amerika kam. Sprache, Kultur, Gepflogenheiten, alles Nebensache, denn da war ja die Ur-Ur-Oma. Das ist ein normales und für sie logisches Argument, dass sie damit Deutsche sind. Ok, sollen sie so sehen. Was Elizabeth Warren jedoch mit ihrer „Native American“ Identifikation machte ist, dass sie dadurch nicht nur einen emotionalen Bonus erhalten hat, sondern eventuell auch Vorteile bei der Auswahl an Universitäten und bei der Jobsuche. Warren, die eine brillante Juristin ist, erklärt zwar, dass dem nicht so gewesen ist, doch mit ihrer Behauptung eine Nachfahrin der Indianer zu sein, bleibt da ein Beigeschmack. Warren ist für viele nur noch „Pocahontas“.

Nun kann man behaupten, Elizabeth Warren kandidiere nur, um ihre Politik ins Gespräch zu bringen. Das stimmte dann, wenn es keine andere Kandidatin oder Kandidaten im Feld geben würde, die oder der Ähnliches fordert. Doch da sind schon jetzt mehrere Frauen und Männer im Rennen, die mit Warren auf einer Linie liegen. Elizabeth Warren glaubt also wirklich, die Vorwahlen der Demokraten überstehen zu können, um dann gegen Donald Trump zu kandidieren. Man kann nur hoffen, dass jemand die Senatorin schon bald zur Seite nimmt und ihr einmal ganz deutlich sagt: „Elizabeth, let it go!“

Der Zustand des Landes

Donald Trump und seine Rede zur Lage der Nation ist gelaufen. Danach meinten die einen, an seine Worte werde man sich in einer Woche nicht mehr erinnern. Die anderen erklärten, hier habe ein großer Staatsmann gesprochen. Republikaner waren es, Demokraten hingegen alles andere als begeistert. Aber seien wir doch mal ehrlich, mit so einer Rede kann man nichts über den wahren Zustand einer Nation erfahren, denn welcher Präsident stellt sich schon da vor den versammelten Kongress und sagt: „Na ja, die Situation ist durchwachsen“.

Viel genauer ist da schon die Bierwerbung, denn sie zeigt, über was wirklich im Lande gesprochen wird. Das größte Brauhaus des Landes macht derzeit damit Werbung, dass nun „endlich“ die Zutaten für den hauseigenen, dünnen Gerstenhaft bekannt gegeben werden. Und dafür werden Unsummen an Werbedollars ausgegeben. Jüngstes Beispiel ist das im Stile einer Mittelaltersaga gedrehte Video, in dem behauptet wird, dass Budweiser im Vergleich zu Miller und Coors keinen „High-Fructose-Corn-Syrup“ einsetzt. Budweiser also als Vorkämpfer des Reinheitsgebotes? Nein, sicherlich nicht, doch die anderen beiden der „Big Three“ machten das, laut Budweiser. Was nun genau im Bud drin ist, weiss immer noch keiner, aber der Februar ist ja noch lang und es sollen weitere Filmchen folgen, in denen die Trinkernation aufgeklärt wird, was sie da süffig aufnimmt. Zumindest erfährt man, was nicht in einem „Bud“ drin ist, das ist doch dann auch schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

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The State of the (Un)Union

Es wurde eine Rede angekündigt, die das Land zusammenbringen sollte. Ein Brückenschlag, ein Schulterschluss, eine ausgestreckte Hand. Doch am Ende war klar, die Vereinigten Staaten von Amerika sind politisch tiefer gespalten als je zuvor. Donald Trump beleidigte zwar nicht die Demokraten, wie er das tagtäglich über Twitter tut, aber hier sprach jemand, der einfach nicht anders kann, der vorgibt „my way or the highway“, der mit Halbwahrheiten, Lügen und Übertreibungen arbeitet. Trumps Amerika ist ein anderes Amerika, das machte er deutlich mit seiner teils wirren Rede, in der er oftmals ohne Atem zu holen von einem Punkt zum nächsten sprang. Interessant vor allem, was er nicht sagte, was er wegließ, was er so hin bog, dass es für seine Sicht der Dinge passte. Oftmals hatte man den Eindruck, dass Trump ein politisches Theater darbot, den Wahlkampf nie hinter sich gelassen hat und auf bestimmte Reaktionen der Demokraten hoffte, die er auch bekam, um so eindeutige Fernsehbilder für kommende Fernsehspots zu erhalten.

Nach der Rede gab es einige Analysen und Gegenreden von demokratischen Politikern. Die, die besonders heraussticht kam von Bernie Sanders, der gekonnt, gezielt und punktgenau die Rede des Präsidenten auseinandernahm. Sanders hätte 2016 gegen Donald Trump kandidieren sollen, er hätte es wahrscheinlich geschafft und Amerika wäre heute ein anderes Land. Das wäre ein Duell zweier unterschiedlicher Kandidaten gewesen. Hier ein selbstverliebter Populist, da ein intellektueller Sozialist. Hier jemand, der sich nicht an die Fakten hält und „alternative Wahrheiten“ schafft, da ein brillanter Analytiker, der komplizierte Sachverhalte verständlich erklären kann. Die Frage ist sicherlich, wird Bernie Sanders erneut antreten, um die Nominierung der Demokraten 2020 zu bekommen. Er wäre am Wahltag 79 Jahre alt, Donald Trump 74. Eigentlich bräuchte dieses Land einen Bernie Sanders, der durchaus Brücken bauen, Menschen zusammen bringen kann.

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Man weiß, man lebt auf einer politischen Insel…

…wenn man mit seinem Hund in der Nachbarschaft spazieren geht und ein Trump Männchen am Straßenrand vor einem Schild entdeckt, auf dem steht: Hunde pinkeln hier. Und gleich daneben ein Trump-Kopf der in Voodoo-Technik auf einem Holzstäbchen aufgespießt ist.

Mein Hund wollte dann doch nicht über dem Konterfei des Präsidenten das Bein heben oder in die Hocke gehen, auch, wenn das ein sehr einladendes Schildchen ist und ja gemunkelt wird, dass Trump auf … ach, lassen wir das.

Donald Trump hat hier in Oakland, aber auch in Berkeley, in San Francisco, in der gesamten Bay Area keinen guten Stand. In einigen Orten erhielt er bei der Wahl 2016 sogar weniger Stimmen als die Kandidatin der Grünen, Jill Stein. Und das sagt schon viel über diese Region aus, die traditionell links-demokratisch wählt. Es gibt in den USA ganz sicher viele Gegenden, in denen es anders aussieht, in denen „Lock her up“ und „Build the wall“ Schilder in den Fenstern und am Straßenrand zu sehen sind. Hier fällt mir schon auf, dass auf meiner täglichen Käthe-Pinkel-Tour jemand einen Aufkleber der NRA auf seinem SUV hat. Das ist ungewöhnlich, ja, das ist radikal auf dieser politischen Insel, auf der ich lebe. Aber mal ehrlich, ich glaube nicht, dass ich es fast 23 Jahre in einer „Redneck Area“ irgendwo in „Rural America“ ausgehalten hätte. Da sind mir solche kleinen Überraschungen am Wegesrand schon deutlich angenehmer.

 

Donald Trump ist ein….(bitte einsetzen)

Zur Auswahl stehen: Niete, Schlappschwanz, Feigling, Schwächling, Weichei, Warmduscher, Waschlappen, Knalltüte, Schlaffi, Schwachmat, Lauch, Nulpe, Schattenparker. Das sind die Übersetzungsvorschläge für das Wort „Wimp“. Und mit „Wimp“ bezeichnen nun so einige selbst ernannte „Trumpianer“ diesen Präsidenten, der großmäulig angetreten war, ein „Deal Maker“ zu sein, der in Washington aufräumen, der nicht klein bei geben würde.

Aus die Maus, etliche in seiner getreuen Anhängerschaft sehen sich von Donald Trump verraten und verkauft. Schon zuvor stieß das neuerliche Finanzierungskonzept des „Commander in Chief“ so einigen auf. Im Wahlkampf hieß es noch laut und deutlich „Mexico will pay for it“. Davon redet keiner mehr, allen voran nicht Donald Trump. Sein Einknicken im Haushaltsstreit am Freitag wird daher als weitere Schwäche gesehen. Und das, obwohl Trump die richtige Entscheidung getroffen hat, denn unter den Bedingungen war es nicht möglich überhaupt ernsthaft über einen Kompromiss zu sprechen. Nun hat der Kongress drei Wochen Zeit, um eine Lösung zu finden.

Donald Trump wird nun von Teilen seiner Basis als Weichei bezeichnet. Foto: Reuters.

Mit dieser heftigen Reaktion aus dem eigenen Lager scheint Trump nicht gerechnet zu haben. Trump tweetete sich am Samstagmorgen die Finger wund. Er verteidigte seine Entscheidung, versuchte wieder die Oberhand zu bekommen, zu zeigen, er habe die Kontrolle. Ein Mauervideo aus Israel, dazu sein neuer, dämlicher Spruch: Build the wall – crime will fall, so als ob hier geborene Amerikaner Engel seien und keine Straftaten begehen. Ach ja, stimmt, die USA sind  ja „god’s country“. Der Spruch wird also gut bei der Christlichen Rechte ankommen. Verantwortlich für die vielen Drogen, die Gewalt, die hohe Mordrate sind die von außen, nicht die US Bürgerinnen und Bürger mit Heiligenschein.

In den kommenden drei Wochen wird es hoch hergehen. Die Frage ist, wie beide Seiten ihr Gesicht bewahren können. Der eine will sich mit einer Mauer ein Monument setzen. Trump braucht die „wall“, um seine Anhängerschaft zu beruhigen und sie auf den Wahlkampf 2020 einzustimmen. Die anderen haben nun eine Schlacht gewonnen und wollen sicherlich nicht den gesamten Kampf verlieren. Die Demokraten lehnen eine Mauer an der südlichen Grenze ab, wissen aber selbst, dass die Grenzsicherheit ein großes Problem und wichtiges Thema ist, das angegangen und gelöst werden muss. Wie, das steht nun noch in den Sternen. Welcher Kompromiss kann gefunden werden, damit beide Lager zeigen können sie haben sich bewegt und gleichzeitig auf ihren Grundprinzipien bestanden?

Global Warming gegen den Winter

Donald Trump wachte am heutigen Sonntag mal wieder auf und wusste nicht so recht, was er mit seine Zeit anfangen sollte. Also, griff er zu seinem Smartphone und tweetete ein paar Beleidigungen in Richtung der Sprecherin des Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi: „Nancy Pelosi has behaved so irrationally & has gone so far to the left that she has now officially become a Radical Democrat…And by the way, clean up the streets in San Francisco, they are disgusting!“ Also Pelosi verhalte sich unvernünftig, sei eine radikale Demokratin geworden und sollte sich wohl besser darum kümmern, dass die Straßen in ihrer Heimatstadt San Francisco sauberer werden sollten. Quasi nach dem Motto, Putzen sollte die Alte schon können.

Doch der Topper an diesem Morgen war zweifellos das obige Tweet, in dem der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (!) die Amerikanerinnen und Amerikaner dazu auffordert, lieber daheim zu bleiben, als in den Winterstürmen vor die Tür zu gehen. Das sei zu gefährlich. Und dann: „Wouldn’t be bad to have a little of that good old fashioned Global Warming right now!“ Trump meint hier ernsthaft, ein bißchen Klimawandel täte uns allen ganz gut, denn dann würde es auch nicht mehr solche harschen Winterstürme geben.

Wie soll man das nun nennen, was Trump da so von sich gibt? Es war sicherlich kein (schlechter) Scherz, denn Donald Trump ist ja bekannt dafür, dass er „Global Warming“ anzweifelt, deshalb das Pariser Klimaabkommen aufgekündigt hat und lieber auf Kohle und Öl setzt als auf den Energiewandel. Von daher meint er das auch so, wie er es schreibt. So ein paar Grad wärmer täten uns in diesen Tagen voller Schnee und Eis ganz gut. Fehlte eigentlich nur noch, dass er erklärt, die Mauer zu Mexiko würde uns auch noch gegen den Winter bewahren, denn mit der „Wall“ würden dann nicht nur die Vergewaltiger, Mörder und MS-13 Mitglieder vom illegalen Grenzübertritt abgehalten werden, auch die Südwinde könnten so geblockt werden, die immer so ein kühles Lüftchen in die USA wehen lassen…so ganz unamerikanisch.

Der Schuss ging nach hinten los

Der Schuss ging nach hinten los

Donald Trump macht einfach mal die Regierung dicht. Er sei stolz, wenn er das machen könne im Kampf um seine Grenzmauer. Das sagte Trump bei einem Treffen mit Chuck Schumer und Nancy Pelosi im Oval Office.

Zwei, die sich nicht leiden können: Nancy Pelosi und Donald Trump. Foto: Reuters.

Doch davon will der Präsident nichts mehr wissen. Nun meint er, die Demokraten seien Schuld daran, dass mehr als 800.000 Männer und Frauen im öffentlichen Dienst zwangsbeurlaubt wurden oder ohne Gehalt arbeiten müssen. Denn eigentlich sei es ja einfach, die Demokraten müssten nur zustimmen, dass sie seine Mauerpläne finanzieren, dann wäre alles ok, und alle könnten wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Das nennt sich Trumpscher Kompromiss, macht was ich will, und alles ist gut.

Die Demokraten ziehen nur nicht so richtig. Und das aus gutem Grund, denn unter Drohungen lässt es sich nicht regieren. Einig sind sich alle, dass die Grenze zu Mexiko besser gesichert werden muss, dass es eine Art physische Barriere geben sollte, die Zahl der Grenzschützer erhöht, Überwachungstechnologien eingesetzer werden müssen. Aber die Demokraten werden nicht einem Mauerbau zustimmen, vor allem nicht, wenn das unter Drohungen und auf Kosten der Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst passieren sollte.

Und Donald Trump scheint sich mit seiner Blockadehaltung verrechnet zu haben. Glaubte er, dass der Großteil der Amerikaner hinter ihm stehen würde, zeigen jüngste Umfrageergebnisse vielmehr, dass ihm der Schlamassel angerechnet wird. Trump sinkt und sinkt. Konnte er bei der letzten Wahl noch viele „Independent“ Wähler für sich gewinnen, sagen nun weit über 60 Prozent von ihnen, sie werden nicht mehr für Trump stimmen. Und das ist ein Problem, denn nur mit seiner Basis hat Trump keine Chance 2020 die Wahl zu gewinnen. Der „Government Shutdown“ sollte für ihn einen „Boost“ bedeuten, doch es scheint, der Schuss ging kräftig nach hinten los.

Die Demokraten setzen auf Zeit, setzen darauf, dass die Republikaner im Kongress Druck auf Trump ausüben. Und sie positionieren sich. Etliche Frauen in den demokratischen Reihen haben bereits ihre Kandidatur verkündet, sie wollen gegen Donald Trump antreten. Und es sind starke Frauen, denen man einen Zweikampf mit dem Don mehr als zutrauen kann. Amerika könnte endlich eine Präsidentin bekommen.

2018 war, 2019 kommt

Da sitzt er nun im Weißen Haus und weiß nichts besseres mit seiner Zeit anzufangen, als Tweets rauszuhauen. Wenige Stunden vor dem neuen Jahr blickt Donald Trump zurück und voraus. Er klopft sich auf die Schultern, wie toll er ist und er weint ein bißchen darüber, dass die ollen Fake News Medien ihn nicht verstehen und ihm huldigen.

Donald Trump beklatscht sich am liebsten selbst. Foto: Reuters.

2018 war kein gutes Jahr für Amerika. Und das lag an Donald Trump, der immer wieder gezielt die Grundfesten dieser Gesellschaft und dieser Demokratie angriff. Und alles nur, weil er seine 25 Prozent Wählerbasis bei Laune halten wollte. Glaubte man anfangs noch, Trump werde von den Leuten um ihn herum im Zaum gehalten, hat sich das mit dem Ausklang von 2018 – Donalds Halbzeit – erledigt. Mit dem Ausscheiden von James Mattis und John Kelly, zwei Generäle in Diensten Trumps, sind wohl die letzten kritischen Stimmen aus dem direkten Umfeld des Präsidenten ausgeschieden. Nun hat er einen festen Gürtel von Ja-Sagerinnen und Ja-Sagern um ihn herum.

Und das verheißt nichts Gutes für das kommende Jahr, das mit einem Regierungs-Shutdown beginnt, einem Showdown zwischen Trump und der neuen Mehrheit im Kongress. Hinzu kommt, dass wir mit Siebenmeilenstiefeln in den nächsten Wahlkampf rennen. Die ersten Demokraten machen sich bereit, um gegen Trump zu kandidieren. Die Zeichen stehen auf Sturm. Trump braucht seine Basis, um überhaupt eine Chance im Wahlkampf 2020 zu haben. Das bedeutet, er wird nicht klein beigeben, lieber die Konfrontation suchen, als den Kompromiss. Denn eins ist klar, Trump ist der bessere und erfahrenere Schwergewichtsboxer im amerikanischen Politzirkus. Kein Demokrat kann da mithalten. Seine täglichen  Lügen im guten Dutzend konnten ihm bislang auch nicht schaden, ganz im Gegenteil, er hat damit die Spaltung des Landes nur weiter voran getrieben. In ein Amerika und ein Trump-Amerika. 2019 wird ein sehr schlimmes Jahr für die amerikanische Demokratie werden. Der tiefe Graben, der sich durch die amerikanische Gesellschaft zieht, wird nur noch tiefer werden. Das sind alles andere als gute Aussichten für das neue Jahr.

Es geht wieder los

Die nächste Präsidentschaftswahl in den USA findet zwar erst im November 2020 statt, aber schon jetzt wird das Vorwahlkampfgetöse lauter. Die große Frage ist, wer gegen Donald Trump antreten wird. Weit über 30 Kandidatinnen und Kandidaten auf der demokratischen Seite spielen derzeit mit dem Gedanken ins Rennen einzusteigen. Darunter etliche Senatoren und Kongressabgeordnete, einige Gouverneure, Geschäftsleute und ehemalige Regierungsmitglieder.

Nur einige der vielen potenziellen Kandidaten auf demokratischer Seite, wie sie nun die Washington Post vorgestellt hat.

Es wird ein volles Feld im Vorwahlkampf werden. Und das könnte Donald Trump helfen, denn die Demokraten sind alles andere als geeint. Im ewigen Rennen um die Nominierung der Partei wird so einiges ausgefochten, was dem Kandidaten oder der Kandidatin am Ende nur schaden kann. Eine geeinte demokratische Partei hätte eine gute Chance Donald Trump die Wiederwahl zu verbauen. Was jedoch passiert, wenn die Demokraten gespalten sind, das konnte man 2016  sehen, als ein großer Teil der Bernie Sanders Unterstützer ihre Stimme nicht für Hillary Clinton abgab. Viele stimmten für Drittkandidaten, noch mehr gingen erst gar nicht zur Wahl. Und das war ausschlaggebend am Wahlabend.

Was die Demokraten jetzt gar nicht brauchen können ist ein Richtungsstreit. Doch der wird kommen, sieht man sich die lange Liste der möglichen Kandidatinnen und Kandidaten an. Das einzige was sie alle eint ist ihre Ablehnung von Donald Trump. Sonst nicht viel mehr. Und das ist das große Problem, denn ein reiner Anti-Trump Wahlkampf ist genau das, was den USA weiter schaden wird . Vielmehr bräuchte das Land einen Präsidenten, der wirklich Gräben überwinden kann, der nicht noch mehr spaltet, der mit Visionen, die Stärken Amerikas heraushebt, unterstützt, fördert.

Ob das in diesen Zeiten noch möglich ist, ist mehr als fraglich. Gerade auch, wenn man sich vorstellt, dass ein Donald Trump, der nicht wiedergewählt wird, ganz sicher nicht einfach klein beigeben und friedlich das Feld räumen wird. Er wird den Wahlausgang anzweifeln, anfechten und somit seine Anhänger noch am Wahlabend gegen den neuen Präsidenten oder die neue Präsidentin aufhetzen. 2016 war nichts gegen das, was wir 2020 sehen werden.

 

Er will sich zur Wiederwahl lügen

Nur drei von zehn Amerikanern glauben das, was der Präsident behauptet. Eine Mehrheit der Amerikaner zweifelt daran, was Trump verkündet. Sie nehmen ihm nicht ab, dass neue Stahlwerke in den USA eröffnet werden, die Kohle wieder wichtig in der Energieversorgung wird, dass Mexiko für die von ihm propagierte Mauer bezahlen wird, dass die Demokraten für offene Grenzen sind oder, dass Millionen von illegalen Einwanderern rechtswidrig für Hillary Clinton gewählt haben.

Nur drei von zehn Amerikanern glauben diesem Mann. Foto: Reuters.

Die Washington Post fand in einer Umfrage heraus, dass nur die harte Basis von Trump Anhängern, zumeist ausschließliche FOXNews Zuschauer, das glauben, was der Präsident von sich gibt. Noch nicht mal eine Mehrheit der republikanischen Wählerinnen und Wähler nimmt Trump all seine Unwahrheiten ab. Doch fest steht auch, dass Donald Trump nach wie vor hoch im Kurs bei 85 Prozent seiner Anhänger steht, die 2016 für ihn gestimmt haben. Trump hat somit seine Basis gehalten und auf die baut er im kommenden Wahlkampf. Am Tag seiner Vereidigung, dem 20. Januar 2017, hat er bereits die Unterlagen für seine Wiederwahl eingereicht. Trump hat großes vor, das da ist: Wiederwahl.

Doch so rosig sehen die Zeichen für ihn nicht aus. Mit den jüngsten Kongresswahlen wurde klar, dass sich die Stimmung in gleich mehreren „Swing States“, also jenen Bundesstaaten, die mal so und mal so wählen, gewandelt hat. Konnte Trump mit gerade mal 80.000 mehr Stimmen Pennsylvania, Ohio, Michigan und Wisconsin gewinnen hat nun nur noch Ohio eine republikanische Mehrheit. Das ist ein Problem für Trump, denn US weit hatte er über zwei Millionen weniger Stimmen als Hillary Clinton, er hängt also davon ab, diese Swing Staaten wieder zu gewinnen, um überhaupt eine Chance auf die Wiederwahl zu haben. Woanders, das zeigen diese absoluten Zahlen der Wählerinnen und Wähler, könnte er den Verlust von Michigan und Wisconsin nicht wettmachen.

Trump, der seit Amtsantritt Tausende von Lügen, Halb- und Unwahrheiten verbreitet und nichts davon zurückgenommen oder relativiert hat wird also in den kommenden Monaten noch mehr lügen, um seine Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren. Der kommende Wahlkampf wird brutal. Noch steht keine Kandidatin oder Kandidat aus dem demokratischen Lager fest. Viel wird gemunkelt, Namen verkündet, doch einzig klar ist, wer gegen Trump antritt, braucht neben einer dicken Haut vor allem auch die richtigen Bandagen,  um gegen den erprobten Medienfighter bestehen und austeilen zu können.